Chag Sameach – Warum das jüdische Volk noch heute Purim feiert

„Chag Sameach! Ein frohes Fest!“

 

Mit diesen Worten werden sich heute Abend alle Juden hier in Deutschland und in der ganzen Welt begrüßen – denn Purim steht vor der Tür. In diesem Jahr fällt das jüdische Fest, das traditionell am 14. und 15. Adar (der sechste Monat des jüdischen Kalenders) gefeiert wird, auf den 21. und 22. März. An diesen beiden Festtagen wird den Geschehnissen gedacht, in deren Mittelpunkt die Jüdin Ester steht, wie sie im gleichnamigen biblischen Buch geschildert werden.

Das Königreich Persien reichte von Indien bis Äthiopien.

Die Ereignisse werden auf das Jahr 473 v.Chr. zurückdatiert, als Xerxes I. (hebr. Ahasveros) König über das Reich Persien war, das zu dieser Zeit von Indien bis Äthiopien reichte und damit 127 Provinzen (!) umfasste. Als die Hauptfrau von König Xerxes sich ihm eines Abends verweigerte, verstieß er sie zornig und ließ eine neue Dame für seinen Harem suchen. (Est 1)

Ester (hebr. Hadassa) lebte mit ihrem Cousin Mordechai in der Hauptstadt des persischen Reiches, Susa. Die junge Jüdin war von ihrem Aussehen wie auch von ihrem Charakter her sehr schön. Sie wurde in den Harem des persischen Königs aufgenommen und lebte fortan am Königshof – doch wusste niemand, dass sie Jüdin war.

Ihr Cousin Mordechai, der Ester nach dem Tod ihrer Eltern aufgenommen hatte, war ein angesehener Jude in der Hauptstadt des persischen Reiches. Eines Tages deckte er einen Komplott zur Stürzung des Königs auf, rettete so dessen Leben und stand fortan hoch in Ehren. (Est 2)

Doch der Minister des Perserreiches, ein enger Mitarbeiter von König Xerxes I., hasste Mordechai: Dieser hatte sich aus religiösen Gründen nicht vor ihm verbeugen wollen. Haman war ein Amalekiter und damit Nachkomme eines Volkes, das schon seit Jahrhunderten mit Israel, dem Volk JHWHs, verfeindet war (2. Mose 17,8ff.). So ersann er einen Plan, wie er das jüdische Volk ein für alle Mal auslöschen könnte: Er trat vor den König und stellte das jüdische Volk als eine Menge von Aufrührern dar, die die Gesetze des Königs missachten würden. Sein Vorschlag zur vermeintlichen Abhilfe folgte sogleich: An einem ausgewählten Datum sollten die Juden vogelfrei sein – jeder sollte sie ungestraft töten und ihren Besitz an sich nehmen dürfen. Xerxes erwiderte: „Das Silber sei dir gegeben, dazu das Volk, dass du mit ihm tust, was dir gefällt!“ (Est 3)

Ester ist der altpersische Name Hadassas und bedeutet Stern.

Haman hatte die Lose geworfen, um ein Datum für diesen Anschlag festzulegen; so wurde der 13. Adar ausgewählt. Als Mordechai von dem Plan des Amalekiters erfuhr, eilte er zum Königshof und forderte Ester auf, bei Xerxes um Gnade für das jüdische Volk zu flehen. Sie lehnte aus Angst zuerst ab, doch Mordechai sprach die berühmten Worte

„Und wer weiß, ob du nicht gerade um dieser Zeit willen zu königlicher Würde gekommen bist?“ (Est 4)

Es könnte ihr Leben kosten, unaufgefordert zum König zu gehen – doch Ester wagte es und lud König Xerxes und seinen Minister Haman zu einem von ihr angerichteten Essen ein. Doch obwohl der König nach diesem Essen entzückt war von ihr, brachte sie ihre Bitte an diesem Abend noch nicht vor ihn, sondern lud ihn und Haman am folgenden Tag wieder zu einem Mahl ein. (Est 5)

In der Zwischenzeit wurde Mordechai für den Aufdeckung der Verschwörung gegen den König geehrt – und Haman war gezwungen, ihm Ehre zu erweisen, indem er ihn auf einem Pferd durch die Stadt führte und rühmte. Diese Demütigung schürte seinen Hass nur noch, doch seine Frau warnte ihn in einem prophetischen Wort: „Ist Mordechai, vor dem du zu fallen begonnen hast, vom Geschlecht der Juden, so vermagst du nichts gegen ihn, sondern du wirst vor ihm vollends zu Fall kommen!“(Est 5-6)

Am selben Tag fand das zweite Abendessen statt, zu dem Esther den König und den Minister eingeladen hatte. Nun offenbarte Esther Xerxes, dass sie Jüdin war und Haman ihr Volk auszurotten gedachte. Der König erkannte nun den Plan Hamans und in seinem Zorn befahl er, seinen Minister an dem Holzpfahl aufzuhängen, den dieser vorsorglich für eine Hinrichtung Mordechais hatte errichten lassen. (Est 7)

König Xerxes ernannte Mordechai zum neuen Minister an Hamans statt. Trotzdem war es schon zu spät: Denn im Perserreich konnte ein Edikt, das einmal erlassen wurde, nicht mehr zurückgenommen werden. Deshalb erließ der König ein neues, zusätzliches Edikt: Die Juden würden sich am 13. Adar wehren dürfen. (Est 7)

So besiegten die Juden ihre Feinde an jenem Tag, der eigentlich zu ihrer Vernichtung hatte führen sollen. Doch nahmen sie keine Beute, wie ihre Gegner es getan hätten.

Die Geschehnisse von Purim sind in der Megillat Ester aufgeschrieben, zu finden in den “Schriften” im Tanach.

So feierten die Juden in den ländlichen Gegenden am 14. Adar ein Freudenfest. Nur in der Hauptstadt Susa dauerten die Kämpfe noch den 14. Adar an. Deshalb begingen die hier lebenden Juden erst am 15. Adar ein Fest wegen ihrer Errettung vor den Feinden. Mordechai erklärte in der Folge diese beiden Tage zum Feiertag, genannt Purim, nach den Losen, die Haman geworfen hatte, um das Datum für die Vernichtung der Juden festzulegen. (Est 9-10)

An dieses Geschehen erinnert sich bis heute das jüdische Volk am Purim-Fest: JHWH, der Gott Israels, beschützt sein Volk sogar in der Diaspora. So sind die Ereignisse rund um Esther auch für Christen eine große Ermutigung im Glauben, denn der Gott Israels hat auf eindrückliche Weise gezeigt, dass er treu zu seinem Volk steht.

Chag Sameach!

KStegemann

Israel einst und jetzt

Mehr als Standardwissen: Wer Israel besser kennenlernen möchte, sollte unbedingt am 06. April beim FTHkolleg „Israel einst und jetzt“ dabei sein! Referent Dr. Berthold Schwarz macht eine verantwortungsbewusste Israel-Lehre verständlich: Warum ist die sogenannte Ersatztheologie falsch? Wie kann Römer 9-11 Orientierung übers Israels Zukunft geben? Warum irrte Martin Luther im Blick auf die Juden? Darüber hinaus gibt es tiefe Einblicke in die Geschichte des „Heiligen Landes“. Anmeldung bis zum 23. März 59Eur, danach 69Eur. Mehr unter https://www.fthgiessen.de/willkommen/fthkolleg/

Herzliche Einladung zum FTHkolleg!

Unter dem Titel „Fenster zur Vergangenheit der Bibel: Die Welt der Stammväter Israels“ fand am 28.-30. Sept. 2018 in Schwäbisch Gmünd das 24. Seminar für biblische Archäologie statt.

Veranstalter war die Arbeitsgruppe für Biblische Archäologie der Studiengemeinschaft Wort und Wissen. Die Arbeitsgruppe geht besonders solchen archäologischen Funden nach, die eine Beziehung zu biblischen Berichten aufweisen. Mitglieder der Arbeitsgruppe vertreten die Auffassung, dass eine Revision der gangbaren Daten im 2. Jt. v. Chr. um 200 Jahre zu größeren Übereinstimmungen zwischen Bibel und Archäologie führt. Die Arbeitsgruppe betreibt kleinere Ausgrabungen in Israel oder wirkt an anderen Ausgrabungen mit. Aus der Arbeit sind zahlreiche Publikationen hervorgegangen, die die Glaubwürdigkeit der in der Bibel beschriebenen Ereignisse stützen.

 

  1. Eliezer Oren: „Tempelkult. Archäologische Hinweise aus der Mittleren Bronzezeit“

    Eliezer Oren (rechts) und Übersetzer Martin Heide

Prof. Dr. Oren von der Ben-Gurion University oft the Negev, Beersheba, hat vor allem in Südisrael Ausgrabungen durchgeführt. Die erste Hälfte des 2. Jahrtausends, als die Stadtstaaten in der ganzen Levante florierten, könnte man das „Pyramidenzeitalter“ des Alten Vorderen Orients nennen. Einige Beispiele: Qatna in Nordwest-Syrien ist auf einem Tell, einem künstlichen Hügel von mehr als einem Quadratkilometer errichtet. Der umgebende Wall von 20-30 Metern Höhe mit Graben diente nicht zu Verteidigungszwecken, sondern war Zeugnis einer durchdachten und mächtigen Stadtkultur. Er hatte keine militärische Funktion, da es keine Waffen gegen einen derartigen Wall gab, sondern war ein Prestigeprojekt. Auf der Krone waren vermutlich Stadtmauern errichtet. In der Mitte war die Akropolis mit Tempeln, Palästen und Verwaltungsgebäuden. Ebla und Mari besaßen umfangreiche Bibliotheken. Hazor war der größte kanaanäische Stadtstaat, aber nach demselben Modell konzipiert. Die verwendete Sprache war Amoritisch. Hazor und Dan werden in den Maritafeln erwähnt.

Oren führte seit 1981 Ausgrabungen in Tell Haror durch, das zwischen Gaza und Beersheba gelegen ist. Der große Tempelbezirk wurde zwar nicht vollständig ausgegraben, vermittelt aber einen Eindruck seiner kultischen Funktion. Im Zentral stand das Heiligtum, Migdal/Migdol genannt. Davor gab es einen Hof mit Treppenstufen und einen Altar mit kultisch zerbrochenen Gefäßen. In der Mitte des Hauses Gottes findet sich ein leerer Raum ohne Bänke zum Sitzen oder zum Abstellen von kultischen Gefäßen, sondern nur mit Räucheraltar. Nur wenige Personen durften diesen heiligen Raum betreten, wo das Gottesbild stand. Dafür gab es allenfalls ein Podium oder eine Nische. Es wurde wohl nicht nur Baal angebetet, sondern auch El, Hadad und Ischtar. Gefunden wurden bei den meisten Tempeln fast nur die Fundamente. Nur in Tell Haror ist die Höhe ermittelbar, weil durch ein Erdbeben die Mauern einstürzten. Dadurch lässt sich eine Höhe von 9 m ermitteln, was also eine Demonstration der Macht und Zentralität war. Die Idee eines leeren Innenraums wurde in Israels Königszeit übernommen. Das religiöse Konzept blieb über 1000 Jahre erhalten, was ohne Parallele ist. Die Anlage in Haror ist mit allem kultischem Inventar erhalten, weil das Erdbeben alles begrub. Angrenzend gab einen Bereich für die Öffentlichkeit mit Altären, Bänken und Anlagen für die Vorratshaltung. In den Steinboden waren Löcher für kultische Zwecke eingelassen. Mehrere Funde von kleinen Stieren als Symbol von Baal oder Hadad wurden hier gemacht. Auf einer Scherbe aus Kreta finden sich drei Symbole der Linearschrift A, der frühesten piktografischen Schrift. Es ist das einziges Beispiel hierfür außerhalb Kretas. In den Löchern wurden komplette Opfertiere wie Krähen und Hundewelpen gefunden, denen das Genick gebrochen wurde (‘oref keleb, vgl. Jes 66,3). Hunde wurden auch in Mesopotamien geopfert. In Haror finden sich Eselsbegräbnisse mitten im Tempel, die getötet, aber nicht gegessen wurden und noch eine metallene Trense im Gebiss und Satteltaschen hatten (deren Halter gefunden wurden). Esel wurden gewöhnlich durch einen Ring in der Nase oder ein Seil um den Hals geführt. Ansonsten ist bekannt, dass Esel getötet wurden, um einen Friedenspakt zu bestätigen. Der Esel war das klassische Lasttier im Alten Vorderen Orient während der Mittleren Bronzezeit, hatte aber auch eine kultische Bedeutung. Erst im 17. Jh. v.Chr. wurden Pferde für Kriegszwecke und für besondere Familien eingeführt. Der Esel mit der Trense in Haror steht deshalb am Übergang vom Esel zum Pferd. In der 15. Dynastie (Hyksos) im Nildelta wurde am Eingang eines Tempels ein Pferd bestattet (Manfred Bietak, Wien). Auf einem ägyptischen Bild ist eine Karawane mit Semiten und Eseln dargestellt, angeführt von einem Mann namens Abschu (kanaanäischer Name). Das Reiten auf einem Esel war ein Privileg für Könige, wie in den Mari-Texten zu lesen ist, wo dem König das Reiten auf einem Pferd verboten wurde. Im 17. Jh. findet sich nur ein Beispiel für eine Pferdetrense in der Übergangszeit vom Esel zum Pferd.

  1. Uwe Zerbst: „Die Welt der Stammväter. Klimatologische, archäologische und chronologische Überlegungen“

Prof. Dr. Uwe Zerbst, Hochschule Flensburg, stellte in einem Überblick die Grundprobleme biblischer Chronologie vor. Wesentlich für die Königszeit sind Synchronismen mit der assyrischen Chronologie. Bei den biblischen Zeitangaben stellt sich die Frage nach dem Masoretischen Text und der Septuaginta, die in Ex 12,40 und Ri 11,26 unterschiedliche Jahreszahlen bieten. Die Schichten der Tells lassen sich anhand von Keramik-Funden datieren. Archäologische Epochen weisen bis zu 100 Jahren Überlappungen auf. Das „Dunkle Zeitalter“ ist die Zweite Zwischenzeit in Ägypten nach dem Mittleren Reich. Astronomische Datierungen haben das Problem periodischer Wiederholungen und der Zuverlässigkeit antiker Beobachtungen. Abraham müsste am Ende von Ur III in der 7.-11. Dynastie gesucht werden, Josef in der 11.-12. Dynastie, also am Übergang von der Frühbronzezeit bis zur Mittleren Bronzezeit, als viele Tells verlassen wurden und der ganze Vordere Orient erschüttert wurde, was nach Zerbst in einer Klimaverschlechterung begründet liegt. Zur Zeit Abrahams sollte Südbecken des Toten Meeres trockengefallen sein, was Mose erklären muss („Siddim“ in Gen 14,3.8.10). Abraham zog in die trockenen Gegenden des Negeb, wo es konfliktfreier war, während Jakob weiter nördlich siedelte, als sich das Klima geändert hatte. Die geopolitische Situation in Mesopotamien war zu dieser Zeit durch Scheichs völlig zersplittert. Es gab keine Zentralregierung mehr wie in Ur III, was gut zu den Allianzen aus Gen 14 passt. Zu Josef passen die katastrophalen Zustände in Ägypten und die Stärkung der Zentralgewalt.

  1. Pieter Gert van der Veen: „Israel in Ägypten und Kanaan. Früh oder spät?“

Dr. habil. Peter van der Veen, Universität Mainz, untersuchte die Hinweise auf Israel in ägyptischen Inschriften: Die Kriegsstele von Merenptah um 1200 v.Chr. erwähnt Israel als Volk. Es wird dort nicht gesagt, dass Auszug direkt vorher stattfand. Wurden die zwei Vorratsstädte Pitom und Ramses im Ostdelta wirklich während der Herrschaft Ramses II. gebaut? Auf eine frühere Zeit weist das Berliner Sockelrelief ÄM 21687, das 1913 von L. Borchardt  für das Berliner Museum gekauft wurde. Es hat drei Namensringe mit Westsemiten: Aschkalon, Kanaaniter und möglicherweise „Israel“ (vgl. Manfred Görg, BN 2001). Eine Hieroglyphe ist nur bruchstückhaft zu erkennen und kann als Mörser (t), Schilf (s) oder Geier (alef) gedeutet werden. Ein Geier kann breit oder schmal gezeichnet werden, teils auch ohne Kopf und nur mit einem Schnabel. Die Zeichen für S und SCH sind teils austauschbar. Kritiker der Identifizierung mit Israel haben keine alternative Deutung.

Aber kann Israel schon um 1400 v. in Kanaan existiert haben? Vertreter der Spätdatierung wiesen früher darauf hin, dass mehrere Siedlungen um 1220 zerstört wurden und neue Siedlungen entstanden. Zudem fanden sich innovative Neuerungen (Kragenrandkrug, Vierkammerhaus, zeltlagerartige Siedlungen, kein Schweinefleisch). Heutige Kritiker der Spätdatierung verweisen zudem auf den Problemfall Jericho (die Stadt existierte während der Spätbronzezeit II nicht), wie auch auf die Seevölker, lokale Spannungen und Dürren und betonen, dass es für den Fall der Spätbronzezeit viel mehr Gründe gibt, als bisher angenommen wurde. Kragenrandkrug und Vierkammerhaus seien auch außerhalb des israelischen Siedlungsgebiets anzutreffen. Verschiedene Indizien und Forscher sprechen jedoch für eine Besiedlung Israels schon im 16./15. Jh. v.Chr.

 

  1. Tom Tribelhorn: „Die Erzväter und die Stammbäume Jesu in Matthäus und Lukas“

    Tom Tribelhorn

Nach Prof. Dr. Tom Tribelhorn, Dozent an St. Petersburg Theological Seminary, liegt der Fehler bei der Untersuchung biblischer Genealogien oft in der westlichen Perspektive. Ein Beispiel hierfür sei Prof. Dr. Bart D. Ehrmann, ein ehemaliger Evangelikaler, der sich kritisch mit den biblischen Genealogien auseinandersetzte und die von Matthäus und Lukas für unvereinbar hält. Aber Harmonisierungen nach linearen Abläufen entspringen westlichem Denken. Die jüdischen Schreiber hätten anders gedacht und nach folgenden vier Prinzipien ihre Genealogien konzipiert: 1. Nummerische Gruppierung, 2. Symbolisch-nummerische Gruppierung, 3. Hebräische Gematrie, 4. Genealogische Verkürzungen. Lücken werden bewusst in Kauf genommen (vgl. 1Chr 6,35-38 mit Esra 7,3). Beide Evangelisten weisen in den Genealogien Lücken auf.

Matthäus denkt von den Patriarchen und der königlichen Linie her und konstruierte 3 Einheiten von 14 Generationen. 14 steht für Erlösung und 3 für Vollständigkeit und Stabilität. Lukas hat einige rabbinische Besonderheiten, ähnlich wie der Johannesprolog: Alles beginnt und endet mit dem Messias. Lukas gruppiert 11 Siebenergruppen. 7 steht für Vollkommenheit und Vollendung, 11 für Sühnung und Erlösung. 77 bei Lukas setzt sich aus 34 (ruach „Geist“) + 43 (basar „Fleisch“) zusammen: Geist und Fleisch verbinden sich in Jesus.

  1. Eliezer Oren: „The ,Ways-of-Horus‘ in North Sinai – The Ancient Land-Bridge between Egypt and Canaan“

Prof. Dr. Oren berichtete von seinen archäologischen Ausgrabungen des antiken Korridors zwischen Ägypten und Kanaan in Nordsinai. Über einen Zeitraum von zehn Jahren erforschte er die Landbrücke. Der Horusweg war ein Handelskorridor zwischen dem befestigten Tjaru/Sile und Gaza und keine (militärische) Straße im eigentlichen Sinn. Zu Beginn bot er einen Forschungsüberblick relevanter Literatur. Die Ausgrabungen wurden durch die extremen klimatischen Bedingungen, durch feindliche Nomaden und große Sanddünen über den Stätten erschwert.  1300 Besiedlungen konnten identifiziert werden konnten, von wenigen Häusern bis zu Städten, aus prähistorischer bis in die moderne Zeit.

Die Besiedlung erfolgte im Mittleren Reich in Clustern, was für den Korridor typisch ist. Die einzelnen Stätten lassen sich namentlich nicht identifizieren (gegen Gardiner und  James K. Hoffmeier, der ein toponymisches Itinerar rekonstruiert). Die lebensfeindliche und archäologisch nicht erschlossene Umgebung erforderte zunächst eine neue Methodologie und die Erstellung von Karten, die auf aktuellen Fotografien basierten.

  1. Martin Heide: „Genesis 12 and the Date of Biblical Redaction“

Die Gefährdung der Ahnfrau in Gen 12,10-20 war Gegenstand des Vortrags von apl. Prof. Dr. Heide, Universität Marburg. Dever und Hendel u.a. stehen der Historizität der Abrahamgeschichte skeptisch gegenüber. Wellhausen hielt Gen 12,10-20 für einen sekundären Einschub aus späterer Zeit. Der Abschnitt wirft aber ein ungewöhnliches, wenn nicht negatives Licht auf Abraham, was einen Einschub schwer erklären lässt. Schon in der sog. Apokryphen Genesis in Qumran (1QapGen) findet sich eine positive Nacherzählung. Im Jubiläenbuch bedient sich Pharao der Gewalt. Die Geschichte ist auch Pseudo-Eupolemus (Eusebius, Praep. IX 17,2-9) und Josephus bekannt. In rabbinischer Literatur wird sie hingegen ignoriert.

In früh-vorexilischer, exilisch und nachexilischer Zeit findet sich in den biblischen Schriften ein negatives Bild von Ägypten; von dort ist keine Hilfe zu erwarten. Jan Joosten unterscheidet aufgrund sprachlicher Kriterien zwischen vor- und nachexilischen Texten. Heide zeigte die sprachliche und motivgeschichtliche Verwandtschaft von Gen 12,10-20 mit Gen 13-14 auf. Die Perikope sei in den Kontext eingebettet und könne nicht einfach herausgelöst werden.

Schwierig sei die Deutung der „Eselinnen“ in 12,16, da sie im Hebräischen bei einer maskulinen Pluralform inkludiert sind. Die Erwähnung sei aber durch den Brauch in der Mittleren Bronzezeit zu erklären, die Eselinnen in Herden frei herumlaufen zu lassen. Nach der Paarung mit wilden Eselshengsten bringen sie kräftige Fohlen auf die Welt. Auch bei Sauls Suche nach den verlorenen Eselinnen (1Sam 9,3ff) sei nicht davon auszugehen, dass er zwei, drei Tiere in einem riesigen Gebiet gesucht hat, sondern eine ganze Herde. Gen 12,16 sei also durch die frühe Kultur gut zu erklären.

  1. Bieke Mahieu: „Herodes der Große und seine Söhne, chronologische Überlegungen“

Der Vortrag von Dr. Mahieu, Ècole biblique et archéologique in Jerusalem, basierte auf einem Teil ihrer Dissertation. Zu Beginn gab es einen Überblick über die verschiedenen Herodianer im Neuen Testament  und ihre Relevanz für die Datierung der Geburt und der Kreuzigung Jesu. Anschließend kam der jüdische Gesschichtsschreiber Josephus zu Wort, der in seinen „Jüdischen Altertümern“ von Herodes berichtet (A.J. XVIII,5,2, §116-119), der aber kein Augenzeuge war und dessen Chronologie grobe Fehler aufweist.

Mahieu diskutierte die chronologischen Probleme bei der Rückeroberung Jerusalems durch Herodes und die Fragen der Zählung der Regierungsjahre des Herodes sowie seine Todesdaten. Ergebnis: Die Ernennung in Rom erfolgte 40 v. Chr., die Eroberung Jerusalems im Okt. 37 oder März 36 v., sein Tod 5 oder 4 v. Chr., alternativ (ausgehend von Aristobuls III. Tod) im frühen Jahr 1 n. oder 28./29. Dez. 1 v. Chr.

  1. Ludwig David Morenz: „Warum eine neue Schrift erfinden? Die Göttergleichungen El-Ptah und Ba‘alat-Hathor als ein Auslöser der Alphabetschrift im frühen zweiten Jt. v.Chr.“

Prof. Dr. Lorenz, Ägyptologe an der Universität Bonn, hat die frühen Alphabetschriften aus dem Sinaigebiet neu aufgenommen, nachdem die epigrafischen Funde in den Museen wieder zugänglich waren. Leitendes Interesse war die Suchen nach einem Motiv für eine Schriftschöpfung im abgelegenen Südwest-Sinai. Vorbild für diese Schrift war die monumentale und faszinierende ägyptische Bildschrift, während Sprache und Namen aber Kanaanäisch waren. Eine Büste in Serabit el Chadim wurde wohl erst vor Ort beschriftet. Da sich erst ab früher Eisenzeit sich Wirtschaftstexte finden, kann ein sakrales Feld als Ursprung gelten. Die Bedeutung der Eigennamen für die Entstehung der alphabetischen Schrift ist kaum zu überschätzen. In Serabit findet sich der älteste und einzige Ursprungsort der Alphabetschrift im Grenzgebiet von Ägypten und Kanaan. Sie diente primär der Verehrung von Göttern und als Erinnerungskultur, stand aber im Kontext der dortigen Minenarbeit. Es ist wohl von einer Konsonantenschrift auszugehen. Teils finden sich auch bilinguale Texte oder Mischformen. Die Vielzahl der Buchstabenvarianz lässt auf eine Vielzahl von Schreibern schließen. In der ausgehenden Spätbronzezeit des 14./13. Jahrhunderts wurde das Fisch-Symbol dag dann durch den Buchstaben dalet und das Schlangen-Symbol nachasch durch den Buchstaben nun ersetzt. Die Entwicklung verlief also vom Bildhaft-Kanaanäischen über das Linear-Kanaanäische zum Phönizischen, das nur noch eine grafische Vereinfachung darstellt.

Weitere Referate (alternatives Programm):

  • Hanna Klenk: „Götter- und Schöpfungsmythen aus dem Umfeld Abrahams“
  • Bieke Mahieu: „The Archaeology oft he Negev Sites. Part 1: Evidence of the Exodus?“
  • Peter van der Veen: „The Archaeology oft he Negev Sites. Part 2: Evidence of the Patriarchs?“

Dr. Walter Hilbrands (Text und Fotos)

Wer das Alte Testament aufschlägt, kann rasch die Übersicht verlieren, mit wem Israel wann zu tun hatte. Die außenpolitische Situation war verworren und wechselhaft. Die Namen damaliger Völker mag man heute vom Hören kennen. Manche haben es – semantisch nicht ganz uninteressant – sogar in einige deutsche Redewendungen geschafft (so gibt es z.B.  „Sprache Kanaans im Gottesdienst“ oder „philisterhafte Vorurteile“). Aber eine geografische oder gar zeitliche Einordnung gelingt oft nicht. Dabei gibt es neben den biblischen Befunden auch etliche archäologische Hinweise, die uns weiterhelfen, die Umwelt des Volkes Israel besser zu verstehen – und damit auch so manchen alttestamentlichen Text.

Vorweg sei gesagt, dass „Israel“ in der biblischen Geschichte in unterschiedlichen Formationen zusammenlebte. Stark vereinfacht lässt sich folgende Entwicklung nachzeichnen: Es handelt es sich um ein Volk, das seine gemeinsame Wurzel im Erzvater Abraham hat. Schon vor dem Auszug aus Ägypten wird es in einem 12-Stämme-Bund organisiert (1Mose 29,31–30,24 bzw. 35,18), fasst dann in Kanaan Fuß und lebt dort unter Richtern zusammen. In der monarchischen Phase, die König Saul einleitet, tritt eine staatliche Konstruktion zutage. Die Stämme bleiben weiterhin bestehen, auch wenn sie nun einem nationalen Herrscher unterstehen. Mit Salomos Tempelbau sollte es dann ein zentrales Heiligtum geben. Allerdings zerbricht das Reichsgebilde unter seinem Nachfolger in Nord- und Südreich – in Israel und Juda. Der weitere Verlauf bis zur post-exilischen Phase ist kompliziert, aber als wichtigste verbindende zeitübergreifende Gemeinsamkeit aller „Kinder Abrahams“ ist die Verehrung Jahwes festzuhalten. Daher soll für diesen Artikel gelten, dass mit “Israel” das erwählte Volk Gottes gemeint ist, mit dem er im Alten Testament Geschichte schreibt – ganz gleich, wie sie sich politisch organisieren.

Ein eher kleines Nachbarvolk stellen die Moabiter dar. Ihr Reich befand sich östlich des Toten Meeres, im heutigen Jordanien. Nach Norden grenzte die 500 Meter tiefe Schlucht des Flusses Arnon ihr Siedlungsgebiet ab, nach Süden der Sered. Moses erlaubte nur drei der zwölf Stämme Israels, sich östlich des Jordans anzusiedeln (4Mose 32), nämlich Ruben, Gad und dem halben Stamm Manasse. Gad grenzte dabei im Süden an Moab. Moab wurde zur Zeit der Eroberung Kanaans aber von einem amoritischen König regiert, dessen Reich sich ebenfalls östlich des Jordans befand.

Manches hat sich vielleicht nicht viel verändert.

Moab umfasste das fruchtbare Hochplateau Misor, das als orientalische Kornkammer bekannt war. Die Bibel berichtet von Getreidebau (Rut 1) und Weingärtnerei (Jes 16,7; Jer 48,29). Die Tatsache, dass Moab während seiner Zeit als tributpflichtiger Vasall jährlich 100.000 Lämmer und Wolle von 100.000 Widdern an Israel zahlen musste (2Kön 3,4), zeigt zudem, dass neben dem Feldbau die Viehzucht ein wichtiger wirtschaftlicher Stützpunkt war.

Das Verhältnis zwischen Israel und Moab war geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen. Zwar stehen die beiden Völker in einem Verwandtschaftsverhältnis zueinander, aber schon die polemisch anmutende Erklärung dieser Verbindung deutet Konfliktpotential an: So heißt es in 1Mose 19,37, dass die Moabiter von Moab abstammen. Moab ist der Sohn von Abrahams Neffen Lot – und dessen eigener Tochter.

Während der Richterzeit bedrückte der Moabiterkönig Eglon die Israeliten und forderte Tribut (Ri 3,12). Später machte König David dann Moab zum Vasallen (2Sa 8,2, s.o.). Damit konnte er die gesamte „Königsstraße“, die durch Moab verlief, unter seine Kontrolle bringen. Sie war die Verbindung zwischen Mesopotamien und dem Roten Meer und deswegen ein bedeutender Handelsweg. Zudem war ja der Norden von Moab aufgrund der fruchtbaren Hochebene eine lohnende Expansionsmöglichkeit für Israel.

Aus einigen archäologischen Funden kann man weitere Schlüsse über das Volk Moab ziehen: Der früheste außerbiblische Beleg stammt aus dem 13. Jahrhundert vor Christus und findet sich auf einer Liste von Ramses II, König von Ägypten. Junge Ausgrabungen aus dem 20. Jahrhundert zeigen jedoch, dass es schon früher, nämlich in der Spätbronzezeit, Siedlungen im Bereich Moab gegeben haben muss.  Eine assyrischen Inschrift bestätigt die biblischen Angaben zum Nationalgott „Kamosch“ der Moabiter: Zur Huldigung dieser Gottheit legten sie Kulthöhen an, so wie sie Salomo seinen moabitischen Frauen zugestand (1Kön 11,7).

Typische Landschaft.

Als  bedeutende archäologische Quelle  gilt die Mescha-Stele, oder der Moabitische Stein. 1868 wurde er einem elsässischen Missionar von einem Scheich in Dibar gezeigt. Daraufhin entfachte ein Streit um das wertvolle Objekt: der deutsche Konsul wollte die Stele in Berlin ausstellen und die französische Regierung im Pariser Louvre. Doch soweit kam es nicht, da der 100*60cm große Stein von der lokalen Bevölkerung mutwillig gesprengt wurde. Zwar hatte man zuvor einen Abdruck gewinnen können und nach der Zerstörung einige Bruchstücke eingesammelt, doch konnten nur noch 2/3 der ehemals 34 Zeilen rekonstruiert werden. Sie sind im Louvre zu besichtigen. Der Text der Stele ist eng mit dem Hebräischen verwandt und ergänzt biblische Informationen. Konkret geht es um das Verhältnis Moabs zum israelischen König Omri und dessen Sohn und Nachfolger Ahab. Omri war offensichtlich eine bedeutende Gestalt, da auch königliche assyrische Texte auf ihn verweisen. Als General riss er um 885 vor Christus mit militärischer Unterstützung die Kontrolle des Nordreichs an sich und gründete eine Dynastie. Das auf einem Hügel gelegene Samaria sollte unter Omri bis 722 die neue Hauptstadt Israels sein. Sein Sohn Ahab ging die bekanntlich unglückselige Ehe zu Isebel ein.

Die Mescha-Stele feiert den Sieg Moabs durch den König Mescha gegen die Vorherrschaft Israels unter Ahabs Regierung. Der Text scheint zwar dem biblischen Bericht zu widersprechen, da dieser den Aufstand nach dem Tod von Ahab einordnet, doch sind die Parallelen an und für sich wertvoll. So belegt die Erwähnung „Leute von Gad wohnten seit jeher im Land von Atarot“ (d.h. östlich des Toten Meeres) die Bevölkerung des Stammes Gad bei Moab. Zudem hilft die auf dem Stein beschriebene moabitische Praxis, unterworfene Einwohner an ihren Gott zu übertragen, den biblischen Bann (Jos 6,19) ins Zeitgeschehen einzuordnen.

Im letzten Drittel des 8. Jahrhunderts geriet Moab in den Sog der assyrischen Expansion. Aus Inschriften weiß man, dass Tribute an den Assyrerkönig Tiglatpileser III. gezahlt wurden. Vielleicht unterwarfen sich die Moabiter sogar aus taktischen Gründen, weil die Assyrer sie damit vor arabischen Nomaden schützten, die Moab zu dieser Zeit immer stärker bedrängten. Unter Nebukadnezar wurde ihr Reich letztendlich zerstört und das Volk vermischte sich mit den umliegenden Nationen.

Schriftliche Quellen sind oft alles andere als neutral, weil sie die Interessen des jeweiligen Volkes reflektieren, von dem sie stammen. Aber erstaunlich oft lassen sich in Umwelttexten Parallelen und Ergänzungen zu biblischen Aussagen finden. Dadurch können wir eine Zeit besser erschließen, die uns manchmal so weit weg erscheint. Vor allem für das Verständnis der Bibel lohnt es sich daher, den Blick in die Geschichte zu erweitern.

In den nächsten Monaten werden noch weitere Völker vorgestellt. Für die eigene Lektüre empfiehlt sich ein Bibel-Atlas, z.B. John Bimson, Der neue Bibelatlas, Wuppertal 1992 oder Paul Lawrence, Der große Atlas zur Welt der Bibel, Gießen 2007. AEdler

„Herodes (…) baute zu Jerusalem ein Theater sowie in der Ebene ein Amphitheater. Beide Bauwerke zeichneten sich durch große Pracht aus, standen aber mit den jüdischen Sitten im Widerspruch (…)“[1], heißt es in Flavius Josephus Werk „Jüdische Altertümer“. Doch ein Theater in Jerusalem, wie es der jüdisch-römische Historiker einst beschrieb, haben Archäologen seit gut 150 Jahren vergeblich gesucht- nun ist es soweit! „Auf einmal hatten wir das Geheimnis des verlorenen Jerusalem-Theaters vor unseren Augen“, gab Archäologe Joe Uziel diese Woche bekannt. Er und sein Team von der Israelischen Antikenbehörde sprechen von einem Zufallsfund, denn eigentlich wollte man lediglich das Alter des Wilson-Bogens bestimmen und die Straße freilegen, die früher entlang der Klagemauer verlief. Dabei stieß man auf die Reste eines römischen Theaters. Zwar stehen die genaueren Ergebnisse der Radiokarbonmethode noch aus, aber schätzungsweise stammt der Fund aus dem 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus. Das ist freilich zu spät, als dass Josephus dieses Theater hätte kennen können, doch wurde es vermutlich auf dem Grund von Ruinen errichtet. Daher bleibt erstmal offen, ob dort nicht schon vorher eine öffentliche Einrichtung gestanden hat. Spannend ist auch die Frage, warum das eher kleine Theater mit seinen 200 Sitzen nicht fertig gestellt wurde. Kam der Bar-Kochba-Aufstand dazwischen, der Jerusalem von Grund auf verändern sollte? Die Ausgrabungen gehen weiter. Schließlich erhoffen sich die Archäologen, einige Meter tiefer auf Reste des ersten Tempels zu stoßen- was gerade für Gläubige eine große Sensation darstellen würde.

Jerusalem, Altstadt

Teil der Klagemauer

 

[1] Josephus, Jüdische Altertümer, 15, 268.

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In den berühmten Qumranhölen sind Archäologen auf eine neue Höhle gestoßen, die wohl als Aufbewahrungsort antiker Texte fungierte. Welche Schlussfolgerungen aus diesem Fund gezogen werden können, ist jedoch noch unklar. Kann der Fund neues Licht auf die Sensationsfunde der 1950er Jahre werfen? Oder findet sich hier nur ein schwaches Indiz, das lediglich zukünftige Ausgrabungen befeuern soll?

In den 1950er Jahren machten die sensationellen Qumranfunde medial die Runde. In den Qumranhöhlen verbargen sich damals 15.000 Textfragmente, die ca. 850 verschiedenen (biblischen und biblenahen) Texten zugeordnet werden konnten.[1] Dies hat nicht nur Archäologen und Textwissenschaftler gefreut – deren Job nun erstmal wieder gesichert war –,  sondern sorgte auch in der christlichen Theologie für mächtigen Aufruhr.  Zuerst natürlich in der Textkritik des Alten Testaments, die von nun an mit der Auswertung und Bearbeitung dieses erfrischenden Wirbelsturms von Textfragmenten einer neuen Mammutaufgabe gegenüber stand. Darüber hinaus beschäftigte sich jedoch auch der Rest der Bibelwissenschaftler mit den Sensationsfunden. Was sagen diese Texte über das Judentum des ersten Jahrhunderts aus? Und was können daraus für Schlussfolgerungen über das Verhältnis der neutestamentlichen Schriften zum Judentum gezogen werden? Die New Persepctive on Paul und die neuere Leben-Jesuforschung zehren je auf eigene Weise von den Sensationsfunden im Qumran.

Was verbirgt sich also hinter den neuen Funden in den Qumranhöhlen, von denen die Hebrew University of Jerusalem[2] berichtet?

Zuerst einmal: Was wurde überhaupt gefunden?

Es wurde eine Höhle gefunden, die mit ziemlich großer Sicherheit einmal antike Schriftrollen enthalten hat. Darauf weisen zahlreiche zertrümmerte Aufbewahrungsgefäße und einige Leder- und Pergamentreste hin. Des Weiteren wurde eine Spitzhacke gefunden, die wohl aus den 1950er Jahren stammt und darauf hinweist, dass die Schriftrollen in etwa zu diesem Zeitpunkt aus der Höhle gestohlen wurden.

Zusammenfassend kann also gesagt werden: Es wurde nach den 11 bisher bekannten Qumranhöhlen[3] die 12. Höhle gefunden, in der wohl antike (biblische oder bibelnahe) Texte gelagert wurden. Es wurden jedoch – um das noch einmal hervorzuheben – keine Texte gefunden, sondern nur Hinweise auf die Lagerung von Texten.

Keine Texte, keine Bedeutung?

Da keine weiteren Textfragmente in der neuen Höhle gefunden wurden, mag der eine oder andere sich vielleicht darüber wundern, dass so ein Hype um den neuen Fund gemacht wird. Immerhin kommentierte der Archäologe Dr. Oren Gutfeld von der Hebrew University den Fund folgendermaßen:

„This is one of the most exciting archaeological discoveries, and the most important in the last 60 years, in the caves of Qumran.“[4]

Was ist also so besonders an diesem Fund? Und was kann aus ihm geschlossen werden?

Nun, zuerst einmal ist der Fund etwas Besonderes, weil – wie Gutfeld zugesteht – in den 60 Jahren seit dem Sensationsfund kein Fund dieser Größenordnung stattfand. Es wurden eben seitdem keine weiteren Höhlen entdeckt. Von daher ist der Fund einer neuen Höhle ein positives Indiz dafür, dass die Qumranhöhlen als Lagerungsstätten von antiken Schriftrollen und Texten noch nicht in Gänze erforscht wurden. Es gibt also vielleicht noch weitere Höhlen und vielleicht auch weitere Texte zu entdecken.

Ähnlich prospektiv und optimistisch formuliert Israel Hasson[5]: “The important discovery of another scroll cave attests to the fact that a lot of work remains to be done in the Judean Desert and finds of huge importance are still waiting to be discovered.”[6]

Neben diesem Hoffnung machenden Element, das die neue Höhle als ein Licht am Ende des archäologischen Tunnels deutet und somit dem Archäologen neuen Mut schenken kann, ist der Fund auch mit einer Forderung verbunden. Nämlich der Forderung nach mehr Geldmitteln und einer Intensivierung der Suche, die dann apokalyptisch verdichtet in dem Horrorszenario mündet, das folgendermaßen läuft: Wenn wir die Höhlen nicht ausgraben werden, dann werden uns die Diebe zuvorkommen, die sich mit dem Verkauf antiker Texte zu bereichern suchen.[7]

Die Funktion der Höhlen und der Aufbau der Qumrangemeinschaft

Doch neben diesen ideenpolitisch geladenen Motiven der positiven Wertung des Fundes in Qumran gibt es auch einige sachliche Gründe den Fund als einen Fortschritt in der Forschung zu sehen. Denn auch wenn die neue Höhle keine neuen Texte hervorgebracht hat, kann sie doch ein neues Licht auf die Qumrangemeinschaft an sich und die spezielle Funktion der Höhlen in der Qumrangemeinschaft werfen. Die verschiedenen Theorien über die Qumrangemeinschaft können an dieser Stelle erneut auf den Prüfstand gestellt werden.[8]

Natürlich sind dies nur einige ausgewählte Felder, auf denen der neue Fund der Höhle relevant werden kann. Der Fund muss also noch weiter untersucht und schlussendlich publiziert werden, bevor die Forschung die Konsequenzen des Fundes sachgerecht ein- und abschätzen kann. Bis dahin macht der Fund jedoch weiter Hoffnung, dass die Erforschung von Qumran und des Judentums des ersten Jahrhunderts durch diesen frischen Wind neu entflammt wird und somit dieser wichtige Forschungszweig der Archäologie und der Bibelwissenschaft nicht vernachlässigt wird.

(tf)

[1] https://www.welt.de/geschichte/article161950488/Neues-Schriftrollen-Versteck-in-Qumran-entdeckt.html
[2] http://new.huji.ac.il/en/article/33424
[3] von denen Höhle 8 auch ‚nur‘ Hinweise auf Texte und keine Schriftrollen enthielt.
[4] http://new.huji.ac.il/en/article/33424
[5] Director-General of the Israel Antiquities Authority
[6] http://new.huji.ac.il/en/article/33424
[7] So mahnt Israel Hasson wörtlich an: “We are in a race against time as antiquities thieves steal heritage assets worldwide for financial gain. The State of Israel needs to mobilize and allocate the necessary resources in order to launch a historic operation, together with the public, to carry out a systematic excavation of all the caves of the Judean Desert.” (http://new.huji.ac.il/en/article/33424)
[8] Wie dies andeutungsweise geschehen kann siehe: https://www.welt.de/geschichte/article161950488/Neues-Schriftrollen-Versteck-in-Qumran-entdeckt.html
 
Fotos:
Qumran © privat
 

Marburg 2016  (11)Im Laufe einer Stadtführung durch Marburg wurde den Studierenden des zweiten Jahrgangs der Freien Theologischen Hochschule (FTH) eine erst in den 1990er Jahren bei Grabungen wiederentdeckte und freigelegte Synagoge gezeigt. Ein Glasbau weist auf die früheren Ausmaße dieses für moderne Verhältnisse nicht gerade besonders großen Gebäudes hin, man bekommt durch ihn aber einen Einblick in die Architektur jüdischer Vergangenheit.

Diese Synagoge wurde 1317 erstmals erwähnt und schon bald danach bei einem Stadtbrand 1319 zerstört. Nach 1320 entstand ein Neubau an derselben Stelle, deren Reste 1993 bei Ausgrabungen wiederentdeckt wurden. Die Pestzeit 1348/49 brachte in Marburg wie auch in anderen Teilen Deutschlands eine Verfolgung der Juden mit sich, durch welche die jüdische Gemeinde ausgelöscht wurde. Nach 1364 konnten wieder einige Juden zuziehen, die aufgrund ihrer beruflichen Einschränkungen vor allem vom Geldverleih lebten. 1524 wurden sie aber wegen einer landgräflichen Austreibungsverordnung aus Marburg vertrieben.

Marburg 2016 (5)Bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts gab es keine jüdische Gemeinde mehr in der Stadt, danach durften langsam wieder einige Juden nach Marburg ziehen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zählte die jüdische Gemeinde ca. 500 Mitglieder. 1818 wurde wieder die erste größere Synagoge erbaut, deren Ende dann in der NS-Zeit vollzogen wurde, als sie der Schändung und dem Brand in der sog. „Reichskristallnacht“ 1938 zum Opfer fiel.

Bis 1957 war die Ostseite des Obermarktes noch durch spätere Gebäude zugebaut. Als aber ein Wohnhaus am Markt ersatzlos abgerissen wurde, ergab sich die Möglichkeit, an dieser Stelle Grabungen durchzuführen. Durch stadthistorische Forschungen wusste man bereits, dass der sogenannte Schlosssteig einmal Judengasse geheißen hatte, weil eine größere Anzahl jüdischer Familien dort in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts lebte, und dass sich dort auch die Reste einer alten Synagoge befinden mussten.

An der Mauer lag ein großer, architektonisch bemerkenswert ausgestatteter Raum. Seine baulichen Merkmale und die Auswertung der Schriftquellen wie auch archäologische Befunde ließen keinen anderen Schluss zu, als dass es sich hier um die alte Synagoge handelte, die nach den Schriftquellen 1452 teilweise abgebrochen worden war.

Marburg 2016 (12)Das Gebäude war bemerkenswert gut erhalten, denn außer dem Gewölbe und den überirdischen Bauteilen war nichts zerstört worden, und die Baukörper an Boden und Fundament waren verschont geblieben, und lediglich zugeschüttet worden. Der Boden wurde als Gartenland oder Baugrund genutzt; die Mauerreste der Synagoge wurden für Gründungen neuer Gebäude mitbenutzt, wodurch die sonstigen Überreste der Synagoge unangetastet blieben.

Die mittelalterlichen Fundamente der Synagoge in Marburg sind einen Besuch wert, weil sie den Betrachter unmittelbar in die Zeit des jüdischen Mittelalters versetzen und ihren Glanz und ihre Tragik in Erinnerung rufen. Die Studierenden des zweiten Jahrgangs der FTH hatten dort die Möglichkeit, das Schicksal der Juden im Mittelalter näher zu betrachten, und es hat einen Eindruck und Impulse zum Nachdenken hinterlassen, besonders, weil die protestantische Kirche in Sichtweite der Synagoge lag. Es war daher sinnvoll, diesen wichtigen Punkt der deutschen Geschichte mitberücksichtigt zu haben.

cl

Bilder: cl/privat

Es ist sicherlich kein Novum, dass sich die drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam die Stadt Jerusalem als einen entscheidenden Ort für jeweils ihre Religion teilen. Kein anderer Ort der Welt ist geschichtlich und religiös so „besonders“ und dabei zugleich so „spannungsgeladen“, wie diese Stadt. Doch denkt man bei Jerusalem vielleicht selten daran, dass auch heute noch in christlichen Kirchen Jerusalems das „geistliche Leben“ pulsiert, und neben der berühmten Grabeskirche auch sonst noch so einige andere Kirchen existieren. Wir möchten hiermit einige wenige dieser aktiven christlichen Kirchen, vor allem aus der Altstadt, kurz vorstellen. Die Grabeskirche bzw. Auferstehungskirche (Anastasis) Bevor wir später andere Kirchen kennenlernen und den jeweiligen Konfessionen zuordnen, wenden wir uns zunächst der bekanntesten Kirche zu, der Grabeskirche, da diese keiner alleinigen Konfession zugeordnet werden kann. Die Hauptverwaltung liegt in Griechisch-Orthodoxen, in Römisch-Katholischen (Franziskaner) Hände sowie in der der Armenisch-Apostolischen Kirche. Wer an das Christentum oder an Kirchen in Jerusalem denkt, dem fällt natürlich zuerst die Grabeskirche ein. Den Namen hat die Kirche vom Grab Jesu erhalten, denn die Kirchenanlage ist an der Stelle erbaut worden, an der Jesus vermutlich gekreuzigt und begraben wurde. Vieles spricht auch tatsächlich dafür, dass dies der historische Ort gewesen sein kann. Gefunden wurde dieser Ort angeblich unterhalb eines heidnischen Tempels auf einer der Reisen Helenas, der Mutter des Kaisers Konstantin. Mit diesem Fund beginnt die Verehrung von „Kreuzreliquien“ in großem Stil. Am 13. September 335 wird die vor Ort erbaute Kirche geweiht und fortan als Gottesdienstraum genutzt. Im Mittelalter, zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert, wird die Kirche zerstört, jedoch anschließend wieder aufgebaut. Heute wird die Kirche von insgesamt sechs verschiedenen Konfessionen genutzt:
  • römisch-katholisch (vertreten durch den dort ansässigen Franziskaner-Orden)
  • griechisch-orthodox
  • syrisch-orthodox
  • armenisch-apostolisch
  • äthiopisch-orthodox
  • koptisch
Diese sechs kirchlichen Denominationen sind für die Pflege und den Erhalt der Grabeskirche zuständig, ein gewisser Weise unglücklicher Umstand, der regelmäßig zu Auseinandersetzungen über die Zuständigkeitsbereiche führt. In der Osterzeit kann es daher auch schon einmal zu ernsthaften Rangeleien während der Prozessionen kommen. Protestantische Konfessionen sind in der Kirche nicht vertreten. Unter diesem Link kann man eine virtuelle Tour durch die Grabeskirche machen: http://www.virtualtoursantosepolcro.org/index_en.htm Römisch-Katholische Kirchen Folgende römisch-katholische Kirche befinden sich in der Jerusalemer Altstadt: die Ecce-Homo-Basilika (im 19. Jh. erbaut), die Salvatorkirche (16. Jh.), die nebeneinander stehenden Kapellen mit den Namen Geißelungskapelle (12. Jh.) und Verurteilungskapelle (20. Jh.), welche gemeinsam die zweite Station des dortigen Kreuzweges bilden, sowie zwei weitere Kirchengebäude, die zwar mit der römisch-katholischen Kirche uniert sind, jedoch in ostkirchlicher Tradition stehen: Kirche der Schmerzen Mariä (armenisch-katholisch) und St.-Anna-Kirche (griechisch-katholisch). Die unierten Kirchen gehören zur Kirchengemeinschaft von Rom und erkennen das Primat des Papstes an (der als Bischof von Rom das alte Patriarchat des Westens innehat). In liturgischen Fragen folgen die mit Rom verbundenen Ostkirchen allerdings ihren eigenen Sprachen und Traditionen, wie z.B. griechisch, armenisch, syrisch usw. Seit dem Vaticanum II wurde es ja ausdrücklich möglich, einen katholischen Gottesdienst in der jeweiligen Landessprache zu zelebrieren. An bestimmten heiligen Stätten aber – bspw. in der Grabeskirche – wird der Gottesdienst nach wie vor in lateinischer Sprache abgehalten. Ein wichtiges Ereignis für die römisch-katholischen Kirchen im Heiligen Land war die Unterzeichnung eines Grundlagenabkommens zwischen dem Vatikan und Israel am 30. Dezember 1993: Das Abkommens erkennt den Staat Israel völkerrechtlich an und regelt die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten. Protestantisch Es gibt in Jerusalem außerdem mehr protestantische Gemeinden und Kirchen als man auf den ersten Blick meinen könnte: Über zehn verschiedene protestantische Denominationen haben sich in Jerusalem niedergelassen. In der Altstadt gibt es jedoch nur zwei evangelische Kirchgebäude: die Erlöserkirche aus dem 19. Jh., die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) geleitet und unterhalten wird und eine deutsche Gemeinde im Ausland darstellt, aber auch englisch-, arabisch- und dänischsprachige Lutheraner beherbergt. Sie ist ein Zentrum der protestantischen Ökumene im Herzen von Jerusalem. Außerdem gibt es die anglikanische Christuskirche (Christ Church), welche 1849 als erste protestantische Kirche im Nahen Osten eröffnet wurde.

(ts)

    Quellen: http://www.virtualtoursantosepolcro.org/index_en.htm http://www.israelmagazin.de/israel-orte/jerusalem/altstadt/grabeskirche-jerusalem http://www.deutschlandradiokultur.de/grabeskirche-in-jerusalem-der-herr-der-schluessel.1278.de.html?dram:article_id=316220 http://www.evangelisch-in-jerusalem.org/ Bibliographie: Nolli, Gianfranco, Grabeskirche und Felsendom in Jerusalm, Novara 1989 Raanan, Mordecai (Hg.), Die Heiligen Stätten. Auf den Spuren Jesu, Freiburg i. Br. 1970

In Jerusalem haben Archäologen erstmals ein Gebäude aus der Zeit der Hasmonäerkönige freigelegt – ein absolutes Novum. Bisher wurden aus dieser von 165 bis 37 v. Chr. andauernden Regierungszeit nur kleinere Fundstücke und Befestigungsanlagen ausgegraben.

Die Mauern des Hauses wurden in der Davidsstadt freigelegt, bei der es sich um den ältesten besiedelten Teil der heiligen Stadt handelt, der südlich von den heutigen Altstadtmauern liegt. Die Israelische Altertumsbehörde (IAA) berichtet von einem 64 Quadratmeter großem Haus mit vier Meter hohen Mauern von einem Meter Breite. Diese Konstruktion der Wände aus grob behauenem Kalkstein sei charakteristisch für die damalige Zeit. Ausschlaggebend für die Datierung der Ausgrabung waren neben den Tongefäßen vor allem die entdeckten Münzen aus dem frühen zweiten Jahrhundert vor Christus.

Nach dem Tod Alexanders des Großen 323 v. Chr. teilten seine Feldherren, die sogenannten Diadochen, sein Reich unter sich auf. Einer davon war Seleukos, dessen Seleukidenreich den ganzen Vorderen Orient von Kleinasien über Israel bis nach Persien umschloss. Im 2. Jahrhundert vor Christus setzten sich in Israel jüdische Freiheitskämpfer um Judas Makkabäus gegen diese Herrschaft zur Wehr – die Makkabäer. Nach ihrem erfolgreichen Aufstand und der erlangten Unabhängigkeit begründeten sie die Königsdynastie der Hasmonäer. Diese Regenten waren Könige und Hohepriester zugleich. Mit dem Aufmarsch des Römischen Reiches und seinen Eroberungen blieben die Hasmonäer noch eine Jahrzehnte römische Vasallen, bis sie 37 v. Chr. endgültig ihre Macht verloren und Herodes der Große König über ihr Land wurde.

Von der Hasmonäerdynastie berichten vor allem die vier Makkabäerbücher (das 1. und 2. Makkabäerbuch sind Teil der Apokryphen im evangelischen Kanon, der katholische Kanon zählt auch das 3. und 4. Makkabäerbuch dazu) sowie der bekannte jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus in seinen Werken Geschichte des jüdischen Krieges und Jüdische Altertümer.

Die Glaubwürdigkeit und das Gewicht dieser auch für die neutestamentliche Geschichte wichtigen Werke wurde durch den neuesten Fund in der Ausgrabungsstätte „Walls Around Jerusalem National Park“ neu untermauert. Doron Ben Ami und Jana Tschechanowez, die Ausgrabungsleiter vor Ort, ließen zur Bedeutung des ausgegrabenen Gebäudes verlauten: „Trotz der umfangreichen Ausgrabungen in Jerusalem wurden zuvor noch nie Häuser aus der Hasmonäer-Periode entdeckt, sondern nur Befestigungsanlagen, Keramik und andere kleine Fundstücke. Dieser Fund füllt eine Lücke in der Architekturgeschichte Jerusalems. Die Beschreibung der Hasmonäer in den Werken des zeitgenössischen Historikers Flavius Josephus hat damit plötzlich einen berührbaren Ausdruck gefunden.“

(jp)

 
Quellen:
http://www.focus.de/wissen/mensch/archaeologie/ausgrabung-in-israel-gebaeude-aus-hasmonaeer-zeit-in-jerusalem-entdeckt_id_3451047.html
http://www.antiquities.org.il/article_Item_eng.asp?sec_id=25&subj_id=240&id=2033&module_id=#as
http://www.jpost.com/National-News/Unprecedented-finding-from-Hasmonean-period-unearthed-in-City-of-David-333898
http://www.israelmagazin.de/2200-jahre-altes-hasmonaeisches-haus-in-davidstadt-gefunden
 
 

 
Dersdsda

Der Fundort an der Südmauer des Tempelberges

Israelische Archäologen haben am Fuße des Tempelberges einen überraschenden Fund gemacht: Bei Ausgrabungen in der heiligen Stadt wurde ein antiker Goldschatz gefunden, dessen Inhalt auf eine jüdische Präsenz an diesem Ort im siebten Jahrhundert hinweist. Die Ausgrabungsleiterin Dr. Eilat Mazar vom Archäologischen Institut der Hebräischen Universität schwärmte, dass es einen so atemberaubenden Fund nur einmal im Leben eines Archäologen gebe.

Der sogenannte “Ophel-Schatz” (Ophel = “Anhöhe” bezeichnet den Bereich südlich der Tempelmauer) wurde am Montagmorgen auf dem Universitätscampus am Jerusalemer Skopusberg präsentiert. Bei den in zwei Bündeln verpackten Fundstücken, die 50 m von der Mauer des Tempels entfernt ausgegraben wurden, handelt es sich um 36 Goldmünzen, Gold- und Silberschmuck, ein goldüberzogenes Prisma, einen Silberbarren sowie ein Medaillon aus Gold.

Besonders bei letztgenanntem Gegenstand handelt es sich um einen aussagekräftigen Fund. Auf dem gut erhaltenen Medaillon von 10 cm Durchmesser, an dem eine Goldkette befestigt ist, sind drei wichtige Symbole des Judentums abgebildet: In der Mitte eine Menorah, daneben ein Schofar und eine Thorarolle. “Das war eine völlige Überraschung”, erklärt Mazar, die die Ausgrabungen am Ophel-Archäologischen Garten seit 2009 leitet. Die Wissenschaftlerin geht davon aus, dass das Medaillon zum Schmuck einer Thora-Rolle gedient haben könnte. Es wurden in einer kleinen Vertiefung weitere Schmuckstücke gefunden, die ebenso zur Verzierung einer solchen Rolle benutzt worden sein können. Bestätigt sich diese Vermutung, würde es sich um den bisher ältesten Fund eines Thora-Ornamentes handeln.

Ophel - Archäologischer Garten

Ophel – Archäologischer Garten

Der Schatz aus der byzantinischen Epoche wird auf die Zeit zwischen dem 4. und 7. Jh. n. Chr. datiert. Mazar vermutet, dass er von seinen, sicherlich bedeutenden, jüdischen Eigentümern während der Eroberung Jerusalems durch die Sassaniden (zweites persisches Großreich) im Jahr 614 n. Chr. versteckt wurde. Dabei sei das eine Bündel gut vergraben gewesen, während das andere vermutlich in Eile losgelassen und so der Inhalt auf dem Boden verstreut wurde. Nach der persischen Eroberung Jerusalems, die von vielen Juden als Befreiung begrüßt wurde, sind viele zuvor unter den byzantinischen Regenten geflohene Juden in die Stadt zurückgekehrt. Doch aus nicht eindeutig geklärten Gründen wurden die Juden ab 617/618 von den Sassaniden wieder aus der heiligen Stadt verbannt. 629 fiel Jerusalem an Byzanz zurück.

Die gefundenen Münzen stammen aus der Regierungszeit verschiedener byzantinischer Herrscher und stellen erst die dritte Münzsammlung dar, die bei Ausgrabungen in Jerusalem bisher gefunden wurde, ergänzte Münzexpertin Lior Sandberg vom Archäologischen Institut am Montag.

„Das ist das größte Geschenk, das wir zum neuen Jahr und für das Land Israel bekommen konnten“, sagte Dr. Eilat Mazar, die die Entdeckung als eine der bedeutendsten in der 45-jährigen Geschichte des Archäologischen Instituts bezeichnete. „Noch nie in meinem Leben habe ich so viel Gold gefunden”, verkündete sie.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu würdigte in einem Telefonat mit Mazar den Fund als „historisches Zeugnis höchster Ordnung“. Mit Bezug auf die jüdischen Symbole Menorah, Schofar und Thora ließ Netanjahu laut einer Mitteilung seines Büros verlauten: “Das Wesen des jüdischen Volkes könnte nicht treffender und klarer sein”. Der Fund belege die jüdische Präsenz an diesem Ort im Altertum.

 

Hier das offizielle Video der Hebräischen Universität von Jerusalem:

 

(jp)

 
Quellen:
 
http://new.huji.ac.il/en/article/18251
http://www.jpost.com/National-News/HU-archeologist-presents-unprecedented-gold-findings-from-Temple-Mount-325619
http://www.israelmagazin.de/1400-jahre-goldschatz-tempelberg-jerusalem-gefunden
http://derstandard.at/1378248543181/Antiker-Goldschatz-in-Jerusalem-entdeckt?_blogGroup=1
http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-16629-2013-09-10.html
http://www.israelnetz.com/nachrichten/detailansicht/aktuell/sensationeller-goldfund-in-jerusalem/#.UjBnnoX8o7A
 

Fotos: © privat