FTHkolleg am 6. April – Einladung

Israel einst und jetzt

Mehr als Standardwissen: Wer Israel besser kennenlernen möchte, sollte unbedingt am 06. April beim FTHkolleg „Israel einst und jetzt“ dabei sein! Referent Dr. Berthold Schwarz macht eine verantwortungsbewusste Israel-Lehre verständlich: Warum ist die sogenannte Ersatztheologie falsch? Wie kann Römer 9-11 Orientierung übers Israels Zukunft geben? Warum irrte Martin Luther im Blick auf die Juden? Darüber hinaus gibt es tiefe Einblicke in die Geschichte des „Heiligen Landes“. Anmeldung bis zum 23. März 59Eur, danach 69Eur. Mehr unter https://www.fthgiessen.de/willkommen/fthkolleg/

Herzliche Einladung zum FTHkolleg!

von links: Dr. Berthold Schwarz und Dr. h.c. Fritz May

Am Mittwoch, den 18. April 2018, fand die Verleihung des Franz-Delitzsch-Preises an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen statt. Jährlich prämiert der Preis eine herausragende Forschungsarbeit, die mit den Zielen und Schwerpunkten des Instituts für Israelogie übereinstimmt und dazu einen wissenschaftlichen Beitrag leistet. Möglich sind diese Förderungen aufgrund der Stiftungsgelder, die die Arbeitsgemeinschaft „Christen für Israel“ (CfI) durch ihren langjährigen Vorsitzenden Dr. h.c. Fritz May zur Verfügung stellt. Herr May und seine Frau waren während der Preisverleihung ebenfalls anwesend, bei der er zugleich Segenswünsche zu seinem Geburtstag entgegennehmen durfte. Durch das Programm der Preisverleihung führten Prof. Dr. Helge Stadelmann, der Institutsleiter Dr. Berthold Schwarz und ein Team von Studierenden der Hochschule.

Hauptpreisträger sind dieses Jahr Prof. Dr. Hendrik Koorevaar und Prof. Dr. Mart-Jan Paul. Beide lehren als Professoren für Altes Testament unter anderem an der Evangelischen Theologischen Fakultät Leuven, Belgien. Sie beschäftigen sich schon viele Jahre mit Israel: Während Koorevaar selbst 14 Monate im Land gelebt hat, ist Paul aktives Mitglied am Zentrum für Judaistik-Studien in Ede. Gemeinsam haben sie vor einigen Jahren ein Forschungsprojekt initiiert mit dem Titel: „The Earth and the Land. Studies About the Value of the Land of Israel in the Old Testament and Afterwards”. In diesem Sammelband sind Aufsätze zu finden, die sich unter dem Fokus der alttestamentlichen Verheißung, dass von Zion Segen für die ganze Welt ausgehen soll (z.B. Ps 69,30-37 oder Ps 133), mit dem Land Israel beschäftigen. Auch Beiträge zur späteren Entwicklung der Thematik im Judentum und im Islam wurden aufgenommen. Die Publikation wird demnächst in der Reihe Edition Israelogie erscheinen (EDIS 11).

Prof. Dr. Helge Stadelmann, im Hintergrund die beiden Preisträger

Die beiden Gewinner konnten nicht persönlich bei der Verleihung anwesend sein, übermittelten aber eine Videobotschaft (siehe Link): Koorevaar betonte darin, dass es für Christen sehr wichtig sei, die Relation zum jüdischen Volk zu bedenken. Theologisch betrachtet habe das Christentum nicht die Position Israels eingenommen. Wer in Zukunft das Recht haben wird, im Land Israel zu wohnen, liegt für ihn auf der Hand: die Sanftmütigen, so wie es Jesus in der Bergpredigt sagt.

Prof. Dr. Helmuth Pehlke erhält den Franz-Delitzsch-Förderpreis

Ferner wurde der Franz-Delitzsch-Förderpreis verliehen. Der Förderpreis würdigt Arbeiten, die noch im Progress sind, und geht in diesem Jahr an Prof. Dr. Helmuth Pehlke. In seinem Buch „Israel. Daten – Fakten – Hintergründe, um das Heilige Land zu verstehen“ bereitet der Alttestamentler Insider-Fakten zu ausgewählten Orten mit teilweise Jahrtausende alter Bedeutung auf, die man immer noch besuchen kann. Sein Anliegen, das Wissen um Besonderheiten des Heiligen Landes zu erweitern und Begeisterung dafür zu wecken, brachte er in einer Ansprache lebhaft zum Ausdruck.

Weiterhin wurden zwei Arbeiten jeweils mit einem studentischen Sonderpreis ausgezeichnet. Diese gingen an Jan Kilian Freiherr von Bibra und Alena Edler. Beide studieren an der Freien Theologischen Hochschule Gießen. Philip Quast, ebenfalls Student an der FTH Gießen, erhielt ein besonderes Stipendium: Dieses umfasst einen sechswöchigen Sommeraufenthalt an der Ben-Gurion Universität in Be’er Scheva, Israel.

Ein Impuls zum 70-jährigen Bestehen des Staates Israel beendete den offiziellen Teil der Preisverleihung.

AE

Eine Rezension

Wer wissen möchte, woran messianische Juden glauben, fragt am besten einen messianischen Juden. So gibt es eine Reihe von Autoren, die Auskunft über Geschichte und Einzelthemen im Bereich der messianisch-jüdischen Bewegung geben, aber nur wenige Werke, die eine Diskussionsgrundlage zu Glaubensaussagen auf akademischem Niveau bieten. „God, Torah, Messiah. The Messianic Jewish Theology of Dr. Louis Goldberg“ gehört zur letzten Gruppe. Da der Autor 2002 verstarb, blieb das Werk unvollständig. Allerdings wurde die Arbeit von Dr. Richard A. Robinson editiert, sodass sie 2009 veröffentlicht werden konnte. In 15 Kapiteln werden verschiedene theologische Bereiche systematisch erfasst, die auch in christlichen Dogmatiken anzutreffen sind:

In den ersten vier Kapiteln setzt Goldberg die Prämissen, unter denen er die Heilige Schrift betrachtet. Die Torah wird dabei zunächst unter jüdischen Voraussetzungen analysiert, aber auch in Beziehung zum Neuen Bund gesetzt. Für den Autor ist die gesamte Heilige Schrift als Einheit zu betrachten und von Gott gegeben, was sich für ihn unter anderem an den erfüllten Prophezeiungen (z.B. Jes 53) ablesen lässt. Deswegen sieht er es problematisch, wenn mündliche Überlieferungen („oral law“) Inhalten der Schrift entgegen stehen. Dann widmet er sich in einem ausführlichen, sieben Hauptabschnitte umfassenden Block dem dreieinigen Gott. Anders als bei Christen üblich, benutzt er um die Dreieinigkeit zu beschreiben stets die Begriffe Gott – Yeshua – Heiliger Geist, nicht Vater – Sohn – Heiliger Geist. Anschließend folgen einzelne Kapitel zur Lehre des Menschen, der Sünde, der Engel und der (messianischen) Gemeinde.

Um Goldbergs Argumentationslinie, die sich durch das gesamte Werk zieht, verständlich zu machen, wird hier ein Kapitelblock beispielhaft aufgerissen: Etwa ein Fünftel des Werkes befasst sich mit der Vorstellung des Messias unter verschiedenen Gesichtspunkten. Ziel ist es, zu zeigen, dass Yeshua der Messias ist und wie er ist.  Dabei stellt Goldberg auch für Christen herausfordernde Fragen über das Wesen Yeshuas und greift scheinbare Widersprüche auf, um sie systematisch zu lösen. Wie kann der Messias zum Beispiel menschlich und göttlich zugleich sein? Zunächst gibt der Autor dazu einen geschichtlich-theologischen Rückblick: Er stellt die Entwicklung des Messiaskonzepts im jüdischen Denken nach dem Exil dar, und zwar in den 400 Jahren zwischen Abschluss des Tanach und dem ersten Jahrhundert nach Christus. Er sieht hier den Trend, dass mit fortschreitender Zeit die persönliche Gottesbeziehung immer mehr in die Ferne rückte. Das jüdische Messiasbild ließ folglich, so Goldberg, keine Mischung aus göttlich und menschlich zu- eine wichtige Beobachtung für den Autor, der als messianischer Jude beide Attribute im Glauben an Yeshua miteinander vereint. Dass aber ausgerechnet Yeshua der Messias ist, musste sich nach Goldberg erstens in seiner Lehre und seinem Zeugnis über sich selbst, und zweitens in seinem Werk zeigen. In diesen beiden Punkten hat Yeshua nach Goldberg genau das gesagt und getan, was über den Messias geschrieben steht. Er lehrte nicht nur den Inhalt der Thora, sondern lebte sie vor. Als Heiler und Herrscher über Naturgewalten könne kein Zweifel mehr über seine göttliche Natur bestehen bleiben.

Dem geht er weiter auf den Grund: Einzelne Aspekte werden aufgegriffen, zum Beispiel „The Preexistence of the Messiah“, „The Names of God Applied to Yeshua“ oder „As Our Advocate and High Priest“. Dazu nennt Goldberg passende Stellen aus dem Neuen Testament und stellt ihnen dann AT-Stellen gegenüber, in denen zu dieser Thematik bereits etwas geschrieben steht. Immer wieder geht er auf bereits von ihm dargestellte Entwicklungen und Strömungen im Judentum ein, die es deren Anhängern seiner Ansicht nach schwer machen, Jesus als den zu sehen, der er für Goldberg ist: der Messias. Vor allem die Targumim, in denen jüdische Gelehrte die Schriften interpretierten, trug nach Goldberg dazu bei, dass Juden keinen göttlichen oder leidenden Messias erwartet hatten. In einem Exempel stellt er in einer Tabelle dar, wie sich Jes 52,13- 53,12 im Targum Jesaja vom „biblischen Text“ unterscheidet. Wenn er zum Beispiel die Entstehung der Targumim erklärt, fügt er auch immer wieder Erkenntnisse aus der alttestamentlichen Forschung ein. Goldbergs messianisch-jüdischem Verständnis seiner in dieser Thematik verwendeten AT-Stellen geht der Schritt voraus, Yeshuas Lehre anzuhören, seine Gleichnisse und Auslegungen. Erst dann könnten jene alttestamtlichen Passagen eingeordnet und beurteilt werden. Mit dieser Art von Verknüpfung des Tanach mit dem Neuem Testament zeigt Goldberg vor allem: Wenn messianische Juden von Yeshua reden, ist er für sie der Messias, von dem an bestimmten Stellen im AT direkt oder indirekt die Rede ist. An einen solchen Messias zu glauben, der Merkmale wie beispielweise göttliche und menschliche Attribute vorweist, hängt also primär mit dem zugrundeliegenden Schriftverständnis zusammen.

Insgesamt ist „God, Torah, Messiah“ eine interessante Einführung in eine Art messianisch-jüdische Theologie. Themen, die in der messianisch-jüdischen Bewegung kontrovers diskutiert werden, wie das mündliche Gesetz, beleuchtet er ausführlich. Weil immer wieder rabbinische Auslegungen, moderne jüdische Ansichten und geschichtliche Abrisse einfließen, lernt der Leser nicht nur etwas über messianisch-jüdische Theologie, sondern auch über das Judentum. Auch christliche Dogmatik findet ihren Platz, wenn zum Beispiel die Inhalte des Nizänums diskutiert werden. Goldberg spart nicht an Definitionen und Bibelstellen. Wenn er zum Beispiel die Heiligkeit Gottes als eine seiner Eigenschaften beschreibt, nennt er dazu über 30 Zitate aus dem Alten und Neuen Testament. Hilfreich sind die übersichtlichen Einteilungen und Überschriften. Die Kapitel leitet er lebensnah, oft schon anekdotenhaft ein, sodass das Lesen für eine Systematik ungewöhnlich leicht fällt. Es muss berücksichtig werden, dass zwar Glaubenssätze und -bekenntnisse innerhalb der messianisch-jüdischen Bewegung formuliert wurden, diese allerdings nicht verbindlich für alle Gemeinden sind und nicht für alle messianischen Juden sprechen. So ist es auch mit den wenigen systematischen Werken. Daher kann diese Theologie exemplarisch einen interessanten Einblick in den messianisch-jüdischen Glauben aus der Innenperspektive bieten, aber sie ist keineswegs erschöpfend. Zur gezielten Auseinandersetzung sei das Hinzuziehen weiterer Vertreter, die aktiv diskutiert werden, empfohlen, siehe insbesondere R. Harvey, Messianisch-jüdische Theologie verstehen, EDIS 7, 2016.

AE

Pfr. Dr. Gerhard Gronauer bei seinem Vortrag

Auf die Suche nach einer theologisch wie politisch angemessenen Haltung zum jüdischen Staat und zum Nahostkonflikt hat am vergangenen Freitag, 25. April 2014, Pfr. Dr. Gerhard Gronauer seine Zuhörer bei der Franz-Delitzsch-Preisverleihung mitgenommen.

Gronauer wurde vom Institut für Israelogie in einer feierlichen Zeremonie für sein 2013 in Göttingen erschienenes Werk “Der Staat Israel im westdeutschen Protestantismus. Wahrnehmungen in Kirche und Publizistik von 1948 bis 1972” mit dem Franz-Delitzsch-Preis geehrt. Dieser seit 2007 verliehene Preis prämiert Arbeiten, die sachkompetent und in herausragender Weise eine heilsgeschichtliche Israel-Theologie (Israelogie) fördern.

“Der Staat Israel im westdeutschen Protestantismus”

In seinem gut verständlichen und überzeugenden Vortrag betonte der in Dinkelsbühl (Bayern) tätige Pfarrer als eine persönliche Erkenntnis aus seinem Buch die Wichtigkeit einer ausgewogenen sowie sachgerechten Haltung im Hinblick auf die Nahostproblematik, da zu jedem Konflikt stets zwei Parteien gehörten. So müsse Kritik an Israel wie an jedem anderen säkularen Staat – jedoch nicht mehr als an jedem anderen Staat – erlaubt sein, seien aber die Ansprüche der palästinensischen Befreiungstheologie ebenso unter die Lupe zu nehmen. Dass letzteres versäumt wurde, während der christliche Zionismus missbilligte wurde, bemängelte der Theologe zum Beispiel an der 2012 erschienenen EKD-Orientierungshilfe “Das gelobte Land”. Eine richtige Friedensbewegung hingegen müsse vermitteln und sich in Selbstkritik üben anstatt Ressentiments zu verschärfen.

Prof. Dr. Stadelman überreicht dem Preisträger die Urkunde

Gronauer führte weiter aus, wie ihn trotz seines Strebens nach Ausgewogenheit sein Glaube an den Gott, der auch im Neuen Testament der „Gott Israels“

genannt wird und sein Erschrecken über den Nationalsozialismus zu einer pro-israelischen Haltung führen. Die Gefahr, mit dieser Haltung Schiffbruch zu erleiden (z. B. durch eine theologische Verklärung des Staates Israel) ist seines Erachtens geringer als bei einem Antisemitismus, der im Deckmantel einer “neutralen Israel-Kritik” daherkomme oder auch bei einer grundsätzlichen theologischen Israel-Vergessenheit, welche Gronauer zu bekämpfen sucht. Er ermutigte seine jungen Zuhörer, Verantwortung für unsere deutsche Vergangenheit zu übernehmen und – so abgedroschen dies manchmal klingt – die Verbrechen des Holocaust sowie Israel nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dies könne zum Beispiel dadurch geschehen, dass der 10. Sonntag nach Trinitatis als der offiziell Israel-Sonntag wieder bekannt gemacht und sinnvoll genutzt würde oder indem man sich für den Erhalt jüdischer oder von Juden ehemals bewohnter Gebäude einsetze.

Bei den Recherchen für sein Buch sei Gronauer unter den vielen Stellungnamen zum Thema Israel eine besonders ins Auge gefallen: Im Jahr 1980 bezeichnete die Evangelische Kirche im Rheinland die “fortdauernde Existenz des jüdischen Volkes” als ein “Zeichen der Treue Gottes gegenüber seinem Volk”. Gronauer lobte die Wortwahl dieser theologischen Standortbestimmung. Der Begriff “Zeichen” bringe auf der einen Seite das Handeln Gottes mit dem aktuellen Staat Israel in Verbindung, ließe aber auf der anderen Seite auch einige Fragen – wie beispielsweise die, ob sich 1948 eine biblische Weissagung erfüllt hat – offen, und dies sei gut so.

Illustration von Hes 37 aus der “Action Bible”

In Bezug auf Fragen wie diese hielt sich Gronauer sympathischerweise bedeckt: Er könnte nicht von sich behaupten, für die Gegenwart einen Plan Gottes für Israel und die Palästinenser zu kennen. Es ist jedoch seine Überzeugung, dass sich mit der Wiederkunft Christi innerbiblisch nicht erfüllte Verheißungen wie die aus Hesekiel 36-37 erfüllen können: “Wenn Gott eingreift, wenn er die Himmel aufreißt und die Welt in irgendeiner Form verwandelt, dann sind noch viele Hoffnungen und Verheißungen aus der Bibel da – auch an Israel -, die dann in Erfüllung gehen können.”

Doch bis dahin lebten wir in der Jetzt-Zeit und könnten nur gemeinsam auf eine Lösung des Nahostkonflikts hoffen und dafür beten. So drückte der Lehrbeauftragte der CVJM-Hochschule in Kassel zum Schluss seines inspirierenden wie auch nachdenklich stimmenden Vortrags seinen tiefen Wunsch aus, dass – vielleicht durch Abstimmungen und Abgrenzungen – eines Tages seine Söhne erleben, wie Juden und Palästinenser friedlich im Heiligen Land zusammenleben – bis zu dem Zeitpunkt, an dem Gott seine Welt verwandeln wird.

“Wozu Israel”, hg. von Tobias Krämer

Krämer im Video-Grußwort

Neben der Verleihung des Hauptpreises wurde Tobias Krämer aus Stuttgart von Institutsleiter Dr. Berthold Schwarz für die Mitwirkung an und Herausgabe von „Wozu Israel? Historische, theologische und zeitgeschichtliche Zugänge zum Bundesvolk Israel“ mit dem Franz-Delitzsch-Förderpreis ausgezeichnet. Dieses kompakte Themenbuch bereitet das Verhältnis der Gemeinde Jesu zum Bundesvolk und zum Staat Israel biblisch fundiert und in gemeindetauglicher Form auf. In seinem Video-Grußwort drückte Krämer seine Überzeugung aus, dass unsere gesamte Theologie mit unserer Haltung zu Israel stehe und falle, sowie seine Dankbarkeit für die Auszeichnung, welche aus seiner Sicht auch das Bemühen um das heute mehr denn je nötige gemeinderelevante theologische Arbeiten prämiere.

Eine der Gewinnerinen des Sommer-Uni-Stipendiums

Im Rahmen der Preisverleihung wurden mit Seline Kanwischer und Franziska Peters zudem die zwei glücklichen Gewinnerinen des Stipendiums für eine sechs-wöchige Sommeruniversität in Beer Sheva, Israel, bekannt gegeben, auf das sich Studierende jährlich bewerben können. Die beiden Studentinnen werden dort in ihrer vorlesungsfreien Zeit modernes Hebräisch lernen und durch Vorträge sowie Ausflüge Land, seine Kultur und das Judentum besser kennen lernen. Im Anschluss werden sie auf unserer Website von ihren Erfahrungen im Heiligen Land berichten.

Große Freude über das Stipendium

Große Freude über das Stipendium

Jochen Grebe am Klavier und Marie-Helen Tuchscherer am Saxophon führten das Publikum durch ihre einfühlsamen und hochwertigen Interpretationen musikalisch durch die ein-stündige Preisverleihung, welche Prof. Dr. Stadelmann mit der Erinnerung daran beendete, dass Gott immer zu seiner Zeit seine Ziele erreicht – dies werde auch für Israel der Fall sein.

(jp)

Fotos: © privat

Kennen Sie eigentlich die vom Verlagshaus Peter Lang herausgegebene Buchreihe EDIS? Bei der “Edition Israelogie” handelt es sich um die hauseigene wissenschaftliche Reihe unseres Instituts, die die Ergebnisse der Judaistik, Semitistik und anderer Forschungsgebiete für die Israelogie fruchtbar machen sowie neue Beiträge zur Israellehre liefern will. Unser Ziel ist es, die biblischen Lehraussagen über Israel und das Judentum zu identifizieren und systematisieren, damit eine erneuerte Dogmatik entsteht, die die Israelogie als Teilbereich vor und außerhalb der Ekklesiologie definiert.

In der EDIS-Reihe sind Anfang 2014 zwei neue Bände erschienen, die wir Ihnen wärmstens empfehlen möchten:

EDIS VI

EDIS VI zur Landesfrage

Band 6: Wem gehört das ‘Heilige Land’? – Christlich-theologische Überlegungen zur biblischen Landesverheißung an Israel, Hg. Berthold Schwarz

Dieser von Institutsleiter Berthold Schwarz herausgegebenen Sammelband möchte den Austausch über die Frage fördern, wem das Land Israel gehört. Den Autoren der 14 Beiträge ist gemein, dass sie eine ausgewogene und begründete Israellehre fördern wollen. Sie unterscheiden sich jedoch konfessionell und theologisch voneinander, wodurch verschiedene Perspektiven geboten und unsere Sinne für eine theologisch fundierte Urteilsbildung geschärft werden.

EDIS VIII

EDIS VIII zum Römerbrief

Band 8: Gottes Gerechtigkeit und Evangelium im Römerbrief – Die Rechtfertigungslehre des Paulus im Vergleich zu antiken jüdischen Auffassungen und zur Neuen Paulusperspektive, Jacob Thiessen

Rund um den Römerbrief und die darin dargestellte Rechtfertigungslehre des Paulus werden nach wie vor kontroverse Diskussionen geführt. Eine davon wurde angeregt durch die “New Perspective” (E. P. Sanders, James Dunn, N.T. Wright u.a.), die die paulinischen Schriften abweichend von der traditionellen lutherischen Deutung und vor allem in Hinblick auf sein Verhältnis zum Judentum deutet.

Diese Studie von Jacob Thiessen zeigt die Entwicklung der “Neuen Perspektive auf Paulus” auf und legt eine alternative Deutung vor, indem sie sich anhand von zentralen Texten des Römerbriefs mit dem Gedankengut der  “New Perspective” exegetisch auseinandersetzt sowie den jüdischen Kontext untersucht. Thiessen kommt zu dem Ergebnis, dass die paulinische Rechtfertigungslehre sowohl wichtige soteriologische als auch ekklesiologische Aspekte beinhaltet, die weder getrennt noch gegeneinander ausgespielt werden sollten.

Hier finden Sie weitere Informationen über die EDIS-Reihe und Inhaltsangaben zu den bisher erschienenen Bänden.

Bestellen können Sie diese sowie die vorigen Bände telefonisch oder per Email über die theologische Fachbuchhandlung der FTH: www.ftabooks.de

 

(jp)

 

“Großmächte kommen und gehen … und doch prägen sie langfristig die Geschichte und das Selbstwertgefühl, ja die Identität ganzer Völker. Auch die Geschichte des alten Israel und die Archäologie des Heiligen Landes widerspiegeln den nachhaltigen Einfluss der militärischen Feldzüge und der kulturellen und religiösen Prägung durch die fremden Besatzungsmächte. Dies gilt in besonderer Weise für die Zeit des 9.-7. Jh. v. Chr., als Israel abwechselnd von Assyrien, Aram-Damaskus und erneut von Assyrien unterdrückt und politisch, kulturell und auch religiös beeinflusst wurde.”

Wer sich für diese wichtige Epoche der Geschichte des Volkes Israel interessiert, dem sei die 19. Fachtagung für biblische Archäologie und Geschichte empfohlen, die dieses Jahr vom 27. bis 29. September bei Schwäbisch Gmünd stattfindet und von der Arbeitsgruppe für Biblische Archäologie des Wort und Wissen e.V. veranstaltet wird.

Unter der Überschrift “Die große Bedrohung – Israel und die Großmächte im 9. bis 7. Jh. vor Christus” finden interessante und reich illustrierte Vorträge renommierter Wissenschaftler wie u.a. David Ilan (Direktor der Nelson Glueck School of Biblical Archaeology in Jerusalem), David Ussishkin (emeritierter Professor am Institute of Archaeology der Universität Tel Aviv) und Peter van de Veen (Leiter der Arbeitsgruppe für Biblische Archäologie) statt. Die Organisatoren schreiben: “Für alle, die sich für die biblische Geschichte und die Archäologie des alten Israel interessieren, ist dieses Seminar ein MUSS.” Neben den Vorträgen wird ein abwechslungsreiches Programm mit Andachten, Diskussionsrunden u.ä. geboten. Für das leibliche Wohl wird auch gesorgt sein.

Ausführlichere Information zu Programm, Kosten und Anmeldung finden Sie unter diesem Link: http://www.wort-und-wissen.de/fachgruppen/aba.html. Den Flyer können Sie sich hier herunterladen.

(jp)

Der morgendliche Weg zur Arbeit kann zum Alptraum werden, wenn hinter jeder Straßenkreuzung eine neue, unangenehme Überraschung wartet: ein Unfall, eine Baustelle oder starker Verkehr, weil sich auch andere Autofahrer für diese Ausweichstrecke entschieden haben. Nach dem Motto „Gemeinsam schlauer als der Stau“ hat ein israelisches Unternehmen eine Navigationssoftware entwickelt, um genau für solche Situationen eine Lösung zu schaffen.

Waze, so der Name der kostenlosen Smartphone-Software (App), reichert Straßenkarten mit vielen Daten von Nutzern an. Einmal nutzt Waze die GPS-Daten der Nutzer, um das Verkehrsaufkommen zu berechnen und kann so zu jedem Zeitpunkt die schnellste Strecke zum Ziel ermitteln – deutlich genauer als andere Systeme, die höchstens Erfahrungswerte vom generellen Verkehrsaufkommen einfließen lassen. Das System berechnet dazu die Geschwindigkeit, mit der sich das Fahrzeug fortbewegt, anhand der regelmäßigen Updates in Sekundenabständen. Liegt die Fahrgeschwindigkeit unter der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, so befindet sich der Fahrer im Stau. Eine clevere Idee aus Israel, denn ein Israeli würde nie aus anderen Gründen als einem Verkehrsstau langsamer fahren als erlaubt.

Die wahre Innovation liegt aber darin, dass alle App-Nutzer per Knopfdruck melden können, wenn sich ein Hindernis auf der Straße befindet, diese gar völlig blockiert ist oder sich ein Stau bildet. Über die GPS-Daten werden die Meldungen dann auch allen anderen Nutzern angezeigt. Aber, was noch besser ist, das Navigationssystem ändert auf Grund solcher Daten auch die berechnete Route, sodass jederzeit die optimale Streckenführung ausgewählt wird. 50 Millionen Menschen weltweit erfreuen sich schon an dem smarten Produkt aus Israel.

Es ist eine der vielen Erfolgsgeschichten von Unternehmensgründungen in der Hightech-Branche aus dem kleinen Staat im Nahen Osten. Sogar Bill Gates bestätigt: “Israel ist, nach mehreren Messweisen, das Land, das im Vergleich zu seiner Einwohneranzahl am meisten zur technischen Revolution beigetragen hat“. So findet sich etwa die weltweit höchste Dichte an Hightech-Start-Ups in Israel und das Land zieht pro Kopf 30 Mal mehr Direktinvestoren an als Europa.

Auch an das 2008 gegründete Unternehmen Waze glaubten einige finanzkräftige Investoren. Zu ihnen gehörten der weltweit größte Softwarehersteller Microsoft, der sich 2011 mit 25 Millionen US-Dollar beteiligte, sowie im gleichen Jahr Milliardär Li Ka-Shing, der reichste Mann Chinas. Er investierte 30 Millionen Dollar in das junge Unternehmen.

In ihrem Buch „Start-up Nation Israel: Was wir vom innovativsten Land der Welt lernen können“ fragen Dan Senor und Saul Singer nach Gründen für die Erfolgsgeschichte des Landes. „Die Staatsgründung selbst kann als Existenzgründungsprojekt gesehen werden, die Pioniere, die in das Land kamen […] haben ein großes Risiko auf sich genommen. Sie kamen an einen Ort, der nicht viele natürliche Ressourcen hat, wo starke Bedrohungen von Außen existieren, aber sie hatten eine große Vision: Ein erfolgreiches Land aufzubauen. Das bedeutet, dass die Menschen von der Staatsgründung an große Erfahrung darin hatten, Risiken einzugehen“, resümiert Meir Brand, regionaler Direktor von Google Israel, Griechenland und Südafrika.

Ergänzt wird diese für Unternehmensgründungen so entscheidende Risikobereitschaft durch die Erfahrungen, die jeder Israeli (drei Jahre) und jede Israelin (zwei Jahre) im Militär sammle. Dort lerne man zum einen, Verantwortung zu übernehmen, mit unvollständigen Informationen schnell und gleichzeitig gewissenhaft Entscheidungen zu übernehmen, so der Autor Dan Senor. Zudem besitzen die meisten der 20- bis 21-Jährigen nach ihrer Militärzeit bereits Führungserfahrung und werden deshalb nach einem Universitätsabschluss auch gerne von ausländischen Unternehmen eingestellt.

Der Staat unterstützt Innovationen ebenfalls auf vielfältige Weise. Israel investiert mit 4,7% mehr von seinem Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung, als jedes anderes Land der Welt, berichtet Dan Senor weiter. Zudem gibt es Programme, wie das viermonatige Mentorenprogramm IDC Elevator, das junge Unternehmer auf ihrem Karriereweg begleitet. Büroräume werden während der Zeit des Mentorings genauso zur Verfügung gestellt, wie eine Flug nach Amerika plus ein Training, wie man dort Investoren gewinnen kann. Und die Innovationskraft der jungen Israelis zieht wiederum die großen Unternehmen der IT-Branche an. Microsoft, Google, Intel, Cisco Systems, sowie der deutsche Softwarehersteller SAP haben bereits Forschungszentren zur Entwicklung neuer Software in Israel. Besonders im Großraum Tel Aviv siedeln sich IT-Unternehmen an und werden neue Firmen gegründet.

63 israelische Unternehmen sind bereits an der amerikanischen Technologie-Börse Nasdaq gelistet. Das sind  mehr als aus Europa, Japan, China, Korea und Indien zusammen. Und die Zahl der Unternehmensgründungen nimmt stetig zu. Laut einer Studie von Telefónica Digital und Startup Genome 2012, bietet nur das US-amerikanische Silicon Valley eine bessere Umgebung für ein IT Start-Up als Tel Aviv. Mit ihren bereits 600 Start-Ups liegt die innovative Stadt am Mittelmeer dicht dahinter und bietet neben den durchdachten Förderungen für Jungunternehmer ein kreatives Arbeitsumfeld, sowie viele Austauschmöglichkeiten mit Gleichgesinnten. “In Tel Aviv lacht dich keiner aus”, titelte dazu der Karriere-Spiegel im Februar diesen Jahres.

Die Treffen der Garage Geeks zählen zu solch informellen Austauschmöglichkeiten, aber auch große, internationale Konferenzen wie Digital Life Design bieten Chancen zum Networking. Mit der Kampagne Global City Tel Aviv möchte die Stadt nun ihre Förderungsmöglichkeiten noch einmal erweitern und besonders jungen Talenten aus dem Ausland den Einstieg in Tel Aviv erleichtern. Dafür wurde ein eigenes Visum für Unternehmensgründer eingeführt. Da vielen Gründern noch das Kapital für eigene Büroräume fehlt, bietet die Stadt auch Gemeinschaftsarbeitsräume (“Co-Working-Space”) für vier Monate an. In der sogenannten “Library” im Shalom Tower stehen für bis zu zehn Start-Ups Arbeitsplätze für etwa 150 € pro Person und Monat zur Verfügung.

Avner Warner, Wirtschaftsdirektor der Kampagne Global City Tel Aviv, erklärt das Innovationspotential seines Landes so: “Israel ist ein sehr junges Land. Wir haben keine alteingesessene Industrie wie die Autoindustrie. Israel hat die neuen Chancen genutzt.” Viele Hightech-Unternehmen in Tel Aviv haben es bereits geschafft und Produkte entwickelt, die aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken sind. Dazu gehören der ICQ-Messenger, WLAN-Technologien sowie der USB-Stick.

Auch das Unternehmen Waze dürfte den Durchbruch geschafft haben. Ende Mai 2013 wurde bekannt, dass Facebook plante, die Software für eine Millarde zu kaufen. Das wäre der größte Zukauf geworden, den Facebook bisher getätigt hat. Zudem verdeutlichte das Interesse von Google und Apple an dem israelischen Unternehmen seinen Marktwert. Anfang des Jahres sei eine Übernahme durch Apple, dessen eigene Navigationssoftware große Schwierigkeiten aufwies, an der gebotenen Summe gescheitert. Google und Facebook sollen sich nun sogar gegenseitig überboten haben, um das Unternehmen zu kaufen. Aber im Mai lehnte Waze die von Facebook gebotene Summe genauso ab, wie das nur halb so hohe Angebot von Apple im Januar. Begründung: Das Waze-Team war gegen einen Umzug in die kalifornische Zentrale von Facebook. Sie wollten lieber in Israel bleiben.

(wr)

Quellen: http://www.heise.de/tr/artikel/Navigation-im-Schwarm-1183752.html http://www.haaretz.com/business/israeli-start-up-waze-draws-investment-from-chinese-billionaire-1.390885 http://www.spiegel.de/karriere/ausland/gruenderboom-in-tel-aviv-die-junge-kreative-szene-beweist-mut-a-882653.html http://mappedinisrael.com/ http://www.n-tv.de/wirtschaft/Facebook-scheitert-mit-Mega-Deal-article10731186.html http://www.cio.de/news/wirtschaftsnachrichten/2908876/ http://allthingsd.com/20130529/facebook-acquisition-talks-with-waze-fall-apart

Markus Voss-Göschel referierte über den Antisemitismus Immanuel Kants

Markus Voss-Göschel referiert über den Antisemitismus Immanuel Kants

Warum war Immanuel Kant Antisemit?

Diese Frage stand im Fokus, als am Freitag, 26. April, im Rahmen einer feierlichen Zeremonie des Instituts für Israelogie der diesjährige Franz-Delitzsch-Förderpreis an Dr. Joel R. White (Gießen) für seinen Aufsatz “The Tale of the 144.000 in Revelation 7 and 14: Old Testament and Intra-textual Clues to their Identity” sowie an Markus Voss-Göschel (Jena) für seine Arbeit “Zum Stellenwert vom theoretischen Antisemitismus in Immanuel Kants Religionsphilosophie” verliehen wurde.

Dr. Berthold Schwarz eröffnet die Feierlichkeiten zur Franz-Delitzsch-Preisverleihung

Dr. Berthold Schwarz eröffnet die Feierlichkeiten zur Franz-Delitzsch-Preisverleihung

Zu Beginn der im Plenarsaal der Freien Theologischen Hochschule stattfindenden Preisvergabe begrüßte Prof. Dr. Helge Stadelmann die Gäste und übergab das Wort an Institutsleiter Dr. Berthold Schwarz, welcher zunächst einmal den Namensgeber des Preises vorstellte: Franz Delitzsch (1813-1890) aus Leipzig, ein großer Kenner der rabbinischen Literatur, der das Neue Testament ins Hebräische übersetzte und dessen mit Carl Friedrich Keil erarbeitete Kommentarreihe in ihrer philologischen Genauigkeit eine Orientierung für die Arbeit des Instituts für Israelogie darstellt. Somit verleiht dieses seit 2007 einen Franz-Delitzsch-Preis sowie -Förderpreis für Arbeiten exegetischer, dogmatischer oder historischer Natur, die in herausragender Weise sachkompetent und in Übereinstimmung mit den Forschungsschwerpunkten des Instituts eine heilsgeschichtliche Israel-Theologie (Israelogie) fördern.

Fritz May nimmt ein kleines Präsent anlässlich seines Geburtstages entgegen

Dr. Fritz May nimmt ein kleines Präsent anlässlich seines Geburtstages entgegen

Ein besonderer Gruß wurde an Dr. Fritz May zu seinem 77. Geburtstag gerichtet, der das Institut seit  dessen Gründung mit dem Verein „Christen für Israel“ unterstützte und erst mögliche machte. May bedankte sich mit den Worten, die 77 sei zwar eine „vollkommene Zahl“, er habe aber lange noch nicht alles erreicht. Sein Herz werde weiter für Israel schlagen, bis Gott selbst ihn in den Ruhestand rufe.

Die beiden Gewinner des Israel-Stipendiums beglückwunschen sich gegenseitig

Die beiden Gewinner des Israel-Stipendiums beglückwunschen sich gegenseitig

Nun ging es mit der von allen mit Spannung erwarteten Preisverleihung weiter: Da in diesem Jahr kein – für eingereichte Monographien, Examensarbeiten o.ä. angesetzter – Hauptpreis verliehen wurde, gab es dieses Mal zwei Stipendien für die Teilnahme an der Sommeruniversität in Beer Sheva, Israel, auf das sich Studenten der Freien Theologischen Hochschule Gießen seit einigen Monaten bewerben konnten. Die Überraschung war gelungen für Philipp Wiens und Colin Bergen, die von Prof. Dr. Stadelmann mit den Worten „Warum soll nur einer fahren? Ich glaube, sie kommen miteinander klar“ als Gewinner verkündet wurden. Die beiden jungen Männer werden während ihrer vorlesungsfreien Zeit in Beer Sheva Hebräischkurse belegen und durch Vorträge sowie Ausflüge Land, Kultur und das Judentum besser kennen lernen werden.

Anschließend übernahm Institutsleiter Berthold Schwarz die Verkündigung der Gewinner des Franz-Delitzsch-Förderpreises. Dr. Joel R. White wurde für seinen Aufsatz über die famösen 144.000 aus Offenbarung 7 und 14, der demnächst in einem Sammelband der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, ausgezeichnet. Dieser lohnenswerte Diskussionsbeitrag habe die Jury überzeugt, weil er entsprechend dem Anliegen des Instituts „erst die Fakten“ und „dann die Meinung“ darstellt und den wissenschaftlichen Austausch über eine herausfordernde Bibelstelle fördert.

Der Institutsleiter überreicht Dr. Joel White seine Urkunde

Der Institutsleiter überreicht Dr. Joel White seine Urkunde

Dr. Joel White bei seiner Dankesrede

Dr. Joel White bei seiner Dankesrede

White bedankte sich in einer kurzen Rede für die Auszeichnung, die er als „Würdigung der andauernden Wichtigkeit der Exegese“ versteht, welche aus aus einem kritischen Hinterfragen systematisch-theologischer Entwürfe bestehe. Nach seiner Deutung, die sich von dem typisch reformierten Ansatz, aber auch vom klassischen Dispensationalismus unterscheidet, stellen die 144.000 in der Offenbarung judenchristliche Gläubige im 1. Jh. dar. Dieser bereits von Victorinus von Pettau (2. Jh.) und vereinzelten Forschern des 19. und 20. Jh. vertretenen Auslegung hofft er im 21. Jahrhundert durch seinen Aufsatz zu einer Wiederbelebung zu verhelfen.

Markus Voss-Göschel beim Empfang der Urkude

Markus Voss-Göschel beim Empfang der Urkunde

Dem Theologiestudenten Markus Voss-Göschel aus Jena wurde für seine Arbeit über Immanuel Kants Antisemitismus der zweite Franz-Delitzsch-Förderpreis überreicht. Hierbei handele es sich um  einen grundlegend verschiedenen Ansatz, welcher religionsphilosophische Aspekte aufzeige, erläuterte Schwarz und bat den Preisträger mit der Aufforderung, dem Publikum zu erklären, “was man über Kant sonst noch so zu lernen hat außer dem, was in der Philosophieprüfung abgefragt wird“, zum Rednerpult.

Diese Aufforderung ließ Voss-Göschel nicht unbeantwortet und ließ ein von großem Engagement und viel Feingefühl geprägtes Impulsreferat über die eher unbekannten Seiten des großen Philosophen folgen. Gesucht hatte der Theologe zu Beginn seiner Arbeit Kants Verständnis von Religion, gefunden einen radikalen Antisemitismus bei einem Immanuel Kant, den er während des Studiums seiner Schriften als wesentlich komplexer und vielschichtiger kennen lernte, als gemeinhin angenommen wird.

Was viele von Kant nicht kennen, seien beispielsweise die Stellen, in denen er Juden als „Vampyre der Gesellschaft“ bezeichnet und von einer dringend erforderlichen „Euthanasie des Judentums“ spricht – und das, obwohl der Königsberger Philosoph gute Beziehungen zu Juden wie Moses Mendelsohn und Marcus Herz pflegte. Wie passt das zusammen? Dieser Frage, so erzählt Voss-Göschel weiter, widmete er sich fortan in seinen Recherchen: Wie kommt es, dass ein eigentlich so menschenfreundlicher und klarer Denker wie Kant derart brutale Äußerungen von sich gab, dass sich später sage und schreibe sogar Adolf Eichmann in Jerusalem auf ihn berufen konnte?

Darauf verstand der Preisträger in den kommenden 40 Minuten eine Antwort zu geben, die studentische Zuhörer und Akademiker gleichermaßen fesselte. So kommt Voss-Göschel zunächst zu der Erkenntnis, dass zu differenzieren ist zwischen Kants positiver Beziehung zu einzelnen Juden sowie seiner prinzipiellen Aversion gegenüber dem Judentum als solches, die offenbar aus seinem komplexen Religionsverständnis resultierte. Deshalb „nur“ ein theoretischer Antisemitismus.

Das genetische Systems Kant

Das genetische Systems Kant

Den Zusammenhang zwischen Kants Religionsphilosophie und seinen judenfeindlichen Aussagen erläuterte Voss-Göschel nun mit Hilfe des folgenden Schemas: Das Christentum als geoffenbarte / historische Religion, die sich auf mehrere Offenbarungsereignisse stützt, sei zwar gut, beinhalte aber viele Elemente, die weder überprüfbar wahr, noch praktisch oder moralisch nützlich seien, da es aufgrund seines historischen Charakters keine allgemeine Gültigkeit beanspruchen könne. Wie sollen wir zum Beispiel sicher wissen, dass die Auferstehung wahr ist, wenn wir nicht dabei waren, weil wir zur falschen Zeit am falschen Ort geboren wurden?

Kants Schlussfolgerung lautet: Es muss alles Geoffenbarte, weil zu konkret, und alles Historische, weil zu begrenzt und materiell, von der christlichen Religion „weggeschnitten“ werden. Was bleibt, ist eine von jeder Offenbarung abstrahierte Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft. Doch selbst zu dieser, so resümierte der Theologe aus Jena Kants Argumentation, habe ein Mensch von den Fidschi-Inseln, der weder die Bibel besitzt, noch Missionaren begegnet, keinen Zugang. Es müsse deshalb etwas geben, dass jeder Mensch zu jeder Zeit und an jedem Ort erkennen, dass jeder aus sich selbst heraus tun kann, damit eine Gottesbeziehung entsteht.

Wiederum setzt also der Philosoph die Schere an und erhält einen reinen Religionsglauben, der sich fortan einzig und allein um den moralischen Bezug dreht. Denn in theoretischen Fragen könnten die Meinungen divergieren, in moralischen nicht. Für Kant wird Glaube zu einem moralischen und Moral zu einem religiösen Begriff. Ein gläubiger Mensch ist für ihn derjenige, der der menschlichen Sinnlichkeit Grenzen und somit Prioritäten zugunsten der moralischen Besserung setzt. Ungläubig ist dagegen derjenige, der unsittlich handelt.

Aus diesen Überlegungen, so erläuterte Voss-Göschel behutsam, aber bestimmt, folgt für den Philosophen der Aufklärung die folgende Systematisierung und Einordnung der religiösen Haltungen – und hier nähern wir uns langsam aber sicher den Gründen für die kantischen Ressentiments wider das Judentum.

Einordnung der religiösen Haltungen nach Kant

Einordnung der religiösen Haltungen nach Kant

So sei stets zu fragen, ob ein Mensch eine Grundhaltung mit oder ohne moralischen Bezug habe, und ob diese Haltung unstatutarisch, das heißt, ohne Regeln, eher nach Gefühl, oder aber statutarisch, also kasuistisch, auf Regeln und Gesetze fixiert, funktioniere. Daraus ergeben sich für Kant die folgenden vier Möglichkeiten:

1. Ist jemand auf Moral bedacht, und zwar so sehr, dass er keine Gesetze nötig hat, stellt dies den reinen Religionsglauben dar.

2. Ist jemand auf Moral bedacht, benötigt aber dazu Gesetze, handelt es sich um die kultische Religion des Gunsterwerbs. (Hierbei gehe es in erster Linie um die Gunst, nicht um den Betreffenden selbst, es sei deshalb kein Glaube, sondern Religion.)

3. Ist jemand nicht auf Moral bedacht und befolgt auch keine Gesetze, ist er ein Anarchist oder Freigeist.

4. Ist jemand nicht auf Moral bedacht, hält sich aber gleichzeitig an Gesetze, die niemandem etwas bringen, dann muss er wohl ein Jude sein.

So wird das Judentum für den Philosophen zur abscheulichsten aller Religionen, weil zweierlei fehlt: Zum einen der moralische Bezug, denn das Judentum könne einen Menschen nicht moralisch verbessern und diene dem Nächsten nicht, da die Gesetze keinen humanitären Aspekt aufweisen, und zum anderen eine Gesinnungsethik: Kant meint damit das unstatutarische Denken, eine intrinsische Motivation, ein Pflichtbewusstsein des Menschen – statt äußerer Mittel wie einem Gesetz, mithilfe derer man sich disziplinieren müsse.

Voss-Göschel bei seinem Vortrag

Voss-Göschel bei seinem Vortrag

Wieso aber ordnet Kant das Judentum in diese Kategorie ein und spricht ihm jeden moralischen Bezug ab? Diese Frage schwirrte sicher in den Köpfen der gespannten Zuhörer herum. Markus Voss-Göschel beschreibt für alle verständlich das kantische Bild von Judentum. Der Philosoph habe sich der harten Kritik der Ersatztheologie angeschlossen, in der das Judentum Gesetz und das Christentum Freiheit bedeutet. Für ihn ist der Gott des Judentums einer, der – unabhängig davon, wie der Mensch sich fühlt, was es bringt, ob es dem Verstand entspricht – die bloße Verfolgung von Geboten bezwecke, aber keine Besserung des Menschen an sich. Solch ein Gott aber sei „doch eigentlich nicht dasjenige moralische Wesen, dessen Begriff wir zu einer Religion nötig haben“. In diesem Sinne stelle das Judentum nicht viel mehr als eine autoaggressive Weltanschauung dar, sei aber – durch den fehlenden moralischen Bezug – „eigentlich gar keine Religion“.

Denn Religion, wir erinnern uns, ist für Kant nicht mehr und nicht weniger als Moral mit Gottesbezug und somit stets anthropozentrisch. Gottesdienst ohne Menschendienst verfehle seinen Zweck, und letzteren weist das Judentum seiner Kenntnis und Bibellektüre nach nicht auf.

Voss-Göschel kommt zum Schluss: Kann man nun Immanuel Kant einen Vorwurf für seine Überzeugung machen? Ja, könne man. Denn für den sonst so redlichen und intellektuellen Philosophen kamen eben nicht – gemäß dem Motto des Instituts für Israelogie – erst die Fakten und dann die Meinung, sondern stand seine Grundhaltung an erster Stelle. Er habe sich nicht die Mühe gemacht, seine jüdischen Freunde zu fragen, worum es im Judentum geht, sondern auf eklatanten Falschinformationen aufgebaut. Und er habe das getrennt, was in unserem Leben im Grunde eins und untrennbar ist: abstrakt und konkret, emotional und rational, heilig und sündig zugleich…

Somit war sein Antisemitismus Folge eines Systemzwangs. Das Judentum passte nicht in sein System, deshalb ließ er Fehlinformation und unüberprüfte eigene Prämissen zu, blieb auf einem Auge blind, um es doch in seinem System unterzubringen. Doch weil er abstrakt und konkret so weit auseinandergerissen hatte, konnte sich das Abstraktum dem Vorurteil nicht mehr entziehen. Und wo Dialog nicht mehr möglich und gewünscht ist, folgt Polemik, so Voss-Göschel über Kants Denkmuster.

Der Preisträger in Interaktion mit dem Publikum

Der Preisträger in Interaktion mit dem Publikum

Der Preisträger stellte abschließend allen die Frage: Bin ich bereit meine Meinung zu revidieren, wenn ich feststelle, dass diese nicht zu den Fakten passt? Voss-Göschel beschreibt den großen Immanuel Kant als in einem Käfig gefangen, den er sich selbst gebaut hat und aus dem er nicht mehr auszubrechen vermochte. Was dem Philosophen gefehlt hat, war Freiheit, und zwar eine gerichtete Freiheit, die es ermöglicht, den Blick zu weiten und die Realität zuzulassen – ob sie einem passt oder nicht. Denn letztendlich müssen wir unsere Schlüsse stets aus der Realität, und nicht aus unserer Meinung ziehen.

So ist es dem Gewinner des Franz-Delitzsch-Förderpreises in diesem Vortrag gelungen, Kants aggressive Verachtung des Judentums im Rahmen seiner Religionsphilosophie verständlich zu machen, ohne seine Argumentation und Ergebnisse auch nur ein Stück weit gutzuheißen.

Seine Arbeit bietet eine grundlegende Erklärung zu dem – zunächst einmal kontraintuitiven, aber doch so wirkmächtigen – Antisemitismus der Aufklärung, und in diesem Sinne betonte Prof. Dr. Stadelmann im Anschluss: Es habe nicht immer alles so grob begonnen, wie es schließlich endete, im Gegenteil, der Antisemitismus und der Antijudaismus der deutschen Geschichte begannen abstrakt, fein und durchdacht – und doch von Anfang an defizitär. Dafür sei Immanuel Kant ein Beispiel, als großer Denker, der am Anfang eines Jahrhunderts, in dem die Juden gedacht hatten, sie wären nun endlich etabliert, angekommen, fatale Impulse setzte. Solche Prozesse zu verstehen, könne helfen, die gleichen Fehler nicht zu wiederholen, und so dankte der Rektor der FTH Gießen Voss-Göschel für dessen rundum gelungenen Versuch, Kant einmal verständlich zu erklären.

Die Preisträger des Franz-Delizsch-Förderpreises mit Prof. Dr. Helge Stadelmann, Fritz May und Dr. Berthold Schwarz

Die Preisträger des Franz-Delizsch-Förderpreises mit Prof. Dr. Helge Stadelmann, Dr. Fritz May und Dr. Berthold Schwarz

Stadelmann beendete die Feierlichkeiten mit einem Appell im Sinne des Gehörten:

Eine aus Fakten resultierende Meinung sei immer konstruktiver, und so sei beispielsweise die Begegnung mit messianischen Juden, in deren Genuss die beiden Studierenden der Sommeruniversität gelangen werden, ein in diesem Sinne sehr förderliches Geschenk. Genauso solle auch der Franz-Delitzsch-Preis immer wieder einen Ansporn darstellen, sich mit dem zu beschäftigen, von dem wir wissen, dass es Gott ein Anliegen ist: sein erwähltes Volk.

Das musikalische Rahmenprogramm von V. Martens und D. Grams

Das musikalische Rahmenprogramm

Umrahmt wurden die einzelnen Programmpunkte der Preisverleihung mit inspirierenden und musikalisch hochwertigen Interpretationen von Viktor Martens (Flügel) und Denis Grams (Saxophon), darunter Chopins „Fantaisie Impromptu“ und Beethovens „Pathétique II“. Gemütlich und von anregenden Gesprächen geprägt klang die diesjährige Franz-Delitzsch-Preisverleihung schließlich bei Kaffee und Kuchen aus.

Wir freuen uns auf das nächste Jahr!

(jp)

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Die Franz-Delitzsch-Preisverleihung 2012

Am Freitag, den 26. April 2013, findet im Plenarsaal der Freien Theologischen Hochschule Gießen die diesjährige Franz-Delitzsch-Preisverleihung des Instituts für Israelogie statt.

Dabei wird der Franz-Delitzsch-Forschungsförderpreis für zwei wertvolle Forschungsleistungen an Herrn Markus Voss-Göschel für seine Arbeit “Zum Stellenwert vom theoretischen Antisemitismus in Immanuel Kants Religionsphilosophie” und an Dr. Joel R. White für den Aufsatz “The Tale of the 144.000 in Revelation 7 and 14: Old Testament and Intra-textual Clues to their Identity” verliehen. Der Franz-Delitzsch-Preis sowie der -Forschungsförderpreis prämiert Arbeiten, die in herausragender Weise sachkompetent und in Übereinstimmung mit den Forschungsschwerpunkten des Instituts für Israelogie eine ausgewogene biblisch-heilsgeschichtliche sowie eine zeitgeschichtlich und historisch sachgerechte Israel-Theologie fördern. Das Publikum kann sich auf zwei Kurzreferate der Preisträger freuen.

Der diesjährige Hauptpreis entfällt, dafür wird der/die Gewinner/in des Stipendiums für ein sechs-wöchiges Studium an der Sommeruniversität Beer Sheva bekannt gegeben, für das sich Studierende der Freien Theologischen Hochschule Gießen seit Januar bewerben konnten.

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Der Institutsleiter Dr. Berthold Schwarz überreicht die Urkunden

Zu der feierlichen Preisverleihung mit anschließendem Kaffeetrinken laden wir Sie herzlich ein! Sie findet um 10.10 Uhr in der Freien Theologischen Hochschule Gießen, Rathenaustr. 5-7, 35394 Gießen statt.

Weitere Informationen zum Franz-Delitzsch-Preis, seinem Namensgeber und den Preisträgern der vergangenen Jahre finden Sie hier.

 (jp)

Blick auf das Goldene Tor

Die Meldung klingt fast nach dem Stoff für einen guten Thriller: Im Jahre 1997 betritt und filmt ein Fernsehjournalist mit einem Kamerateam ein vor den Toren Jerusalems liegendes historisches Massengrab. Er muss versprechen, sein Filmmaterial streng geheim zu halten. 15 Jahre später veröffentlicht er seine Aufnahmen und löst damit eine heftige Diskussion aus.

Der Journalist heißt Beni Liss und das Grab, von dem die Rede ist, liegt am östlichen Hang des Tempelbergs, direkt unterhalb des (verschlossenen) Goldenen Tores und gegenüber vom bekannten Ölberg mit seinem jüdischen Friedhof. 1997 wurde diese Höhle entdeckt, jedoch kurz darauf von der Antikenbehörde (Israel Antiquities Authority, kurz: IAA) wieder versiegelt, da die religiösen Parteien Jerusalems nichts davon erfahren durften: So erheben beispielsweise die Muslime Anspruch auf das Gebiet unterhalb von Al-Aqsa-Moschee und Felsendom, zumal sich vor dem Tor der muslimische Friedhof erstreckt. Auch ultraorthodoxe Juden wehren sich vehement gegen jede Störung der Totenruhe. So wurde vor 15 Jahren lediglich gefilmt, auf die Entnahme von Proben o.ä. ist verzichtet worden.

Bei einer Archäologentagung Anfang August brach Liss nun sein Schweigen: Er zeigte seine Filmaufnahmen und stelle die Theorie auf, dass es sich bei den in dem Massengrab verscharten Leichen um im Jahre 70 n. Chr. von den Römern massakrierte Juden handelt. Diese hätten, so berichtet es der Historiker Flavius Josephus in De bello Iudaico, im Zuge der römischen Zerstörung Jerusalems auf dem Tempelberg Zuflucht gesucht, bevor der Tempel niedergebrannt und besagte dort versteckte Juden ermordet wurden.

Dem Tempelbergexperten Nadav Schragai zufolge gibt es jedoch eine ganze Reihe weiterer historischer Massaker – aus der Zeit der Perser bis hin zur Kreuzfahrerzeit und darüber hinaus – die diesem Massengrab zugrunde liegen könnten. Eine genaue Datierung sei unmöglich, solange das Grab nicht der Forschung zugänglich gemacht würde und die Knochen untersucht werden könnten. In jedem Fall berichtet Liss von Bergen aufgetürmter Knochen mit zum Teil deutlichen Spuren von Gewaltanwendung.

Wann und ob das Massengrab durch die IAA der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, ist noch unklar. Bis dahin geben sich die Experten in jedem Fall eifrigen Diskussionen hin über diesen so geschichtsträchtigen, aber beinahe unerforschten Ort vor dem wohl bedeutendsten Tor Jerusalems, durch das nach jüdischer Überzeugung eines Tages der Messias in die Stadt geritten kommt.

(jp)

Quellen: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/13702 http://www.israelnetz.com/wissenschaft/detailansicht/aktuell/massengrab-in-jerusalem-entdeckt-und-versiegelt/#.UDHnLkTFLy9  

Fotos: © privat