Der jüdisch-christliche Dialog – was gut war auf dem Evangelischen Kirchentag 2019

Wer einen Blick in das Programm des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentags wirft, der vom 19. bis 23. Juni 2019 in Dortmund stattfand, den könnte schnell Verwunderung überkommen: Unter den über 2000 Veranstaltungen fanden sich auch Workshops und Seminare wie „Coming Out für Mädchen* und junge Frauen*“ und „Vulven malen“. Man muss kein konservativer Christ sein, um sich zu fragen, was das nun mit Glauben und Kirche zu tun hat. Die Veranstalter lassen uns dazu wissen: es geht gar nicht um diese Themen – zumindest nicht nur. Anliegen des Kirchentages ist es, zum Einmischen anzuregen und Diskussionen anzustoßen. Daher rücke man neben religiösen Fragen gesellschaftspolitische Debatten in den Vordergrund.

Das Motto des Kirchentags 2019.

„Was für ein Vertrauen!“ – Bibelarbeit zum Buch Hiob

Ein Feld, auf dem die Grenzen zwischen Religion, Politik, Soziologie und Identität verwischen, ist der jüdisch-christliche Dialog. Auch dazu fanden Interessierte eine Reihe von Veranstaltungen unterschiedlichster Couleur auf dem Evangelischen Kirchentag. Hier eine Auswahl der Angebote vom Donnerstag:

Zum ruhigen und besinnlichen Start in den Tag empfiehlt sich eine Bibelarbeit. Die Rabbinerin Gesa Ederberg und Prof. Angela Rinn, Theologin, befassten sich dialogisch mit dem alttestamentlichen Text aus dem Buch Hiob, Kapitel 2, 7-13.[1] Passend zum Motto des diesjährigen Kirchentages „Was für ein Vertrauen“ wurde gemeinsam über den gleichnamigen leidgeplagten Mann nachgedacht, der trotz allem immer noch an Gott festhält: So erfuhr der Zuhörer unter anderem, dass Hiob zeigt, wie leicht Menschen in Not beginnen, Gott falsch zu verstehen – statt die Ursache für Leid auf direktem Weg in der Welt zu suchen und Leid selber zu bekämpfen. Die jüdische Gemeinde, die über Jahrhunderte Schicksalsschläge erfahren musste, dürfe nicht demütig stillhalten und alles über sich ergehen lassen: Auch wenn es natürlich legitim sei, Gott im Leid anzurufen, gelte es, irdische Ursachen zu erkennen, diesen entgegenzuwirken und zu handeln und Leid damit einen Sinn zu geben.

Allerdings hätte man dem Gelegenheits-Kirchgänger und Nicht-Theologiestudenten fairerweise nebenbei einen Einblick in jüdische Kultur, Geschichte und Auslegungspraxis geben können. Denn was der Zuhörer nicht erfuhr: neben der vorgestellten mag es womöglich Tausende andere Auslegungen der Textpassage geben, denn „die“ jüdische Auslegung gibt es nicht. Die Verse boten daher Gelegenheit, zu zeigen, wie eine jüdische Wahrnehmung aussehen kann – aber repräsentativ war sie nicht.

Zentrum “Juden und Christen”: Veranstaltungsbeispiele am Donnerstag.

Israel – mehr als Konflikte und Raketen

Wer wollte, blieb einfach sitzen und nahm am nun folgenden Podium teil. Unter dem Titel „Komplexe Wirklichkeit. Andere Geschichten aus Israel“ befassten sich Experten in 15-minütigen Impulsen mit der Vielfalt der israelischen Gesellschaft. Ziel war es, die Wirklichkeit abzubilden, auch wenn dies nicht gerade medienwirksam sei. So stellte man fest, dass in den deutschen Medien eine einseitige Perspektive entworfen werde, die vor allem militärische Reaktionen betont – und damit viele Identitätsmerkmale und Facetten des Landes ausgeklammert würden.

In dieser Veranstaltung ging man dazu nicht weiter kritisch in die Tiefe, sondern überließ Prof. Johannes Becke das Wort. Becke ist Politikwissenschaftler an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg. Diese Hochschule ist insofern eine Besonderheit, als dass jüdische Studien an den deutschen Universitäten meist Teil der Nahost-Studien sind, aber kein eigenständiges Kompetenzzentrum bilden. Becke bot einen Einblick in die demografisch-soziologische Zusammensetzung der israelischen Bevölkerung und zeigte, dass eine vereinfachende Reduzierung auf die beiden Gruppen „jüdische Israelis“ und „muslimische Araber“ keinesfalls legitim sein kann.

So gebe es Samaritaner, die sich als Teil des Volkes Israel verstehen, aber keine Juden sind. So gebe es Drusen, die als Nichtjuden loyal in der Armee des jüdischen Staates dienen. So gebe es die ethnische Minderheit der Tscherkessen, die ethno-religiöse Minderheit der Aramäer und eine Minderheit auf Zeit, die Gastarbeiter, die häufig aus Afrika kommen. Dass diese Gruppen selten bis kaum in den Medien abgebildet werden, könne daran liegen, dass es schon bei der Frage nach der Selbstidentität eines Israeli schwierig wird, der einer der beiden größten Bevölkerungsgruppen angehört – den Juden und Moslems. Ob man von Israelis, von Arabern in Israel, von arabischen Israelis oder israelischen Arabern spricht, ist oft nur individuell zu beantworten.

Hier wurde die Verquickung von Religion und Staat bereits angeschnitten. Yaron Engelmayer, Rabbiner in Karmiel/Israel, und Micha Staszewski, Politologe in Tel Aviv, vertieften die Thematik weiter. Aktuell könne man am Scheitern einer möglichen Regierungskoalition bestens erkennen, dass religiöse Fragen den Staat durchdringen, auch wenn Staat und Religion offiziell voneinander getrennt sind. Denn die Parteien konnten sich über den Eintritt einer religiösen Minderheit – den Drusen – in die israelische Armee nicht einig werden. In Deutschland undenkbar! Besonders die strenge Feiertagsruhe, das viergliedrige israelische Bildungssystem und die Befugnisse des Standesamtes beeinflussen die Zivilgesellschaft. So fassen es einige Israelis als Bevormundung auf, dass „Mischehen“ zwischen Juden und Muslimen oder Christen im Ausland, zum Beispiel auf Zypern geschlossen werden müssen – denn es gibt nur religiöse, keine zivilen Hochzeiten in Israel! Dabei könne es auch durchaus vorkommen, dass jemand jüdisch aufwächst und dann, kurz vor seiner Hochzeit aufgrund der standesamtlichen Dokumentation erfährt, dass er eigentlich gar kein Jude ist.

Bei allen möglicherweise befremdlichen Eigenheiten im modernen Israel weist Staszewski auf eine wichtige Begebenheit hin: Israel ist der einzige jüdische Nationalstaat auf der ganzen Welt. Gerade deswegen sei er zu beschützen. Wenn es in technischen Fragen, zum Beispiel wer Jude ist und wer nicht, streng zugehe, müsse man dies im Gesamtkontext betrachten und dürfe es nicht als Diskriminierung verstehen. Letztendlich gehe es darum, eine Balance zu finden zwischen freiheitlich-demokratischen Gütern – also gleiche Chancen und Recht für alle – und religiösen Zäunen zur Bewahrung des Jüdischen. Denn Israel sei genau genommen kein jüdischer Staat, sondern ein jüdisch-demokratischer. Das gelte es nicht zu vergessen.

Das Fazit zu diesem Block des Podiums: Religion ist fester Teil des Alltags der Israelis. In Deutschland weiß man selten, welcher Konfession der Nachbar angehört und interessiert sich in der Regel auch nicht dafür. In Israel dagegen weiß jeder darüber Bescheid, wer was glaubt. Man kennt alle Label und Facetten der Religiosität. So regten die Redner dazu an, einmal als Deutscher darüber nachzudenken, wie wichtig Religion für unseren Staat sein kann und sein sollte.

Der nächste Impuls kam von Jonathan Elkhoury, Minderheitenkoordinator Reservists on Duty, Israel. Elkhoury kam als libanesischer Flüchtling nach Israel. Er warb dafür, seine positive Integrationsgeschichte nicht als Ausnahme zu betrachten, sondern Menschen wie ihm mehr Raum zu geben. Da die israelische Armee so etwas wie ein Schmelztiegel aller im Land lebenden Bevölkerungsgruppen sei, könne man hier sehr gut beobachten, dass ein Zusammenleben gut funktionieren kann. Elkhoury betonte die Wichtigkeit dieser Institution, da Gemeinsamkeiten für die Identitätsbildung von Staatbürgern eine große Rolle spielen. Allerdings: „To do everything that is in a person‘s power to make society better is more important than how you identify yourself.“ Mit diesem Satz zeigte er, dass es das eigene, konkret sichtbare Engagement ist, das die Gesellschaft prägt – dann erst kommen abstraktere Fragen der Selbstzuordnung.

Damit bot das Podium eine gelungene Zusammenstellung von Aspekten zur israelischen Gesellschaft, die in der Tat nicht in der deutschen Berichterstattung zu finden sind – obwohl in den Medien nahezu täglich von Israel die Rede ist.

Antisemitismus – mitten unter uns

Im Dortmunder Opernhaus fand eine Veranstaltung zum Thema Antisemtismus statt…

Ein Deutscher, der sich mit dem Judentum und Israel auseinandersetzt, darf die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und dem Antisemitismus nicht scheuen. Denn die Frage im Titel einer weiteren Veranstaltung auf dem Kirchentag „Hört das denn nie auf?! Antisemitismus in Deutschland“ muss leider mit „Nein, es hört nie auf“ beantwortet werden.

So stellte Dr. Klaus Holz, Generalsekretär der Ev. Akademien in Deutschland, in der Anmoderation fest, dass äußere Gewalttaten nur die Spitze des Eisberges sind. Was darunter ist, ist statistisch natürlich nur schwer zu erfassen. Doch genau dieser Schwierigkeit stellt sich das Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin unter Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum. Die Tatsache, dass es die einzige Einrichtung im Land ist, die sich wissenschaftlich ausschließlich mit dem Thema Antisemitismus auseinandersetzt, ist bezeichnend. So gebe es zwar fast jede Woche eine neue Statistik unterschiedlichster Herkunft, die über Antisemitismus in der Bevölkerung informieren will – aber fundiertes Wissen existiere nicht. Keiner dürfe behaupten, dass wir das Phänomen im Griff haben oder gar bannen könnten. Schüler-Springorum weist auf die Tatsache hin, dass fast die Hälfte aller antisemitischen Straftaten keinem „Lager“ zuzuordnen ist – die Täter lassen sich nicht einfach kategorisieren. Daran zeigt sich: Antisemitismus geistert mitten unter uns. Ihr Rat: Man müsse bei der Bekämpfung vielmehr die Mitte der Gesellschaft in den Blick nehmen, statt sich nur auf Randgruppen zu fokussieren.

Dem stimmte auch Ralf Meister, Landesbischof von Hannover, zu. Er sehe in der Kirchenleitung keinen Anlass zur Sorge und fragt sich, warum vorbildliche Haltungen nicht in die Gemeinden durchdringen. Könne die Gesellschaft sich überhaupt von einem so tief verwurzelten Feindbild trennen und wenn ja, womit wird diese Lücke dann mutmaßlich gefüllt? Offen bleibt, warum Meister eine solche Lernfähigkeit unter seinen Kollegen zu beobachten vermeint und dem normalen Gemeindemitglied diesen Sprung nicht zutraut. Man darf vermuten, dass der Landesbischof eher zu selbstsicher ist und verkennt, dass Antisemitismus immer und überall eine ernstzunehmende Bedrohung darstellt – und sogar in der Kirchenleitung auftauchen kann, auch wenn es aktuell zumindest keine sichtbaren Zeichen dafür gibt.

… aber viele Plätze blieben leer.

So fasste Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, treffend zusammen: Viele Juden spüren im Alltag nichts von einer Bedrohung durch Antisemitismus – Gott sei Dank. Aber das sei kein Anlass zur Entspannung. Sonst müsste Schuster sagen: „Macht euch nicht nur Gedanken darüber, wo die gepackten Koffer stehen, sondern ob diese auch funktionsfähig sind.“ Dies gilt es unbedingt zu verhindern, auch wenn allen Anwesenden klar war, dass es kein Patentrezept dafür gibt. Antisemitismus auszulöschen ist kein realistisches Ziel. Aber Zivilcourage und positive Gefühle zur Demokratie verstärken können gute Ansätze sein, Ressentiments zu begegnen – nicht nur Antisemitismus.

Insgesamt einen Besuch wert!

„Wir sind manchmal vielleicht nicht die besten Botschafter, aber wir haben die beste Botschaft!”[2] Dieser Satz stammt vom EKD-Vorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm. Wer bewusst suchte, konnte durchaus wertvolle Impulse zu religiösen Themen und zum Leben als Christen in einer modernen Gesellschaft finden. Vieles war gut auf dem Evangelischen Kirchentag 2019. Das gilt vor allem für den jüdisch-christlichen Dialog, der von der Evangelischen Kirche sensibel, aber in Klarheit angegangen wurde – wie die vorgestellten Veranstaltungen zeigten.

Dennoch muss gefragt werden, wieso beispielsweise messianisch-jüdischen Gruppierungen nicht aktiv auftreten durften. Und wieso wurde nicht deutlicher gegen vielfältige BDS-Trends Position bezogen, die regelmäßig zum politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Boykott von Israel aufrufen? Auf dem Evangelischen Kirchentag war kaum ein Thema oder eine Meinung tabu – diese beiden hätten ebenfalls einen Platz verdient.

AEdler

[1] Hier zum Nachlesen: https://dxz7zkp528hul.cloudfront.net/production/htdocs/fileadmin/dateien/zzz_NEUER_BAUM/Service/Downloads/Publikationen/DEKT37_Exegetische_Skizzen.pdf [2] https://twitter.com/jesusde?ref_src=twsrc%5Egoogle%7Ctwcamp%5Eserp%7Ctwgr%5Eauthor

„Die CDU stellt sich entschieden jedem Antisemitismus und der Diskriminierung von Juden in unserem Land entgegen“, betont der Stellvertretende Vorsitzende der CDU Pohlheim, Prof. Dr. Helge Stadelmann. Es sei ein Skandal, dass es in Deutschland heute wieder Nazis gebe, die jüdische Mitbürger und ihre Einrichtungen bedrohten. Ebenso sei nicht hinnehmbar, dass Islamisten die Vernichtung des Staates Israel betrieben und dabei die gleichen antisemitischen Klischees verwendeten, wie einst der Nationalsozialismus. Dass vor der Gießener Synagoge heute bei jeder Veranstaltung zum Schutz eine Polizeistreife stationiert sein müsse, gebe zu denken.

Die CDU veranstaltet deshalb bundesweit vom 14.-21. Juni eine Aktionswoche „Von Schabbat zu Schabbat“, in der sie Stellung gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben in Deutschland nimmt. Sie ruft dazu auf, dass sich Vereine, Feuerwehren, Handwerksmeister und Lokalpolitiker dieser Aktion anschließen, für unsere jüdischen Mitbürger Stellung nehmen und jüdische Einrichtungen besuchen.

Zum anstehenden Pfingstfest grüßt die CDU Pohlheim alle jüdischen Mitbürger in Stadt und Landkreis, die zeitgleich das jüdische Schawuoth-Fest begehen. An Schawuoth feiern Juden den Empfang der 10 Gebote, die weltweit die Wertegrundlage für humane und gerechte Gesellschaften gelegt haben. „Nicht nur das Christentum, sondern unsere gesamte Zivilisation verdanken dem Judentum viel“, so Stadelmann. Die CDU fühle sich diesem Wertefundament verpflichtet.

christlich-jüdische Grundsätze

Vom 14.-18. Mai soll in Tel Aviv der 64. Eurovision Song Contest stattfinden, den viele noch unter der bis 2001 gängigen Bezeichnung „Grand Prix“ kennen. Ort der Austragung ist dabei immer das Siegerland des Vorjahres. Das mag verwundern, insofern Israel geografisch nicht zu Europa gehört. Allerdings dürfen alle Länder teilnehmen, die Mitglied der European Broadcasting Union sind, einem Zusammenschluss öffentlich-rechtlicher Rundfunkunionen. Da es für die Mitgliedschaft keine geografischen Richtlinien gibt, können Israel und beispielsweise auch Russland und Australien am ESC teilnehmen.

Der ESC – dieses Jahr in Tel Aviv

Dieses Jahr trägt der ESC allerdings nicht nur zur Horizonterweiterung und Unterhaltung seiner Zuschauer und Fans bei.  Denn die weltweit organisierte BDS-Bewegung macht seit Monaten darauf aufmerksam, dass Israel ihrer Ansicht nach nicht als Ausrichtungsort taugt. Israel, so heißt es beispielweise in einem offenen Brief, den die schwedische Zeitung „Aftonbladet“ vor wenigen Tagen veröffentlichte, nutze seine Rolle als Gastgeber aus, um die eigenen Verbrechen zu vertuschen. Aus Solidarität mit den Palästinensern, die laut der Bewegung permanent durch den Staat Israel in ihren Menschenrechten verletzt oder dieser gar beraubt werden, solle der Contest nicht öffentlich übertragen werden. Besser noch, kein Künstler ginge hin. In Island, Frankreich und Irland gab es bereits diverse Aktionen, um dieses Ziel durchzusetzen.

So fordert die BDS-Bewegung mal wieder, künstlerische Freiheit zugunsten ihrer politischen Interessen zu beschränken. Notfalls mit viel Nachdruck.

Nicht alle geben nach: Via facebook reagierte der Frankfurter Bürgermeister Uwe Becker auf einen offenen Brief, den Boykotteure Ende Januar im Guardian veröffentlichten. Becker kritisiert darin mit deutlichen Worten die Doppelmoral der BDS-Bewegung: „They (Anm.: die Boykotteure) write: ‚Until Palestinians can enjoy freedom, justice and equal rights, there should be no business-as-usual with the state that is denying them their basic rights.‘ Well ‚artists from Europe and beyond‘ where in the whole region you are talking about can we see ‚freedom, justice and equal rights‘? Where are those basic human rights constitutional guaranteed? Right, in Israel.[1]

Zudem: „…as long as you support the boycott of Israel, you are not welcome in our city of Frankfurt!

Die Stadt Frankfurt setzt sich gegen Antisemitismus ein

Becker stellt sich schon seit Jahren offen gegen Antisemitismus. So arbeitet die Stadt Frankfurt nicht mit Banken zusammen, die der BDS-Bewegung nahe stehen oder diese unterstützen. Außerdem werden keine Räumlichkeiten mehr an BDS-Aktionisten vermietet. Als der Bürgermeister Ende Februar in Tel Aviv ein Bündnis gegen Antisemitismus mitgründete, umfasste dies betont auch das Vorgehen gegen die BDS-Bewegung. Denn zum Einsatz gegen Antisemitismus gehört für Becker ganz klar die Solidarität mit dem Staat Israel.

A.Edler

[1] Den vollständigen Post finden Sie unter https://www.facebook.com/uwe.becker.545/posts/10218256177623682

Work and … what?

Nehmen wir mal an, ein junges Pärchen, Mitte Zwanzig, plant seine Hochzeit. Oktober 2016, eine besondere Zeit, denn nur kurz vorher sind beide mit Ausbildung und Studium fertig geworden – es folgt also für beide ein neuer Lebensabschnitt in allen Bereichen. Nun tun sich viele Möglichkeiten auf:  sesshaft werden, Wohnung suchen und einrichten – … oder etwa Koffer packen und ein Auslandsjahr dazwischenschieben? Aus den Flitterwochen sozusagen “Flittermonate” machen? Klingt Hammer! Das wäre immerhin eine Gelegenheit, die nicht so schnell wiederkommt. Aber wohin geht man dann, und was macht man dann da? Au-Pair in Kanada? Backpacking in Neuseeland? Farmarbeit in Australien? Roadtrip durch die USA? So oder ähnlich haben sich die beiden das vielleicht vorgestellt, wenn da nicht diese eine verrückte Idee dazwischengekommen wäre. Auf Google nebenbei entdeckt, hat es die beiden nicht mehr losgelassen:  Work and Travel in Israel.

Work and Travel in Israel. Im selben Jahr noch, Anfang 2016, hat Israel für “deutsche Staatsbürger zwischen 18 – 30 Jahren” ein spezielles neues Freundschaftsvisum ausgehandelt:  das Working-Holiday-Visum (siehe Seite der israelischen Botschaft). Ein klassisches B/1 Arbeitsvisum, dass auf Work&Travel ausgelegt ist – 6 Monate arbeiten (darunter max. 3 Monate pro Arbeitsstelle, um etwas rumzukommen), und 6 Monate das Land anschauen.

Wir heißen Daniel und Johanna – und dieses oben genannte Pärchen, das sind wir. Zwischen 2016 und 2017 waren wir mit dem Working-Holiday-Visum für 7 ½ Monate in Israel, und von den Abenteuern und Erfahrungen, die wir in unserer Zeit im Nahen Osten gemacht haben, möchten wir hier in einem zweiteiligen Artikel erzählen. Im ersten Artikel soll es um die Menschen gehen, die wir kennengelernt haben, und im zweiten um die Arbeit und das Land, welches uns beide seither nicht mehr losgelassen hat.

Land und Leute – Juden heute

Israel – so ein kleines Land. Bewohnt von knapp 9 Millionen Menschen, und jeder von ihnen einzigartig anders. Wie verschieden diese Menschen sind, die auf engstem Raum leben – gemäß ihren unterschiedlichen Kulturen und den Bräuchen in allen Farben und Formen – hat uns schwer beeindruckt. Wenn wir uns heute an unsere Flittermonate zurückerinnern, dann denken wir zuerst an die Menschen, und die vielen außergewöhnlichen Begegnungen. 

Ein paar Eindrücke zur jüdischen Bevölkerung:  ein großer Aha-Effekt für uns beide war die Tatsache, dass wir bis dahin in Deutschland eigentlich noch nie (bewusst) einem Juden begegnet sind, obwohl es in Europa durchaus größere jüdische Gemeinschaften gibt, in Frankreich oder in deutschen Städten, wie in Berlin. In  unserer Heimat in Südostbayern hatte bis dahin noch kein bayrisch-israelischer Kontakt stattgefunden. Umso faszinierter waren wir, dieses lebenslustige Volk dann in Israel genauer kennenlernen zu können. Ein erster Spaziergang dort zeigt aber schnell, dass man diese Menschen nicht leicht in eine Schublade stecken kann. In Tel Aviv sieht man beispielsweise im Stadtteil B’nei Brak einen ultraorthodoxen Mann, in langem schwarzen Gewand, mit Filzhut, Quasten und Kinderwagen – dagegen im Stadtteil Florentin einen jungen Hipster im Tanktop mit Vollbart und Sonnenbrille, der sich nach seinem Chai Latte lässig auf sein Surfbrett schwingt – und doch sind beide Juden.

So kunterbunt haben sich auch unsere weiteren Begegnungen angefühlt. Zum Beispiel gab es da in Tiberias unsere Nachbarn: die israelische Oma, ihre Schwester und ihr Radio, das auf Anschlag gedreht unser Treppenhaus mit hebräischen Hits beschallte (wobei sie uns aber auch täglich Einwegteller mit Eintopf in die Wohnung brachte, was die Sache wieder gut machte). Oder den 17-jährigen Jungen, der nach der Schule im Buchladen Steimatzky jobbte, und der uns nach einem kurzen Gespräch über ein Buch prompt zu sich nach Hause ins Nachbardorf Kfar Tavor eingeladen hat (… und er diese Einladung auch tatsächlich ernst gemeint hat, und wir tatsächlich hinkommen durften. Sein Vater ist Arzt, seine Mutter Hausfrau, und wir waren bei ihnen zum koscheren Mittagessen eingeladen – wo erlebt man sowas in Deutschland?). Oder den zwanzigjährigen Inhaber einer Pizzabude, der uns beim Namen kannte, und uns oft quer über die Straße gegrüßt hat, immer dann, wenn er uns sah. Oder der Friseur in Tiberias, der uns stolz ein Beweisfoto präsentierte, dass er schon dem französischen Präsidenten Sarkozy die Haare geschnitten hat (was auch immer man von dieser Story halten soll). Oder Menschen, die wir beim Trampen kennengelernt haben:  wie eine kunstinteressierte, jüdische Mutter – oder zwei Bauarbeiter die uns auf der Fahrt im heißen Juli eisgekühlte Getränke angeboten haben. Oder die Begegnung, bei der unser Chef zusammen mit einem befreundeten Bürgermeister einer israelischen Kleinstadt und mit uns nach  Cäsarea am Mittelmeer zum Essen gegangen ist. Oder das eine Mal, wo wir auf eigene Faust in Jerusalem in der Davidszitadelle bei einer Autorenlesung waren, und dem Journalisten Matti Friedman Fragen zum Aleppo Codex, der weltberühmten Bibelhandschrift, stellen konnten. Oder der arabische Busfahrer, der uns mit der Zeit gut kannte, und auch außerhalb der Haltestellen am Straßenrand seinen Linienbus anhielt, und uns fragte ob wir mitfahren wollen, wenn er uns gesehen hat. Jede einzelne dieser Begegnungen war so unterschiedlich, und doch so besonders, dass wir keine dieser Erinnerungen wieder hergeben wollen.

Die längste Zeit haben wir aber eine unserer Gastfamilien kennenlernen dürfen – eine neunköpfige Familie von amerikanischen, messianischen Juden, die vor vielleicht 15 Jahren einreisten, und die nun als Familie ein Gästehaus leiten. Eine außergewöhnliche Familie, bei der die Eltern teilweise noch mit dem Sprachelernen kämpfen, während die jüngsten Kinder schon als hebräische Muttersprachler aufwachsen und die ältesten Söhne bereits in der israelischen Armee sind und nur am Wochenende von ihrer Einheit nach Hause kommen. Die jüngste Tochter spielt täglich im Kindergarten, eine andere Tochter macht die Ausbildung zum Tourguide, eine andere fährt täglich nach Jerusalem in die Schule, und hilft danach im Gästehaus. Wo auch immer jeder unter der Woche ist, alle kommen am Freitagabend nach Hause. Dann werden auf der Terrasse in den lauen Sommerabenden zwei Kerzen angezündet, es wird das Brot gebrochen und Schabbat gefeiert. In dieser Zeit lernte man die Familie noch am Besten kennen:  einmal pro Woche steht der Familienvater am Tisch, lobt seine Frau für das, was sie tut, nennt jedes Kind beim vollen Namen und betet für sie. Es wird gut gegessen, Lieder werden gesungen und man tauscht sich über die Woche aus. In einem derart harmonischen Austausch miteinander genießt jeder der Neun einmal pro Woche, dass man sich gegenseitig als Familie hat, und wie wertvoll Familie ist, und dass man am Schabbat mal so richtig ausspannen kann. Wir dachten uns: jeden Freitag? Bei uns in Deutschland gibt es sowas höchstens an Weihnachten, wenn überhaupt.

Ein zusätzliches Highlight für uns waren die Momente, bei denen uns Leute zu besonderen Events mitgenommen haben: angefangen von ganz persönlichen Momenten, wie einem Schulkonzert der zweitältesten Tochter in Jerusalem, und später ihrer Schulabschlussfeier in Mode’in – bis zu den großen, jüdischen Festen, die wir mitfeiern durften: Krapfen an Hannukah, eine legendäre Passahfeier am 14. Nissan, gefolgt vom Fest der ungesäuerten Brote, wo es unser Job war, jegliche Art von gesäuertem Brot aus dem Haus zu kehren, und danach sieben Tage Knäckebrot zu kauen. Bald nachdem wir uns am Wochenfest Schavu’ot Blütenkränze ins Haar gesteckt hatten, mussten wir aber abreisen. Vielleicht kommen wir eines Tages ja mal für die Herbstfeste zurück.

50-Jahre-Jerusalem Feier (am Jaffa Tor)

Einen absoluten Höhepunkt unseres Israelaufenthaltes haben wir dann aber eher zufällig entdeckt: nach einem langen Arbeitstag wollten wir beide ursprünglich noch nach Jerusalem in ein Café in Mamilla gehen, und haben unverhofft festgestellt, dass dort am Jaffa Tor gerade die Feierlichkeiten zum 50-Jahre-Jerusalem-Jubiläum gestartet hatten. Und eher spontan fanden wir uns in einer Menge von Menschen wieder, hörten Livemusik, eine Ansprache von Netanjahu, und genossen das Feuerwerk und eine Light- und Drohnenshow. Genial!

In other words…

Mit anderen Worten: vorher weiß man nie, auf was man sich bei so einer Reise einlässt – schon gar nicht, wenn man 7 ½ Monate Work and Travel in Israel plant und sowas ähnliches noch nie vorher gemacht hat. Aber ganz ehrlich: es hat sich voll und ganz gelohnt! Dieses kleine Land steckt voller faszinierender Menschen und Momente, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Wir werden zwar nicht gesponsert, das zu sagen, aber das Working-Holiday-Visum können wir wärmstens empfehlen – vielleicht ist das auch was für dich?

 

DB

(Bilder privat)

Das „Faschingsfest der Juden“ – unter dieser Beschreibung ist das Purim-Fest noch am ehesten in unserer Gesellschaft bekannt. Viele haben schon mal von Ester, „Haman-Taschen“ oder auch den sogenannten „Ratschen“ gehört. Doch wissen die wenigsten nichtjüdischen Menschen, warum Purim gefeiert wird, warum Juden sich an diesem Tag verkleiden und warum das Trinken von Alkohol fast schon ein Gebot ist.

Hier soll ein kleiner Einblick gegeben werden in das Purim-Fest und die verschiedenen Traditionen, die es begleiten.

An Ta´anit Ester (13. Adar) wird dem Mut Mordechais und Esters gedacht.

Ta´nit Ester. Purim wird traditionell am 14. und 15. des Monats Adar gefeiert, da laut der Überlieferung an diesen Tagen die Juden in Persien ihre Gegner besiegt hatten und ihre Errettung vor den Feinden feiern konnten. Doch auch der 13. Adar, der Tag, an dem Haman die Juden in ganz Persien auslöschen wollte, ist ein wichtiger Tag im jüdischen Kalender. An diesem Tag wird dem Mut Esters gedacht. Ta´anit Ester bedeutet „das Fasten Esthers“.

Denn als Mordechai zu Esther ging, um sie zu überreden, ihren Ehemann König Xerxes (Ahasveros) um das Überleben des jüdischen Volkes anzuflehen, fastete und betete sie. Sie sagte zu Mordechai. „So geh hin und versammle alle Juden, die in Susa sind, und fastet für mich, dass ihr nicht esst und trinkt drei Tage lang, weder Tag noch Nacht. Auch ich und meine Dienerinnen wollen fasten. Und dann will ich zum König hineingehen entgegen dem Gesetz. Komme ich um, so komme ich um.“ (Est 4,16) Um der Weisheit Mordechais und dem Mut Esters, die mit diesem Vorgehen ihr Leben riskierte, zu gedenken, ist der 13. Adar zu einem Fast- und Gedenktag für die beiden geworden.

Warum zwei Tage? Da die Kämpfe durch das erste Edikt von König Xerxes auf den 13. Adar begrenzt waren, konnten die Juden fast im ganzen persischen Reich schon am 14. Adar ihren Sieg über die Feinde feiern. Doch die Kämpfe in der Hauptstadt Susa dauerten 48 Stunden. So fand im ganzen Land zwar schon am 14. Adar ein Freudenfest statt, doch hielten die Juden in der persischen Hauptstadt Susa erst am 15. Adar ein Festmahl. So bestimmten Ester und Mordechai im Nachhinein diese beiden Tage zu Festtagen (Est 9,22), an denen Fasten und Arbeit verboten sind! An Purim wird das Leben gefeiert: Der Gottesdienst, gute Gemeinschaft, Essen und Trinken sind bestimmend für diese Tage der Freude.

Am Abend des 13. sowie am Morgen des 14. Adar versammeln sich Juden in Synagogen und hören die Megillat Ester.

In der Synagoge. Purim beginnt traditionell mit einem Gottesdienst in der Synagoge. Da im Judentum der Tag am Abend beginnt, gehen alle am Abend, wenn die Sonne am 13. Adar untergeht (also zu Beginn des 14. Adar), in einen ersten Gottesdienst; der zweite folgt am Morgen des 14. Adar.

In der Synagoge wird aus dem Buch Ester (hebr. Megillat Ester) vorgelesen. Jedes Mal, wenn dabei der Name Haman fällt, klappert die Gemeindeversammlung mit den sogenannten Ratschen, stampft laut mit den Füßen auf, bläst in Tröten oder macht auf eine andere Weise Lärm. Diese Tradition leitet sich aus der Feindschaft zwischen Israel und den Amalekitern (dem Volk Hamans) her; an der bestimmenden Stelle verkündet JHWH, dass der Name Amalek ausgelöscht werden soll (5. Mo 25,17-19).

Haman-Taschen sind ein süßes Gebäck und werden traditionell zu Purim gebacken.

Gemeinschaft. Nach dem zweiten Gottesdienst am Morgen des 14. Adar kommt die ganze Familie zusammen und feiert das Leben bei einem Festmahl. Es werden möglichst auch Freunde eingeladen, damit eine große Festgemeinschaft entsteht. Diese Gemeinschaft unter Juden steht an Purim im Zentrum: Nur durch einen starken Zusammenhalt haben es die Juden geschafft, ihre Feinde in Persien zu besiegen.

Zu diesem Festessen, für das man sich besonders festlich kleidet, gibt es auch traditionelle Speisen, die meisten sind süß: Haman-Taschen, mit Schokolade, Mohn oder Nüssen gefüllt, und Nunt, aber auch die pikanten Kreplach sind dabei die bekanntesten Speisen. Über die Jahrhunderte wurde es tatsächlich zu einem talmudischen Gebot, so viel Wein zu trinken, bis man nicht mehr unterscheiden kann zwischen den Ausrufen „Verflucht sei Haman!“ und „Gesegnet sei Mordechai!“ (Talmud, Traktat Megilla 7b; Schulchan Aruch, Orach Chaijim §695.2). Doch wird heutzutage natürlich auf die Gefahren eines zu großen Alkoholkonsums verwiesen.

Geschenke. Es ist eine sehr bedeutende Tradition und sogar eine Mitzwa (ein Gebot), sich an Purim zu beschenken. Dies leitet sich direkt aus dem biblischen Bericht her (Est 9,22). Mit der Zeit haben sich verschiedene Arten von Geschenken entwickelt:

Geschenke innerhalb der Familie, unter Freunden, aber auch an Bedürftige sind eine besonders schöne Tradition.

Es gilt, jemandem aus dem Bekanntenkreis Essen zu schenken. Diese verpackten, haltbaren Essensgeschenke sollen durch eine dritte Person übergeben werden. Meist übernehmen verkleidete Kinder diese Rolle.

Außerdem beschenkt man an diesen Tagen Bedürftige. Hier werden in der Regel Geldgeschenke gemacht. Ist es jemandem nicht möglich, einen Bedürftigen direkt zu beschenken, wird das Geld an Wohltätigkeitsorganisationen gegeben.

Umzüge. Diese Tradition ähnelt am meisten dem Faschingsfest. Es gibt ausgelassene Festumzüge, für die sich die Teilnehmenden, aber auch die Besucher verkleiden. Sie werden auch Purimspiele genannt: Gruppen, zusammengesetzt aus unterschiedlichsten Generationen, spielen das Purimgeschehen nach.

Die Tradition, sich an Purim zu verkleiden, geht auf verschiedene Begründungen zurück. So wird etwa am Ende des Buches deutlich: Der Gott Israels griff ein und rettete sein Volk, auch wenn sein Name nicht ein einziges Mal genannt wird. Sein Wirken verbarg sich hinter dem Offensichtlichen. Im Talmud wird außerdem beschrieben, wie das jüdische Volk sich an manche heidnischen Gepflogenheiten im Exil anpasste – doch war dies nur wie eine Maske; im Herzen blieb es seiner Identität treu.

Purim ist ein Fest der Lebensfreude – gute Gemeinschaft, festliches Essen und der Genuss von Wein sind dabei ein wichtiger Bestandteil.

So ist Purim ein bedeutendes Freudenfest für das jüdische Volk – bis heute. Es wird gefeiert, dass Gott sein Volk in der Diaspora bewahrt und eine starke Gemeinschaft innerhalb des Volkes geschenkt hat. Auch heute noch gilt Mordechais Gebot: „(…) sie sollten als Feiertag den 14. und 15. Tag des Monats Adar annehmen und jährlich halten als die Tage, an denen die Juden zur Ruhe gekommen waren vor ihren Feinden, und als den Monat, in dem sich ihr Schmerz in Freude und ihr Leid in Festtage verwandelt hatten (…).“ (Est 9,21-22)

Chag Sameach! Ein frohes Purim-Fest!

 

KStegemann

„Chag Sameach! Ein frohes Fest!“

 

Mit diesen Worten werden sich heute Abend alle Juden hier in Deutschland und in der ganzen Welt begrüßen – denn Purim steht vor der Tür. In diesem Jahr fällt das jüdische Fest, das traditionell am 14. und 15. Adar (der sechste Monat des jüdischen Kalenders) gefeiert wird, auf den 21. und 22. März. An diesen beiden Festtagen wird den Geschehnissen gedacht, in deren Mittelpunkt die Jüdin Ester steht, wie sie im gleichnamigen biblischen Buch geschildert werden.

Das Königreich Persien reichte von Indien bis Äthiopien.

Die Ereignisse werden auf das Jahr 473 v.Chr. zurückdatiert, als Xerxes I. (hebr. Ahasveros) König über das Reich Persien war, das zu dieser Zeit von Indien bis Äthiopien reichte und damit 127 Provinzen (!) umfasste. Als die Hauptfrau von König Xerxes sich ihm eines Abends verweigerte, verstieß er sie zornig und ließ eine neue Dame für seinen Harem suchen. (Est 1)

Ester (hebr. Hadassa) lebte mit ihrem Cousin Mordechai in der Hauptstadt des persischen Reiches, Susa. Die junge Jüdin war von ihrem Aussehen wie auch von ihrem Charakter her sehr schön. Sie wurde in den Harem des persischen Königs aufgenommen und lebte fortan am Königshof – doch wusste niemand, dass sie Jüdin war.

Ihr Cousin Mordechai, der Ester nach dem Tod ihrer Eltern aufgenommen hatte, war ein angesehener Jude in der Hauptstadt des persischen Reiches. Eines Tages deckte er einen Komplott zur Stürzung des Königs auf, rettete so dessen Leben und stand fortan hoch in Ehren. (Est 2)

Doch der Minister des Perserreiches, ein enger Mitarbeiter von König Xerxes I., hasste Mordechai: Dieser hatte sich aus religiösen Gründen nicht vor ihm verbeugen wollen. Haman war ein Amalekiter und damit Nachkomme eines Volkes, das schon seit Jahrhunderten mit Israel, dem Volk JHWHs, verfeindet war (2. Mose 17,8ff.). So ersann er einen Plan, wie er das jüdische Volk ein für alle Mal auslöschen könnte: Er trat vor den König und stellte das jüdische Volk als eine Menge von Aufrührern dar, die die Gesetze des Königs missachten würden. Sein Vorschlag zur vermeintlichen Abhilfe folgte sogleich: An einem ausgewählten Datum sollten die Juden vogelfrei sein – jeder sollte sie ungestraft töten und ihren Besitz an sich nehmen dürfen. Xerxes erwiderte: „Das Silber sei dir gegeben, dazu das Volk, dass du mit ihm tust, was dir gefällt!“ (Est 3)

Ester ist der altpersische Name Hadassas und bedeutet Stern.

Haman hatte die Lose geworfen, um ein Datum für diesen Anschlag festzulegen; so wurde der 13. Adar ausgewählt. Als Mordechai von dem Plan des Amalekiters erfuhr, eilte er zum Königshof und forderte Ester auf, bei Xerxes um Gnade für das jüdische Volk zu flehen. Sie lehnte aus Angst zuerst ab, doch Mordechai sprach die berühmten Worte

„Und wer weiß, ob du nicht gerade um dieser Zeit willen zu königlicher Würde gekommen bist?“ (Est 4)

Es könnte ihr Leben kosten, unaufgefordert zum König zu gehen – doch Ester wagte es und lud König Xerxes und seinen Minister Haman zu einem von ihr angerichteten Essen ein. Doch obwohl der König nach diesem Essen entzückt war von ihr, brachte sie ihre Bitte an diesem Abend noch nicht vor ihn, sondern lud ihn und Haman am folgenden Tag wieder zu einem Mahl ein. (Est 5)

In der Zwischenzeit wurde Mordechai für den Aufdeckung der Verschwörung gegen den König geehrt – und Haman war gezwungen, ihm Ehre zu erweisen, indem er ihn auf einem Pferd durch die Stadt führte und rühmte. Diese Demütigung schürte seinen Hass nur noch, doch seine Frau warnte ihn in einem prophetischen Wort: „Ist Mordechai, vor dem du zu fallen begonnen hast, vom Geschlecht der Juden, so vermagst du nichts gegen ihn, sondern du wirst vor ihm vollends zu Fall kommen!“(Est 5-6)

Am selben Tag fand das zweite Abendessen statt, zu dem Esther den König und den Minister eingeladen hatte. Nun offenbarte Esther Xerxes, dass sie Jüdin war und Haman ihr Volk auszurotten gedachte. Der König erkannte nun den Plan Hamans und in seinem Zorn befahl er, seinen Minister an dem Holzpfahl aufzuhängen, den dieser vorsorglich für eine Hinrichtung Mordechais hatte errichten lassen. (Est 7)

König Xerxes ernannte Mordechai zum neuen Minister an Hamans statt. Trotzdem war es schon zu spät: Denn im Perserreich konnte ein Edikt, das einmal erlassen wurde, nicht mehr zurückgenommen werden. Deshalb erließ der König ein neues, zusätzliches Edikt: Die Juden würden sich am 13. Adar wehren dürfen. (Est 7)

So besiegten die Juden ihre Feinde an jenem Tag, der eigentlich zu ihrer Vernichtung hatte führen sollen. Doch nahmen sie keine Beute, wie ihre Gegner es getan hätten.

Die Geschehnisse von Purim sind in der Megillat Ester aufgeschrieben, zu finden in den “Schriften” im Tanach.

So feierten die Juden in den ländlichen Gegenden am 14. Adar ein Freudenfest. Nur in der Hauptstadt Susa dauerten die Kämpfe noch den 14. Adar an. Deshalb begingen die hier lebenden Juden erst am 15. Adar ein Fest wegen ihrer Errettung vor den Feinden. Mordechai erklärte in der Folge diese beiden Tage zum Feiertag, genannt Purim, nach den Losen, die Haman geworfen hatte, um das Datum für die Vernichtung der Juden festzulegen. (Est 9-10)

An dieses Geschehen erinnert sich bis heute das jüdische Volk am Purim-Fest: JHWH, der Gott Israels, beschützt sein Volk sogar in der Diaspora. So sind die Ereignisse rund um Esther auch für Christen eine große Ermutigung im Glauben, denn der Gott Israels hat auf eindrückliche Weise gezeigt, dass er treu zu seinem Volk steht.

Chag Sameach!

KStegemann

Israel einst und jetzt

Mehr als Standardwissen: Wer Israel besser kennenlernen möchte, sollte unbedingt am 06. April beim FTHkolleg „Israel einst und jetzt“ dabei sein! Referent Dr. Berthold Schwarz macht eine verantwortungsbewusste Israel-Lehre verständlich: Warum ist die sogenannte Ersatztheologie falsch? Wie kann Römer 9-11 Orientierung übers Israels Zukunft geben? Warum irrte Martin Luther im Blick auf die Juden? Darüber hinaus gibt es tiefe Einblicke in die Geschichte des „Heiligen Landes“. Anmeldung bis zum 23. März 59Eur, danach 69Eur. Mehr unter https://www.fthgiessen.de/willkommen/fthkolleg/

Herzliche Einladung zum FTHkolleg!

„Solange (…) nach Osten hin, vorwärts, das Auge nach Zion blickt – solange ist unsere Hoffnung nicht verloren (…).“

Diese Worte bilden den Kern der Nationalhymne des Staates Israel, der „haTikva“. HaTikva ist Hebräisch und bedeutet übersetzt „die Hoffnung“. Gemeint ist die Hoffnung, die das jüdische Volk seit der Vertreibung aus dem Land Israel vor knapp 2000 Jahren begleitet hat.

Als Titus, der Sohn des damaligen römischen Kaisers Vespasian, 70 n.Chr. Jerusalem als die Hauptstadt des jüdischen Landes und den Tempel zerstören ließ, wurden große Teile der Bevölkerung aus Jerusalem und dem ganzen Land exiliert. In den berühmten Triumphbogen des Titus, der heute noch in Rom zu sehen ist, ist die Szenerie der Exilierung des jüdischen Volkes eingemeißelt: Man sieht jüdische Männer, nun Sklaven Roms, die die große Menora (den siebenarmigen Leuchter aus dem Tempel) auf ihren Schultern tragen. Dieser Erste Jüdische Krieg (66-70 n.Chr.), der sog. Diasporaaufstand (115-117 n.Chr.) und der bald folgende Bar-Kochba-Aufstand (132-135 n.Chr.) zogen die endgültige Zerstörung der judäischen Provinz durch die Großmacht Rom nach sich und führten letztlich zur großen Diaspora des jüdischen Volkes. Auch wenn bis heute noch viele Juden in anderen Ländern leben, so fand diese Diaspora dennoch ein Ende mit der Gründung des Staates Israel im Mai 1948 durch David Ben Gurion.

Der Triumphbogen des Titus

Doch in den Jahrhunderten der Zerstreuung stand das Bild auf dem Titusbogen symbolisch für „haTikva“ (die Hoffnung) der Juden auf eine Rückkehr: Nämlich dass sie eines Tages die Menora zurückbringen würden an den Ort, den ihr Gott für sie erwählt hatte.

Diese Hoffnung war für das jüdische Volk ein Anker in den Jahrhunderten der Zerstreuung, die folgten: Diese waren geprägt von willkürlichen antisemitischen Übergriffen und staatlichen Unterdrückungen, Getthoisierungen und Pogromen, von Demütigungen, Zwangstaufen und Tod.

Über 1800 Jahre blieb die Hoffnung des jüdischen Volkes bestehen, eines Tages nach Israel zurückzukehren. Schließlich führte auch der anti-jüdische Druck in Europa und Russland zur Bildung politisch motivierter zionistischer Strömungen im 19. Jahrhundert. Daneben gab es bereits rabbinisch-religiös motivierte Impulse, so etwa unter dem Rabbiner Zwi Hirsch Kalischer (1795-1874), der in seinem 1861 erschienenen Traktat „Drischat Zion“ (Zions Herstellung) die Ansiedelung von Juden in Israel forderte, um u.a. die von den Propheten verheißene Erlösung des jüdischen Volkes vorzubereiten.

In Folge dessen nahm die Vorstellung Gestalt an, diese jüdisch-religiöse Hoffnung auch real-politisch Wirklichkeit werden zu lassen: Zwischen 1881 und 1903 wanderten ca. 30 000 Juden in das damals Palästina genannte Land aus. Bis 1941 folgten vier weitere Auswanderungsbewegungen (Alija) in das den Juden einst verheißene Land, die nur ein Vorgeschmack auf die folgende Entwicklung Israels sein sollten.

Teil dieser historischen Geschehnisse war ein Mann namens Naftali Herz Imber (1856-1909). Dieser jüdische Schriftsteller und Poet wurde im damaligen Österreich-Ungarn geboren – wie sein berühmter Landsmann Theodor Herzl (1860-1904), der bekanntermaßen dem politischen Zionismus mit seiner Schrift „Der Judenstaat“ (1896) eine Grundlage schaffte, nämlich den Juden ein völkerrechtlich verbindliches Land zuzuweisen.

Als Imber von der Gründung von Petah Tikva, einer der ersten jüdischen Siedlungen im damaligen Palästina hörte, wurde er mit Leib und Seele Zionist. Er schloss sich der zionistischen Organisation Chibbat Zion an und verfasste viele Texte zur Rückkehr in das Land Israels. Im Jahr 1882 reiste er als Begleiter des Diplomaten Laurence Oliphant (1829-1888) nach Haifa (Israel). Oliphant selbst war ein Christ, der den Zionismus unterstützte. Dort verlas Imber sein Gedicht „Tikvatenu“, das er vermutlich schon früher geschrieben hatte, aber erstmals öffentlich bei einem lokalen Treffen von Farmern in Rischon LeZion vortrug. Hier war auch der Landwirt Samuel Cohen anwesend. Er war so berührt von „Tikvatenu,“ dass er basierend auf einem rumänischen Volkslied eine Melodie zu den Worten Imbers kreierte. Vier Jahre später wurde das Gedicht in Imbers Buch Morgenstern („Barkai“) veröffentlicht.

Das so entstandene Lied wurde „haTikva“ (die Hoffnung) genannt. Es besteht aus der ersten Strophe des Gedichts von Imber. Bereits 1903 wurde es auf dem von Theodor Herzl ins Leben gerufenen zionistischen Kongress in Basel vorgetragen und schließlich 30 Jahre später bei einem weiteren Kongress in Prag zur Hymne der zionistischen Bewegung erhoben.

So verwundert es nicht weiter, dass dieses Lied, das die Sehnsucht und Hoffnung unzähliger Juden auszudrücken vermochte, am 14. Mai 1948 mit der offiziellen Gründung des Staates Israel zur Nationalhymne erhoben wurde.

Naftali Herz Imber, der berühmte Autor der Nationalhymne, erlebte nach der großen Beliebtheit wegen seiner literarischen Künste, die er im damaligen Palästina ausleben und verfeinern konnte, einen tiefen Sturz. Nachdem die Frau seines Arbeitgebers Oliphant, mit der er eine jahrelange Affäre pflegte, 1886 verstarb und nur zwei Jahre später auch Oliphant selbst, brach Imber seine Zelte ab und reiste nach London und Indien und zog schließlich in die USA. Dort lebte er weiterhin als Schriftsteller, beschäftigte sich aber hauptsächlich mit der Kabbala, der jüdischen Mystik. Seine letzten Jahre verlebte er in großer Armut und der Alkoholsucht verfallen, an der er mit nur 54 Jahren in New York starb. Trotz dieses tragischen Endes lebte Naftali Herz Imbers zionistische Leidenschaft in seinen Werken weiter und insbesondere durch „haTikva“ ist sein Ansehen noch heute lebendig.

der Magen David als Nationalzeichen Israels

Als Zeichen der Ehrerweisung für diesen leidenschaftlichen Schriftsteller wurde sein Leichnam 1953 nach Jerusalem auf einen jüdischen Friedhof umgebettet. Denn dieser allzu menschliche, schließlich gescheiterte Mann fasste doch die Hoffnung des jüdischen Volkes in wenige, ausdrucksstarke Worte – diese Hoffnung, die die Juden in den fast 2000 Jahren des Exils und der Diaspora nicht losließen: die Hoffnung auf die Rückkehr in das ihnen von Gott verheißene Land.

 

„Solange noch im Herzen drinnen

eine jüdische Seele wohnt

und nach Osten hin, vorwärts,

das Auge nach Zion blickt,

solange ist unsere Hoffnung nicht verloren:

die Hoffnung, zweitausend Jahre alt,

zu sein ein freies Volk in unserem Land!

Im Lande Zion und in Jerusalem!“

KStegemann

„Heute vor 80 Jahren…“ So könnte man diesen Artikel beginnen, wie es auch immer wieder getan wird. Allerdings ist es gut, sich den Dingen einmal anders zu nähern. Der Filmemacher Marshall Curry hat genau das getan und ruft damit in Erinnerung, was am liebsten vergessen werden würde.

Knapp sieben Minuten Filmmaterial füllt der mehrfach prämierte Kurzfilm „A Night at the Garden“ von Curry. Er zeigt, was vielen Amerikanern und erst recht Europäern unvorstellbar ist: Am 20. Februar 1939 versammelten sich rund 20.000 Menschen in Madison Garden, New York, um nationalsozialistisches Gedankengut zu bejubeln und zu feiern.

Der Zusammenschnitt beunruhigt den Zuschauer von Anfang an. Unwohlsein macht sich breit und man fragt sich, was in den Sequenzen wohl vor sich geht. Klar wird die Thematik erst, als das eigentliche, unheimliche Szenario eingespielt wird. Eine kleine Parade beginnt. Menschen marschieren mit der amerikanischen Fahne auf, inmitten einer starren Menge, die einheitlich den Hitler-Gruß zeigt. Pauken werden geschlagen, ein Orchester spielt vor der Tribüne. Es folgen mehrere Reihen von Frauen in schwarzem Rock und weißer Bluse. Banner werden hochgehalten: „unser Ziel – ein einiges Deutschtum“. Dazwischen Hakenkreuzflaggen. Auf all das blickt von oben ein riesiges Bildnis von Gründervater George Washington herab. Man fragt sich immerzu, wie das alles zusammenpasst.

Die Freiheitsstatue

Die Musik verstummt und ein Mann tritt ans Rednerpult. Es ist Fritz Kuhn, zu dieser Zeit Leiter des „Amerikadeutschen Bundes“. Dem ratlosen Zuschauer begegnet ein Mann, der das New Yorker Publikum mit Witz und Charme zu fesseln weiß.

„We, with American ideals, demand that our government shall be returned to the American people who founded it. “ Ein paar lockere Sprüche, das Publikum lacht. Der Pledge of Allegiance als Treueschwur auf die amerikanische Flagge folgt Kuhns Zwei-Punkte-Plan, der immer wieder vom Jubel der Menge unterbrochen wird: Erstens, „a socially just white, Gentile ruled United States.“ Zweitens, „Gentile-controlled labor unions, free from jewish Moscow-directed domination.“

Die Parolen enden, als ein einzelner, offensichtlich aufgebrachter Mann nahe des Podiums von einem Mob uniformierter Männer ergriffen wird. Der Störer wehrt sich, ein Gerangel entsteht. Immer mehr Uniformierte kommen dazu, die sich alle auf den Einzelnen stürzen und ihn schließlich abführen. Man hatte ihm noch die Hosen runtergezogen. Der Vorgang zieht sich in die Länge. Die Menge feiert das. Was der Zuschauer nicht weiß: Es handelt sich bei dem Mann um Isadore Greenbaum, der wenig später vor Gericht erklärte, dass er gar nicht mit der Absicht zur Veranstaltung gekommen war, um für Aufruhr zu sorgen. Aber weil er das Leben Tausender jüdischer Menschen in Gefahr sah, konnte er nicht mehr still bleiben. Greenbaum hatte verstanden.

Nach diesem Zwischenfall spielt das Orchester, eine hohe Frauenstimme singt, so, als sei nichts gewesen. Es ist diese beklemmende Mischung der Sequenzen, die den Zuschauer auch lange nach dem Film nicht los lässt.

Curry ist der Erste, der Mitschnitte dieses Aufmarschs systematisch präsentiert. Seine Intention: Zu zeigen, dass die gleichen Menschen, die nach dem Angriff auf Pearl Harbour jegliche Nazi-Ideologie verdammten und ersticken wollten, zwei Jahre zuvor genau diese Philosophie bejubelt hatten. Was wäre gewesen, wenn…? Hätten die Dinge auch ganz anders laufen können? Der Filmemacher sagt dazu, frei übersetzt: „Wir glauben heute, dass es eine scharfe Linie zwischen den „Guten“ und den „Bösen“ gäbe. Ich aber glaube, dass in den meisten Menschen eine dunkle Seite steckt, die darauf wartet, von einem gemeinen und zugleich witzigen Demagogen angestachelt zu werden, der uns überzeugt, dass Anstand was für Schwache ist, Demokratie für Naive, und dass Respekt und Güte anderen gegenüber nur Formen von lächerlicher politischer Korrektheit sind.“ Currys Film zeigt, dass es keinen Grund gibt, sich in Sicherheit zu wiegen, nicht einmal vor sich selbst. A. Edler

Der Link zum Film: https://anightatthegarden.com/?fbclid=IwAR2fX2fUeRlAMmzQ9mmiahFQQkjqyoTPKpRJEmgHBr7iue2lnRUKcBTfDg0, zuletzt aufgerufen am 19.02.2019  

Einblicke in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft Israels

Damit wir als Institut für eine ausgewogene Israellehre alle Fakten über Israel im Blick behalten, lohnt es sich immer wieder einmal, über den Tellerrand des christlich-theologischen Spektrums hinaus zu blicken. Es lohnt sich auf Meinungen aus der säkularen Welt hinzuhören, besonders auf Menschen, welche jeden Tag mit dem heutigen Israel zu tun haben und dieses nicht durch eine „biblische Brille“ erleben. Aus diesem Grund besuchten wir am 25. November den 5. Deutschen Israelkongress in Frankfurt am Main. Dieser Kongress bot ein abwechslungsreiches Ganztagesprogram an, bei dem die unterschiedlichsten Vorträge und Diskussionen besucht werden konnten, beispielsweise Workshops über Israels Sicherheitspolitik oder die israelischen Wirtschaftsverhältnisse. Es wurden per Video Grußworte eingespielt, unter anderem von Benjamin Netanjahu (Ministerpräsident Israels), von Reuven Rivlin (Präsident Israels) und von Angela Merkel.

Der Botschafter des Staates Israel, S.E. Jeremy Issacharoff, eröffnete den Kongress mit einer äußerst eindrücklichen Rede. Er betonte das Existenzrecht Israels als Staat und Nation und machte ausdrücklich darauf aufmerksam, dass dieses Existenzrecht nach wie vor von vielen internationalen Akteuren infrage gestellt und bedroht werde. Die Islamische Republik Iran stelle dabei eine besondere Bedrohung dar. Doch der Iran dürfe nicht vergessen, so der Botschafter, dass Israel nun fähig sei einen neuen Holocaust, wie ihn die iranische Führung immer wieder dem Volk der Juden androhe, mit allen Mitteln verhindern werde.

Auch Uwe Becker, Bürgermeister und Stadtkämmerer der Stadt Frankfurt am Main, kam bei der Eröffnung mit einer Ansprache zu Wort. Er hob hervor, dass Frankfurt die Israel-freundlichste Stadt außerhalb von Israel sei und dieser Status erhalten bleiben müsse. Zur positiven Verwunderung von uns Zuhörern forderte er offen die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt. Es sei an der Zeit, dass Deutschland die Tatsachen vor Ort in Israel anerkenne; ebenfalls sollten die Golan-Höhen als offizielles israelisches Staatsgebiet bezeichnet werden. Deutschland dürfe nicht weiter akzeptieren, dass über die EU finanzielle Mittel an die palästinensische PLO fließen und somit beispielsweise die vorherrschende palästinensische „Terroristen-Rente“ mit deutschen Steuergeldern finanziert werde. Dies sei inakzeptabel und müsse umgehend thematisiert werden. Der Bürgermeister positionierte sich zudem deutlich gegen die Aktivitäten der israelfeindlichen BDS-Bewegung und stellte klar, dass Israel bei der Anwendung Militärgewalt i.d.R. eher zurückhaltend agiere. Es war erfreulich zu hören, dass ein deutscher Politiker sich auf solch deutliche Weise pro Israel positionierte.

Der israelische Minister Gilad Erdan hielt ebenfalls eine kurze Rede. Er leitet das israelische Ministerium für strategische Angelegenheiten. In seiner Rede betonte er, dass das jüdische Volk nun mit einem eigenen Staat nie wieder wehrlos sein werde. Momentan fokussiere sich das Ministerium auf den internationalen Kampf gegen die anti-israelische Boykott-Bewegung BDS (Boycott, Divestment and Sanctions). Verschiedene Maßnahmen seien bereits im positiven Sinne vorangekommen, denn die BDS-Bewegung befinde sich momentan in der Defensive und sei damit beschäftigt, ihre objektiv fragwürdigen Forderungen zu recht-fertigen. Auch offizielle deutsche Stimmen positionierten sich immer stärker gegen die An-liegen des BDS, beispielsweise indem deutsche Banken finanzielle Dienstleistungen ablehnen und auch deutsche Fernsehsender eine Zusammenarbeit verweigern würden. Die EU habe sich zwar klar gegen BDS ausgesprochen und erklärte, dass keine EU-Gelder an diese Bewegung fließen sollen, jedoch gebe die EU Geld an Organisationen und Veranstaltungen, welche unmittelbar der BDS-Bewegungen angehören würden bzw. die sie stark unterstützen. Dieses Fehlverhalten müsse schleunigst geändert werden (im späteren Teil dieses Berichts wird auf die BDS nochmal einmal kurz Bezug genommen). Ebenfalls sei es nicht akzeptabel, dass in den palästinensischen Schulen, welche von der UNRWA geleitet werden, offener Antisemitismus gelehrt werde. Schließlich kam Erdan in seiner Rede auf das „antisemitischste Land“, den Iran, zu sprechen. Es sei an der Zeit, dass Deutschland sich den USA anschließe und Sanktionen gegen die islamische Republik wieder in Kraft treten lasse. Um auf die iranische Bedrohung noch zusätzlich aufmerksam zu machen, betonte er, dass der Iran selbst auf europäischen Boden Attentate ausführe, wie der Fall in Dänemark kürzlich bewiesen habe.

Nachdem die Eröffnungsfeier beendet war teilten wir uns als Mitarbeiter auf mehrere ‚Sessions‘ auf, da viele spannende Vorträge parallel in unterschiedlichen Räumen gehalten wurden. Eine Auswahl an Themen soll hier vorgestellt werden: In einer Session wurden einige israelische Hilfsorganisationen vorgestellt, welche auf der gesamten Welt den Menschen in verschiedensten Nöten beistehen. Dabei wurde zunächst der Dienst von IsraAID Germany präsentiert. Diese israelische Hilfsorganisation steht den deutschen Kommunen besonders in den letzten Jahren bei, die angesichts des Flüchtlingszustroms in Deutschland Hilfe benötigten. Man konzentriere sich bei dieser Arbeit auf die besondere Herausforderung der Flüchtlinge, sich in ein solch modernes Land mit einem völlig anderen Wertesystem einzuleben, wenn diese selbst aus hauptsächlich archaischen strukturierten und/ oder konservativ-muslimischen Ländern des Nahen Ostens kommen. Die globale Organisation des IsraAID als größte israelisch-humanitäre Organisation engagiert sich zu-gleich in der Flüchtlingsarbeit auf Lesbos, Griechenland. Dabei geht es um die ‚International School of Peace‘ (hier ein offizielles Video dieser Arbeit: https://vimeo.com/280514241). Dort treffen Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und aus Afrika, zumeist Kinder, auf jüdisch-israelische Lehrer. Diese Kinder haben zumeist noch nie eine Schule besucht und viele seien ohne einen Elternteil alleine in Europa angekommen sind. Zunächst galt es als Problem, dass israelische Lehrer muslimische Kinder unterrichten, doch sei es relativ unkompliziert bewältigt worden. Die Organisation betont, dass es bei dieser Arbeit nicht um Religion gehe, und dass Juden mit arabischen Lehrern in diesem Dienst zusammenarbeiten würden. Es lohnt sich gewiss, sich über diese offensichtlich gelingende Zusammenarbeit von Juden und Muslimen noch weiter zu informieren.

In einem anderen Workshop wurde die Arbeit von ‚NATAL Israel‘ vorgestellt. Dabei geht es um Hilfe für Menschen in Israel, welche unter einem Kriegs- oder Terror-bedingten Trauma (PTBS) leiden (https://www.youtube.com/watch?v=2mbcZ84wjH4&feature=youtu.be). Diese Organisation war auch während der heftigen Raketenangriffe auf Israel aus dem Gaza-Streifen in Süd-Israel im Einsatz. Auch in Deutschland arbeite man bereits mit einigen Behörden zusammen, wie zum Beispiel mit der Feuerwehr und der Polizei. Mit der Bundeswehr stehe man bereits für eine mögliche Zusammenarbeit in Kontakt. In einem anderen Raum wurde die Arbeit von ‚Israeli Flying AID‘ vorgestellt. Diese israelische Hilfsorganisation gehe in Länder, zu welchen Israel offiziell keinerlei diplomatischen Beziehungen habe. Die Arbeit werde auch von den israelischen Streitkräften (IDF) unter-stützt. Unter anderem habe diese Organisation vor Ort in Syrien Prothesen aus einem 3D-Drucker für schwer verletzte Menschen hergestellt. Die breite Öffentlichkeit auf der Welt hat von den Weißhelmen in Syrien geredet, jedoch ohne dabei zu erwähnen, dass mehr als 300 von ihnen in Aleppo und Idlib von der Israel-Flying-AID geschult und unterstützt worden seien. Seit dem Beginn des syrischen Bürgerkrieges sei die Organisation in Syrien aktiv und es wurden von ihr mehr als 3 Millionen Mahlzeiten verteilt, wie auch Medikamente und medizinische Geräte im Wert von mehr als 8 Millionen Dollar. Kürzlich habe man auch eine jüdische Familie aus Aleppo nach Israel geschleust. Das markante ‚Motto‘ der Organisation lautet dementsprechend: „Nobody asks permission to kill. We don’t ask permission to save lives.“ – Niemand fragt nach Erlaubnis zu töten. Wir fragen nicht nach Erlaubnis, Leben zu retten.“ (https://ifaid.com/ , https://www.youtube.com/watch?v=uiHF3_3EacU). Bei dem Erdbeben im Iran, das sich kürzlich ereignete hatte, habe man ebenfalls humanitäre Hilfe angeboten. Doch wurde diese von der iranischen Regierung abgelehnt. Man nehme nämlich grundsätzlich keine Hilfe von Juden an. Die Finanzierung dieser Hilfs-Organisation funktioniere über Crowd-Funding, wurde den Zuhörern mitgeteilt.

Während einer anderen Session wurde über die Bedrohung durch den Iran gegenüber Israel diskutiert. Der Iran sei die hauptsächliche Bedrohung, und das auf multi-dimensionale Weise. Zunächst stelle der Iran weiterhin eine anhaltende und nukleare Bedrohung für Israel dar, trotz des bestehenden Iran-Abkommens. Selbst der deutsche Geheimdienst habe bewiesen, dass der Iran sich illegal nuklearwaffentaugliche Substanzen beschaffe. Diese anhaltende atomare Aufrüstung des Irans habe ein unaufhaltsames Wettrüsten im Nahen Osten zur Folge. Denn nicht nur Israel betrachte einen „atomwaffenfähigen“ Iran als eine Bedrohung, sondern auch Staaten, wie beispielsweise die Türkei oder Ägypten. Gemeinsam mit weiteren Ländern (Saudi-Arabien, Jordanien, Sudan) entwickele sich ein atomares Wettrüsten in der gesamten Region (Nord-Afrika, Naher Osten), welches umso gefährlicher für Israel werden könne und dann auch für Europa. Bis auf die USA berücksichtige kein Land im Westen in seiner Bewertung dieser Lage die Tatsache, dass das Raketenprogramm des Irans äußerst fort-geschritten und hochentwickelt sei. In Europa werde wohl vergessen, dass das Raketenabwehrsystem, welches momentan installiert werde, aufgrund von einer russischen Bedrohung, ursprünglich gegen Raketen aus Nord-Korea, einsatzfähig sein sollte und vor allem gegen Langstrecken-Raketen aus dem Iran. Die ständigen Drohungen Irans nicht nur gegen die USA, sondern auch gegen Europa geraten hier im Westen nicht selten in Vergessenheit, oder sie würden sträflich ignoriert.

In der Diskussion bildeten auch die iranischen Aktivitäten in Syrien ein Thema. Unter anderem habe der Iran dort einige Militärbasen errichtet. Dadurch falle es diesem Staat nun noch leichter, die benachbarte libanesische Hisbollah mit Waffen gegen Israel zu unterstützen. Mit einer Militärpräsenz in Syrien befände sich der Iran nun unmittelbar an der israelischen Grenze. Die meisten Terrorgruppen würden durch den Iran unterstützt und finanziert. Darunter zählen, wie bereits erwähnt, die libanesische Hisbollah-Miliz, die palästinensische Hamas oder auch sogar der Islamische Staat (IS). Wenn man nun also beurteilen lernen möchte, inwiefern sich die Aktivitäten des Iran auf Europa auswirken könnten, dann müsse man sich lediglich die bereits geschehenen Terroranschläge in den europäischen Ländern in Erinnerung rufen. Letzten Endes müsse man schlussfolgern, dass der Iran eine existenzgefährdende Bedrohung für Israel darstelle, wie sie Israel noch nie gegenüber gestanden habe. Die vergangen Bedrohungen, durch Jordanien oder Ägypten, seien damit letztlich nicht vergleichbar.

Ein gänzlich anderer Gesichtspunkt über Israel, abseits des Politischen, wurde ebenfalls vor-gestellt: In vielen Wirtschaftskreisen der Welt gelte Israel als die „Start-Up-Nation“. Dies liege daran, dass Israel die höchste „Start-Up-Dichte“ pro Einwohner unter allen Nationen aufweise. In diesem Vortrag wurde jedoch auch deutlich darauf hingewiesen, dass Israel nicht nur wirtschaftlich, sondern auch wissenschaftlich und gesellschaftlich eine Vorreiterrolle unter den Völkern eingenommen habe. Beispielsweise gebe es in Israel die meisten Nobelpreisträger gemessen an der Einwohnerzahl. Es wurde gefragt, wie es dazu gekommen sei, dass so viele Israelis Start-Ups gründen und einige von ihnen sogar zu großen Konzernen heranwachsen konnten. Um diese Frage zu beantworten, müsse man sich mit der Geschichte und Herkunft des israelischen Volkes befassen. Israel ist ein Land voller Immigranten. Deren Familien haben in der Vergangenheit viel riskiert, als sie nach Israel kamen. Die Mentalität, bewusst ein Risiko einzugehen, ist somit ein fester Bestandteil des Lebens vieler dieser Menschen geworden. Die gelte insbesondere, wenn zusätzlich noch die Terrorgefahr und die Wehrpflicht in Israel hinzu gezählt werden, die ein hohes Verantwortungsbewusstsein der eigenen Nation gegenüber bewirke. Die Gefahr, das Verantwortungsbewusstsein und das Risiko sind somit feste Bestandteil des Lebens eines Israelis. Genau diese Gesichtspunkte fördern nicht selten neue Start-Up-Gründungen. Allerdings gelinge nur einem von zehn Start-Ups der Durchbruch, während alle anderen scheitern würden. Jedoch belaste das Scheitern die Bevölkerung nicht sonderlich, da in ihrer Gesellschaft das Scheitern als etwas Positives betrachtet werde, nach dem Motto: „Diese Fehler machst du das nächste Mal nicht mehr“. Hinzu komme, dass die heutige israelische Gesellschaft hierarchisch sehr schwach strukturiert aufgebaut sei. Wenn junge Menschen eine gute Idee hätten, dann besäßen sie kaum Angst vor der Meinung von Älteren oder Vorgesetzten an ihrem Arbeitsplatz. Die meisten würden relativ offen ihre Meinungen und ihre Ideen mitteilen und dann ggfs. auch in die Tat umsetzen.

Da die Wirtschaft in unserer heutigen globalen Welt von Wettbewerb mit Nachbarstaaten lebe, sei diese Tatsache eine große Herausforderung für israelische Unternehmen. Denn geopolitisch betrachtet sei Israel eine Insel, da keiner der arabischen Nachbarstaaten mit dem jüdischen Staat Handel treibe. Somit müssten israelische Unternehmen enorm wettbewerbsfähig sein, um mit Unternehmen aus dem Westen und Asien konkurrieren und erst einmal wahrgenommen werden zu können. Es sei durchaus faszinierend gewesen, wie es dazu kommen konnte, dass aus einem winzigen Agrarstaat ohne Bodenschätze und umzingelt von Feinden, ein aufstrebender und innovativer Technologie-Standort mit Weltmarktambitionen entstehen konnte. Viele Juden im Ausland investierten trotz schlechter politischer Prognosen in diesen jungen Staat. Zugleich besaßen die Menschen viele innovative Ideen, gepaart mit Ehrgeiz, und sie waren wissenschaftlich enorm fleißig und engagiert. Hinzu komme, dass die Industrie, die Wissenschaft und das Militär in Israel stark zusammen arbeiten würden und somit technologische Innovationen ausgetauscht und getestet werden können. Die Regierung halte sich dabei stark zurück und halte die Regulierungen so klein, wie nur irgend möglich, investiere jedoch auf der anderen Seite viel Geld in die Forschung.

Die Boykottbewegung BDS, über welche wir bereits einen Bericht auf unserer Internetseite veröffentlicht hatten, war aufgrund ihrer israelfeindlichen Propaganda selbstverständlich auch ein Thema auf dem Kongress. Es wurde klargestellt, dass ein unterschätztes Problem bei der BDS-Bewegung das sei, dass sie auf dem ersten Blick „humanitär-friedlich“ erscheine, doch sie sich tatsächlich enorm aggressiv und anti-jüdisch bzw. anti-israelisch verhalte. In Deutschland sei die Bewegung zwar etwas schwächer als in anderen Ländern, doch selbst hierzulande stünden christliche Bischöfe im Gespräch mit Vertretern dieser Bewegung. BDS sei nicht nur einfach Israel-kritisch, sondern diese Bewegung stehe Israel ganz bewusst aggressiv feindlich gegenüber. Israel werde als ein Krebsgeschwür bezeichnet, welches aus dem Nahen Osten entfernt werden müsse. Es scheint so, als würden einige BDS-Aktivisten sogar von dem Jargon der Nationalsozialisten („Kauft nicht bei Juden!“ usw.) Gebrauch machen. Einer der teilnehmenden Redner beschrieb BDS nicht als eine Bewegung, sondern sie sei vielmehr eine anti-israelische Kampagne. Da BDS sich klar gegen einen Dialog mit Israel positioniere, sei diese Kampagne alles andere als friedlich. Letztendlich gipfele diese Kampagne im offenen Antisemitismus, der sich jedoch als „politischen Protest“ tarne. Gleichzeitig werde ein großer Druck auf liberale Palästinenser aufgebaut, welche eine friedliche Lösung mit Israel suchen. Als Zusammenfassung könne gesagt werden, dass die BDS ideologisch antisemitisch geprägt sei und die Abschaffung des Staates Israel anstrebe. Nähere Informationen zu der Bewegung/Kampagne finden Sie entweder in unserem zu diesem Thema bereits veröffentlichten Beitrag, oder auch in folgender digitaler Broschüre. Darin wird die Struktur und das Wesen dieser Bewegung prägnant erläutert: https://iibsa.org/wp-content/uploads/2018/11/Die-antisemitische-Boykottkampagne-BDS-Eine-Handreichung_IIBSA.pdf.pdf

 

Der Besuch des 5. Deutschen Israelkongresses war eine wertvolle Erfahrung. Er bot auch für uns Mitarbeiter einen guten Kontrast zu den meist sehr christlich-subjektiven Israelkonferenzen, die sonst durchgeführt werden. Einerseits war es bereichernd von Menschen aus den unterschiedlichsten Tätigkeitsbereichen zu hören, wie sie in ihrem täglichen Leben den Staat Israel wahrnehmen, und auf welche Weise Israel selbst einen Beitrag für eine bessere Welt leistet. Solche Aspekte kommen in den deutschsprachigen Medien äußerst selten zu Wort. Andererseits war es für uns wertvoll zu sehen, dass auch Menschen, die nicht christlich-gläubig oder jüdisch sind, in Israel einen Wert sehen, den es vorbehaltlos zu unterstützen gilt. Auch an dieser Stelle muss es betont werden; Unsere Verantwortung als Christen Israel gegenüber ist nicht zuerst theologischer Natur, sondern vor allem auch, infolge des Holocaust, eine (sozial-)ethische und politische Angelegenheit. Dabei gilt jedoch, nicht kritiklos an der Seite dieses Staates zu stehen, dennoch stets dessen bleibendes und unaufgebbares Existenzrecht zu unterstreichen und zu verteidigen. Viele Christen, die mit dem heutigen israelischen Staat und den mehrheitlich dort lebenden Juden nicht viel anfangen können, sollten ihn möglicherweise zunächst lediglich aus säkular-historischer Perspektive betrachten, anhand dessen ihnen vielleicht das Wunder der Existenz Israels begreiflich wird.

LG und ST