7 ½ Monate, 2 Menschen, 1 Land.  Work & Travel in Israel. (Teil 1)

Work and … what?

Nehmen wir mal an, ein junges Pärchen, Mitte Zwanzig, plant seine Hochzeit. Oktober 2016, eine besondere Zeit, denn nur kurz vorher sind beide mit Ausbildung und Studium fertig geworden – es folgt also für beide ein neuer Lebensabschnitt in allen Bereichen. Nun tun sich viele Möglichkeiten auf:  sesshaft werden, Wohnung suchen und einrichten – … oder etwa Koffer packen und ein Auslandsjahr dazwischenschieben? Aus den Flitterwochen sozusagen “Flittermonate” machen? Klingt Hammer! Das wäre immerhin eine Gelegenheit, die nicht so schnell wiederkommt. Aber wohin geht man dann, und was macht man dann da? Au-Pair in Kanada? Backpacking in Neuseeland? Farmarbeit in Australien? Roadtrip durch die USA? So oder ähnlich haben sich die beiden das vielleicht vorgestellt, wenn da nicht diese eine verrückte Idee dazwischengekommen wäre. Auf Google nebenbei entdeckt, hat es die beiden nicht mehr losgelassen:  Work and Travel in Israel.

Work and Travel in Israel. Im selben Jahr noch, Anfang 2016, hat Israel für “deutsche Staatsbürger zwischen 18 – 30 Jahren” ein spezielles neues Freundschaftsvisum ausgehandelt:  das Working-Holiday-Visum (siehe Seite der israelischen Botschaft). Ein klassisches B/1 Arbeitsvisum, dass auf Work&Travel ausgelegt ist – 6 Monate arbeiten (darunter max. 3 Monate pro Arbeitsstelle, um etwas rumzukommen), und 6 Monate das Land anschauen.

Wir heißen Daniel und Johanna – und dieses oben genannte Pärchen, das sind wir. Zwischen 2016 und 2017 waren wir mit dem Working-Holiday-Visum für 7 ½ Monate in Israel, und von den Abenteuern und Erfahrungen, die wir in unserer Zeit im Nahen Osten gemacht haben, möchten wir hier in einem zweiteiligen Artikel erzählen. Im ersten Artikel soll es um die Menschen gehen, die wir kennengelernt haben, und im zweiten um die Arbeit und das Land, welches uns beide seither nicht mehr losgelassen hat.

Land und Leute – Juden heute

Israel – so ein kleines Land. Bewohnt von knapp 9 Millionen Menschen, und jeder von ihnen einzigartig anders. Wie verschieden diese Menschen sind, die auf engstem Raum leben – gemäß ihren unterschiedlichen Kulturen und den Bräuchen in allen Farben und Formen – hat uns schwer beeindruckt. Wenn wir uns heute an unsere Flittermonate zurückerinnern, dann denken wir zuerst an die Menschen, und die vielen außergewöhnlichen Begegnungen. 

Ein paar Eindrücke zur jüdischen Bevölkerung:  ein großer Aha-Effekt für uns beide war die Tatsache, dass wir bis dahin in Deutschland eigentlich noch nie (bewusst) einem Juden begegnet sind, obwohl es in Europa durchaus größere jüdische Gemeinschaften gibt, in Frankreich oder in deutschen Städten, wie in Berlin. In  unserer Heimat in Südostbayern hatte bis dahin noch kein bayrisch-israelischer Kontakt stattgefunden. Umso faszinierter waren wir, dieses lebenslustige Volk dann in Israel genauer kennenlernen zu können. Ein erster Spaziergang dort zeigt aber schnell, dass man diese Menschen nicht leicht in eine Schublade stecken kann. In Tel Aviv sieht man beispielsweise im Stadtteil B’nei Brak einen ultraorthodoxen Mann, in langem schwarzen Gewand, mit Filzhut, Quasten und Kinderwagen – dagegen im Stadtteil Florentin einen jungen Hipster im Tanktop mit Vollbart und Sonnenbrille, der sich nach seinem Chai Latte lässig auf sein Surfbrett schwingt – und doch sind beide Juden.

So kunterbunt haben sich auch unsere weiteren Begegnungen angefühlt. Zum Beispiel gab es da in Tiberias unsere Nachbarn: die israelische Oma, ihre Schwester und ihr Radio, das auf Anschlag gedreht unser Treppenhaus mit hebräischen Hits beschallte (wobei sie uns aber auch täglich Einwegteller mit Eintopf in die Wohnung brachte, was die Sache wieder gut machte). Oder den 17-jährigen Jungen, der nach der Schule im Buchladen Steimatzky jobbte, und der uns nach einem kurzen Gespräch über ein Buch prompt zu sich nach Hause ins Nachbardorf Kfar Tavor eingeladen hat (… und er diese Einladung auch tatsächlich ernst gemeint hat, und wir tatsächlich hinkommen durften. Sein Vater ist Arzt, seine Mutter Hausfrau, und wir waren bei ihnen zum koscheren Mittagessen eingeladen – wo erlebt man sowas in Deutschland?). Oder den zwanzigjährigen Inhaber einer Pizzabude, der uns beim Namen kannte, und uns oft quer über die Straße gegrüßt hat, immer dann, wenn er uns sah. Oder der Friseur in Tiberias, der uns stolz ein Beweisfoto präsentierte, dass er schon dem französischen Präsidenten Sarkozy die Haare geschnitten hat (was auch immer man von dieser Story halten soll). Oder Menschen, die wir beim Trampen kennengelernt haben:  wie eine kunstinteressierte, jüdische Mutter – oder zwei Bauarbeiter die uns auf der Fahrt im heißen Juli eisgekühlte Getränke angeboten haben. Oder die Begegnung, bei der unser Chef zusammen mit einem befreundeten Bürgermeister einer israelischen Kleinstadt und mit uns nach  Cäsarea am Mittelmeer zum Essen gegangen ist. Oder das eine Mal, wo wir auf eigene Faust in Jerusalem in der Davidszitadelle bei einer Autorenlesung waren, und dem Journalisten Matti Friedman Fragen zum Aleppo Codex, der weltberühmten Bibelhandschrift, stellen konnten. Oder der arabische Busfahrer, der uns mit der Zeit gut kannte, und auch außerhalb der Haltestellen am Straßenrand seinen Linienbus anhielt, und uns fragte ob wir mitfahren wollen, wenn er uns gesehen hat. Jede einzelne dieser Begegnungen war so unterschiedlich, und doch so besonders, dass wir keine dieser Erinnerungen wieder hergeben wollen.

Die längste Zeit haben wir aber eine unserer Gastfamilien kennenlernen dürfen – eine neunköpfige Familie von amerikanischen, messianischen Juden, die vor vielleicht 15 Jahren einreisten, und die nun als Familie ein Gästehaus leiten. Eine außergewöhnliche Familie, bei der die Eltern teilweise noch mit dem Sprachelernen kämpfen, während die jüngsten Kinder schon als hebräische Muttersprachler aufwachsen und die ältesten Söhne bereits in der israelischen Armee sind und nur am Wochenende von ihrer Einheit nach Hause kommen. Die jüngste Tochter spielt täglich im Kindergarten, eine andere Tochter macht die Ausbildung zum Tourguide, eine andere fährt täglich nach Jerusalem in die Schule, und hilft danach im Gästehaus. Wo auch immer jeder unter der Woche ist, alle kommen am Freitagabend nach Hause. Dann werden auf der Terrasse in den lauen Sommerabenden zwei Kerzen angezündet, es wird das Brot gebrochen und Schabbat gefeiert. In dieser Zeit lernte man die Familie noch am Besten kennen:  einmal pro Woche steht der Familienvater am Tisch, lobt seine Frau für das, was sie tut, nennt jedes Kind beim vollen Namen und betet für sie. Es wird gut gegessen, Lieder werden gesungen und man tauscht sich über die Woche aus. In einem derart harmonischen Austausch miteinander genießt jeder der Neun einmal pro Woche, dass man sich gegenseitig als Familie hat, und wie wertvoll Familie ist, und dass man am Schabbat mal so richtig ausspannen kann. Wir dachten uns: jeden Freitag? Bei uns in Deutschland gibt es sowas höchstens an Weihnachten, wenn überhaupt.

Ein zusätzliches Highlight für uns waren die Momente, bei denen uns Leute zu besonderen Events mitgenommen haben: angefangen von ganz persönlichen Momenten, wie einem Schulkonzert der zweitältesten Tochter in Jerusalem, und später ihrer Schulabschlussfeier in Mode’in – bis zu den großen, jüdischen Festen, die wir mitfeiern durften: Krapfen an Hannukah, eine legendäre Passahfeier am 14. Nissan, gefolgt vom Fest der ungesäuerten Brote, wo es unser Job war, jegliche Art von gesäuertem Brot aus dem Haus zu kehren, und danach sieben Tage Knäckebrot zu kauen. Bald nachdem wir uns am Wochenfest Schavu’ot Blütenkränze ins Haar gesteckt hatten, mussten wir aber abreisen. Vielleicht kommen wir eines Tages ja mal für die Herbstfeste zurück.

50-Jahre-Jerusalem Feier (am Jaffa Tor)

Einen absoluten Höhepunkt unseres Israelaufenthaltes haben wir dann aber eher zufällig entdeckt: nach einem langen Arbeitstag wollten wir beide ursprünglich noch nach Jerusalem in ein Café in Mamilla gehen, und haben unverhofft festgestellt, dass dort am Jaffa Tor gerade die Feierlichkeiten zum 50-Jahre-Jerusalem-Jubiläum gestartet hatten. Und eher spontan fanden wir uns in einer Menge von Menschen wieder, hörten Livemusik, eine Ansprache von Netanjahu, und genossen das Feuerwerk und eine Light- und Drohnenshow. Genial!

In other words…

Mit anderen Worten: vorher weiß man nie, auf was man sich bei so einer Reise einlässt – schon gar nicht, wenn man 7 ½ Monate Work and Travel in Israel plant und sowas ähnliches noch nie vorher gemacht hat. Aber ganz ehrlich: es hat sich voll und ganz gelohnt! Dieses kleine Land steckt voller faszinierender Menschen und Momente, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Wir werden zwar nicht gesponsert, das zu sagen, aber das Working-Holiday-Visum können wir wärmstens empfehlen – vielleicht ist das auch was für dich?

 

DB

(Bilder privat)

Das „Faschingsfest der Juden“ – unter dieser Beschreibung ist das Purim-Fest noch am ehesten in unserer Gesellschaft bekannt. Viele haben schon mal von Ester, „Haman-Taschen“ oder auch den sogenannten „Ratschen“ gehört. Doch wissen die wenigsten nichtjüdischen Menschen, warum Purim gefeiert wird, warum Juden sich an diesem Tag verkleiden und warum das Trinken von Alkohol fast schon ein Gebot ist.

Hier soll ein kleiner Einblick gegeben werden in das Purim-Fest und die verschiedenen Traditionen, die es begleiten.

An Ta´anit Ester (13. Adar) wird dem Mut Mordechais und Esters gedacht.

Ta´nit Ester. Purim wird traditionell am 14. und 15. des Monats Adar gefeiert, da laut der Überlieferung an diesen Tagen die Juden in Persien ihre Gegner besiegt hatten und ihre Errettung vor den Feinden feiern konnten. Doch auch der 13. Adar, der Tag, an dem Haman die Juden in ganz Persien auslöschen wollte, ist ein wichtiger Tag im jüdischen Kalender. An diesem Tag wird dem Mut Esters gedacht. Ta´anit Ester bedeutet „das Fasten Esthers“.

Denn als Mordechai zu Esther ging, um sie zu überreden, ihren Ehemann König Xerxes (Ahasveros) um das Überleben des jüdischen Volkes anzuflehen, fastete und betete sie. Sie sagte zu Mordechai. „So geh hin und versammle alle Juden, die in Susa sind, und fastet für mich, dass ihr nicht esst und trinkt drei Tage lang, weder Tag noch Nacht. Auch ich und meine Dienerinnen wollen fasten. Und dann will ich zum König hineingehen entgegen dem Gesetz. Komme ich um, so komme ich um.“ (Est 4,16) Um der Weisheit Mordechais und dem Mut Esters, die mit diesem Vorgehen ihr Leben riskierte, zu gedenken, ist der 13. Adar zu einem Fast- und Gedenktag für die beiden geworden.

Warum zwei Tage? Da die Kämpfe durch das erste Edikt von König Xerxes auf den 13. Adar begrenzt waren, konnten die Juden fast im ganzen persischen Reich schon am 14. Adar ihren Sieg über die Feinde feiern. Doch die Kämpfe in der Hauptstadt Susa dauerten 48 Stunden. So fand im ganzen Land zwar schon am 14. Adar ein Freudenfest statt, doch hielten die Juden in der persischen Hauptstadt Susa erst am 15. Adar ein Festmahl. So bestimmten Ester und Mordechai im Nachhinein diese beiden Tage zu Festtagen (Est 9,22), an denen Fasten und Arbeit verboten sind! An Purim wird das Leben gefeiert: Der Gottesdienst, gute Gemeinschaft, Essen und Trinken sind bestimmend für diese Tage der Freude.

Am Abend des 13. sowie am Morgen des 14. Adar versammeln sich Juden in Synagogen und hören die Megillat Ester.

In der Synagoge. Purim beginnt traditionell mit einem Gottesdienst in der Synagoge. Da im Judentum der Tag am Abend beginnt, gehen alle am Abend, wenn die Sonne am 13. Adar untergeht (also zu Beginn des 14. Adar), in einen ersten Gottesdienst; der zweite folgt am Morgen des 14. Adar.

In der Synagoge wird aus dem Buch Ester (hebr. Megillat Ester) vorgelesen. Jedes Mal, wenn dabei der Name Haman fällt, klappert die Gemeindeversammlung mit den sogenannten Ratschen, stampft laut mit den Füßen auf, bläst in Tröten oder macht auf eine andere Weise Lärm. Diese Tradition leitet sich aus der Feindschaft zwischen Israel und den Amalekitern (dem Volk Hamans) her; an der bestimmenden Stelle verkündet JHWH, dass der Name Amalek ausgelöscht werden soll (5. Mo 25,17-19).

Haman-Taschen sind ein süßes Gebäck und werden traditionell zu Purim gebacken.

Gemeinschaft. Nach dem zweiten Gottesdienst am Morgen des 14. Adar kommt die ganze Familie zusammen und feiert das Leben bei einem Festmahl. Es werden möglichst auch Freunde eingeladen, damit eine große Festgemeinschaft entsteht. Diese Gemeinschaft unter Juden steht an Purim im Zentrum: Nur durch einen starken Zusammenhalt haben es die Juden geschafft, ihre Feinde in Persien zu besiegen.

Zu diesem Festessen, für das man sich besonders festlich kleidet, gibt es auch traditionelle Speisen, die meisten sind süß: Haman-Taschen, mit Schokolade, Mohn oder Nüssen gefüllt, und Nunt, aber auch die pikanten Kreplach sind dabei die bekanntesten Speisen. Über die Jahrhunderte wurde es tatsächlich zu einem talmudischen Gebot, so viel Wein zu trinken, bis man nicht mehr unterscheiden kann zwischen den Ausrufen „Verflucht sei Haman!“ und „Gesegnet sei Mordechai!“ (Talmud, Traktat Megilla 7b; Schulchan Aruch, Orach Chaijim §695.2). Doch wird heutzutage natürlich auf die Gefahren eines zu großen Alkoholkonsums verwiesen.

Geschenke. Es ist eine sehr bedeutende Tradition und sogar eine Mitzwa (ein Gebot), sich an Purim zu beschenken. Dies leitet sich direkt aus dem biblischen Bericht her (Est 9,22). Mit der Zeit haben sich verschiedene Arten von Geschenken entwickelt:

Geschenke innerhalb der Familie, unter Freunden, aber auch an Bedürftige sind eine besonders schöne Tradition.

Es gilt, jemandem aus dem Bekanntenkreis Essen zu schenken. Diese verpackten, haltbaren Essensgeschenke sollen durch eine dritte Person übergeben werden. Meist übernehmen verkleidete Kinder diese Rolle.

Außerdem beschenkt man an diesen Tagen Bedürftige. Hier werden in der Regel Geldgeschenke gemacht. Ist es jemandem nicht möglich, einen Bedürftigen direkt zu beschenken, wird das Geld an Wohltätigkeitsorganisationen gegeben.

Umzüge. Diese Tradition ähnelt am meisten dem Faschingsfest. Es gibt ausgelassene Festumzüge, für die sich die Teilnehmenden, aber auch die Besucher verkleiden. Sie werden auch Purimspiele genannt: Gruppen, zusammengesetzt aus unterschiedlichsten Generationen, spielen das Purimgeschehen nach.

Die Tradition, sich an Purim zu verkleiden, geht auf verschiedene Begründungen zurück. So wird etwa am Ende des Buches deutlich: Der Gott Israels griff ein und rettete sein Volk, auch wenn sein Name nicht ein einziges Mal genannt wird. Sein Wirken verbarg sich hinter dem Offensichtlichen. Im Talmud wird außerdem beschrieben, wie das jüdische Volk sich an manche heidnischen Gepflogenheiten im Exil anpasste – doch war dies nur wie eine Maske; im Herzen blieb es seiner Identität treu.

Purim ist ein Fest der Lebensfreude – gute Gemeinschaft, festliches Essen und der Genuss von Wein sind dabei ein wichtiger Bestandteil.

So ist Purim ein bedeutendes Freudenfest für das jüdische Volk – bis heute. Es wird gefeiert, dass Gott sein Volk in der Diaspora bewahrt und eine starke Gemeinschaft innerhalb des Volkes geschenkt hat. Auch heute noch gilt Mordechais Gebot: „(…) sie sollten als Feiertag den 14. und 15. Tag des Monats Adar annehmen und jährlich halten als die Tage, an denen die Juden zur Ruhe gekommen waren vor ihren Feinden, und als den Monat, in dem sich ihr Schmerz in Freude und ihr Leid in Festtage verwandelt hatten (…).“ (Est 9,21-22)

Chag Sameach! Ein frohes Purim-Fest!

 

KStegemann

„Chag Sameach! Ein frohes Fest!“

 

Mit diesen Worten werden sich heute Abend alle Juden hier in Deutschland und in der ganzen Welt begrüßen – denn Purim steht vor der Tür. In diesem Jahr fällt das jüdische Fest, das traditionell am 14. und 15. Adar (der sechste Monat des jüdischen Kalenders) gefeiert wird, auf den 21. und 22. März. An diesen beiden Festtagen wird den Geschehnissen gedacht, in deren Mittelpunkt die Jüdin Ester steht, wie sie im gleichnamigen biblischen Buch geschildert werden.

Das Königreich Persien reichte von Indien bis Äthiopien.

Die Ereignisse werden auf das Jahr 473 v.Chr. zurückdatiert, als Xerxes I. (hebr. Ahasveros) König über das Reich Persien war, das zu dieser Zeit von Indien bis Äthiopien reichte und damit 127 Provinzen (!) umfasste. Als die Hauptfrau von König Xerxes sich ihm eines Abends verweigerte, verstieß er sie zornig und ließ eine neue Dame für seinen Harem suchen. (Est 1)

Ester (hebr. Hadassa) lebte mit ihrem Cousin Mordechai in der Hauptstadt des persischen Reiches, Susa. Die junge Jüdin war von ihrem Aussehen wie auch von ihrem Charakter her sehr schön. Sie wurde in den Harem des persischen Königs aufgenommen und lebte fortan am Königshof – doch wusste niemand, dass sie Jüdin war.

Ihr Cousin Mordechai, der Ester nach dem Tod ihrer Eltern aufgenommen hatte, war ein angesehener Jude in der Hauptstadt des persischen Reiches. Eines Tages deckte er einen Komplott zur Stürzung des Königs auf, rettete so dessen Leben und stand fortan hoch in Ehren. (Est 2)

Doch der Minister des Perserreiches, ein enger Mitarbeiter von König Xerxes I., hasste Mordechai: Dieser hatte sich aus religiösen Gründen nicht vor ihm verbeugen wollen. Haman war ein Amalekiter und damit Nachkomme eines Volkes, das schon seit Jahrhunderten mit Israel, dem Volk JHWHs, verfeindet war (2. Mose 17,8ff.). So ersann er einen Plan, wie er das jüdische Volk ein für alle Mal auslöschen könnte: Er trat vor den König und stellte das jüdische Volk als eine Menge von Aufrührern dar, die die Gesetze des Königs missachten würden. Sein Vorschlag zur vermeintlichen Abhilfe folgte sogleich: An einem ausgewählten Datum sollten die Juden vogelfrei sein – jeder sollte sie ungestraft töten und ihren Besitz an sich nehmen dürfen. Xerxes erwiderte: „Das Silber sei dir gegeben, dazu das Volk, dass du mit ihm tust, was dir gefällt!“ (Est 3)

Ester ist der altpersische Name Hadassas und bedeutet Stern.

Haman hatte die Lose geworfen, um ein Datum für diesen Anschlag festzulegen; so wurde der 13. Adar ausgewählt. Als Mordechai von dem Plan des Amalekiters erfuhr, eilte er zum Königshof und forderte Ester auf, bei Xerxes um Gnade für das jüdische Volk zu flehen. Sie lehnte aus Angst zuerst ab, doch Mordechai sprach die berühmten Worte

„Und wer weiß, ob du nicht gerade um dieser Zeit willen zu königlicher Würde gekommen bist?“ (Est 4)

Es könnte ihr Leben kosten, unaufgefordert zum König zu gehen – doch Ester wagte es und lud König Xerxes und seinen Minister Haman zu einem von ihr angerichteten Essen ein. Doch obwohl der König nach diesem Essen entzückt war von ihr, brachte sie ihre Bitte an diesem Abend noch nicht vor ihn, sondern lud ihn und Haman am folgenden Tag wieder zu einem Mahl ein. (Est 5)

In der Zwischenzeit wurde Mordechai für den Aufdeckung der Verschwörung gegen den König geehrt – und Haman war gezwungen, ihm Ehre zu erweisen, indem er ihn auf einem Pferd durch die Stadt führte und rühmte. Diese Demütigung schürte seinen Hass nur noch, doch seine Frau warnte ihn in einem prophetischen Wort: „Ist Mordechai, vor dem du zu fallen begonnen hast, vom Geschlecht der Juden, so vermagst du nichts gegen ihn, sondern du wirst vor ihm vollends zu Fall kommen!“(Est 5-6)

Am selben Tag fand das zweite Abendessen statt, zu dem Esther den König und den Minister eingeladen hatte. Nun offenbarte Esther Xerxes, dass sie Jüdin war und Haman ihr Volk auszurotten gedachte. Der König erkannte nun den Plan Hamans und in seinem Zorn befahl er, seinen Minister an dem Holzpfahl aufzuhängen, den dieser vorsorglich für eine Hinrichtung Mordechais hatte errichten lassen. (Est 7)

König Xerxes ernannte Mordechai zum neuen Minister an Hamans statt. Trotzdem war es schon zu spät: Denn im Perserreich konnte ein Edikt, das einmal erlassen wurde, nicht mehr zurückgenommen werden. Deshalb erließ der König ein neues, zusätzliches Edikt: Die Juden würden sich am 13. Adar wehren dürfen. (Est 7)

So besiegten die Juden ihre Feinde an jenem Tag, der eigentlich zu ihrer Vernichtung hatte führen sollen. Doch nahmen sie keine Beute, wie ihre Gegner es getan hätten.

Die Geschehnisse von Purim sind in der Megillat Ester aufgeschrieben, zu finden in den “Schriften” im Tanach.

So feierten die Juden in den ländlichen Gegenden am 14. Adar ein Freudenfest. Nur in der Hauptstadt Susa dauerten die Kämpfe noch den 14. Adar an. Deshalb begingen die hier lebenden Juden erst am 15. Adar ein Fest wegen ihrer Errettung vor den Feinden. Mordechai erklärte in der Folge diese beiden Tage zum Feiertag, genannt Purim, nach den Losen, die Haman geworfen hatte, um das Datum für die Vernichtung der Juden festzulegen. (Est 9-10)

An dieses Geschehen erinnert sich bis heute das jüdische Volk am Purim-Fest: JHWH, der Gott Israels, beschützt sein Volk sogar in der Diaspora. So sind die Ereignisse rund um Esther auch für Christen eine große Ermutigung im Glauben, denn der Gott Israels hat auf eindrückliche Weise gezeigt, dass er treu zu seinem Volk steht.

Chag Sameach!

KStegemann

Anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Staates Israel wird vom 5.-9. November eine Themenwoche an der Freien Theologischen Hochschule Gießen stattfinden. Ein ansprechendes Rahmenprogramm ist geplant, das Land und Judentum auf vielfältige Art und Weise beleuchtet. Denn Israel geht nicht nur Freaks und Fans etwas an, sondern jeden!

Thematisch eingeleitet wird diese besondere Woche am Montag, den 5. November von Johannes Gerloff. Der Theologe ist bekannt durch seine Tätigkeit als Nahostkorrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien. Als Insider hält er einen Vortrag zur aktuellen Situation im „Heiligen Land“, zu dem alle Interessenten herzlich eingeladen sind.

Darüber hinaus hat jeder einzelne Wochentag seinen eigenen Programmhöhepunkt: So wird es unter anderem eine Diskussion mit Islamwissenschaftler Dr. Carsten Polanz über heutige Formen von Antisemitismus geben. Weiterhin finden eine Sabbatfeier und eine Holocaust-Gedenkstunde statt. Auch ein authentisches israelisches Mittagessen darf natürlich nicht fehlen!

Ort der einzelnen Veranstaltungen ist der Plenarsaal der Freien Theologischen Hochschule Gießen. Die jeweiligen Uhrzeiten und Tagesabläufe entnehmen Sie der Ausschreibung. Der Eintritt ist natürlich frei!

Herzliche Einladung!

IsraelInstitut_Themenwoche_Programm

IsraelInstitut_Vortrag_Themenwoche_Vortrag J. Gerloff

Im Dezember 2003 lief in den USA die 13. Folge der Fernsehserie „O.C., Calfornia“. In dieser bemerkenswerten Episode stellt einer der Hauptdarsteller, Seth Cohen (Adam Brody) seiner Familie ein neues Fest vor, das er „Chrismukkah“ – in der deutschen Übersetzung „Weihnukka“ – nennt. Seitdem ist dieser Begriff in den USA regelmäßig zu hören – 2004 war „Chrismukkah“ ein Buzzword of the Year des TIME-Magazins.

Weihnukka“ steht für die Vermischung des jüdischen Chanukka- mit dem christlichen Weihnachtsfest. Immer mehr säkulare Juden und jüdisch-christliche Familien vermengen diese Traditionen; Weihnukka ist ein riesiger Trend, besonders in den USA. Zuletzt, im Dezember 2015, feierten wahrscheinlich bereits zehntausende Familien in Amerika, Europa und Israel dieses Mischfest.

Weihnukka will dabei kein religiöses Statement setzen. Ganz im Gegenteil: die meisten Juden, die dieses Fest begehen, sind vollkommen säkularisiert. Es geht um die Art des Feierns, nicht um den Inhalt des Festes.

Die Vermischung der Traditionen hat selbst eine lange Tradition. Typisch weihnachtliches Brauchtum (Weihnachtsschmuck, Weihnachtsbaum, Weihnachtsmann usw.) wurde in Europa und Amerika schon immer auch von Juden übernommen. So gab es schon im 19. Jahrhundert auch „Chanukkageschenke“ (statt Weihnachtsgeschenken) und „Chanukkageld“ (statt Weihnachtsgeld). Da Chanukka und Weihnachten immer etwa in dieselbe Jahreszeit fallen, lag es nahe, die traditionell „christlichen“ Bräuche in das jüdische Weihefest einzugliedern; denn diese Bräuche selbst haben ja nur wenig mit dem Grund des Weihnachtsfestes – der Geburt Jesu, der Menschwerdung Gottes – zu tun.

Schon im 19. Jahrhundert gab es in Mitteleuropa „Chanukkabäume“ (in Anlehnung an die „christlichen“ Weihnachtsbäume) und „Chanukkakalender“ (ähnlich wie Advents-kalender, allerdings mit acht Klappen). Heute wird Weihnukka besonders gern von Familien gefeiert, in denen einer der Ehepartner jüdisch und der andere christlich geprägt ist (und solche Ehen machen immerhin die Hälfte aller Ehen von Juden in Amerika und Europa aus). So lassen sich die liebgewonnenen traditionellen Weihnachtsbräuche ohne religiöse Implikationen fortführen. Vor allem für die Kinder, die zwischen jüdischer und christlicher Tradition aufwachsen, ist Weihnukka eine Gelegenheit, am Geschenkaustausch und der typischen „Weihnachtsstimmung“ teilzuhaben, ohne christlich werden zu müssen. Weihnukka hat den Sinn, den unter Juden sprichwörtlich gewordenen „Weihnachtsneid“ auszugleichen – und verzichtet bewusst auf eine religiöse Konnotation. So kann der STERN schreiben: „Die Annäherung beider Feste ist eine Folge von Säkularisierung und Kommerzialisierung.“ (Jahn, Daniel-Karl, Die Mischung macht’s) Wenn es für die meisten traditionell „christlichen“ Familien bei Weihnachten nur um Familie und Geschenke geht, färbt sich das auf „Namensjuden“ ab. Denn, wie Monika Richarz in dem Buch „Weihnukka“ schreibt: „Zu Weihnachten haben es die Juden schwer, denn Weihnachten ist ein Fest, wie sie es gerne mögen: mit Religion, Einladungen, gutem Essen, Geschenken für die Kinder…“ Dass die Übernahme von Weihnachtstraditionen in das jüdische Chanukka-Fest attraktiv ist, ist verständlich.

Von christlicher Seite wird diese auf formaler bzw. äußerlicher Ebene praktizierte Vermischung von Judentum und Christentum – die eine latente Gefahr des Synkretismus (Religionsvermischung) in sich birgt – nicht in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen. Im Judentum dagegen wird Weihnukka kontrovers diskutiert. Fromme Juden üben scharfe Kritik an der Vermischung der Feiertage; sie fürchten den Synkretismus hinter dieser neuen Form des Festes. Immer mehr ultraorthodoxe Juden feiern deshalb in den letzten Jahren „Nittel“, eine Art Anti-Weihnachten. Im 17. Jahrhundert entstanden, ist Nittel die Angewohnheit, sich am christlichen Weihnachtsfest bewusst von religiösen Dingen fernzuhalten und stattdessen weltlichen Angelegenheiten nachzugehen. Damit verbindet sich im ultraorthodoxen Judentum der Glaube, dass zu Weihnachten die „bösen Mächte“ besonders aktiv seien.

Weihnukka ist also ein Familienfest für säkulare jüdisch-christliche Familien. Es ist unreligiös und vermischt lediglich die Festtraditionen von Weihnachten und Chanukka miteinander. Wie Seth Cohen in „O.C., California“ sagt: „Willst du eine Menorah oder eine Zuckerstange? Weihnachten oder Chanukka? Keine Sorge, mein Freund, in diesem Haus brauchst du dich nicht zu entscheiden!“

(sg)

Weiterführende Links zum Thema:

Sahm, Ulrich W., „Nittel“, auf: http://www.hagalil.com/archiv/2005/12/weihnachten.htm, abgerufen am 04.01.2016

Jahn, Daniel-Karl, Die Mischung macht’s, auf: http://www.stern.de/panorama/gesellschaft/-weihnukka—die-mischung-macht-s-3750630.html, abgerufen am 04.01.2016

Universität Freiburg (Hg.), Weihnukka: https://www.orient.uni-freiburg.de/judaistik/projekte_juda/uniseum/tafel10_wihnukka, PDF, abgerufen am 04.01.2016

Förner, Stefan, „Weihnukka“ – oder: Weihnachten jüdisch-christlich, auf: http://www.deutschlandradiokultur.de/weihnukka-oder-weihnachten-juedisch-christlich.1124.de.html?dram:article_id=176979, abgerufen am 04.01.2016

Wenn die Juden heutzutage das Passahfest feiern, erinnert nur der trockene Knochen auf dem Sederteller daran, dass einst zu diesem Zweck hunderttausende makellose Lämmer geschlachtet und Gott als Opfer dargebracht wurden. Denn so schrieb es 2. Mose 12 vor. Während nun selbst die orthodoxesten Juden erklären, dass mit der Zerstörung des Tempels auch der Opferkult sein Ende gefunden habe, beharrt eine kleine religiöse Gemeinschaft in Israel darauf, dass diese Gesetze weiterhin gültig sind. Und so konnte man auch zum diesjährigen Passahfest einige hundert Menschen beobachten, die in einer feierlichen Zeremonie mit ihrem Hohenpriester Aabed-El ben Asher ben Matzliach auf einem Berg irgendwo im Westjordanland ihrem Gott Jahwe 52 Lämmer opferten.

Bei diesen Menschen handelt es sich um die Samaritaner und bei dem Berg um den Berg Garizim, von dem bereits im Alten Testament die Rede ist. In der Nacht vor Pessach, das nach ihrem Kalender dieses Jahr auf den 13. April fiel, pilgerten sie auf den Berg, den bereits ihre Vorfahren als einzig wahre Kultstätte definierten, um in den im Boden versenkten Feuerstellen ihre Lämmer zu opfern und noch in der gleichen Nacht zusammen mit bitteren Kräutern und ungesäuertem Brot zu verzehren. (Zahlreiche eindrucksvolle Fotos von der Zeremonie finden sind hier zu sehen.)

Indem sie die alttestamentlichen Gebote bis ins Detail ernst nehmen, wollen die Samaritaner ihrem Namen als die wahren „Bewahrer des Gesetzes“ gerecht werden: Ihre Selbstbezeichnung „Šamerīm“ leitet sich von der hebräischen Wurzel „šāmar“ für „wachen, bewahren, hüten“ ab. In der jüdischen Literatur werden sie “Šomrōnīm” genannt, nach Samaria bzw. Šomrōn, der alten Hauptstadt Nordisraels. Denn die Samaritaner betrachten sich als Nachkommen des Nordreichs Israel mit seiner Hauptstadt Samaria. Als 722 v. Chr. die assyrische Großmacht einen Teil des Nordreichs ins Exil verschleppte, blieben einige im Land zurück und lebten dort zusammen mit den von den Assyrern angesiedelten Völkern. Dies wird in 2. Könige 17,24-28 beschrieben:

[box] 24 Der König von Assyrien aber ließ Leute von Babel kommen, von Kuta, von Awa, von Hamat und Sefarwajim und ließ sie wohnen in den Städten von Samarien an Israels statt. Und sie nahmen Samarien ein und wohnten in seinen Städten. 25 Als sie aber anfingen, dort zu wohnen, und den HERRN nicht fürchteten, sandte der HERR unter sie Löwen, die töteten sie. 26 Und man ließ dem König von Assyrien sagen: Die Völker, die du hergebracht und mit denen du die Städte Samariens besetzt hast, wissen nichts von der Verehrung des Gottes dieses Landes. Darum hat er Löwen unter sie gesandt, und siehe, diese töten sie, weil sie nichts wissen von der Verehrung des Gottes dieses Landes. 27 Der König von Assyrien gebot: Bringt dorthin einen der Priester, die von dort weggeführt sind; er ziehe hin und wohne dort und lehre sie die Verehrung des Gottes des Landes. 28 Da kam einer der Priester, die von Samarien weggeführt waren, und wohnte in Bethel und lehrte sie, wie sie den HERRN fürchten sollten.[/box]

Während sich nun die Samaritaner als direkte Nachfahren der nordisraelischen Stämme, vor allem Ephraim und Manasses, sehen, sind sie aus jüdischer Sicht “nur” die Nachkommen der von Assyrien ausgesiedelten Völker und der in diesem Zuge eingegangenen Mischehen und somit bestenfalls sehr frühe Konvertiten zum jüdischen Glauben. Bestenfalls aus dem Grund, weil einige Rabbis davon ausgehen, dass die Konversion der Samaritaner eher aus Zwang (die Löwen), denn aus Überzeugung geschah.

So durften die Samaritaner dann auch den zweiten jüdischen Tempel nicht mitbauen, weil sie in Kontakt mit anderen Völkern und Göttern gekommen waren und somit nicht mehr als rein israelitisch galten (vgl. Esra 4,3). Auch im Neuen Testament spiegelt sich die jüdische Feindseligkeit gegenüber dieser Minderheit wider: Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter ist hervorgehoben, dass es der Samaritaner und damit der am wenigstens geachtetste Mann war, der Barmherzigkeit übte (Lk 10,33). In der Erzählung der Geschichte mit der samaritischen Frau am Brunnen, der Jesus Interesse und Respekt entgegenbringt, schreibt Johannes explizit: „Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern.“ (Joh 4,9)

Der auffälligste schon im Neuen Testament beschriebene Unterschied zwischen Juden und Samaritanern liegt in der Wahl der Kultstätten. Seitdem das Volk Israel vom Berg Garizim aus die Segensworte Gottes aussprach, während vom Berg Ebal die Fluchwort gesprochen wurde (5. Mose 27,12-13), betrachten die Samaritaner den erstgenannten als heilig. Als für die Juden dann mit Salomos Tempelbau Jerusalem zur zentralen Anbetungsstätte wurde, hielten die Samaritaner am Berg Garizim fest. Im 5. bis 4. Jh. vor Christus entwickelten sie sich dann zu einer eigenständigen Religionsgemeinschaft und ließen sogar – das brachten jüngste Ausgrabungen ans Licht – ein eigenes Heiligtum auf dem Berg Garizim errichten. Der Tempel wurde allerdings um 128 v. Chr. durch den Hasmonäer Johannes Hyrkanos I. zerstört und wenig später endgültig erobert.

„Die Geschichte der Samaritaner ist reich, verworren und Ausdruck eines Streits um den wahren Glauben“, bringt es Ulrike Schleicher in der Jüdischen Allgemeine auf den Punkt. Bis heute tritt die Religionsgemeinschaft mit dem Anspruch auf, als einzige die authentische Version des Pentateuch zu bewahren. Damit meinen sie den Samaritischen Pentateuch, der in samaritanischer Schrift verfasst ist. Diese Schrift mit ihrer ganz besonderen Aussprache basiert auf dem Althebräischen, das ursprünglich aus dem Phönizischen stammt. Die heutige hebräische Schrift hingegen ist eine aramäische Schrift.

Die heilige Schrift der Samaritaner weist um die 6000 Abweichungen – meist orthografischer und sprachlicher Natur – zum Masoretischen Text auf. Dazu gehört allerdings auch ein nach dem zehnten Gebot (2. Mose 20,17) eingefügtes weiteres Gebot, das dazu auffordert, ein Heiligtum auf dem Berg Garizim zu errichten. Auch im 5. Buch Mose finden sich in der samaritischen Version etwa 20 Verse, die die Erwählung des heiligen Ortes nachträglich auf Sichem (heutiges Nablus) beziehen. Nach Meinung der Samaritaner war es allerdings andersherum: Die Thora wurde ihnen zufolge im Nachhinein bearbeitet, um die Bedeutung des Garizim herunterzuspielen.

Alle späteren Schriften der Bibel, auch die mündliche rabbinische Lehre und alle anderen heiligen Schriften des Judentums, erkennt diese religiöse Minderheit nicht an, was als großer Affront für die Rabbis gilt, die behaupten, dass ihre Traditionen direkt auf die mosaischen Offenbarungen auf dem Sinai zurückgehen.

Eine Gemeinsamkeit haben Juden und Samaritaner jedoch: Beide warten auf einen Messias. Die Samaritaner erwarten allerdings statt einem König einen Propheten wie Mose, den sie „Taheb“ (= „Wiederhersteller“) nennen. Er wird sie nach 5. Mose 18,18 alles lehren und den religiösen Zustand des alten Israel wiederherstellen. Flavius Josephus berichtet in den Jüdischen Altertümern davon, wie 36 n. Chr. ein Mann als der erwartete Taheb auftrat und mit einer bewaffneten Gefolgschaft zum Berg Garizim zog, um ihnen dort als Zeichen seiner Identität die heiligen Gefäße zu zeigen, die Mose dort hinterlegt hätte. Pontius Pilatus ließ diese Manifestation mit brutaler Gewalt unterbinden.

So warten die Samaritaner wie die Juden noch heute auf ihren Messias. Bis dahin scheinen sie vor allem damit beschäftigt zu sein, als kleinste religiöse Minderheit des Landes mit 761 Zugehörigen nicht auszusterben. Hosni Cohen, Historiker und Priester der Religionsgemeinschaft, erklärt in einem Interview mit der Jüdischen Allgemeinen, dass die Samaritaner noch vor einem Jahrhundert vor dem Aussterben bedroht waren. Während sie vor 2000 Jahren noch etwa eine Millionen Zugehörige zählten und auch im Mittelalter noch eine große Zahl afweisen konnten, schrumpften die Gemeinden in Syrien, Ägypten und Palästina im Zuge von Islamisierung, Verfolgung und Assimilation radikal zusammen. Mitte des 18. Jahrhunderts verließen die letzten Samaritaner Kairo, Damaskus und Gaza, um sich ihren Glaubensgeschwistern bei Nablus anzuschließen. Im Jahre 1918 fanden die Briten dort nur 146 Samaritaner vor. Doch dann wurde 1923 die Heirat mit Juden erlaubt, was zu einem Anstieg der Bevölkerung führte, laut Cohen aber nicht ausreichend war. Als schließlich die Inzucht der immer kleiner werdenden Gemeinde Probleme wie Erbkrankheiten und Säuglingssterblichkeit mit sich brachte, wurden ab 2004 Frauen „mithilfe des Internets und einer speziellen Agentur“ gesucht. Dies ist deshalb möglich, weil in der Religionsgemeinschaft die samaritanische Identität durch den Vater bestimmt wird. Zehn Frauen aus Russland und der Ukraine seien seitdem zu den Samaritanern konvertiert und haben sich die strenge Lebensführung zu eigen gemacht. So bringt die Einhaltung der alttestamentlichen Gesetze eispielsweise auch mit sich, dass Frauen während ihrer Menstruation sieben Tage lang in speziellen Räumen leben müssen.

Dieser verbliebene aus nur fünf Familienverbänden bestehende Rest der samaritanischen Gemeinschaft lebt heute zu einem kleineren Teil in Holon bei Tel Aviv, wo sie über zwei Synagogen und eine kleine Bibliothek verfügen und sogar eine eigene Zeitschrift herausgeben, „Aleph Beth“, die in samaritanischem Aramäisch, Arabisch, Hebräisch und Englisch erscheint. Diese recht dynamische Gemeinde in Holon unterscheidet sich kaum von der israelischen Bevölkerung: Die Samaritaner dienen in der Armee, arbeiten in normalen Berufen und führen ihren Alltag auf den ersten Blick wie die Menschen in ihrer jüdischen Umgebung.

Die übrigen Samaritaner finden sich an den Hängen des Berges Garizim in dem kleinen Dorf Kirjat Luza bei Nablus im Westjordanland, wo sie auch aufgrund der angespannten Lage im Nahostkonflikt recht isoliert leben. Neben dem Opferplatz für die Passahlämmer findet man in Kirjat Luza einige Läden, eine Schule und das von Hosni Cohen geleitete Samaritaner-Museum. Der eine Teil der Religionsgemeinschaft spricht somit Hebräisch, während der andere sich auf Arabisch verständigt und deshalb des Öfteren versehentlich mit Palästinensern verwechselt wird.

Die Samaritaner sind also mittendrin – auch im Nahostkonflikt, wie Thomas Schmidinger in einem Artikel für das jüdische Magazin Aufbau anschaulich beschreibt. Immer wieder sähen sich die beiden Gemeinden in Holon und bei Nablus einem gewissen Bekenntnisdruck ausgesetzt, auf welcher Seite sie denn nun stünden. Doch die meisten Samaritaner wehren sich trotz ihrer geringen Zahl dagegen, mit ihrer jeweiligen Umgebung assimiliert zu werden. So lässt eine junge Samaritanerin aus Holon verlauten: “Wir sind eben weder Palästinenser noch jüdische Israelis, sondern Samaritaner und das wollen wir bleiben.”

 

(jp)

 
 
Quellen:
 
Brown, Michael L., Handbuch Judentum: Antworten auf die wichtigsten Fragen aus christlicher Sicht, 2009, S. 119-122. http://www.geschkult.fu-berlin.de/e/semiarab/semitistik/schwerpunkte/hebraistik/samaritanistik.html http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/18844 http://de.wikipedia.org/wiki/Samaritanischer_Pentateuch homepage.univie.ac.at/thomas.schmidinger/php/texte/israel_palaestina_die_samaritaner.pdf http://www.thesamaritanupdate.com/
http://seagull-gull.livejournal.com/353493.html
http://www.jewishmag.co.il/78mag/samaritans/samaritans.htm
 
 

Passend zur aktuellen (jüdischen) Chanukkah (= Lichterfest) und der bevorstehenden (christlichen) Advents- und Weihnachtszeit wollen wir diese beiden Festtraditionen miteinander in Beziehung setzen. Wir wollen verstehen, was diese beiden Feste auf eine eher besinnlichen Weise miteinander verbinden kann. Das Buch von Dr. David Jaffin „Jüdische Feste – christliche Bedeutung“ soll uns teilweise dabei Orientierung geben.

Chanukkah bedeutet „Weihung, Einweihung“ und ist ein jüdisches Fest, das jährlich parallel zur christlichen Adventszeit stattfindet. Chanukka hat keine unmittelbaren Wurzeln in der hebräischen Bibel, dem Alten Testament. Das Fest geht auf die Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels nach dem Makkabäeraufstand zurück, der sich gegen hellenisierte Juden und makedonische Syrer im Jahre 164 v. Chr. wandte (vgl. Makkabäerbücher, Talmudüberlieferung).

Der griechisch-hellenisierende Einfluss auf das Judentum begann im 2. Jhdt. v. Chr. immer stärker zu werden. Die Römer waren als große Krieger und Verwalter bekannt, die Griechen für ihr hochstehendes Kulturvolk, welches von sich behauptete, dem Israelischen überlegen zu sein. Diese allgemeine Hochschätzung veranlasste damals auch Juden, sich dem synkretistisch-hellenisierenden Einfluss zu öffnen und dabei Fremdreligiöses in der eigenen Religion zu übernehmen.

Insbesondere Antiochus Epiphanes (215- 164 v. Chr.) führte im jüdischen Tempel in Jerusalem eine Götzenkultstätte ein, wo von da an – aus der Sicht traditioneller Juden – Fremdgöttern geopfert werden sollte. Sein Ziel war es, die Religion und das jüdische Volk allmählich auszumerzen. Dadurch wurde die jüdische Kultur und Religion zunehmend in ihrer Existenz bedroht. Im Zuge dieser sogenannten „Hellenisierung“ und „synkretistischen Säkularisierung“ wurden statt dem Gott Israels griechische Götter verehrt. Der Unterricht in jüdischen Schulen wurde durch griechische Weisheit und Philosophie verfremdet.  Diese religiös-gesellschaftliche „Dunkelheit“ im 2. Jahrhundert v. Chr. wurde durch die Person des Antiochus Epiphanes mit geprägt. Denn er beschränkte sich nicht darauf, das jüdische Volk zu vertilgen. Er wollte auch den jüdischen Glauben beseitigen.

Mattathias Makkabäus (†160 v. Chr.) und seine Familie wagten schließlich einen national und religiös motivierten Aufstand gegen diese Verfremdungen des Jüdischen. Der Tempel wurde zu guter Letzt wieder von der Fremdgötterverehrung gereinigt (25. Kislew im Dezember 164 v. Chr.) und die ‚Griechen‘ wurden durch den Makkabäer-Aufstand auch militärisch besiegt. Man feierte daraufhin eine erneute Tempelweihe zur Ehre des Gottes Israels. Im Zusammenhang mit den Festvorbereitungen fand man (nach der traditionellen Überlieferung) im Tempel genügend Öl vor, um den siebenarmigen Leuchter für einen Tag brennen zu lassen. Das Öl reichte jedoch sogar auf wunderbare Weise für acht Tage.

Vor der Wiedereinweihung des Tempels nach dem Sieg über die Griechen existierte tiefe Resignation in der Gesellschaft, quasi so etwas wie eine „resignative Dunkelheit“. Ähnlich mag es zur Zeit Jesu gewesen sein. Man hoffte zu dieser Zeit ebenfalls auf eine Befreiung, diesmal von der römischen Fremdherrschaft. Immerhin ist hervorzuheben, dass zur Zeit Jesu die Pharisäer noch auf den verheißenen Messias warteten, wohingegen zur Zeit der Beeinflussung durch die ‚Griechen‘ offensichtlich kein inniges Suchen mehr nach dem Gott Israels bestanden hatte.

In gewisser Weise kann man die sogenannten „Makkabäer“ als Befreier verstehen, wie auch Jesus später als Befreier oder Erlöser wirkte, wenn auch ganz anders als Israel es damals erwartet hatte (Lk 24,13-27.44-47 u.a.). Die Makkabäer befreiten Israel politisch und auch religiös. Im Bild gesprochen, Licht brach auf in der Dunkelheit. Wenn ihre Befreiung auch nur vorläufig und im Verhältnis nicht vergleichbar war mit der Befreiung, die durch Jesus am Kreuz vollbracht wurde, so war sie doch für das Überleben des jüdischen Volkes und des jüdischen Glaubens von großer Bedeutung und sie prägte die Erwartungen der Juden noch zur Zeit Jesu.

Nach dem Makkabäeraufstand gab es für eine kurze Zeit wieder einen politischen Staat, der auch in jüdisch-religiöser Hinsicht bedeutsam war. Der Tempel war ja immerhin vom Heidnischen „gereinigt“ worden.

Josephus beschreibt Chanukkah wie folgt: „Chanukkah [ist] zu einem Lichtfest geworden.“ Die acht Flammen des Chanukkah-Leuchters stehen für das Licht (= neue Verehrung des Gottes Israels), das über die Dunkelheit (= heidnische Verunreinigung des Kults) anbricht. Allerdings, nachdem die Unterdrückung vorüber war, kam es erneut zum Streit unter den Juden. Schon Churchill urteilte (mit einem Augenzwinkern): „30 Juden – 31 Parteien.“

Jaffin beschreibt die Einheit, die durch die Makkabäer möglich wurde und vergleicht diese mit der Einheit, die in Jesus möglich wurde. Christus selbst demonstrierte quasi die Einheit Israels. Er war für Israel im gesamten Land unterwegs und erwählte dort 12 Jünger, auch als Zeichen der Wiederherstellung der 12 Stämme. Denn zur Zeit Jesu existierten faktisch nur noch die Stämme Juda, Benjamin sowie die Leviten.

Wie zu der Zeit der Makkabäer „Dunkelheit“ als Metapher für den geistlichen Zustand und für den synkretistischen Abfall von Gott bedeutsam war, so wird sie auch für die Ereignisse um Weihnachten herum, der Menschwerdung Gottes im Stall von Bethlehem (Lk 2 und Mt 1-2), vorausgesetzt. Und auch in der Predigt Jesu, der Bergpredigt, die von ihren Ansprüchen her enorm herausforderte, betonte Jesus, dass ein Mensch „vollkommen“ sein müsse, wie Gott. Den zuhörenden Juden damals wurde deutlich, dass das Erreichen dieses Ziels im Grunde nicht möglich ist.

Die Dunkelheit erreichte ihren Höhepunkt in den drei Stunden der völligen Finsternis bei der Kreuzigung Jesu auf Golgatha. Jaffin drückt das wie folgt aus: „Die alte Schöpfung liegt im Sterben mit Gott, weil wir Gottes Mörder sind.“

Der letzte Prophet Johannes, der sein Volk zur Umkehr aufruft, spiegelt Israels Zustand wider: So wie er umgebracht wurde und seine Zeit vorüber war, so ist auch Israels Zeit vorläufig beendet. Israel wird einen Leidensweg gehen müssen, bis die Zeit der Heiden zu ihrem Ziel und Ende kommen wird (Lk 21). Dann „wird ganz Israel errettet werden“ (Röm 11,26). Dann wird es „Licht“ werden durch Jesus, auch für Israel.

Jesus will uns mit dem Vater versöhnen. Dies konnte nur geschehen, indem er die Bergpredigt für uns im Buchstaben und im Geist erfüllte. Christus erfüllte die Forderungen der Bergpredigt stellvertretend für uns. Er trägt an „unserer Stelle“ unser Gericht und unsere Verurteilung: „Verflucht ist der, der am Holze hängt.“ Es wird zugleich ausdrücklich gesagt, dass Jesus ein Licht (= Befreier und Heilsbringer) für alle Völker ist. Aber auch für Juden, auch für Israel.

Dr. David Jaffin schreibt sinngemäß: Wenn sich Israel einmal bekehren wird, so werden die Israeliten in der Tiefe erfassen können, was die Verbundenheit zum gekreuzigten und auferstandenen Messias Jesus (= Christus) bedeutet. Dann wird es auch für Juden das echte und das für sie neue „Jesus-Lichterfest“ geben – so könnte man es ausdrücken – ein Lichterfest, das Israel dazu bringen wird, den Befreier und Heilsbringer Jesus als Licht der Welt zu verehren und anzubeten.

Jaffin zieht auch Parallelen zwischen der Leidensgeschichte Jesu und dem Leid des jüdischen Volkes. Dabei wird deutlich: Je mehr man sich mit dem Alten Testament und den jüdischen Feiertagen beschäftigt, desto genauer sieht man, wie sich Jesus ‚gleichnishaft‘ seinem erstgeliebten Volk bezeugt. Es wird ein besonderes Geschenk sein, wenn das jüdische Volk den Messias dann künftig erkennen wird (vgl. auch Röm 11,26-29) – eben den, den sie durchbohrt haben – und es daraufhin die Welt missionieren wird.

Wenn heute das Lichterfest gefeiert wird, so lautet das Gebot, dass der Chanukkah-Leuchter ins Auge stechen soll. Häufig findet man die Leuchter auf Fensterbänken, neben dem Hauseingang gegenüber der Mesusa (Schriftkapsel mit Glaubensbekenntnis der Juden) oder an zentralen Stellen in einem Haus wieder.

Das Fest dauert acht Tage lang, an jedem Tag wird eine weitere Kerze mit dem Schamasch (= Diener, eine Art Hilfskerze um die anderen Kerzen anzünden zu können) angezündet. Das Lichterfest ist heute ein Gemeinschaftsfest der Familie, man kommt zusammen, spricht Gebete, singt Lieder und erzählt die Chanukkah-Geschichte. Kinder bekommen häufig Süßigkeiten, man spielt Dreidel (= Kreisel). Auf diesem Kreisel stehen vier hebräische Buchstaben (Nun, Gimel, He, Schin), die jeweils für ein Wort stehen: Nes Gadol Haja Po = „Ein großes Wunder geschah hier.“ Der Tradition nach erinnert dieser Kreisel an die Zeit von Antiochus Epiphanes, als es Eltern untersagt war, ihren Kindern von ihrem jüdischen Glauben zu erzählen. Trotz Verbot lehrten die Eltern ihre Kinder, und wurden sie von der syrischen Patrouille unerwartet kontrolliert, so spielten die Kinder als Tarnung mit dem Dreidel.

Heute erfreut man sich an dem großen Wunder, an die Befreiung von der Unterdrückung und dass das Öl im Tempel acht Tage lang ausreichte. Um wie viel mehr dürfen wir uns als Christen in der Adventszeit auf Weihnachten freuen. Der Prophet Jesaja sagte: „Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt …“ (Jes 60,1). Unser Licht ist gekommen, gepriesen sei der Herr! Wir dürfen uns nicht nur an dem Chanukkah-Wunder erfreuen, vielmehr erfreuen wir uns an Jesus Christus, er wohnt jetzt in uns und nicht mehr im Tempel (Joh 2,19ff.)

Die Adventszeit kann auch für uns zu einer besonderen Zeit werden, denn „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“ (Joh 1,9). Welch ein Vorrecht, wir dürfen Christus danken und loben, der Messias ist gekommen und wurde Licht, damit wir leuchten können – nehmen wir dieses Angebot an?

(mr)

 
Quellen:
 
Jaffin, David, Jüdische Feste- christliche Deutung, 2. leicht überarbeitete Auflage 1993
http://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten   
http://de.wikipedia.org/wiki/Chanukka
http://de.wikipedia.org/wiki/Dreidel
 

Es ist Sukkot. Laubhüttenfest. In Israel herrscht – spätestens – seit Montag Abend Ausnahmezustand. Unzählige Pilger haben sich wie zu alttestamentlichen Zeiten in Jerusalem versammelt, um gemeinsam das freudige Fest zu feiern, das an die göttliche Versorung seines Volkes während der Wüstenwanderung erinnert.

Ein Highlight des achttägigen Festes ist die Zeremonie des Birkat Kohanim, das ist hebräisch für der „priesterliche Segen“: Am zweiten Tag von Sukkot kommen tausende Kohanim, jüdische Männer priesterlichen Geschlechts, zur Klagemauer, um dort dem jüdischen Volk den jahrtausendealten aaronitischen Segen zuzusprechen. Dies geschieht nur drei Mal pro Jahr, nämlich an den drei großen Wallfahrtsfesten Pessach, Schawuot und Sukkot. Für einen jeden religiösen Juden ist es von besonderer Bedeutung, nicht nur in der Synagoge, sondern dort den Segen zu empfangen, wo einst der Tempel stand und die Priesterklasse den Tempeldienste leistete.

So war am Mittwoch Morgen die gesamte Jerusalemer Altstadt schon früh überfüllt und dicht an dicht drängten sich die Pilger in neugieriger Erwartung des durch die Nachfahren Aarons erteilten Segens. Anschließend erteilte für die Aschkenasim, das sind die Juden osteuropäischer Abstammung, der israelische Oberrabbiner Yona Metzger den Segen aus Numeri 6,24-26 – Wort für Wort sprach er ihn vor und die Priestergemeinde sang nach. Für die Sephardim, die Juden mit orientalischem Hintergrund, folgte Oberrabbiner Schlomo Amar (gebürtiger Marrokaner) mit der gleichen Prozedur.

Wenn Priester den aaronitischen Segen sprechen, heben sie überlicherweise beide Hände und spreizen sie zwischen Mittel- und Ringfinger auseinander, wie auf dem Bild (rechts) zu sehen. Somit bilden die Hände den hebräischen Buchstaben שׁ (Shin) ab, der für “Shaddai” steht.

Nach dem Zuspruch des Segens für das jüdische Volk begrüßten die beiden Oberrabbiner Pilger in der Laubhütte, die wie jedes Jahr als eine unter vielen auch an der Klagemauer errichtet wurde.

Hier der Wortlaut des aaronitischen Segens auf Deutsch und Hebräisch – wobei je nach Tradition die Worte unterschiedlich ausgesprochen werden:

[box] DER AARONITISCHE SEGEN AUS NUMERI 6,24-26:

Der HERR segne dich und behüte dich.

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

__________________________________________

יְבָרֶכְךָ יהוה, וְיִשְׁמְרֶךָ   Jewarechecha Adonai vejischmerecha

יָאֵר יהוה פָּנָיו אֵלֶיךָ, וִיחֻנֶּךָּ   ja’er Adonai panaw eleicha wichuneka

יִשָּׂא יהוה פָּנָיו אֵלֶיךָ, וְיָשֵׂם לְךָ שָׁלוֹם   jissa Adonai panaw eleicha wejasem lecha schalom.[/box]   In diesem Video können Sie sich den Birkat Kohanim 2012 ansehen: http://youtu.be/P6QHk0-uNPk

(jp)

  Quelle: http://israelheute.com/Nachrichten/tabid/179/nid/24940/Default.aspx      

Sie sind konsequent: Weil sie nicht an Jesus Christus und seine weltverändernde Bedeutung glauben, lehnen die Juden auch den mit seiner Geburt beginnenden gregorianischen Kalender ab. Sie leben somit im Jahr 5773 – denn so alt ist nach den auf den biblischen Chroniken beruhenden Berechnungen von Hillel II. die Welt.

Dieses 5773. Jahr der jüdischen Zeitrechnung begann am Sonntagabend, dem 1. Tischri, und wurde von Juden in aller Welt mit einem Festmahl würdig begrüßt und zwei Tage lang mit großem Ernst – in Bezug auf die eigenen Verfehlungen – und tiefer Freude – über das göttliche Erbarmen – gefeiert.

Zu dieser Gelegenheit erfolgte auch die zwei Mal jährlich, nämlich am Passafest und an Rosch HaSchana, stattfindende Leerung des göttlichen „Briefkastens“, der Jerusalemer Klagemauer. Gemeinsam mit Helfern entfernte am Montag Schmuel Rabinovitz, der Rabbiner des jüdischen Heiligtums, mit Hilfe von zuvor in ein Ritualbad getauchten Stöckchen die vielen Gebetszettel aus den Ritzen der 2000 Jahre alten Mauer. Diese wurden dann ungelesen auf dem Ölberg vergraben, da kein Schriftstück vernichtet werden darf, welches den Namen Gottes enthält.

Für die Juden war der vergangene Sonntag zudem der Auftakt für die drei wichtigsten Wochen des Jahres: Mit dem Neujahrsfest beginnen die „zehn furchtbaren Tage“, eine Zeit der Reue und des Gebets, das seinen Abschluss an Jom Kippur findet, dem heiligsten Feiertag eines jeden Juden. An „dem Tag“ steht in Israel die Welt still. Nach dieser alljährlichen Versöhnung zwischen Mensch und Gott bricht für die Juden eine Woche später das Laubhüttenfest an, eine Zeit der Dankbarkeit für den von Gott zuteil gewordenen Segen. Dieses siebentägige Fest wiederum wird abgeschlossen durch das Fest der Thorafreude, Simchat Thora, dieses Jahr am 9. Oktober.

Überraschend für viele Juden war die Tatsache, dass der israelische Verteidigungsminister Barak diesmal für die Feiertage auf die Abriegelung der palästinensichen Autonimiegebiete verzichtete.

 

Wenn Sie sich näher für die Feste des Judentums interessieren, empfehlen wir Ihnen den folgenden Download aus unserer Reihe “Was Christen über das Judentum wissen sollten”: Die Feste des Judentums

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  Quellen: http://www.israelnetz.com/gesellschaft/detailansicht/aktuell/gottes-briefkasten-geleert/#.UFl6QRj8o7A http://www.israelnetz.com/gesellschaft/detailansicht/aktuell/mit-aepfeln-und-honig-juden-feiern-neujahr-5773/#.UFl59Bj8o7A http://www.israelnetz.com/kultur/detailansicht/aktuell/juedisches-neujahrsfest-beginnt/#.UFl6Rxj8o7A

Haben Sie sich schon immer gefragt, ob Juden zum Passafest heute noch Lämmer schlachten? Wissen Sie, was es mit dem Chanukkawunder auf sich hat? Oder ob und wie in Israel Karneval gefeiert wird?

Im ersten Teil unserer neuen Reihe “Was Christen vom Judentum wissen sollten” werden die sieben wichtigsten Feste des Judentums vorgestellt: Kurz und prägnant und mit zahlreichen Bildern illustriert erfahren Sie mehr über biblischen oder nachbiblischen Ursprung der Feste, ihre Bedeutung und die mit jedem Fest verbundenen Besonderheiten und Sitten.

Hier gelangen Sie zur pdf-Datei: Die Feste des Judentums (3882 Downloads)  

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