Chanukka an der FTH Gießen

 
Die Sabbatkerzen werden entzündet

Die Sabbatkerzen werden entzündet

Von der Kälte des Winterabends spürte man drinnen nichts mehr, als sich am Freitag, den 14. Dezember, 35 Studenten und Mitarbeiter der FTH versammelten, um mit allen Sinnen etwas mehr über die jüdische Sabbatfeier und das Lichterfest Chanukka zu erfahren.

Wer an der langen Tafel Platz genommen hatte, konnte sich kurz vorstellen und erzählen, welchen Bezug er zu Israel oder dem Judentum hatte. Ein Präsentation mit Fotos und Musik aus Israel leitete zum Beginn der Sabbatzeremonie über. Für diese zündete die Dekanatsleiterin Dorothea Bender zunächst die beiden Sabbatkerzen an und bedeckte sich anschließend mit einer Hand die Augen, während sie den für diesen Teil der Zeremonie entsprechenden Segen auf Hebräisch und Deutsch vortrug.

Dorothea Bender spricht mit verdeckten Augen den Segen

Dorothea Bender spricht mit verdeckten Augen den Segen

Nun übernahm Ford Munnerlyn von der theologischen Fachbuchhandlung FTA Books und sprach den traditionellen Kiddusch, den Segensspruch über den Wein und anschließend über die beiden Hefezopf-Brote (Challot), die an die doppelte Portion Manna zum Sabbat während der Wüstenwanderung des Volkes Israel erinnern. Als Brot und Wein an die Tischgesellschaft weiter gereicht wurden, herrschte eine fast eben so andächtige Stimmung wie bei einem Abendmahl, dessen Wurzeln in der jüdischen Tradition nun deutlich zu Tage traten.

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Das Tscholent wird verköstigt

Während des Essens, es gab an diesem Abend Humus und israelischen Salat, Latkes (Kartoffelpuffer, ein traditionelles Chanukka-Gericht) und Tscholent (ein typischerweise am Samstagmittag servierter Eintopf), fand ein reger Austausch über Israel, jüdische Kultur und die eigene Biographie statt.

Interessiert richteten sich die Blicke der Anwesenden nun auf Dr. Berthold Schwarz, Leiter des Instituts für Israelogie, welcher in einem kurzen Vortrag die Einsetzung des Sabbats in der Bibel, seine Bedeutung für die ersten Judenchristen, sowie für die heutigen Christen darlegte. Hierbei stellte er die Zentralität und Gewichtigkeit von Jesu Auferstehung und der Ausgießung des Geistes an Pfingsten heraus, welche dazu führten, dass sich die frühen Christen am ersten Tag der jüdischen Woche, dem Sonntag, versammelten.

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Die interessierten Studenten lauschen den Erklärungen der Organisatoren

Später am Abend erläuterte Wiebke Rohde den Ursprung des Chanukka-Festes, welches Juden zur Erinnerung an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels im Jahr 165 v. Chr. begehen, nachdem dieser durch die hellenistischen Seleukiden im Zuge ihrer Eroberung Israels geplündert und dem Zeus geweiht worden war. Da es sich an jenem Abend um den siebten Tag des achttägigen Festes handelte, entzündete sie sieben der Kerzen des Chanukka-Leuchters, Chanukkia genannt, mit der „Dienerkerze“, dem Schamasch. Die Lichter der Chanukkia erinnern an das Wunder bei der Tempeleinweihung. Damals ließ die einzige versiegelte Flasche geweihten Öls, das man im Tempel fand und welche ihrer Menge nach nur für einen Tag gereicht hätte, die Menora (Leuchter) für acht Tage erstrahlen. Somit wurde die Wiederaufnahme des Tempelbetriebs ermöglicht, bis neues Öl gewonnen war.

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Die leuchtenden Kerzen des Chanukkia

Anschließend konnten an den Tischen Chanukka-Dreidel (Kreisel) ausprobiert werden, auf deren vier Seiten die hebräischen Schriftzeichen „Nun“, „Gimel“, „He“ und „Peh“ zu sehen sind. Sie stehen für den Satz „Ness gadol haja po“, auf Deutsch: „Ein großes Wunder ist hier geschehen“ und verweisen ebenfalls auf die wundersame Versorgung mit Öl für die Menora.

Bei angeregten Gesprächen und hebräischer Musik kam der Abend zu einem gemütlichen Abschluss.

(wr)

 

Fotos: © privat