Israel in echt und in Farbe – überraschend anders

Seit drei Jahren gehöre ich als studentische Mitarbeiterin zum Team des Instituts für Israelogie. In dieser Zeit habe ich zahlreiche Artikel und Kurzmeldungen verfasst, Inputs vorbereitet, eine Themenwoche mitorganisiert. Schwerpunkte meiner Arbeit sind Antisemitismus, die theologische Verbindung von Judentum und Christentum – und: Israel. Ich interessiere mich dabei für Historie, Archäologie und Zeitgeschichte, Politik. Themen, die man auch aus der Distanz kompetent bearbeiten kann. Was mir bisher fehlte, war der persönliche Kontakt zu Land und Leuten. So hatte ich den „Spirit“ Israels noch nicht selbst erlebt. Oder wenn es um die Beschreibung bekannter Stätten ging, konnte ich mich nur auf fremde Augenzeugenberichte und Fotografien berufen.

Das sollte sich im Sommer 2019 ändern. Dank des jährlich ausgeschriebenen Stipendiums des Instituts durfte ich sechs Wochen an der Ben-Gurion-Universität in Beersheva, Israel, verbringen. Menschen aus der ganzen Welt kommen für einen Sommer des kulturellen Austauschs in der Wüstenstadt zusammen. Den Rahmen unseres Aufenthaltes bildete der Besuch des „Ulpans“, einem Sprachkurs, in dem Neuhebräisch erlernt wird. Weiterhin wurden Exkursionen unternommen, Vorträge und Ausstellungen besucht, es wurde gemeinsam gefeiert und miteinander gelebt.

Teilweise besteht im Christentum neben Offenheit eine emotionale Faszination für Israel. Dann wird jeder Stein im „Heiligen Land“ zu etwas Besonderem erklärt. Schon im Flugzeug saß eine Gruppe älterer Damen, die sich als Pilgerinnen auf den Weg ans Tote Meer gemacht hatten. Ihre geradezu kindliche Vorfreude auf Israel, dem Land der Bibel, hatte durchaus Ansteckungspotential. Religiöse Faszination packt aber nur den, der sich packen lässt. Ich muss zugeben, dass ich meine Reise mit einer Prise spiritueller Nüchternheit angetreten bin, um Land und Menschen erst einmal offen zu begegnen.

Wüste um Beersheva soweit man schaut

Für mich als Theologin ist stets alles interessant, was allgemein unter dem großen Wort „Glauben“ zusammengefasst werden kann. Aus dieser Kategorie musste in Israel doch reichlich Anschauungs- und Inspirationsmaterial zu finden sein. Gleichzeitig beobachte ich gerne religiöses Leben in politischen Strukturen – und umgekehrt Politik in der Kirche. Die wichtigste Frage, die mich schon vor meiner Abreise beschäftigte, lautete daher: „wieviel Judentum” werde ich im Staat Israel tatsächlich vorfinden?

Als stiller Beobachter müsste ich hierauf ganz klar mit „sehr, sehr viel“ antworten. Bereits am Flughafen erscheint für den mitteleuropäischen Christen alles ‚typisch jüdisch‘. Traditionelle Kleidung, mehr Kinder als Erwachsene, ausschließlich koscheres Essen. Symbole wie die Menora oder der Davidsstern bestimmen das Bild. Der Theologe wird ständig von Namen und Worten getriggert, die er aus dem Althebräischen kennt.

Ortsschild vor Jerusalem

Man weiß außerdem und im besten Fall schon vor Reiseantritt: Beim Einkaufen einfachster Dinge zahlt man mindestens das Doppelte als in Deutschland, denn die meisten Läden zahlen für teure Koscher – Zertifikate. Viele Orte – unter anderem Beersheva  – haben eine biblische Geschichte, die dem Touristen nicht vorenthalten wird. Wer am Sabbat einen Ausflug unternehmen möchte, muss gut planen. Zwar ist es bei weitem nicht so, dass das ganze Land in Synagoge oder Wohnzimmer verbringt. Doch öffentliche Verkehrsmittel und Öffnungszeiten von Museen, Restaurants oder Freizeitanlagen schränken den Reisenden stark ein.

Religion ist also in Israel sehr präsent und auf natürliche Weise Teil des israelischen Alltags, den Außenstehende auf den ersten Blick wahrnehmen können.

Sonnenuntergang in der Wüste

Wenn es aber nicht einfach darum geht, in kürzester Zeit möglichst günstig möglichst viele Orte zu sehen, sondern man mehrere Wochen am Stück relativ entspannt in den Tag leben kann, entdeckt man Facetten des Landes, die nicht auch Wikipedia und Reiseführer hätten liefern können. Für mich war die Universität der perfekte Ort, um ganz natürlich erste Kontakte mit jungen Israelis zu knüpfen.

Denn auf dem Campus leben internationale und israelische Studenten eng zusammen. Die Atmosphäre ist natürlich. Man trifft sich beim Wäschewaschen, am Swimming-Pool, in der Mensa oder beim Sport. Eine der ersten israelischen Eigenschaften, die dort zutage tritt: Israelis wollen alles wissen. Sie fragen sehr direkt und sehr persönlich. „Bist du verheiratet? Hast du Kinder? Warum nicht?“  Deutsche Zurückhaltung darf schnell beiseitegelegt werden.

Dafür erhielt ich im Gegenzug Einblicke in das, was wir Deutschen als “privat” bezeichnen. Familie, Wohnung, Religion – alles darf zum Gesprächsgegenstand gemacht und auf Einladung sogar persönlich kennengelernt werden. Während Familie und häusliches Umfeld sehr individuelle Kategorien bilden und sich bei jedem anders gestalten, wird beim Thema Religion schnell klar: für die meisten junge Menschen sind es in erster Linie Kultur und Respekt, nicht persönlicher Glaube, der dazu anhält, am Sabbat gemeinsam zu essen oder in die Synagoge zu gehen. Viele junge jüdische Israelis geben gleich ungefragt an, sie seien nicht religiös sondern „a secular Jew“. Mehrmals fiel in Gesprächen der Vorwurf, Europäer oder Amerikaner würden in Israel immer noch ein staubiges, unterentwickeltes, rückständiges Land sehen, reduziert auf eine Kultur, die nur Religion in den Mittelpunkt stellt. Stattdessen sei man stolz auf moderne Technologien, Partymetropolen wie Eilat und TelAviv – und der Selbstverständlichkeit, mit der man Stücke arabischer Kultur übernimmt.

Auf der Abschlussfeier gaben wir Studenten eine kleine Show

Es ist schon etwas dran, dass man gerade als gläubiger Christ am traditionellen Bild von Israel hängt. Und dieses Bild entspricht auch in gewisser Weise immer noch der Realität – nämlich der von Politik und der Einstellung vieler Menschen der „älteren“ Generation. Das spiegelt in den Wahlen nieder, aber auch in der Skepsis gegenüber den Entwicklungen in den größeren Städten, die sich immer mehr öffnen.

Kasten, um geliehene Gebetsschals zurückzugeben

Israel steht unter Spannung, soweit nichts Neues. Eine ganz besondere Begegnung, die mir gut im Gedächtnis geblieben ist, war eine Gesprächsrunde mit der ultra-orthodoxen Politikerin Rivka Ravitz. Ravitz ist seit 2014 „chief of staff“ unter Staatspräsident Reuven Rivlin. Ihre Person verkörpert eindrücklich eine Fusion aus dem „traditionellen“ und dem „modernen“ Judentum. Hochschwanger, kurz vor ihrer Niederkunft mit dem elften Kind, war sie bereit, uns Teilnehmern an der Sommer-Universität Rede und Antwort zu stehen. Noch dazu am Sabbat: im orthodoxen Judentum ist es Pflicht der Ehefrau, sämtliche Vorbereitungen für den Feiertag zu treffen – bei einer zehnköpfigen Familie keine leichte Aufgabe. Ravitz hat studiert und promoviert, eine politische Karriere gestartet, verfügt über Macht und Einfluss, ist eine anerkannte Frau. Parallel dazu ist sie pflichtbewusste Mutter, Ehegattin, religiöse Jüdin. Ravitz sieht darin keinen Widerspruch. Ich fragte sie, was ihr wichtiger sei: gesellschaftsrelevante Werte wie Liberalität und Selbstbestimmung an ihre Kinder weiterzuvermitteln, oder sie zu religiösen Menschen zu erziehen. Ravitz antwortete: „Ich kann nur als Mutter antworten: Ich möchte meine  Kinder eng bei Gott sehen.“ Es ist eben nicht einfach mit der Religion und der Politik.

Diese sechs Wochen Israel brachten mich nicht nur fachlich, sondern persönlich weiter. Für mich war es besonders wichtig, fremde Erlebnisberichte durch eigene zu ersetzen. Was denke ich, wenn ich am See Genezareth auf blaue Wasser zu schauen? Wie ist es, nach getanem Gebet im Rückwärtsschritt die Klagemauer zu verlassen? Wie fühlt es sich an, als Deutsche unter Juden am Holocaustdenkmal Yad Vashem zu stehen?

Reisen bildet. Für Christen ist jedes Stück jüdischer Kultur ein guter Anknüpfungspunkt, um die eigene Religion und Geschichte besser kennenzulernen und zu verstehen, und daher eine Auseinandersetzung richtig und wichtig. Für die Chance, solche Erfahrungen vor Ort zu sammeln, bin ich sehr dankbar. Auch ohne von einer heißen Liebe zu sprechen, blicke ich auf eine faszinierende Zeit zurück in einem Land, das mich überraschte.

Am See Genezareth

Alena Edler

   

Work and … what?

Nehmen wir mal an, ein junges Pärchen, Mitte Zwanzig, plant seine Hochzeit. Oktober 2016, eine besondere Zeit, denn nur kurz vorher sind beide mit Ausbildung und Studium fertig geworden – es folgt also für beide ein neuer Lebensabschnitt in allen Bereichen. Nun tun sich viele Möglichkeiten auf:  sesshaft werden, Wohnung suchen und einrichten – … oder etwa Koffer packen und ein Auslandsjahr dazwischenschieben? Aus den Flitterwochen sozusagen “Flittermonate” machen? Klingt Hammer! Das wäre immerhin eine Gelegenheit, die nicht so schnell wiederkommt. Aber wohin geht man dann, und was macht man dann da? Au-Pair in Kanada? Backpacking in Neuseeland? Farmarbeit in Australien? Roadtrip durch die USA? So oder ähnlich haben sich die beiden das vielleicht vorgestellt, wenn da nicht diese eine verrückte Idee dazwischengekommen wäre. Auf Google nebenbei entdeckt, hat es die beiden nicht mehr losgelassen:  Work and Travel in Israel.

Work and Travel in Israel. Im selben Jahr noch, Anfang 2016, hat Israel für “deutsche Staatsbürger zwischen 18 – 30 Jahren” ein spezielles neues Freundschaftsvisum ausgehandelt:  das Working-Holiday-Visum (siehe Seite der israelischen Botschaft). Ein klassisches B/1 Arbeitsvisum, dass auf Work&Travel ausgelegt ist – 6 Monate arbeiten (darunter max. 3 Monate pro Arbeitsstelle, um etwas rumzukommen), und 6 Monate das Land anschauen.

Wir heißen Daniel und Johanna – und dieses oben genannte Pärchen, das sind wir. Zwischen 2016 und 2017 waren wir mit dem Working-Holiday-Visum für 7 ½ Monate in Israel, und von den Abenteuern und Erfahrungen, die wir in unserer Zeit im Nahen Osten gemacht haben, möchten wir hier in einem zweiteiligen Artikel erzählen. Im ersten Artikel soll es um die Menschen gehen, die wir kennengelernt haben, und im zweiten um die Arbeit und das Land, welches uns beide seither nicht mehr losgelassen hat.

Land und Leute – Juden heute

Israel – so ein kleines Land. Bewohnt von knapp 9 Millionen Menschen, und jeder von ihnen einzigartig anders. Wie verschieden diese Menschen sind, die auf engstem Raum leben – gemäß ihren unterschiedlichen Kulturen und den Bräuchen in allen Farben und Formen – hat uns schwer beeindruckt. Wenn wir uns heute an unsere Flittermonate zurückerinnern, dann denken wir zuerst an die Menschen, und die vielen außergewöhnlichen Begegnungen. 

Ein paar Eindrücke zur jüdischen Bevölkerung:  ein großer Aha-Effekt für uns beide war die Tatsache, dass wir bis dahin in Deutschland eigentlich noch nie (bewusst) einem Juden begegnet sind, obwohl es in Europa durchaus größere jüdische Gemeinschaften gibt, in Frankreich oder in deutschen Städten, wie in Berlin. In  unserer Heimat in Südostbayern hatte bis dahin noch kein bayrisch-israelischer Kontakt stattgefunden. Umso faszinierter waren wir, dieses lebenslustige Volk dann in Israel genauer kennenlernen zu können. Ein erster Spaziergang dort zeigt aber schnell, dass man diese Menschen nicht leicht in eine Schublade stecken kann. In Tel Aviv sieht man beispielsweise im Stadtteil B’nei Brak einen ultraorthodoxen Mann, in langem schwarzen Gewand, mit Filzhut, Quasten und Kinderwagen – dagegen im Stadtteil Florentin einen jungen Hipster im Tanktop mit Vollbart und Sonnenbrille, der sich nach seinem Chai Latte lässig auf sein Surfbrett schwingt – und doch sind beide Juden.

So kunterbunt haben sich auch unsere weiteren Begegnungen angefühlt. Zum Beispiel gab es da in Tiberias unsere Nachbarn: die israelische Oma, ihre Schwester und ihr Radio, das auf Anschlag gedreht unser Treppenhaus mit hebräischen Hits beschallte (wobei sie uns aber auch täglich Einwegteller mit Eintopf in die Wohnung brachte, was die Sache wieder gut machte). Oder den 17-jährigen Jungen, der nach der Schule im Buchladen Steimatzky jobbte, und der uns nach einem kurzen Gespräch über ein Buch prompt zu sich nach Hause ins Nachbardorf Kfar Tavor eingeladen hat (… und er diese Einladung auch tatsächlich ernst gemeint hat, und wir tatsächlich hinkommen durften. Sein Vater ist Arzt, seine Mutter Hausfrau, und wir waren bei ihnen zum koscheren Mittagessen eingeladen – wo erlebt man sowas in Deutschland?). Oder den zwanzigjährigen Inhaber einer Pizzabude, der uns beim Namen kannte, und uns oft quer über die Straße gegrüßt hat, immer dann, wenn er uns sah. Oder der Friseur in Tiberias, der uns stolz ein Beweisfoto präsentierte, dass er schon dem französischen Präsidenten Sarkozy die Haare geschnitten hat (was auch immer man von dieser Story halten soll). Oder Menschen, die wir beim Trampen kennengelernt haben:  wie eine kunstinteressierte, jüdische Mutter – oder zwei Bauarbeiter die uns auf der Fahrt im heißen Juli eisgekühlte Getränke angeboten haben. Oder die Begegnung, bei der unser Chef zusammen mit einem befreundeten Bürgermeister einer israelischen Kleinstadt und mit uns nach  Cäsarea am Mittelmeer zum Essen gegangen ist. Oder das eine Mal, wo wir auf eigene Faust in Jerusalem in der Davidszitadelle bei einer Autorenlesung waren, und dem Journalisten Matti Friedman Fragen zum Aleppo Codex, der weltberühmten Bibelhandschrift, stellen konnten. Oder der arabische Busfahrer, der uns mit der Zeit gut kannte, und auch außerhalb der Haltestellen am Straßenrand seinen Linienbus anhielt, und uns fragte ob wir mitfahren wollen, wenn er uns gesehen hat. Jede einzelne dieser Begegnungen war so unterschiedlich, und doch so besonders, dass wir keine dieser Erinnerungen wieder hergeben wollen.

Die längste Zeit haben wir aber eine unserer Gastfamilien kennenlernen dürfen – eine neunköpfige Familie von amerikanischen, messianischen Juden, die vor vielleicht 15 Jahren einreisten, und die nun als Familie ein Gästehaus leiten. Eine außergewöhnliche Familie, bei der die Eltern teilweise noch mit dem Sprachelernen kämpfen, während die jüngsten Kinder schon als hebräische Muttersprachler aufwachsen und die ältesten Söhne bereits in der israelischen Armee sind und nur am Wochenende von ihrer Einheit nach Hause kommen. Die jüngste Tochter spielt täglich im Kindergarten, eine andere Tochter macht die Ausbildung zum Tourguide, eine andere fährt täglich nach Jerusalem in die Schule, und hilft danach im Gästehaus. Wo auch immer jeder unter der Woche ist, alle kommen am Freitagabend nach Hause. Dann werden auf der Terrasse in den lauen Sommerabenden zwei Kerzen angezündet, es wird das Brot gebrochen und Schabbat gefeiert. In dieser Zeit lernte man die Familie noch am Besten kennen:  einmal pro Woche steht der Familienvater am Tisch, lobt seine Frau für das, was sie tut, nennt jedes Kind beim vollen Namen und betet für sie. Es wird gut gegessen, Lieder werden gesungen und man tauscht sich über die Woche aus. In einem derart harmonischen Austausch miteinander genießt jeder der Neun einmal pro Woche, dass man sich gegenseitig als Familie hat, und wie wertvoll Familie ist, und dass man am Schabbat mal so richtig ausspannen kann. Wir dachten uns: jeden Freitag? Bei uns in Deutschland gibt es sowas höchstens an Weihnachten, wenn überhaupt.

Ein zusätzliches Highlight für uns waren die Momente, bei denen uns Leute zu besonderen Events mitgenommen haben: angefangen von ganz persönlichen Momenten, wie einem Schulkonzert der zweitältesten Tochter in Jerusalem, und später ihrer Schulabschlussfeier in Mode’in – bis zu den großen, jüdischen Festen, die wir mitfeiern durften: Krapfen an Hannukah, eine legendäre Passahfeier am 14. Nissan, gefolgt vom Fest der ungesäuerten Brote, wo es unser Job war, jegliche Art von gesäuertem Brot aus dem Haus zu kehren, und danach sieben Tage Knäckebrot zu kauen. Bald nachdem wir uns am Wochenfest Schavu’ot Blütenkränze ins Haar gesteckt hatten, mussten wir aber abreisen. Vielleicht kommen wir eines Tages ja mal für die Herbstfeste zurück.

50-Jahre-Jerusalem Feier (am Jaffa Tor)

Einen absoluten Höhepunkt unseres Israelaufenthaltes haben wir dann aber eher zufällig entdeckt: nach einem langen Arbeitstag wollten wir beide ursprünglich noch nach Jerusalem in ein Café in Mamilla gehen, und haben unverhofft festgestellt, dass dort am Jaffa Tor gerade die Feierlichkeiten zum 50-Jahre-Jerusalem-Jubiläum gestartet hatten. Und eher spontan fanden wir uns in einer Menge von Menschen wieder, hörten Livemusik, eine Ansprache von Netanjahu, und genossen das Feuerwerk und eine Light- und Drohnenshow. Genial!

In other words…

Mit anderen Worten: vorher weiß man nie, auf was man sich bei so einer Reise einlässt – schon gar nicht, wenn man 7 ½ Monate Work and Travel in Israel plant und sowas ähnliches noch nie vorher gemacht hat. Aber ganz ehrlich: es hat sich voll und ganz gelohnt! Dieses kleine Land steckt voller faszinierender Menschen und Momente, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Wir werden zwar nicht gesponsert, das zu sagen, aber das Working-Holiday-Visum können wir wärmstens empfehlen – vielleicht ist das auch was für dich?

 

DB

(Bilder privat)

Gute und kontrovers-theologische Impulse aus Berlin

Während zur gleichen Zeit an der FTH die Israelwoche durchgeführt wurde, besuchten wir den dritten Israel-Gemeinde-Kongress in Berlin, welcher vom 8. bis zum 10. November statt-fand. Der Veranstalter war das Christliche Forum für Israel (CFFI) Deutschland. Durch die Vorträge der Konferenz sollten besonders zwei prägnante Fragen beantwortet werden: „Was bedeutet es für Christen, dass Israel und die Gemeinde Gottes Licht in die Welt reflektieren sollen und welche Konsequenzen zieht das nach sich?“. Zur Klärung dieser breit gefächerten Fragen wurden die verschiedensten Redner zum Kongress geladen. Darunter waren bei-spielsweise der Theologe und Journalist Johannes Gerloff, der Knessetabgeordnete Yehuda Glick und der Leiter eines Lehr- und Missionsdienstes in Israel Peter Tsukahira.

Am ersten Tag wurde nachmittags zunächst mit viel Lobpreis begonnen und einem Grußwort von Gottfried Bühler, welcher der Leiter von ICEJ Deutschland ist, und von Harald Eckert, dem Leiter von „Christen an der Seite Israels“ in Deutschland. Beide machten direkt auf unmissverständliche Weise deutlich, dass das heutige Israel ein zentraler Teil des Heilsplans Gottes sei und sich durch dessen Staatsgründung im Jahre 1948 und sein Fortbestehen viele Prophetien des Alten Testament erfüllt hätten. Diese Tatsache müssten die Christen verstehen und aus diesem Grund müssten sie mit allen Bestrebungen diesen Staat, diesen Plan Gottes, unterstützen.

Am späten Nachmittag sprach dann nun Yehuda Glick, ein Abgeordneter der Likud-Partei im israelischen Parlament und orthodoxer Rabbiner. Zunächst drückte er seine Freude über die Tatsache aus, dass das heutige Problem für das jüdische Volk lediglich eine „Ein- oder Zwei-Staaten-Lösung“ darstelle und nicht wie vor 75 Jahren die „Endlösung“. Während des Kongresses werde die Liebe für die Juden tausend Mal stärker verkörpert, als der damalige Hass gegen sie. Er merkte an, dass heutzutage ein Problem beim Bibellesen bestehe (aus unserer Perspektive kann er nur das Alte Testament gemeint haben). Der in der Bibel beschriebene Exodus stelle lediglich nur „Peanuts“ dar, im Vergleich zum heutigen Exodus, der Rückkehr der Juden nach fast 2000 Jahren aus der ganzen Welt nach Israel. Solch eine Aussage ist je-doch mit Vorsicht zu genießen, denn sie relativiert die Größe des Exodus in der Bibel und es ist schwer zu beurteilen, ob beide Ereignisse gegeneinander gewichtet werden können.

Zusätzlich merkte er an, dass die Zahl 70 in der Bibel immer über die Beziehung zwischen Juden und Heiden spreche. Somit sei es kein Wunder, dass 70 Jahre nach der Staatsgründung Israels die Welt beginne, Jerusalem als die Hauptstadt des jüdischen Staates anzuerkennen. Mit „der Welt“ kann er neben den USA nur noch einige wenige andere Staaten gemeint haben. Zudem hatte Russland bereits im Jahr 2017 West-Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt. Jerusalem sei der „Heilige Palast“ Gottes, es sei somit nichts Politisches, sondern eher offensichtlich, dass die Welt diese Stadt, als das Zentrum Israels anerkenne. Gott habe gesagt, dass auf dem Tempelberg immer seine Gegenwart sein werde.

Den heutigen Tourismus nach Jerusalem bezeichnete er als die Erfüllung von Jesaja 2,2-3, und Jerusalem gehöre nicht lediglich einer Person oder einer Religion, sondern dem Gott aller Nationen. Gott sei nicht exklusiv, sondern inklusiv, und er beinhalte alles (an dieser Stelle verzichten wir darauf dies theologisch zu kommentieren). Als etwas ebenfalls Besonderes betrachtete er die „Tatsache“, dass Netanjahu heutzutage das einzige Staatsoberhaut der Welt sei, welcher mit allen anderen Staatsoberhäuptern sprechen könne, selbst mit den Führern von Saudi Arabien oder dem Oman. Diese Aussage ist bei näherem Hinsehen ungenau oder zu pauschal. Es ist zwar so, dass Netanjahu mit den Oberhäuptern von dem Oman und Saudi-Arabien Gespräche führen kann, jedoch nicht mit Assad in Syrien oder beispielsweise den Führern der islamischen Republik Iran und vielen anderen arabischen Staaten. Zugleich führte er an, dass der israelische Präsident der Einzige auf der Welt sei, welcher gleichzeitig mit dem russischen Präsidenten und dem amerikanischen Präsidenten sprechen könne und diese treffen könne. Auch das ist nicht ganz richtig. Beispielsweise pflegen der türkische Präsident Erdogan oder der chinesische Präsident Xi Jinping ebenfalls regelmäßige Beziehungen mit Washington D. C und Moskau. Im Vortrag erzählte er immer wieder über den Anschlag, welcher vor etwa vier Jahren in Jerusalem auf ihn verübt wurde.

Yehuda Glick schloss seinen Vortrag damit, dass er den Kongress als einen Beweis betrachte, dass Gott ein Gott der Harmonie sei, wenn Juden und Heiden 80 Jahre nach der Reichskristallnacht in Berlin zusammen kommen könnten, um Gott zu loben.

Am Abend sprach Peter Tsukahira. Er ist ein japanisch-stämmiger US-Amerikaner, welcher seit sehr langer Zeit in Israel lebt und dort der Gründer und Leiter des Missionswerkes „Or HaCarmel Ministry Center“ ist. Der Titel seines Vortrags war „Gottes Tsunami – Prinzipien der Ausbreitung des Reiches Gottes“. Was diese Begrifflichkeit mit dem Inhalt seiner Rede zu tun hatte, war nach seinem Vortrag nicht ganz ersichtlich, hatte es wohl mit einem von ihm verfassten Buch zu tun.

Er sei oft in Asien auf Reisen. Dort wüssten die Christen wenig von der Substitutionslehre und dies sei auch gut so. Zu tun habe das aber damit, dass sie leider zu wenig Kenntnis über die Kirchengeschichte besäßen. Hauptsächlich sei er in Israel tätig. Dort würden die offiziellen Führungskräfte des Landes immer wieder hervorheben, dass evangelikale Christen die größten Unterstützer Israels seien. Tsukahira meinte, dass dabei Jesus für die Evangelikalen nie ein ungewollter Gast sein dürfte. Diesbezüglich dürften sie nicht einfach nur an der Seite Israels stehen, sondern insbesondere an der Seite des Messias. Das ist wahrscheinlich nicht als eine Kritik an einem ‚Israelfanatismus‘ unter Christen zu verstehen, sondern lediglich als ein „Aufmerksammachen“ im Hinblick auf die jüdisch-messianische Identität Jesu.

Er sprach ebenfalls über die Kontextualisierung des Evangeliums. Diese sei notwendig gewesen, als das Evangelium aus Israel hinaus an die Nationen ging. Nun jedoch komme das Evangelium wieder nach Israel wieder zurück und das in seiner ‚ursprünglichen‘ Form. Das ‚originale‘ Evangelium komme zum Vorschein, wenn es für Juden kontextualisiert wird. Diese Aussage ist ein wenig widersprüchlich und sollte mit Vorsicht betrachtet werden. Es stimmt zwar, dass in der Mission immer auf irgendeine Weise das Evangelium kontextualisiert wird. Wenn jedoch von einer originalen Form des Evangeliums im Judentum gesprochen wird und davon, dass es nicht mehr seine Grundform besitzt, wenn es unter den Nationen verkündigt wird, dann werden theologische Weichen gestellt, die nicht der Intention der neutestamentlichen Schriften entsprechen dürften. Denn es gibt nur ein einziges, wahres und originales Evangelium. Dieses Evangelium gilt im gleichen Maße für die Juden, als auch für alle anderen Völker. Qualitativ und inhaltlich darf und kann nicht zwischen zwei Varianten unterschieden werden. Die Größe dieser einen Heilsbotschaft Gottes ist doch vor allem diese, dass sie nicht nur den Juden gilt, sondern allen Menschen, aus allen Nationen und dies im gleichen Maße.

Tsukahira sprach weiter darüber, dass das Reich Gottes nicht erst mit Jesus im NT anfange. Es beginne nicht erst im Matthäusevangelium in Kapitel 4, sondern es beginne mit dem Volk Israel. Das Reich Gottes habe seinen Anfang gefunden, als das Volk Israel aus Abraham er-schaffen wurde. Diese These allerdings gilt theologisch als weithin umstritten oder sogar als Irrtum bzw. als eine unscharfe Verwendung dessen, was denn – je nach biblischem Kontext – „Reich Gottes“ sein soll. In der Kirchengeschichte sei das Reich Gottes entweder „vergeistlicht“ oder auf religiöse Motive minimiert worden. Das Paradigma für das Reich Gottes sei jedoch Israel. Dabei meint Tsukahira aber nicht einfach nur ein geistliches Israel, sondern die Nation und das jüdische Volk auf der Erde.

Eine ähnliche Ansichtsweise vertrat Johannes Gerloff in seinem Vortrag am 10. November. Wie diese Ansichtsweise aber mit dem Kapitel Neun aus dem Hebräerbrief zusammenpasst ist fraglich. Die theologische Begründung blieb in beiden Fällen oberflächlich und nicht wirklich überzeugend. In der gesamten Kirchengeschichte hätten die Kirchenväter und die Reformatoren diese Tatsache nicht begriffen, nämlich, dass nicht die Kirche das Reich Gottes sei, sondern die Nation und das Volk Israel. Mit der Staatsgründung Israels vor 70 Jahre sei das Reich Gottes auf der Erde wieder vorhanden. Diese Tatsache sei größer als die Reformation und sie müsse die heutige Kirche verändern.

Es ist theologisch anstößig, dass das Reich Gottes lediglich auf den irdischen Staat Israel reduziert werde und somit wohl annähernd 2000 Jahre auf der Erde nicht vorhanden gewesen sei. Solche Thesen sind von der Bibel her exegetisch und theologisch schlichtweg nicht halt-bar. Darin überzeugten die Beiträge nicht.

Am zweiten Tag des Kongresses wurden mehrere Organisation vorgestellt, welche Juden in Israel selbst oder in anderen Teilen der Erde unterstützen oder zum Ziel haben, ihnen das Evangelium Jesu zu bezeugen. Stephan Lehnert, ein Leiter von ICEJ-Deutschland, sprach über Zusammenhänge der heutigen Alija-Bewegung (Rückkehr der Juden nach Israel). Es wurde erneut unterstrichen, dass Gott eine große Liebe zu Israel habe und dass das, was heute passiere, größer sei, als der Exodus des jüdischen Volkes aus Ägypten. Der Sprecher wollte klar stellen, dass die Worte aus Jesaja 11:11,12 und Hesekiel 28:25,26 nicht bereits mit der Rück-kehr des jüdischen Volkes aus der babylonischen Gefangenschaft erfüllt worden seien. Er fügte weitere Stellen an, welche die heutige Alija-Rückkehrbewegung vorhersagen würden, wie zum Beispiel Jeremia 23:7,8 und Jesaja 60:4,5. Das Ermutigende daran sei, dass wir als Christen heutzutage darüber nicht nur staunen dürften, sondern wir auch aktiv, beispielsweise durch praktische finanzielle Unterstützung für die zurückkehrenden Juden, daran beteiligt sein könnten. Auch im Neuen Testament könne von einer Unterstützung der Christen für die Juden gelesen werden, wie beispielsweise 2. Korinther 8:9 eine Geldsammlung für Juden in Jerusalem beschreiben soll. Auf gleiche Weise stünden die heutigen Christen auf der ganzen Welt in der Pflicht, Gottes Plan der Rückführung der Juden nach Israel zu unterstützen. Die These ist allerdings nicht wirklich überzeugend, ja, sogar insgesamt theologisch fragwürdig, da ihr der sachgerechte exegetische Unterbau zur Begründung fehlt.

Es wurden während des Kongresses christliche Dienste vorgestellt, welche verarmte Holocaust-Überlebende im Ausland unterstützen. Juden würden zudem auch mithilfe der ‚Jewish Agency‘ nach Israel gebracht werden. Dort werde von einigen Organisationen Integrationsunterstützung betrieben, denn die Integration sei nach der Alija-Rückführung eine der größten Schwierigkeiten für die in Israel fremden Juden. Dabei definiere der israelische Staat die Integration mit den folgenden drei Parameter: Sprache, kulturelle Zugehörigkeit und Arbeitsplatzperspektive.

Am Abend des 9. Novembers wurde ein öffentlicher Gedenkabend zu dem Anlass ‚80 Jahre Reichspogromnacht‘ veranstaltet, wozu einige Holocaustüberlebende eingeladen wurden. Dieser Abend wurde andächtig gestaltet. Er kann mit Recht als ein Höhepunkt der Konferenz bezeichnet werden. Siegbert Aron und Franz Michalski, zwei Holocaustüberlebende, wurden über den Abend hinweg näher zu ihrem Leben interviewt. Den Zuhörern bot sich ein äußerst wertvoller Einblick in ihr Leben. Insbesondere ihre Kindheitserinnerungen an die Zeit des Dritten Reichs waren eindrücklich. Ihre Erzählungen vergegenwärtigten die schreckliche Realität des damaligen Judenhasses und die daraus resultierende Judenverfolgung unter den anwesenden Gästen. Franz Michalski wurde mit seiner gesamten Familie während des Holocausts von verschiedenen deutschen Bürgern versteckt, und alle Angehörigen seines engeren Familienkreises konnten auf diese Weise überleben. Siegbert Aron und sein Vater wollten zunächst in die USA flüchten. Dort wurde jedoch der Asylantrag abgelehnt mit der Begründung, der Vater sei ein polnischer Bürger und es seien bereits genügend Polen in diesem Jahr in die Vereinigten Staaten emigriert. Dass der Vater jedoch kein Wort polnisch sprach, blieb damals unberücksichtigt. Alsdann flüchteten sie nach China, in die Stadt Shanghai. Nachdem der Krieg vorüber war, lebte er eine kurze Zeit in den USA, und bevor der jüdische Staat ausgerufen wurde, zog es ihn nach Israel. Dort musste er unmittelbar in der israelischen Luftwaffe dienen, als 1948 der israelische Unabhängigkeitskrieg ausbrach.

Die Erzählungen aus den Leben dieser beiden Zeitzeugen waren äußerst erschütternd und zugleich auch aufrüttelnd. Das Plädoyer bleibt: Nie wieder! Heutzutage muss deshalb jeglicher Form von Antisemitismus entschieden entgegen getreten und auf das Schärfste verurteilt werden. Angesichts dieser Berichte und antisemitischer Vorkommnissen, auch über die deutschen Grenzen hinaus, ist es nicht verwunderlich, dass Juden aus der ganzen Welt nach Israel emigrieren mussten und sie das noch immer tun. Für Juden gab es während der Zeit des Dritten Reiches kaum sichere Zufluchtsorte, geschweige denn ein eigenes sicheres Land. Daher ist es unser aller Pflicht keine Formen von Judenhass in unserem Land und auch anderswo zu dulden, sowie eine sich nach Israel (als Heimat) sehnende Haltung von Juden vorbehaltlos anzuerkennen. Es mag nicht alles im Verhalten und Reagieren des israelischen Staates vorbildlich sein, allerdings ist der „Judenstaat Israel“ auch ein Ergebnis jahrhundert-langer Verfolgungen (Pogrome) von Juden auf der ganzen Welt und besonders in Russland, Polen und in Deutschland. Diese Tatsache darf bei den Diskussionen nicht übersehen werden.

Am 10. November, dem letzten Tag der Konferenz, hielt unter anderem Johannes Gerloff einen Vortrag mit dem Titel „Das Reich für Israel – Bibelarbeit zu Apg. 1:6-8“. In der vorliegenden Bibelstelle (Apg. 1:6-8) wurde Jesus von den Jüngern gefragt, ob Jesus in dieser Zeit das Reich für Israel wieder aufrichte. Calvin habe diese Stelle mit den Worten kommentiert, dass in der Frage der Jünger mehr Irrtümer vorhanden seien, als Worte. Laut Gerloff habe Calvin mit diesem Kommentar die Worte Jesu verunehrt. Dies begründete er damit, dass Calvin mit seiner Aussage behaupten würde, dass Jesus Menschen ausgewählt habe, die keine Ahnung über den wahren Zustands Israels gehabt hätten. Das jedoch sei nicht vorstellbar, so Gerloff. Er erläuterte, was diese Frage zur Zeit der Jünger bedeutet habe. Zur Klärung konzentrierte er sich auf das griechische Wort „ἀποκαθιστάνεις“, welches an dieser Stelle „wiederherstellen“ bedeute. Es sei dasselbe Wort, welches Petrus in Apg. 3,21 benutze. In den Bibelstellen Jer. 16:15,16 / 23:8 / 24:6 würde dieser Begriff ebenfalls auftauchen. Bei diesem Wort handele es sich um einen sogenannten „Terminus technicus“, welcher die „Wiedereinführung des jüdischen Volkes in das jüdische Land“ beschreibe. Daher sei es im ersten Kapitel der Apostelgeschichte ein für die Jünger bekannter Kontext gewesen. Solch eine „Blindheit“ für die Tatsache der Wiederherstellung Israels, so Gerloff, ziehe sich durch die gesamte Kirchengeschichte hindurch, und auch alle Reformatoren hätten sie vertreten.

Im Matthäusevangelium verbiete Jesus die Heidenmission, und Gerloff stellte klar, dass Jesus nur der König von Israel sei und nicht die so wörtlich: „Problemmutter der gesamten Welt“. Jesus sei zunächst nur der König Israels. Auf die Frage, weshalb er die Jünger beauftragte, hinaus in die Welt zu gehen, antwortete der Redner, dass die Jünger zunächst nicht wissen sollten, was mit Israel sei, sondern zuerst den Nationen das Evangelium verkündigen mussten. Gott habe ihnen, den Juden, die Augen und Ohren verschlossen. Dies sei der Grund weshalb Paulus während seiner Mission immer zunächst mit den Juden geredet habe, und nachdem diese das Evangelium abgelehnt hätten, er dann erst zu den Heiden gegangen sei.

In Jesaja 49:1-6 werde darüber gesprochen, dass Israel, das jüdische Volk, nicht gesammelt werde. Es sei eine inkorrekte Übersetzung, dass dort in den heutigen Übersetzungen stehe, dass Israel zu Gott hin gesammelt werde. Diese Sammlung geschehe nämlich zunächst nicht, damit die anderen Nationen Gottes Heilsbotschaft glauben könnten. Wenn wir diese Stelle heutzutage nicht korrekt übersetzen würden, nämlich dass Israel zunächst nicht gesammelt werde, dann verstünden wir das Kreuz nicht. Als weitere Begründung zog Gerloff Römer 11:11 heran. Dies sei der Grund, weshalb Jesus im ersten Kapitel der Apostelgeschichte den Jüngern antwortete, dass es in diesem Moment nicht an der Zeit sei, zu wissen, wann Gott Israel wieder aufrichte, sondern dass zunächst den Heiden das Evangelium verkündigt wer-den müsse.

Gerloff schloss damit ab, dass Jesus im Lukasevangelium 19:41-44 tatsächlich darüber weinen würde, dass die Kirche über die Juden in ihrer gesamten Geschichte spotten werde. Ebenfalls behauptete er, dass die Bibel keine platte Dogmatik hergebe, so wie es die Mehrheit der Kirche glaube und dass wir Christen nicht zum Vorrausschauen und zum Sinnen über Dogmatik berufen seien, sondern zur Nachfolge.

Die heutige Theologie erkläre ebenfalls die Verbindung zwischen dem Land und dem Volk Gottes als unbedeutend. Diese Theologien würden dadurch den Namen Gottes entehren. Wieso das so sein soll, wurde nicht stichhaltig begründet. Das Referat wurde mit den Worten geschlossen, dass nun endlich nach etwa zwei-ein-halb Tausend Jahren die meisten Juden auf der Welt wieder in Israel leben würden. In der Zwischenzeit, als das „Volk Gottes“ sich nicht in seinem Land befand, sei Gott entheiligt worden: „Jeder Jude, der nicht im Land Israel wohnt, entheiligt Gott“. Diese Aussage empfand ich als Zuhörer erstaunlich überstürzt, da doch am Abend zuvor zwei Holocaustüberlebende über ihre Schreckenserlebnisse gesprochen haben und diese Überlebenden heute in Deutschland leben, eben nicht in Israel. Mit solchen Worten indirekt zu behaupten, dass diese Holocaustüberlebenden mit ihrer Entscheidung, ein Leben in Deutschland zu führen, Gott entehren würden, ist in meinen Augen als mehr als gewagt zu bezeichnen.

In Berlin-Mitte wurde am letzten Tag der Kongress mit einer öffentlichen Kundgebung gegen Antisemitismus und für ein Israel mit Jerusalem als Hauptstadt abgeschlossen. Nach den antisemitischen Vorkommnissen in Berlin, von welchen in letzter Zeit immer wieder zu hören war, setzte diese Aktion ein wichtiges Zeichen. Dieses Aufmerksam-Machen auf die heutige Israel- und Judenfeindlichkeit war ein sehr positiv zu bewertender Bestandteil des Kongresses. In der heutigen Christenheit scheint eine solch entschiedene Haltung gegen Formen des Anti-Israelismus und Anti-Semitismus in Vergessenheit geraten. Das muss sich ändern.

Leider waren nach meiner Einschätzung nicht alle theologischen Aussagen in den Vorträgen des Kongresses überzeugend oder objektiv nachvollziehbar. Die Bedeutung des Bundesvolkes Israels wie auch die Verknüpfung mit dem Staat Israel bilden für die christliche Theologie besonders wichtige Bausteine. Wenn diese Bausteine jedoch auf der anderen Seite zu sehr überbewertet werden, man sie zum Zentrum der Theologie hochstilisiert, so dass sie beinahe wichtiger erscheinen, als das Evangelium selbst, dann verklärt man die Bedeutung dieser theologischen Bausteine. Dadurch wird das gesamte Bild einer biblisch gegründeten Heilsgeschichte Gottes verzerrt. Dieser Gefahr sollte man sich stets bewusst sein, wenn es darum geht, die Bedeutung Israels wieder weiter in das Blickfeld der heute betriebenen christlichen Theologie zu rücken.

Im Rahmen der Themenwoche „70 Jahre Israel“ luden die Freie Theologische Hochschule Gießen und das Institut für Israelogie am 05.11.2018 zu einem öffentlichen Vortrag ein. Johannes Gerloff teilte im Plenarsaal der FTH unter dem Titel „Das „Heilige“ Land: Erwählt – erkämpft – ersehnt“ seine Erfahrung und sein Wissen über Israel mit knapp 200 Gästen. Gerloff lebt seit 1994 mit seiner Familie in Jerusalem. Der Journalist war als Nahostkorrespondent unter anderem für den christlichen Medienverbund KEP tätig. Außerdem ist er Autor mehrerer Bücher.

Der Auftakt der Themen-Woche

Aufgrund der „Jahrtausende alten Schreckensgeschichte“, als das man das Verhältnis zwischen Christen und Juden beschreiben könne, seien Veranstaltungen, die Israel nicht unkritisch, aber wohlwollend betrachten, sehr wichtig. So wolle Gerloff als Journalist auch über Negatives berichten, aber vor allem über positive und atemberaubende Begebenheiten. Beides hatte an diesem Abend im Vortrag seinen Platz.

Schon bei der Bezeichnung „Heiliges Land“ müsse man genauer darüber nachdenken, was gemeint ist. Kann man mit Recht behaupten, dass Israel ein besseres Land sei als alle anderen, so fragt Gerloff? Oder zeigt sich in dem Titel, dass hier eine besondere Atmosphäre vorherrscht? Letzteres ist nach Gerloff zweifelsfrei richtig: Wer auch immer ins Land reist, könne unmöglich neutral bleiben. Israel sei gewissermaßen lebendiger als andere Länder – es bewege seine Besucher und Bewohner.

Der Plenarsaal war voll besetzt.

Die Frage „Ist Israel ein Land wie jedes andere?“ müsse aber nicht nur nach innerem Empfinden, sondern auch theologisch verneint werden: Laut biblischem Befund hat Gott Israel erwählt. Dabei sei zu beachten, so Gerloff, dass an dieser Stelle nicht zwischen einer jüdischen Ethnie einerseits und einem Land andererseits unterschieden werden darf. Theologisch bilden beide eine untrennbare Einheit. Darum gehören Land und Juden zusammen, sie sind beide erwählt.

„Erwählung“ bedeute in diesem Kontext nicht zwangsläufig „Errettung“ und schon gar nicht irdisches Wohlergehen. Erwählung müsse als Aufgabe verstanden werden. Gerloff berichtet, dass viele Juden diese Verantwortung und ständige Beobachtung als Last empfinden. Man müsse sich mal hineinversetzen, wie es ist, wenn jedes Gegenüber eine Erwartungshaltung einnimmt, sobald herauskommt, dass man jüdisch ist! So sei es nicht nur in der persönlichen Begegnung, sondern auch in den Medien: Die ganze Welt schaut auf Israel.

Hier kristallisiere sich ein bedeutender Unterschied zwischen der christlichen und der jüdischen Gottesbeziehung heraus: Während Christen seit Jahrhunderten auf der Suche nach einem gnädigen Gott sind, scheine es, so Gerloff, manchmal so, als versuchen Juden, ihre Erwählung und damit Gott wieder los zu werden.

Johannes Gerloff

Auch wenn Gerloff in seiner 24-jährigen Tätigkeit in Jerusalem die Besonderheit Israels intensiv erlebt und beobachtet hat, bleibe ihm vieles weiterhin fremd. Als Journalist hat Gerloff die palästinensischen Gebiete bereist. Von ‚innen‘ nachempfinden könne man als Außenstehender weder die jüdisch-israelische Kultur noch die palästinensische. In diesem Zusammenhang betont er, dass es wohl kaum ein sichereres Land gebe als Israel. Zwar hört man in Deutschland nahezu täglich von Gewaltverbrechen in Israel, doch die tatsächlichen Zahlen sprechen eine andere Sprache: So gab es im ersten Jahr des syrischen Bürgerkrieges mehr Tote als in allen Kriegen, die in der 70-jährigen Geschichte des Staates Israels geführt wurden, zusammen. Gleiches gelte für die Anzahl der Toten während des sogenannten Arabischen Frühlings in Libyen. Leben und Reisen in Israel sei daher ziemlich sicher.

Die Frage nach einem Lösungsansatz für den Nahostkonflikt kann an einem solchen Abend natürlich nicht ausbleiben. Dazu berichtet Gerloff von einer Entscheidung der obersten Rabbiner: Diese wären dazu bereit, Land abzugeben, wenn es Menschenleben rette. Aber daran, dass bei Abgabe von Land tatsächlich Leben gerettet werden würden, könne man einfach nicht mehr glauben. Israel bleibt in dieser Hinsicht wohl weiterhin umkämpft.

Am Ende des Vortrages kann der Zuhörer den Slogan des Abends verstehen: Israel ist kein Land wie jedes andere. Israel ist das ersehnte Land für die Juden, mit großer Bedeutung auch für Nichtjuden. Volk und Land niemals zu vergessen, das muss Ziel aller Beschäftigung mit Israel sein – nicht unkritisch, aber wohlwollend.

AE

Was ich diesen Sommer in Israel erlebt habe.

Im vergangenen Winter erfuhr ich zum ersten Mal von der Sommeruniversität in Beerscheba (Israel). Zwei Kommilitonen aus jeweils höheren Jahrgängen berichteten mir von den tollen Erfahrungen, die sie dort gemacht hatten. Ab diesem Moment wollte ich alles daransetzen, ebenfalls nach Israel zu reisen. Also erzählte ich meiner Familie und Freunden von dem Vorhaben und bewarb mich beim Institut für Israelogie. Als das Stipendium tatsächlich mir zugesprochen wurde, war die Freude dementsprechend groß!

Der intensive Hebräisch-Sprachkurs, genannt “Ulpan”, ging über die gesamten sechs Wochen meines Aufenthaltes. Ohne jegliche Vorkenntnisse begann ich mit dem Unterricht. Wir lernten das Aleph-Bet und bauten Tag für Tag, Woche für Woche auf unserem ständig wachsenden Vokabular auf. Bald schon führten wir kleine Konversationen auf einer uns eben noch völlig unbekannten Sprache. Die Hausaufgaben und sporadischen Tests halfen dabei, zu sehen, in welchen Bereichen man sich schwertat. Meine Lehrerin war die wohl Beste der gesamten Universität! Sie verstand es, uns den Lernstoff mit viel Spaß und Interaktion beizubringen. Ihr israelisches Temperament vertrieb jede Müdigkeit. Leider war der Aleph-Sprachkurs, gerade als ich begann mich verständigen zu können, auch schon wieder vorbei. Womöglich sollte ich schnellstmöglich zurückkehren und in den Bet-Kurs einsteigen.

 

Tatsächlich macht das Hebräisch-Lernen den größten Teil der Sommeruni aus. Die Kontaktzeit und der eigene Arbeitsaufwand ließen einen so manches Mal ins Schwitzen kommen (unabhängig von den hervorragend funktionierenden Klimaanlagen). Aufgrund dessen war das weitere Programm, wie die Dozentenvorträge über Politik, Gesellschaft, Geschichte und Religion, sowie die Tagesausflüge an verschiedene Orte z.B. in der Negev Wüste, nach Tel Aviv und Jerusalem optional. Ich persönlich nahm an vielen der Angebote teil. Es war interessant, das Land theoretisch wie auch praktisch besser kennenzulernen.

Genau aus diesem Grund war ich ja dort! Ich wollte mir ein eigenes Bild von Land und Leuten machen, eintauchen in das Leben und dabei Erfahrungen sammeln, die mir beim Bilden einer Meinung zu den unterschiedlichen Themen rund um Israel helfen würden. Ich freundete mich schnell mit meinen Deutschen sowie internationalen Kommilitonen an. Zusammen erlebten und teilten wir diese prägende Zeit. Jeder brachte eigene Erwartungen mit und betrachtete die Dinge aus einer ganz persönlicher Perspektive. Wir tauschten uns aus und forderten uns gegenseitig in unserem Denken heraus.

Mit dreien von ihnen verbrachte ich ein Wochenende in Jerusalem. Wir aßen zu Mittag im österreichischen Hospiz gleich neben der Via Dolorosa. Zum Schabbatbeginn, sobald die ersten drei Sterne am Himmel zu sehen waren, besichtigten wir die Klagemauer, beteten und stürzten uns ins freudige Getümmel der Juden. Ein trüber Schatten prägte zugleich diese schöne Erinnerung, denn am selben Tag wurde ein Araber in der Altstadt erschossen, als er einen Polizisten angriff. Dadurch mussten viele Bereiche abgesperrt werden. Diese und andere Vorfälle kommen bedauerlicherweise nicht selten vor. Dennoch fühlte ich mich als Besucher in Israel recht sicher. Anderen ging es ähnlich.

Am meisten genoss ich persönlich den Kontakt zu und die Freundschaften mit israelischen Studierenden. An einem Tag machten wir einen gemeinsamen Ausflug in die Natur, schliefen unter dem Sternenhimmel und blickten die ganze Nacht nach oben, wo uns ein Meteoritenschauer faszinierte. Wir besuchten außerdem die Stadt Akko im Norden Israels, und ich sprang zusammen mit einheimischen palästinensischen Kindern von einer Mauer zehn Meter tief ins Hafenbecken. Außerdem wurde ich auf eine säkulare jüdisch-traditionelle Hochzeit in der Nähe Jerusalems eingeladen, mit Segenssprüchen und dem Glaszertreten und Mazel Tov und Technomusik und allem Drum und Dran.

 

Das wertvollste Erlebnis waren dennoch die beiden Tage, die ich mit einem Kumpel in Ramallah verbrachte. Israelis dürfen das Westjordanland nicht besuchen, geschweige denn den Gazastreifen. Das Risiko von Gewalt gegen Juden ist zu groß.

Als deutscher Student samt gültigen Reisepass und Visum war die Grenzüberschreitung durch die berühmte Mauer Palästinas jedoch kein Problem. Wir unterhielten uns mit den Einwohnern, traten an das Grab Arafats und besichtigten das nach ihm benannte Museum. Die Menschen sind überaus freundlich und offen mit uns umgegangen. Beim Thema Politik und Israel hätten die Meinungen jedoch nicht unterschiedlicher sein können im Vergleich zu dem, was wir die ganzen Wochen zuvor auf der anderen Seite der Mauer an der Universität gehört und anderswo erlebt hatten. Eine Lösung des brisanten Konflikts zwischen Juden und Palästinensern gibt es bislang noch nicht. Das und vieles mehr durfte ich dankbarerweise diesen Sommer in Israel verstehen lernen und als Impulse zum Weiterdenken schließlich nach Hause ins friedliche Deutschland mitnehmen.

 

Philip Quast

Anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Staates Israel wird vom 5.-9. November eine Themenwoche an der Freien Theologischen Hochschule Gießen stattfinden. Ein ansprechendes Rahmenprogramm ist geplant, das Land und Judentum auf vielfältige Art und Weise beleuchtet. Denn Israel geht nicht nur Freaks und Fans etwas an, sondern jeden!

Thematisch eingeleitet wird diese besondere Woche am Montag, den 5. November von Johannes Gerloff. Der Theologe ist bekannt durch seine Tätigkeit als Nahostkorrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien. Als Insider hält er einen Vortrag zur aktuellen Situation im „Heiligen Land“, zu dem alle Interessenten herzlich eingeladen sind.

Darüber hinaus hat jeder einzelne Wochentag seinen eigenen Programmhöhepunkt: So wird es unter anderem eine Diskussion mit Islamwissenschaftler Dr. Carsten Polanz über heutige Formen von Antisemitismus geben. Weiterhin finden eine Sabbatfeier und eine Holocaust-Gedenkstunde statt. Auch ein authentisches israelisches Mittagessen darf natürlich nicht fehlen!

Ort der einzelnen Veranstaltungen ist der Plenarsaal der Freien Theologischen Hochschule Gießen. Die jeweiligen Uhrzeiten und Tagesabläufe entnehmen Sie der Ausschreibung. Der Eintritt ist natürlich frei!

Herzliche Einladung!

IsraelInstitut_Themenwoche_Programm

IsraelInstitut_Vortrag_Themenwoche_Vortrag J. Gerloff

Ein vorläufiger Kommentar zur Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels von Seiten der USA.

 

Wenn wir einen Blick auf die aktuelle, emotional aufgeladene Situation werfen, wollen wir hier am Institut für Israelogie wie auch sonst nach dem Prinzip „Erst die Fakten, dann die Meinung“ verfahren.

Einige politisch-geschichtliche und theologische Fakten:

  1. Der Beschluss, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, hat nichts mit Trump zu tun. Der US-Kongress hatte bereits 1995 die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem beschlossen. Trumps Vorgänger nutzten jedoch stets eine Klausel, die es ermöglicht, den Schritt um weitere sechs Monate zu verschieben. Auch Trump hatte den Aufschub in seiner fast einjährigen Amtszeit einmal gebilligt. Nun setzt er um, was 1995 bereits beschlossen worden war.
  1. Russland erkannte bereits im April dieses Jahres (West-) Jerusalem offiziell als Hauptstadt Israels an, ohne dass davon groß berichtet wurde oder es zu Ausschreitungen kam.
  1. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lobte die Entscheidung Trumps als “historisch”. Er rief andere Staaten auf, dem Vorbild der USA zu folgen und ebenfalls ihre Botschaften nach Jerusalem zu verlegen. Einige Länder wie z.B. Tschechien folgen dieser Entscheidung bereits.
  1. Trotz vieler Jahre der politischen Friedensbemühungen im Nahostkonflikt gab es unter den meisten Betroffenen keinen echten Frieden, sondern nur gedeckelte und kanalisierte Ruhe mit bedauerlichen Intifada-Zwischenzeiten.
  1. Auch wenn es von Einigen immer wieder behauptet wird, erfüllt diese politische Entscheidung keine biblische Verheißung.

Unsere Meinung dazu:

Aus politischer Perspektive kann und sollte man Donald Trump nicht als „Sündenbock“ darstellen. Ob er auf die Ratifizierung des 1995er-Kongressbeschlusses um der insgesamt angespannten Lage in Nahost diplomatisch auch weiterhin hätte besser verzichten sollen, wie seine Amtsvorgänger auch, ist hier nicht zu bewerten. Er hat es in voller Souveränität eines Staatsoberhauptes getan, was sein Recht ist. Die eskalierende Gewalt in Palästinensergebieten und arabischen Staaten geht deshalb nicht von Präsident Trump aus, selbst wenn man die Entscheidung Trump politisch als unweise bezeichnen würde. Die Gewalt und der Hass gehen von anti-jüdischen Gruppen und radikal-islamischen Organisationen aus. Diese gilt es anzuprangern und zu tadeln.

Die Entscheidung, den Beschluss aus dem Jahr 1995 in Kraft treten zu lassen, kann zwar als Provokation betrachtet werden, allerdings war der Beschluss nicht die alleinige Idee von Trump. Der Vorwurf, dass er den Friedensprozess im Nahen Osten störe, übersieht, dass dieser bereits seit Jahren festgefahren ist. Die weiteren Gewaltmöglichkeiten, die infolge dieser Anerkennung (West-)Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA ausbrechen könnten, brodeln bereits in gedeckelter und kanalisierter Form unter der Oberfläche des Konflikts vor sich hin. Solange dieses Gewaltpotential vorherrscht, ist ein Friedensprozess ohnehin undenkbar. Die Entscheidung von Präsident Trump könnte also lediglich ans Licht bringen, was im Nahen Osten sowieso den politischen Tatsachen entspricht. Zudem erkennen nun auch andere Länder durch die Verlegung ihrer Botschaft die Tatsache an, dass (West-) Jerusalem unter anderem durch den Sitz der Knesset schon lange die Hauptstadt Israels ist. Russland beispielsweise traf diese Entscheidung sogar bereits im April dieses Jahres. Über diesen Schritt gab es keine bzw. kaum Meldungen und es hat auch keine nennenswerten Ausschreitungen auf palästinensischer Seite dagegen gegeben. Trump nun als Verursacher eines angeblich zuvor nicht (oder kaum) vorhandenen Übels zu bezeichnen, das in den kommenden Jahren im Miteinander dort Wirklichkeit werden könnte, würde eine maßlose Vereinfachung des komplizierten Konflikts bezeichnen und Ahnungslosigkeit bei der Bewertung der Faktenlage attestieren.

Tafel im “Gartengrab” in Ost-Jerusalem

Aus theologischer Perspektive muss betont werden, dass es sich bei der Anerkennung von (West-)Jerusalem als Hauptstadt Israels durch die USA um eine rein weltlich-politische Entscheidung handelt, die keine biblische Verheißung erfüllt. Dennoch dürfen wir davon ausgehen, dass Gott genau weiß, was politisch gerade geschieht. Ihm läuft dort nichts aus dem Ruder. Er behält die Kontrolle, was auch immer politische Kräfte – bis hin zur nächsten Intifada – tun werden. Sein Plan für Israel und Jerusalem wird ausgeführt werden, was auch immer Völker und Herrscher dagegen oder dementsprechend beschließen mögen.

Wir Christen sind aufgefordert, den Juden und der weltlichen Regierung des Staates Israel mit Fürbitte und Zuwendung beizustehen (Röm. 10-11) und auch für die muslimischen Gruppen und Nationen zu beten. Zudem sollten wir in Fürbitte für die Obrigkeiten der USA, der EU und weiteren beteiligten Staaten und Nationen einstehen, auf dass menschliche Tragödien und Gewaltausbrüche vermieden werden mögen. Doch nicht unser, sondern Gottes Wille geschehe, der die Situation im Nahen Osten voll durchblickt und entsprechend planen, zulassen und verhindern wird.

bs/st

„Herodes (…) baute zu Jerusalem ein Theater sowie in der Ebene ein Amphitheater. Beide Bauwerke zeichneten sich durch große Pracht aus, standen aber mit den jüdischen Sitten im Widerspruch (…)“[1], heißt es in Flavius Josephus Werk „Jüdische Altertümer“. Doch ein Theater in Jerusalem, wie es der jüdisch-römische Historiker einst beschrieb, haben Archäologen seit gut 150 Jahren vergeblich gesucht- nun ist es soweit! „Auf einmal hatten wir das Geheimnis des verlorenen Jerusalem-Theaters vor unseren Augen“, gab Archäologe Joe Uziel diese Woche bekannt. Er und sein Team von der Israelischen Antikenbehörde sprechen von einem Zufallsfund, denn eigentlich wollte man lediglich das Alter des Wilson-Bogens bestimmen und die Straße freilegen, die früher entlang der Klagemauer verlief. Dabei stieß man auf die Reste eines römischen Theaters. Zwar stehen die genaueren Ergebnisse der Radiokarbonmethode noch aus, aber schätzungsweise stammt der Fund aus dem 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus. Das ist freilich zu spät, als dass Josephus dieses Theater hätte kennen können, doch wurde es vermutlich auf dem Grund von Ruinen errichtet. Daher bleibt erstmal offen, ob dort nicht schon vorher eine öffentliche Einrichtung gestanden hat. Spannend ist auch die Frage, warum das eher kleine Theater mit seinen 200 Sitzen nicht fertig gestellt wurde. Kam der Bar-Kochba-Aufstand dazwischen, der Jerusalem von Grund auf verändern sollte? Die Ausgrabungen gehen weiter. Schließlich erhoffen sich die Archäologen, einige Meter tiefer auf Reste des ersten Tempels zu stoßen- was gerade für Gläubige eine große Sensation darstellen würde.

Jerusalem, Altstadt

Teil der Klagemauer

 

[1] Josephus, Jüdische Altertümer, 15, 268.

ae

Die Westmauer des Tempelbergs und der Felsendom im Hintergrund mit der goldenen Kuppel.

Es darf nicht in Vergessenheit geraten, dass am 18.10.2016 das Exekutivkomitee der UNESCO eine höchst umstrittene und auch zutiefst problematische Resolution verabschiedet hat. Ziel dieser Resolution sei es gewesen, so die Initiatoren des Dokuments, „das palästinensische Kulturerbe und den unverkennbaren Charakter von Ostjerusalem zu bewahren“ [SpiegelOnline]. Doch ist fragwürdig, ob dieser Text tatsächlich irgendetwas zu „bewahren“ vermag, da er historische Zusammenhänge und Fakten rund um den Tempelplatz in Jerusalem völlig verfälscht und damit eine sachliche Diskussion keinen Nutzen bringt.

Der von den Palästinensern angeregte und von sieben arabischen Staaten ausgearbeitete Textentwurf verurteilt das Handeln der „Besatzungsmacht Israel“ in der Jerusalemer Altstadt und nennt die zentralen heiligen Stätten, wie den Tempelberg und den Platz vor der Klagemauer, nur mit den arabischen Namen. Die Westmauer (Klagemauer) wird nur in Anführungszeichen erwähnt. Wenn auch nicht explizit, so wird implizit und auch teilweise sehr deutlich jüdischer und damit auch christlicher Bezug zu den heiligen Stätten zurückgewiesen, ignoriert und sogar verneint.

Die Abstimmung zur Resolution fiel verhältnismäßig deutlich aus; 24 Stimmen für und nur 6 Stimmen gegen die Resolution bei 26 Enthaltungen. Zu den Gegenstimmen zählten die USA, Großbritannien, Deutschland, Niederlande, Litauen und Estland. Munir Ansatas, der stellvertretende palästinensische Botschafter bei der UNESCO, erklärte, dass die Resolution Israel daran erinnern solle, dass es eine (unzumutbare) Besatzungsmacht in Ost-Jerusalem darstelle. Zugleich rief er die israelische Regierung dazu auf, den „Missbrauch“ islamischer Kultstätten zu stoppen, etwa durch archäologische Grabungen.

Die Klagemauer

Israel hat als Reaktion auf die Resolution die Zusammenarbeit mit UNESCO im Bereich Forschung und Bildung ausgesetzt. Lediglich das Außenministerium setzt seine diplomatische Arbeit fort.

Die Verabschiedung dieser Resolution trifft auf internationaler Ebene auf Unverständnis und wird von vielen Seiten verurteilt. Bei allen Bemühungen, jedes Detail in jedem kleinsten Artikel auf politische Korrekt- und Ausgewogenheit hin zu untersuchen, erlaubt sich die UNESCO ausgerechnet bei einem so heiklen und sensiblen Streitthema die Verabschiedung einer dermaßen einseitigen und implizit geschichtsfälschenden Resolution. Während Israel die Religionsfreiheit für den Islam, das Christentum und das Judentum an den jeweils „heiligen Stätten“ respektiert, gefährdet eine solche Resolution die Friedensbemühungen in der ohnehin schon politisch, sozial und religiös ziemlich angespannten Lage vor Ort.

Der Vorsitzende des Exekutivkomitees, der deutsche Diplomat Michael Worbs, verzichtete auf die Sitzungsleitung und gab sie der schwedischen Botschafterin Annika Markovic ab. Zuvor hatte er sich gegen die Formulierung der Resolution ausgesprochen. Nachdem sein Angebot, die Sitzung zu vertagen, ausgeschlagen wurde, verzichtete er auf die Sitzungsleitung.

Der Felsendom

In den Tagen nach der Verabschiedung der Resolution haben sich international einige Stimmen zum umstrittenen Text geäußert.

Irina Bokova, Generaldirektorin der UNESCO, übte deutliche Kritik: „Jegliche jüdischen, christlichen oder muslimischen Traditionen zu leugnen, zu verbergen oder auszulöschen, unterwandert die Integrität der Stätte“, erklärte sie bereits kurz nach der Verabschiedung. Des Weiteren versicherte sie in einem Schreiben an den israelischen Bildungsminister Naftali Bennett, sich gegen Antisemitismus in der UNESCO einzusetzen: „Erlauben Sie mir, Ihnen meine absolute Verpflichtung zu versichern, weiterhin alle Bemühungen zu unternehmen, um jeglichen Formen von Antisemitismus entgegenzutreten, einschließlich solcher, die auf parteiische oder verzerrte Visionen von Kultur und Geschichte zurückgreifen, und auch solcher, die versuchen, die Existenz Israels in Frage zu stellen.“ [Israelnetz].

Der scheidende UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon bekräftigte in einer Mitteilung der Vereinten Nationen ebenfalls „die Bedeutung der Jerusalemer Altstadt und ihrer Mauern für die drei monotheistischen Religionen“ und betonte „die Bedeutung der religiösen und historischen Verbindung von Juden, Muslimen und Christen zu der heiligen Stätte“ [Israelnetz].

Innerhalb Israels übten sowohl Politiker aus der Regierungspartei als auch aus der Opposition Kritik.

Betender mit einem jüdischen Gebetsbuch.

Das Weiße Haus sprach von einer einseitigen und nicht hilfreichen, hochpolitischen Entscheidung. Bereits im Jahre 2011 hatten die USA ihre Beiträge für die Finanzierung der UNESCO nach dem Beitritt der Palästinenser gestrichen.

Italiens Premier Matteo Renzi zeigte sich in einem Telefonat mit Netanjahu von der Resolution schockiert und wolle prüfen, warum sich Italien bei der Wahl enthalten habe. Außerdem wolle Italien in Zukunft gegen derartige Resolutionen stimmen und auch andere europäische Staaten dazu ermutigen, dies zu tun.

Die „Internationale Christliche Botschaft Jerusalem“ (ICEJ) – eine christliche Organisation – verteilte an die Diplomaten bereits vor der Abstimmung Broschüren über die jüdisch-christlichen historischen Bezüge zu den heiligen Stätten, um auf die Unausgewogenheit des Textes aufmerksam zu machen. Weiterführend forderte sie während der Jahreskonferenz zum Laubhüttenfest Christen auf, Bibeln an die UNESCO zu schicken, um auf die Bedeutung von Jerusalem und dem Tempelberg für Juden und Christen hinzuweisen.

Links von dem Felsendom zu sehen ist die Erlöserkirche, rechts die Grabeskirche.

Kritisierende Reaktionen solcher Art haben bis jetzt allerdings kein wahrnehmbares Umdenken und auch keine großen Veränderungen bei den zustimmenden Unterzeichnern gezeigt. Ganz im Gegenteil wurde am Mittwoch, den 26.10., eine weitere israel-kritische Resolution mit dem Titel „Die Jerusalemer Altstadt und ihre Mauern“ verabschiedet. Darin geht es vor allem um die Kontrolle des Tempelbergs. Zwar wird Israel darin nicht mehr durchweg als „Besatzungsmacht“ bezeichnet und die Westmauer ohne Anführungszeichen erwähnt, doch wird Israel abermals beschuldigt, heilige Stätten zu beschädigen und die Religionsfreiheit einzuschränken. Auf Antrag von Kroatien und Tansania stimmten die Mitgliedsländer geheim ab; Zehn stimmten für den Antrag, acht enthielten sich und zwei lehnten ihn ab. Ein solcher Ausgang der Wahl und die Häufung anti-israelischer und anti-jüdischer Resolutionen, kommen durch die hohe und zugenommene Anzahl von Vertretern aus muslimischen Nationen im Exekutivkomitee zustande. In der letzten Sitzung waren Länder wie Deutschland, Kolumbien und Japan, die sich in ihrem bisherigen Verhalten positiv gegenüber Israel verhielten, nicht involviert. An ihre Stelle traten Tunesien, Kuwait, der Libanon und Indonesien.

Welche Konsequenzen die aktuell eingeschlagene Linie der UNESCO und die Ankündigung Irina Borkova’s, intern gegen Antisemitismus vorzugehen, haben werden, werden die kommenden Wochen und Monate zeigen. Erfreulich sind diese Entwicklungen nicht, sondern vielmehr besorgniserregend und aufrüttelnd.

(st)

  Quellen:
http://www.israelnetz.com/nachrichten/detailansicht/aktuell/bibeln-fuer-unesco-98016/
http://www.israelnetz.com/aussenpolitik/detailansicht/aktuell/trotz-kritik-unesco-bestaetigt-jerusalem-resolution-97981/
http://www.israelnetz.com/aussenpolitik/detailansicht/aktuell/ban-kritisiert-unesco-resolution-97958/
http://www.israelnetz.com/aussenpolitik/detailansicht/aktuell/unesco-generaldirektorin-kuendigt-kampf-gegen-antisemitismus-an-98032/
http://www.israelnetz.com/aussenpolitik/detailansicht/aktuell/unesco-verabschiedet-weitere-resolution-zum-tempelberg-98063/
http://www.israelnetz.com/aussenpolitik/detailansicht/aktuell/unesco-resolution-al-aksa-moschee-statt-juedischer-tempel-97928/
http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/26748
http://www.spiegel.de/politik/ausland/jerusalem-unesco-nimmt-umstrittene-resolution-an-a-1117163.html
https://www.tagesschau.de/ausland/israel-unesco-103.html
http://www.unesco.de/ueber-die-unesco/ueber-die-unesco/unesco-finanzierung.html
https://www.welt.de/debatte/kommentare/article158920618/Die-Unesco-untergraebt-Frieden-fuer-den-Tempelberg.html
http://www.zeit.de/2016/44/tempelberg-jerusalem-unesco-resolution-islamische-staette
 

Das Damaskustor.

Die heutige Altstadtmauer Jerusalems – auf Befehl des osmanischen Sultans Süleiman, dem Prächtige (1520-1566), erbaut – wurde je nach Landesherren (Israeliten, Römer, Byzantiner, Kreuzfahrer) immer wieder erneuert oder weiter ausgebaut. Die Bautätigkeiten zur Zeit der Osmanen dauerten vier Jahre an. Erst in der Gegenwart, in den Jahren 2009/2010, veranlassten israelische Behörden umfangreiche Restaurationsarbeiten an diesen Stadtmauerabschnitten.

Das Goldene Tor mit dem muslimischen Friedhof davor.

Die Altstadtmauer besitzt sieben offene Tore, zwei weitere sind verschlossen – das Goldene Tor und die Huldah Tore – wobei lediglich das Goldene Tor bei der Zählung mit aufgezählt wird, aufgrund der minderen Bedeutung der Huldah Tore im Süden der Stadtmauer.

Als das prachtvollste Tor wird das Damaskustor angesehen. Auf Hebräisch wird es שער שכם (Nablus Tor) genannt. Es nimmt damit Bezug auf die Himmelsrichtung, aus der früher importierte Waren (überwiegend Oliven) aus Samarien (è Nablus) in die Stadt eingeführt wurde. Zudem ist das Tor Z-förmig gebaut, um einen Frontalangriff abwehren zu können. Das Zions- und Jaffator wurde L-förmig konstruiert.

Das Goldene Tor vom Ölberg aus fotografiert.

Dass das שער הרחמים („Tor des Erbarmens“), wie das Goldene Tor auf Hebräisch genannt wird, als einziges zugemauert wurde, findet seine Begründung in einer alten jüdischen Überlieferung. Demnach sei die Schechina Gottes („Gegenwart Gottes“ bzw. „Wohnstätte Gottes auf Erden“ – ein Begriff aus der jüdischen Religion) während der Zerstörung des zweiten Tempels 70 n. Chr. durch dieses Tor entwichen. Sie wird wieder mit dem Kommen des Messias in Jerusalem durch dasselbe Tor einziehen. Dann erst wird  das Tor wieder geöffnet sein.

Um den Anspruch der Weltherrschaft eines Machthabers (nicht der erwartete Messias) durch das Hindurchschreiten durch das Goldene Tor auszuschließen, wurde es vorsichtshalber zugemauert. Zudem bewacht ein Wächter das Tor, und der im 19. Jhdt. angebrachte muslimische Friedhof (è kultische Verunreinigung) vor dem Tor stellt eine weitere Maßnahme dar, um das Eintreten einer ungewünschten Person durch dieses Tor zu verhindern.

Das Goldene Tor vom Ölberg aus fotografiert.

Die Quellenlage, wer denn einst für das Zumauern des Tores verantwortlich gewesen ist, ist uneindeutig; sie zeigt unterschiedliche Traditionen an. Einmal wird gesagt, dass unter dem Befehl von Sultan Süleiman, dem Prächtigen, das Tor im 16. Jhdt. zugemauert worden sei. Andere Quellen besagen jedoch, dass dieser Befehl bereits auf Saladin aus dem 12. Jhdt. zurückzuführen sei. Wieder andere verweisen bereits auf die Kreuzfahrer (zwischen dem 11. und dem 13. Jhdt.), wobei anzumerken ist, dass das Goldene Tor zur Kreuzfahrerzeit während der Palmsonntagsprozession und zum Fest der Kreuzerhöhung hätte offen stehen müssen.

Die Außenfront und die Bögen des Goldenen Tores gelten als römischen Ursprungs. Die Mittelreihe an korinthischen Kapitellen (der obere Abschluss einer Säule) und ein Kreuzgewölbe lassen die Handschrift herausragender römischer Handwerker erkennen.

(mr)

Quellen:

Dan, Josef, Die Kabbalah. Eine kleine Einführung, Stuttgart 2007

Magall, Miriam, Jerusalem. Heilige Stätten der Juden, München 2010