CDU gegen Antisemitismus

„Die CDU stellt sich entschieden jedem Antisemitismus und der Diskriminierung von Juden in unserem Land entgegen“, betont der Stellvertretende Vorsitzende der CDU Pohlheim, Prof. Dr. Helge Stadelmann. Es sei ein Skandal, dass es in Deutschland heute wieder Nazis gebe, die jüdische Mitbürger und ihre Einrichtungen bedrohten. Ebenso sei nicht hinnehmbar, dass Islamisten die Vernichtung des Staates Israel betrieben und dabei die gleichen antisemitischen Klischees verwendeten, wie einst der Nationalsozialismus. Dass vor der Gießener Synagoge heute bei jeder Veranstaltung zum Schutz eine Polizeistreife stationiert sein müsse, gebe zu denken.

Die CDU veranstaltet deshalb bundesweit vom 14.-21. Juni eine Aktionswoche „Von Schabbat zu Schabbat“, in der sie Stellung gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben in Deutschland nimmt. Sie ruft dazu auf, dass sich Vereine, Feuerwehren, Handwerksmeister und Lokalpolitiker dieser Aktion anschließen, für unsere jüdischen Mitbürger Stellung nehmen und jüdische Einrichtungen besuchen.

Zum anstehenden Pfingstfest grüßt die CDU Pohlheim alle jüdischen Mitbürger in Stadt und Landkreis, die zeitgleich das jüdische Schawuoth-Fest begehen. An Schawuoth feiern Juden den Empfang der 10 Gebote, die weltweit die Wertegrundlage für humane und gerechte Gesellschaften gelegt haben. „Nicht nur das Christentum, sondern unsere gesamte Zivilisation verdanken dem Judentum viel“, so Stadelmann. Die CDU fühle sich diesem Wertefundament verpflichtet.

christlich-jüdische Grundsätze

Vom 14.-18. Mai soll in Tel Aviv der 64. Eurovision Song Contest stattfinden, den viele noch unter der bis 2001 gängigen Bezeichnung „Grand Prix“ kennen. Ort der Austragung ist dabei immer das Siegerland des Vorjahres. Das mag verwundern, insofern Israel geografisch nicht zu Europa gehört. Allerdings dürfen alle Länder teilnehmen, die Mitglied der European Broadcasting Union sind, einem Zusammenschluss öffentlich-rechtlicher Rundfunkunionen. Da es für die Mitgliedschaft keine geografischen Richtlinien gibt, können Israel und beispielsweise auch Russland und Australien am ESC teilnehmen.

Der ESC – dieses Jahr in Tel Aviv

Dieses Jahr trägt der ESC allerdings nicht nur zur Horizonterweiterung und Unterhaltung seiner Zuschauer und Fans bei.  Denn die weltweit organisierte BDS-Bewegung macht seit Monaten darauf aufmerksam, dass Israel ihrer Ansicht nach nicht als Ausrichtungsort taugt. Israel, so heißt es beispielweise in einem offenen Brief, den die schwedische Zeitung „Aftonbladet“ vor wenigen Tagen veröffentlichte, nutze seine Rolle als Gastgeber aus, um die eigenen Verbrechen zu vertuschen. Aus Solidarität mit den Palästinensern, die laut der Bewegung permanent durch den Staat Israel in ihren Menschenrechten verletzt oder dieser gar beraubt werden, solle der Contest nicht öffentlich übertragen werden. Besser noch, kein Künstler ginge hin. In Island, Frankreich und Irland gab es bereits diverse Aktionen, um dieses Ziel durchzusetzen.

So fordert die BDS-Bewegung mal wieder, künstlerische Freiheit zugunsten ihrer politischen Interessen zu beschränken. Notfalls mit viel Nachdruck.

Nicht alle geben nach: Via facebook reagierte der Frankfurter Bürgermeister Uwe Becker auf einen offenen Brief, den Boykotteure Ende Januar im Guardian veröffentlichten. Becker kritisiert darin mit deutlichen Worten die Doppelmoral der BDS-Bewegung: „They (Anm.: die Boykotteure) write: ‚Until Palestinians can enjoy freedom, justice and equal rights, there should be no business-as-usual with the state that is denying them their basic rights.‘ Well ‚artists from Europe and beyond‘ where in the whole region you are talking about can we see ‚freedom, justice and equal rights‘? Where are those basic human rights constitutional guaranteed? Right, in Israel.[1]

Zudem: „…as long as you support the boycott of Israel, you are not welcome in our city of Frankfurt!

Die Stadt Frankfurt setzt sich gegen Antisemitismus ein

Becker stellt sich schon seit Jahren offen gegen Antisemitismus. So arbeitet die Stadt Frankfurt nicht mit Banken zusammen, die der BDS-Bewegung nahe stehen oder diese unterstützen. Außerdem werden keine Räumlichkeiten mehr an BDS-Aktionisten vermietet. Als der Bürgermeister Ende Februar in Tel Aviv ein Bündnis gegen Antisemitismus mitgründete, umfasste dies betont auch das Vorgehen gegen die BDS-Bewegung. Denn zum Einsatz gegen Antisemitismus gehört für Becker ganz klar die Solidarität mit dem Staat Israel.

A.Edler

[1] Den vollständigen Post finden Sie unter https://www.facebook.com/uwe.becker.545/posts/10218256177623682

„Heute vor 80 Jahren…“ So könnte man diesen Artikel beginnen, wie es auch immer wieder getan wird. Allerdings ist es gut, sich den Dingen einmal anders zu nähern. Der Filmemacher Marshall Curry hat genau das getan und ruft damit in Erinnerung, was am liebsten vergessen werden würde.

Knapp sieben Minuten Filmmaterial füllt der mehrfach prämierte Kurzfilm „A Night at the Garden“ von Curry. Er zeigt, was vielen Amerikanern und erst recht Europäern unvorstellbar ist: Am 20. Februar 1939 versammelten sich rund 20.000 Menschen in Madison Garden, New York, um nationalsozialistisches Gedankengut zu bejubeln und zu feiern.

Der Zusammenschnitt beunruhigt den Zuschauer von Anfang an. Unwohlsein macht sich breit und man fragt sich, was in den Sequenzen wohl vor sich geht. Klar wird die Thematik erst, als das eigentliche, unheimliche Szenario eingespielt wird. Eine kleine Parade beginnt. Menschen marschieren mit der amerikanischen Fahne auf, inmitten einer starren Menge, die einheitlich den Hitler-Gruß zeigt. Pauken werden geschlagen, ein Orchester spielt vor der Tribüne. Es folgen mehrere Reihen von Frauen in schwarzem Rock und weißer Bluse. Banner werden hochgehalten: „unser Ziel – ein einiges Deutschtum“. Dazwischen Hakenkreuzflaggen. Auf all das blickt von oben ein riesiges Bildnis von Gründervater George Washington herab. Man fragt sich immerzu, wie das alles zusammenpasst.

Die Freiheitsstatue

Die Musik verstummt und ein Mann tritt ans Rednerpult. Es ist Fritz Kuhn, zu dieser Zeit Leiter des „Amerikadeutschen Bundes“. Dem ratlosen Zuschauer begegnet ein Mann, der das New Yorker Publikum mit Witz und Charme zu fesseln weiß.

„We, with American ideals, demand that our government shall be returned to the American people who founded it. “ Ein paar lockere Sprüche, das Publikum lacht. Der Pledge of Allegiance als Treueschwur auf die amerikanische Flagge folgt Kuhns Zwei-Punkte-Plan, der immer wieder vom Jubel der Menge unterbrochen wird: Erstens, „a socially just white, Gentile ruled United States.“ Zweitens, „Gentile-controlled labor unions, free from jewish Moscow-directed domination.“

Die Parolen enden, als ein einzelner, offensichtlich aufgebrachter Mann nahe des Podiums von einem Mob uniformierter Männer ergriffen wird. Der Störer wehrt sich, ein Gerangel entsteht. Immer mehr Uniformierte kommen dazu, die sich alle auf den Einzelnen stürzen und ihn schließlich abführen. Man hatte ihm noch die Hosen runtergezogen. Der Vorgang zieht sich in die Länge. Die Menge feiert das. Was der Zuschauer nicht weiß: Es handelt sich bei dem Mann um Isadore Greenbaum, der wenig später vor Gericht erklärte, dass er gar nicht mit der Absicht zur Veranstaltung gekommen war, um für Aufruhr zu sorgen. Aber weil er das Leben Tausender jüdischer Menschen in Gefahr sah, konnte er nicht mehr still bleiben. Greenbaum hatte verstanden.

Nach diesem Zwischenfall spielt das Orchester, eine hohe Frauenstimme singt, so, als sei nichts gewesen. Es ist diese beklemmende Mischung der Sequenzen, die den Zuschauer auch lange nach dem Film nicht los lässt.

Curry ist der Erste, der Mitschnitte dieses Aufmarschs systematisch präsentiert. Seine Intention: Zu zeigen, dass die gleichen Menschen, die nach dem Angriff auf Pearl Harbour jegliche Nazi-Ideologie verdammten und ersticken wollten, zwei Jahre zuvor genau diese Philosophie bejubelt hatten. Was wäre gewesen, wenn…? Hätten die Dinge auch ganz anders laufen können? Der Filmemacher sagt dazu, frei übersetzt: „Wir glauben heute, dass es eine scharfe Linie zwischen den „Guten“ und den „Bösen“ gäbe. Ich aber glaube, dass in den meisten Menschen eine dunkle Seite steckt, die darauf wartet, von einem gemeinen und zugleich witzigen Demagogen angestachelt zu werden, der uns überzeugt, dass Anstand was für Schwache ist, Demokratie für Naive, und dass Respekt und Güte anderen gegenüber nur Formen von lächerlicher politischer Korrektheit sind.“ Currys Film zeigt, dass es keinen Grund gibt, sich in Sicherheit zu wiegen, nicht einmal vor sich selbst. A. Edler

Der Link zum Film: https://anightatthegarden.com/?fbclid=IwAR2fX2fUeRlAMmzQ9mmiahFQQkjqyoTPKpRJEmgHBr7iue2lnRUKcBTfDg0, zuletzt aufgerufen am 19.02.2019  

“Juden brauchen Jesus nicht … und andere Irrtümer. Betrachtungen eines messianisch-gläubigen Juden”, so lautet der Titel einer Neuerscheinung auf der Feder Avi Snyders. Aufgewachsen in einer konservativen jüdischen Familie in New York, fand Snyder 1977 zum Glauben an Jesus Christus als Messias. Seitdem engagiert er sich in den USA und ganz Europa für die missionarische Organisation “Juden für Jesus”. Somit bietet das Buch einen spannenden Einblick in Glauben und Motivation messianischer Juden!

 

“Der auch in mir gelegentlich aufsteigenden Befürchtung, wir als Deutsche und nichtjüdische Christen könnten das Evangelium nicht glaubwürdig mit Juden teilen, begegnet Avi Snyder mit der entwaffnenden Einladung zu einer Partnerschaft: Am besten sei es, wenn messianische Juden und nichtjüdische Christen einander ergänzen, wenn sie jüdische Menschen mit Jesus bekannt machen! Ein unbedingt lesenswertes Büchlein!” – (Axel Nehlsen, Evangelischer Pfarrer im Ruhestand, zuletzt bis 2016 Geschäftsführer des christlichen Netzwerks Gemeinsam für Berlin)

“Avi Snyder liefert in seinem Buch ein durchdachtes, leidenschaftliches und biblisch begründetes Plädoyer des Evangeliums für Juden. Seine inspirierende Begeisterung für Jeschua und tiefe Liebe zu Juden, sein Eifer für die Errettung des jüdischen Volkes, unterstützt durch viele relevante Bibelstellen und reife, persönliche Erfahrungen des Autors, machen das Buch zu einer motivierenden Lektüre für den interessierten Leser und zu einer echten Herausforderung für Andersdenkende. Absolut empfehlenswert!” – (Wladimir Pikman, Leiter von Beit Sar Shalom Evangeliumsdienst e.V. und Rabbiner der Berliner jüdisch-messianischen Gemeinde)

Cover

“Das Buch ist ein „Muss“ für alle, die an Jesus Christus glauben. Ich bete und hoffe, dass viele Leser dieser Schrift sich bewegen lassen, regelmäßig für Gottes Volk zu beten, Menschen jüdischen Glaubens die gute Botschaft vom jüdischen Jeschua zu bezeugen und sich für die Anliegen der Evangelisation unter dem jüdischen Volk einzusetzen.” – (Dr. Dietrich Kuhl, Ehemaliger Internationaler Direktor von WEC International)

“Sein Herz schlägt für Evangelisation unter Juden, denn seine Vision von Gottes Strategie ist klar: „Das Evangelium zum jüdischen Volk bringen, damit die Juden das Evangelium in die Welt tragen können. Das ist unsere Berufung. Das ist die Aufgabe, zu der wir Juden auserwählt wurden.“ Ich empfehle allen Christen, sich diesen Argumentationen zu stellen.” – (Elke Werner, Vorstandsmitglied von Lausanne International, Sprecherin bei proChrist, WINGS-Women in God’s Service)

“Die Verkündigung des Evangeliums unter Juden ist DAS Herzensanliegen von Avi Snyder. Dieser Auftrag hat sein Leben für Jahrzehnte fundamental geprägt. Damit ist es auch ein hoch emotionales Thema. Dennoch gelingt es dem Autor, die Gegenargumente seiner Überzeugung ernst zu nehmen und ihnen in großer Sachlichkeit und Klarheit zu begegnen. Grundlage seiner Argumentation ist ein von Vertrauen und Gehorsam geprägtes Verständnis der Heiligen Schrift. Wer diese Lebenseinstellung teilt, wird Gewissheit darüber erlangen, dass der HERR will, dass Sein Evangelium den Juden zuerst verkündet wird. Damit verdient dieses Buch gerade in Deutschland eine grosse Leserschaft und muss in der aktuellen und künftigen Debatte zum Thema Gehör finden. Danke Avi Snyder!” – (Reiner Lorenz, Pastor, Evangel.-Freikirchliche Gemeinde Essen-Altendorf)

“Selten gibt es Veröffentlichungen, bei denen ich sagen könnte: „Darauf hat die Welt gewartet.“ Doch bei Avi Snyders Buch kann ich nicht anders als genau das auszusprechen. Wenn eben dieses Buch „Juden brauchen Jesus nicht … und andere Irrtümer“ nicht jetzt auf Deutsch erscheinen würde, müsste so ein Buch mit diesem Inhalt unbedingt geschrieben und veröffentlicht werden. So ein Buch fehlte bisher. Deshalb, danke, Avi.”- (Pfr. Dr. Berthold Schwarz, Hochschullehrer für Systematische Theologie, FTH Giessen)

“Das Herz Avis schlägt für die Menschen, die den Messias noch nicht gefunden haben – seien es Juden oder Nichtjuden. Mögen wir beim Lesen dieses Buches diesen Herzschlag spüren und unser Leben davon berühren lassen.” – (Klaus-Dieter Passon, Pastor der Jesus-Haus-Gemeinde in Düsseldorf und Vorstand von Juden für Jesus e.V. in Deutschland)

“Avi Snyders Buch wendet sich nicht nur an theologisch geschulte Leser. Es ist eine leicht verständliche Hilfestellung für alle Nachfolger Jesu – Juden und Nichtjuden gleichermassen -, welchen die Balance zwischen Liebe und biblischer Wahrheit ein Herzensanliegen ist. Darum wünsche ich diesem Buch eine weite Verbreitung.” – (Martin Rösch, Theologischer Leiter der Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel (amzi))

(Erschienen bei CV Dillenburg, 13 Eur)

Im Rahmen der Themenwoche „70 Jahre Israel“ luden die Freie Theologische Hochschule Gießen und das Institut für Israelogie am 05.11.2018 zu einem öffentlichen Vortrag ein. Johannes Gerloff teilte im Plenarsaal der FTH unter dem Titel „Das „Heilige“ Land: Erwählt – erkämpft – ersehnt“ seine Erfahrung und sein Wissen über Israel mit knapp 200 Gästen. Gerloff lebt seit 1994 mit seiner Familie in Jerusalem. Der Journalist war als Nahostkorrespondent unter anderem für den christlichen Medienverbund KEP tätig. Außerdem ist er Autor mehrerer Bücher.

Der Auftakt der Themen-Woche

Aufgrund der „Jahrtausende alten Schreckensgeschichte“, als das man das Verhältnis zwischen Christen und Juden beschreiben könne, seien Veranstaltungen, die Israel nicht unkritisch, aber wohlwollend betrachten, sehr wichtig. So wolle Gerloff als Journalist auch über Negatives berichten, aber vor allem über positive und atemberaubende Begebenheiten. Beides hatte an diesem Abend im Vortrag seinen Platz.

Schon bei der Bezeichnung „Heiliges Land“ müsse man genauer darüber nachdenken, was gemeint ist. Kann man mit Recht behaupten, dass Israel ein besseres Land sei als alle anderen, so fragt Gerloff? Oder zeigt sich in dem Titel, dass hier eine besondere Atmosphäre vorherrscht? Letzteres ist nach Gerloff zweifelsfrei richtig: Wer auch immer ins Land reist, könne unmöglich neutral bleiben. Israel sei gewissermaßen lebendiger als andere Länder – es bewege seine Besucher und Bewohner.

Der Plenarsaal war voll besetzt.

Die Frage „Ist Israel ein Land wie jedes andere?“ müsse aber nicht nur nach innerem Empfinden, sondern auch theologisch verneint werden: Laut biblischem Befund hat Gott Israel erwählt. Dabei sei zu beachten, so Gerloff, dass an dieser Stelle nicht zwischen einer jüdischen Ethnie einerseits und einem Land andererseits unterschieden werden darf. Theologisch bilden beide eine untrennbare Einheit. Darum gehören Land und Juden zusammen, sie sind beide erwählt.

„Erwählung“ bedeute in diesem Kontext nicht zwangsläufig „Errettung“ und schon gar nicht irdisches Wohlergehen. Erwählung müsse als Aufgabe verstanden werden. Gerloff berichtet, dass viele Juden diese Verantwortung und ständige Beobachtung als Last empfinden. Man müsse sich mal hineinversetzen, wie es ist, wenn jedes Gegenüber eine Erwartungshaltung einnimmt, sobald herauskommt, dass man jüdisch ist! So sei es nicht nur in der persönlichen Begegnung, sondern auch in den Medien: Die ganze Welt schaut auf Israel.

Hier kristallisiere sich ein bedeutender Unterschied zwischen der christlichen und der jüdischen Gottesbeziehung heraus: Während Christen seit Jahrhunderten auf der Suche nach einem gnädigen Gott sind, scheine es, so Gerloff, manchmal so, als versuchen Juden, ihre Erwählung und damit Gott wieder los zu werden.

Johannes Gerloff

Auch wenn Gerloff in seiner 24-jährigen Tätigkeit in Jerusalem die Besonderheit Israels intensiv erlebt und beobachtet hat, bleibe ihm vieles weiterhin fremd. Als Journalist hat Gerloff die palästinensischen Gebiete bereist. Von ‚innen‘ nachempfinden könne man als Außenstehender weder die jüdisch-israelische Kultur noch die palästinensische. In diesem Zusammenhang betont er, dass es wohl kaum ein sichereres Land gebe als Israel. Zwar hört man in Deutschland nahezu täglich von Gewaltverbrechen in Israel, doch die tatsächlichen Zahlen sprechen eine andere Sprache: So gab es im ersten Jahr des syrischen Bürgerkrieges mehr Tote als in allen Kriegen, die in der 70-jährigen Geschichte des Staates Israels geführt wurden, zusammen. Gleiches gelte für die Anzahl der Toten während des sogenannten Arabischen Frühlings in Libyen. Leben und Reisen in Israel sei daher ziemlich sicher.

Die Frage nach einem Lösungsansatz für den Nahostkonflikt kann an einem solchen Abend natürlich nicht ausbleiben. Dazu berichtet Gerloff von einer Entscheidung der obersten Rabbiner: Diese wären dazu bereit, Land abzugeben, wenn es Menschenleben rette. Aber daran, dass bei Abgabe von Land tatsächlich Leben gerettet werden würden, könne man einfach nicht mehr glauben. Israel bleibt in dieser Hinsicht wohl weiterhin umkämpft.

Am Ende des Vortrages kann der Zuhörer den Slogan des Abends verstehen: Israel ist kein Land wie jedes andere. Israel ist das ersehnte Land für die Juden, mit großer Bedeutung auch für Nichtjuden. Volk und Land niemals zu vergessen, das muss Ziel aller Beschäftigung mit Israel sein – nicht unkritisch, aber wohlwollend.

AE

Anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Staates Israel wird vom 5.-9. November eine Themenwoche an der Freien Theologischen Hochschule Gießen stattfinden. Ein ansprechendes Rahmenprogramm ist geplant, das Land und Judentum auf vielfältige Art und Weise beleuchtet. Denn Israel geht nicht nur Freaks und Fans etwas an, sondern jeden!

Thematisch eingeleitet wird diese besondere Woche am Montag, den 5. November von Johannes Gerloff. Der Theologe ist bekannt durch seine Tätigkeit als Nahostkorrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien. Als Insider hält er einen Vortrag zur aktuellen Situation im „Heiligen Land“, zu dem alle Interessenten herzlich eingeladen sind.

Darüber hinaus hat jeder einzelne Wochentag seinen eigenen Programmhöhepunkt: So wird es unter anderem eine Diskussion mit Islamwissenschaftler Dr. Carsten Polanz über heutige Formen von Antisemitismus geben. Weiterhin finden eine Sabbatfeier und eine Holocaust-Gedenkstunde statt. Auch ein authentisches israelisches Mittagessen darf natürlich nicht fehlen!

Ort der einzelnen Veranstaltungen ist der Plenarsaal der Freien Theologischen Hochschule Gießen. Die jeweiligen Uhrzeiten und Tagesabläufe entnehmen Sie der Ausschreibung. Der Eintritt ist natürlich frei!

Herzliche Einladung!

IsraelInstitut_Themenwoche_Programm

IsraelInstitut_Vortrag_Themenwoche_Vortrag J. Gerloff

Ende April wurde in Berlin ein Mann mit Kippa am helllichten Tag mit einem Gürtel verprügelt. Mitte Mai kamen bei gewaltsamen Protesten im Gazastreifen mehrere Hundert Menschen auf palästinensischer Seite zu Tode. Beide Meldungen fanden rasch ihren Weg in die Schlagzeilen fast aller deutschen Zeitungen. Die Ereignisse sind höchst unterschiedlich, deuten aber auf Schwierigkeit hin, über Judenhass und Israelpolitik gleichzeitig zu berichten – und darauf, dass beides zusammen hängen kann.

Antisemitismus im 21. Jahrhundert ist höchst komplex und längst nicht mehr schwarz-weiß. Antisemitismus längst nicht mehr klar mit religiös bedingtem Hass einstmals fanatisierter Christen zu erklären, noch pauschal als Relikt aus Nazi-Deutschland abzuurteilen. Die Tatsache, dass Juden im hochzivilisierten Mitteleuropa und gerade auch in Deutschland immer noch vermittelt bekommen, unerwünscht zu sein, sollte uns anhalten, Antisemitismus erneut ins Blickfeld zu rücken. Wie man ihn empirisch fassen kann und wo dies noch nicht ausreichend geschieht, soll aus dem folgenden Überblick hervorgehen:

Mann mit Kippa

Bei der Frage, was unter Antisemitismus zu verstehen ist, gehen die Meinungen auseinander. Eine Arbeitsdefintion, die dem International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) zugrundeliegt und unter anderem von Expertenkreisen im European Forum on Antisemitism übernommen wurde,  erklärt: “Antisemitism is a certain perception of Jews, which may be expressed as hatred toward Jews. Rhetorical and physical manifestations of antisemitism are directed toward Jewish or non-Jewish individuals and/or their property, toward Jewish community institutions and religious facilities.”[1]

Erscheinungsformen des Antisemitismus innerhalb der deutschen Bevölkerung zu erfassen ist seit den 1950er Jahren eine wichtige Aufgabe der Sozialforschung. Dazu helfen in erster Linie Umfragen und die Kriminalstatistik. Wenn man Judenfeindlichkeit messen möchte, hilft es, solche Fragen zu stellen, die die Intention des Interviews nicht sofort erkennen lassen und dennoch Rückschlüsse auf das Denken des Befragten zulassen. So kann die Antwort auf die Frage „Haben die Juden zu viel Einfluss in Deutschland?“ oder „Möchten Sie einen Juden als Nachbarn?“ aufdecken, ob jemand Juden gegenüber eher ablehnend, skeptisch, gleichgültig oder wohlgesonnen gesinnt ist. Für Juden in Deutschland mag es zunächst einmal eine Erleichterung darstellen, dass in den letzten Jahren Asylbewerber, Muslime, Sinti und Roma viel negativer wahrgenommen wurden als sie. Zudem sind antisemitisch motivierte Gewalttaten, die man per Kriminalstatistik leicht erfassen kann, in europäischen Nachbarländern wesentlich höher als in Deutschland – zumindest was die Daten bis 2015 aussagen.[2]

Dennoch ist das Problem des Antisemitismus hierzulande längst nicht gelöst: Es tritt einfach in neuen Formen auf. An die Stelle des klassischen Mythos von der jüdischen Weltverschwörung und des Christus-Verräter-Stereotypus treten heute eher der sogenannte „Sekundärantisemitismus“ und der „israelbezogene Antisemitismus“. Ersterer hängt mit der nationalsozialistischen Vergangenheit der Deutschen zusammen und meint eine Umschuldung: Wer behauptet, dass die im Dritten Reich verfolgten und getöteten Juden „nicht nur“ Opfer waren, zeigt sekundärantisemitisches Gedankengut. Genauso wie jemand, der findet, dass Juden aus ihrem Schicksal monetären Profit schlagen möchten.

Die zweite genannte Form kann sich unter dem Deckmantel des Antizionismus äußern: Israelbezogener Antisemitismus ist die emotional beladene kritische Einstellung gegenüber dem Staat Israel. Dies betrifft vor allem dessen Umgang mit Fremdpersonen an den Landesgrenzen oder hinsichtlich der Siedlungspolitik jüdischer Siedler in den Autonomiegebieten. Politische Kritik ist selbstverständlich prinzipiell erlaubt und erwünscht. In diesem Fall aber wird sie, pauschal auf alle Israelis übertragen, zum Problem, weil Israel nunmal ein Judenstaat ist. Es wird zum Beispiel Israel als Nation das Existenzrecht abgesprochen, oder israelische Politik mit Begriffen bedacht, die an Nazi-Vokabular erinnern („Israel hat mit dem Abwehrzaun das größte KZ der Welt gebaut“) – so erklärt es auch die ausführliche Version der oben genannten Arbeitsdefinition „Antisemitism“. Auch Boykott-Aktionen mit Aufrufen wie „Kauft nicht bei Israelis“ wecken ungute Assoziationen. Obwohl eine solche offensive Israelkritik in einigen politischen Kreisen vielleicht zum guten Ton gehören mag, lohnt es sich, genauer hinzuschauen und Antisemitismus beim Namen zu nennen: so geriet der Theologe Ulrich Duchrow mit seinen vor einigen Jahren veröffentlichten Ansichten kürzlich in die Diskussion, weil er Juden das Recht auf eine nationale Heimstätte in Palästina abspricht.[3]

Davidstern

Diese dargestellten Formen sind den meisten Lesern vermutlich gar nicht so unbekannt: Sie lassen entweder nicht immer direkt an Antisemitismus denken und werden daher unbedacht ausgesprochen. Oder sie werden – wie im letzten Fall – kritisch in den öffentlichen Medien aufbereitet. Alle Beispiele gehören zum latenten Antisemitismus. Allerdings nur solange, bis er sich in Gewalttaten oder Sachbeschädigung äußert und damit manifest wird. Dies geschieht immer wieder, was aufzeigt, dass nicht erst die brutale Ausschreitung ein Problem darstellt. Vorweg geht das antisemitische Gedankengut der Menschen, dem sich die Gesellschaft entgegenstellen muss.

Bisher konzentrierte man sich vorrangig auf Antisemitismus unter Deutschen und Europäern. Auf diesem Gebiet haben wir ein gut dokumentiertes Fundament, um die Dinge beim Namen zu nennen und die Lage einzuschätzen.

Was aber ist mit den oben genannten Beispielen? Die eingangs erwähnten Fälle mögen auf den ersten Blick in keinerlei Verbindung zueinander stehen. Aber sie weisen darauf hin, dass die vorgestellten Ergebnisse der Sozialforschung eine Lücke aufweisen: Wie können wir heute Antisemitismus einordnen und verstehen, der von Menschen mit muslimischer Religionszugehörigkeit oder arabischer Abstammung ausgeht? Gerade in diesen Tagen zeigt sich, dass das 70-jährige Jubiläum Israels nicht für alle ein Grund zum Feiern ist. Die Debatte ist entfacht: weil es immer wieder zu eskalierender Gewalt kam und kommt, und eben nicht nur gegen den Staat Israel und dessen Politik am Gazastreifen, sondern auch gegen Kippaträger in Berlin. Aber nicht allein solche Phänomene von manifestem Antisemitismus, die von Muslimen und Arabern ausgehen, weisen auf ein bedrohliches Szenario hin, sondern auch die Ratlosigkeit der Medien und Politiker, antisemitische und antijüdische Phänomene einzuordnen. Zu fragen ist: Gibt es einen ethnisch begründeten Antisemitismus bzw. Antizionismus? Handelt es sich gar um einen muslimisch-religiösen Antisemitismus bzw. Antizionismus?

Wo kommt Hass gegen Juden her? Wie kann man ihn bekämpfen? Hier besteht Forschungsbedarf. Pauschale Antworten oder Schuldzuweisungen helfen nicht weiter. So kann beispielsweise das Erklärungsmodell, islamischer Antisemitismus sei ein Importprodukt der christlich-europäischen Kolonialmächte, einen solchen nicht rechtfertigen.[4] Es braucht auch nicht primär Deutungsmöglichkeiten von außen, sondern vor allem von innen, aus den eigenen Reihen. So wie die Deutschen mit ihrer Geschichte und den damit verbundenen Tragödien umgehen, so müssten aus allen Gruppen, in denen Formen von Antisemitismus zu beobachten sind, Menschen aufstehen, die sich dagegen stellen, die sich für Prävention und Aufklärung einsetzen.

So wichtig das „Nie wieder!“ für uns Deutsche ist, so wichtig ist das „Niemals!“ für alle anderen.

AE

[1] https://www.holocaustremembrance.com/node/196 und https://european-forum-on-antisemitism.org/definition-of-antisemitism/english-english.

[2] Johannes Due Entstad: Antisemitic Violence in Europe 2005–2015. Oslo, Center for Research on Extremism, 2017.

[3] Einen Artikel dazu finden Sie unter https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/05/23/alan-posener-christlicher-antisemitismus-in-der-kirche/.

[4] So der Islamwissenschaftler Reinhard Schulze, https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2016/02/antisemitismus-juden-europa-islam-christentum-vertreibung/seite-2.

In den letzten Wochen wurde es wieder laut um eine Bewegung, die sich BDS nennt: Boycott, Divestment and Sanctions. Zu Deutsch bedeutet dies so viel wie “Boykott und wirtschaftliche Abstrafung”. Die Bewegung umfasst seit 2005 eine Vielzahl an Organisationen und einzelnen Aktivisten, die Israel auf mehreren Ebenen isolieren möchten. Vor allem über die kulturelle Seite des Boykotts wird häufig in den Zeitungen geschrieben. Denn unter den Wissenschaftlern und Künstlern, die sich dem Protest gegen Israel angeschlossen haben, sind viele Prominente wie Judith Butler, Stephen Hawking und der ehemalige Pink-Floyd-Frontmann Roger Waters. Konzerte, die im Rahmen des Boykottes abgesagt wurden, werden bejubelt, Konzerte, die trotzdem stattfinden, aggressiv verpönt. Warum das alles? „Um einen Beitrag zu leisten im Kampf um die Beendigung der israelischen Besatzung, der Kolonisierung und des Apartheidsystems“, heißt es auf einer offiziellen Homepage der Bewegung, bds-kampagne.de. Angelehnt ist die Idee nach eigenem Statement an den Kampf der Südafrikaner gegen die Apartheid, also der Ungleichbehandlung von schwarzen und weißen Einwohnern, der offiziell bis 1993 anhielt. Dieses System der Diskriminierung von Menschen verschiedener Hautfarbe, Herkunft oder Rasse, maßgeblich geprägt von Unterdrückung und Gewalt, hatte nicht nur isolierte Wohngebiete zur Folge, sondern unterschied auch rechtlich zwischen Menschen schwarzer und weißer Hautfarbe. Der Gebrauch von solchen historisch belasteten Begriffen, wie den der Apartheid, um nun die israelische Politik in ähnlicher Weise anzuprangern und zu kritisieren, ist unter politischen Aktivisten keine Seltenheit: BDS Austria spricht sogar davon, dass Israel auf Land gegründet sei, das „von seinen palästinensischen BesitzerInnen ethnisch gesäubert wurde.“ Immer noch verstoße Israel gegen internationales Recht, indem es Palästinenser per Gesetz diskriminiere, koloniale Politik betreibe und seit Jahren UN-Resolutionen ignoriere. „Für Freiheit! Für Gerechtigkeit!“ Damit ruft die Kampagne alle Menschen auf, sich ihr anzuschließen und Israel unter Druck zu setzen. Die Aufhebung der vermeintlichen Unrechtsmaßnahmen, die von Israel ausgehen, soll auf diese Weise erzwungen werde.

Gazastreifen 2015

Mit diesen Slogans und Forderungen mag eine Stoßrichtung vorgegeben sein, aber die konkreten Ziele der BDS-Bewegung sind nicht transparent. Informiert man sich in online-Zeitungen, auf den offiziellen Homepages und in Broschüren von BDS, bleiben viele Fragen offen. Zum Beispiel, warum eine Zwei-Staaten-Lösung aus Sicht der Boykotteure abzulehnen wäre. Oder wie mit den Folgen für Israel umgegangen werden sollte, die das geforderte Rückkehrrecht für alle palästinensischen Flüchtlinge samt Nachfahren mit sich bringen würde. Außerdem wünscht man sich Stellungnahmen zum antiisraelischen Terrorismus, vor dem ja die Sperranlagen im Westjordanland schützen sollen. Aber solchen komplexen Themen will sich die Bewegung gar nicht stellen. Denn konkrete, visionäre Politik über ihren vereinfachenden Drei-Punkte-Katalog hinaus, ist nicht ihr Geschäft.

Genau hier liegt das entscheidende Problem der Bewegung: Natürlich muss man nicht mit jeder Entscheidung der israelischen Politiker und deren Gesetzgebung zufrieden sein. Natürlich darf man auch als Deutscher sachgerechte Kritik am Staat Israel üben. Aber in aggressiven, fordernden Aktionismus zu verfallen, ohne klare Abgrenzung zum Hass, ist eine gefährliche Weichenstellung. Wem so viel am Frieden in Nahost liegt, der sollte sich zunächst dem konstruktiven Dialog stellen. Der sollte auch weiter denken, als nur bis zum Erreichen der eigenen Interessen. Der sollte vor allem verhindern, dass Einladungen zum Israel-Boykott dem maskierten Antisemitismus in die Hände spielen- oder ihn hinaufbeschwören. AE

Weitere Infos:

Z.B. www.sueddeutsche.de/kultur/lorde-und-israel-israel-boykott-jetzt-auch-in-glamouroes-1.3811318

www.bds-kampagne.de

Zwei Ringer

Ende November fand in Polen die U23-Ringer-WM statt. Sowohl Israel als auch der Iran schafften es zunächst ins Halbfinale. Nicht allein die sportliche Leistung ist einer Meldung wert, sondern die damit verbundenen Umstände: So schied der iranische Ringer Ali-Resa Karimi in dieser Runde aus, indem er absichtlich verlor. Die Anweisung dazu kam von seinem Trainer. Der Iran fordert seit Jahren die Umsetzung seiner Anti-Israel-Politik auch im Sport, genau in dem Bereich, wo Fairness und Teamgeist gefragt sind. Karimi ist wütend, musste er doch schon zum zweiten Mal aus der mit Nachdruck geforderten Solidarität mit Palästina auf die Chance zur Goldmedaille verzichten.

Diese Form der Diskriminierung von israelischen Sportlern aufgrund politischer Differenzen ist kein Einzelfall. Erst im Oktober beim Grand Slam der Judoka in Abu Dhabi wurde den Israeli schon im Vorfeld ausdrücklich verboten, Landessymbole auf den Anzügen zu tragen und ihre Hymne zu singen – was beides sonst ganz selbstverständlich dazugehört. Zudem durften sie nur als neutrale Sportler des Judo-Weltverbands antreten. Dennoch flog die Mannschaft in die Vereinigten Arabischen Emirate, und dennoch – oder gerade deswegen – gewannen die israelischen Judoka vier Goldmedaillen. Nach einer Protestwelle auf der Facebook-Seite des Israelischen Judoverbandes kam es immerhin zur Entschuldigung vonseiten arabischer Repräsentanten.

Es ließen sich viele weitere Beispiele jüngster Zeit aufzählen, so die Asiatischen Meisterschaften der Sportschützen in Kuwait 2015, als einem israelischen Funktionär die Einreise verweigert wurde. Oder Olympia 2016 in Rio, als Teilnehmer aus dem Libanon nicht mit Israelis in einem Bus fahren wollten und eine saudi-arabische Judoka den Wettkampf – angeblich mit plötzlichen Verletzungen – abbrach, weil sie in der nächsten Runde auf eine israelische Gegnerin hätte stoßen können. Aber auch schon 1970 gab es ähnliche Boykotte: Bei der Studenten-Olympiade in Turin erteilte man der israelischen Basketball-Mannschaft kampflos den Sieg, weil die Algerier nicht gegen sie antraten.

Die Liste der (muslimischen) Länder, die Israel als Staat nicht anerkennen, ist lang. Dass politischen Feindschaften im Sport auf schockierende Art Ausdruck verliehen wird, ist traurig. Mindestens genauso traurig ist allerdings, dass darüber kaum berichtet wird und der Aufschrei viel zu leise ist.

AE

 

Am 9. November kann man sich viele geschichtsträchtige Ereignisse in Erinnerung rufen, beispielsweise die Novemberpogrome von 1938, als in der sogenannten „Reichskristallnacht“ systematische und brutale Ausschreitungen gegen Juden stattfanden, oder den Jahrestag des Mauerfalls 1989. Ein anderes Geschehen mit weitreichenden Auswirkungen ereignete sich vor genau 100 Jahren: Die Balfour-Deklaration wurde von der Presse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es handelt sich bei der Erklärung um einen neunzeiligen Brief des damaligen britischen Außenministers Arthur James Balfour an den Zionisten Lionel Walter Rothschild.

Der Brief umfasst im Original nur neun Zeilen.

Nach Balfour wurden in den folgenden Jahren zahlreiche jüdische Kinder benannt, Straßennamen halten bis heute die Erinnerung an ihn wach. Das Jüdische Lexikon, Auflage 1930, erklärt den Staatsmann und Philosophen zum „wahren Freund des jüdischen Volkes“. Eine ganz andere Auffassung zeigte sich in der letzten Woche, als Menschen aus London, Palästina oder Israel zu Kundgebungen zusammenkamen oder Kunstaktionen eröffneten, um ihrer Kritik an der Deklaration und deren Folgen Raum zu verschaffen. Zeitungen berichteten indes über die Balfour-Erklärung als Same des Nahostkonflikts. Wie können so wenige Zeilen eines kurzen Briefes weltweit dermaßen kontroverse Reaktionen hervorrufen?

 Um die Divergenz einordnen zu können, muss man zunächst wissen, worum es geht: Mitten im Ersten Weltkrieg setzt Balfour ein Schreiben auf, in dem er zum einen den Anspruch der Juden, genauer der Zionisten, auf eine nationale Heimstätte („national home“) anerkennt. Zum anderen macht er deutlich, dass dadurch die Rechte der in Palästina lebenden Menschen bewahrt bleiben und der politische und rechtliche Status der Juden in den verschiedenen Ländern der Welt nicht belangt werden darf. Als der Brief eine Woche später veröffentlicht wurde, war die Resonanz in der jüdischen Gemeinschaft gewaltig: Die Zionisten[1] sahen ihre Forderungen nach einem Zweinationalitätenstaat in Palästina unter Gleichberechtigung beider Völker, Araber und Juden, endlich ernst genommen. Vor allem in den USA, aber auch unter der französischen und italienischen Regierung fanden sie Unterstützer und Fürsprecher. Jedoch vor allem das Reformjudentum, wo das Judentum ausschließlich als Religionsgemeinschaft verstanden wird, lehnt den Zionismus ab – damit also die Idee der nationalen Heimstätte.

Der Davidstern ist als Emblem auf der Nationalflagge Israels zu sehen.

Was Balfour als Sympathiebekundung formulierte, ohne jegliche rechtliche Verbindlichkeit oder Zusagen, ohne klare Aussage darüber, was eigentlich in dem Zusammenhang mit „a national home“ gemeint ist und welche zionistischen Bestrebungen er überhaupt anspricht, wurde wenige Jahre später konkret eingeleitet: 1920 übertrug der Völkerbund das Mandat über Palästina an Großbritannien. Damit sollte die Mitwirkung an der Umsetzung dessen, was man in der Balfour-Erklärung versprochen sah, geregelt werden. Zusammengefasst lässt sich für die nächsten Jahre festhalten: Die vermehrte, aber zahlenmäßig eher geringe Einwanderung durch Juden setzte ein, die Araber übten den Aufstand. Bis heute bleibt der Konflikt ungelöst, dessen Analysen Bibliotheken füllen.

Heute befassen sich Historiker vermehrt mit der Motivation der Briten: Machtdrang und politisches Kalkül[2] in der vom Krieg geprägten Zeit geben Anlass, die Balfour-Deklaration nicht vorrangig als Anstoß für die israelische Staatsgründung 1948 zu sehen, sondern als „Trick, der zur Katastrophe führte“.[3] Auch die Frage, wie die damaligen Medien die Rezeption der Erklärung geprägt haben, ist heute ein weites Forschungsfeld.[4] Ein großes Echo auf den 100jährigen Brief. Was davon zum Frieden beitragen kann, bleibt offen.

AE

 
  • [1] Der Zionismus kann als Reformbewegung innerhalb des Judentums im 19. Jahrhundert verstanden werden. Theodor Herzl als führende Persönlichkeit formulierte als wichtigste Ziele des Zionismus sowohl die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina als auch Hinwendung zu den spirituellen Wurzeln.
  • [2] Dazu mehr unter http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/29312
  • [3] https://www.welt.de/geschichte/article170244665/Das-doppelte-Spiel-der-Briten-im-Nahen-Osten.html
  • [4] Siehe dazu Brockhaus, Monika, “Ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung”: die Balfour-Deklaration in der veröffentlichten Meinung, Frankfurt a. Main 2011