Ein Skandal, der seinesgleichen sucht
Seit vielen Jahren gibt es viele Schlagzeilen zu antisemitischen Skandalen in Kunst und Musik, auch in der jüngsten Zeit: Ob es ein öffentliches Brandmarken der IDF als Kindermörder in Gaza mit einem emotionalisierten Kunstfilm bei den Venice Filmfestspielen ist1vgl. https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/leises-kino-statt-moral-anklage-jarmusch-gewinnt-in-venedig/?q=venedig%202025 (12.9.2025) oder der Gründer von Pink Floyd, der seit vielen Jahren begeisterter Unterstützer der BDS-Bewegung ist und nun in Berlin auf einer anti-israelischen Demonstration im Beisein deutscher Politiker sprechen wird,2vgl. https://www.juedische-allgemeine.de/politik/roger-waters-spricht-bei-israelfeindlicher-demonstration/ (12.9.2025) ob es 200 Künstler in Deutschland sind, die öffentlichen gegen Israel eintreten,3vgl. https://www.juedische-allgemeine.de/israel/liebe-kulturschaffende-liebe-nuetzliche-idioten/ (12.9.2025) oder auch knapp 2.000 Hollywood-Schauspieler, die sich gegen eine Zusammenarbeit mit jüdisch-israelischen Filmfirmen aussprechen4vgl. https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/1800-filmschauspieler-und-filmemacher-rufen-zum-israel-boykott-auf/ (12.9.2025)… Die Liste wäre noch um einiges fortzuführen, wovon das meiste es nicht mal in die Schlagzeilen schafft. Doch das neuste Ereignis sucht tatsächlich seinesgleichen: Ein junger israelischer Dirigent wurde mitsamt seines deutschen Orchesters von einem internationalen Musikfestival ausgeladen – wegen des Gazakrieges. Doch genauer Hinschauen lohnt sich, denn dahinter verbirgt sich ein sehr vielschichtiger Skandal!

Lahav Shani wurde 1989 in Tel Aviv geboren.
Doch was genau ist passiert? Er ist ein Stern am Himmel der klassischen Musik: Der junge und aufstrebende Dirigent Lahav Shani, der übrigens auch ein Ausnahmepianist ist, hat mit seinen erst 36 Jahren schon vieles erreicht und dirigierte in zahlreichen internationalen Orchestern. So war er etwa seit 2017 der jüngste Chefdirigent des Rotterdam Philharmonic Orchestra in dessen Geschichte. Mit Beginn 2026 wird er offiziell dieses Orchester verlassen und den leitenden Dirigentenposten der Münchener Philharmoniker übernehmen. Seine Stelle als Chefdirigent des Israeli Philharmonic Orchestras, die er schon seit 2019 innehat, will er dabei weiterführen – was nun auch als Anlass für seinen Ausschluss von einem Festival gesehen wurde.
Shani sollte eigentlich am 18. September 2025 mit den Münchener Philharmonikern auf dem Flanders Festival Ghent in Belgien auftreten. Die Leitung der Veranstaltung entschied sich jedoch kurzfristig, dass dies aufgrund des seit dem 7. Oktober 2023 laufenden Gaza-Krieges zwischen Israel und der Terroroganisation Hammas und ihren Verbündeten nicht möglich sein dürfe: “Lahav Shani has spoken out in favour of peace and reconciliation several times in the past, but in the light of his role as the chief conductor of the Israel Philharmonic Orchestra, we are unable to provide sufficient clarity about his attitude to the genocidal regime in Tel Aviv.” (zu dt.: Lahav Shani hat sich in der Vergangenheit mehere Male für Frieden und Versöhnung ausgesprochen, aber im Lichte seiner Rolle als Chefdirigent des Israeli Philharmonic Orchestras war es uns nicht möglich, genügend Klarheit über seine Einstellung zum genozidalen Regime in Tel Aviv zu gewinnen.) So der Originalton aus dem Statement der Veranstalter, die ihr kurzfristiges Umdenken auf der Website des Events begründen.5siehe https://www.gentfestival.be/en/news/flanders-festival-ghent-cancels-the-concert-on-thursday-18-september (12.9.2025)

Das Bild zeigt eine der Bühnen des Flander Musikfestival aus dem Jahr 2007.
Ganz davon abgesehen, dass es ein absolutes Unding ist, einen sich öffentlich politisch neutral haltenden und den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern unterstützenden Israeli auszuschließen, nur weil er in Israel arbeitet (!), ist es die gezielte Wortwahl der Veranstalter, die jeden politischen Beobachter eigentlich zum Verzweifeln bringen müsste: Israel wird als “genozidales Regime” bezeichnet. Dass Israel einen Genozid betreibe, ist eine furchtbare schlichtweg antisemitische Lüge, die sich hartnäckig hält und seit dem aktuellen Gaza-Krieg immer mehr Anklang findet. Ob es sich um einen Genozid handelt, der in Gaza begangen werde, ist bei Völkerrechtlern hart umstritten – bei vielen Meinungen steht schlichtweg eine politische Richtung dahinter, weniger das tatsächliche Wissen um Geschichte und Zustand des sog. Nahostkonflikts. Ob das militärische Vorgehen der IDF im Gazastreifen völkerrechtlich einwandfrei ist, ist eine Frage, die behandelt werden muss – sie ist aber nicht gleichzusetzen mit dem Vorwurf eines Völkermordes, der das feindselige, rassisitisch motivierte und gezielte Auslöschen einer ganzen Gesellschaft und ihrer Kultur und Geschichte zum Ziel hat, so wie die Deutschen etwa mit der Shoah!
Doch weiter im Text: Die israelische Regierung wird hier als Regime bezeichnet. Wikipedia definiert diesen Begriff wie folgt: “Im allgemeinen Sprachgebrauch findet ‚Regime‘ mit abwertender Konnotation vor allem für nicht demokratisch gebildete und kontrollierte Herrschaftsformen, etwa für Diktaturen oder Putschregierungen, Verwendung.”6zitiert nach https://de.wikipedia.org/wiki/Regime (12.9.2025) Deswegen hören wir das Wort “Regime” auch sehr häufig in Zusammenhang mit Putin in Russland, den Regierungen in China und Nordkorea oder auch islamistsichen Diktaturen wie etwa im Iran. Ein durch und durch demokratisches System, wie es in Israel die Regierung bildet, ja, eine durch und durch demokratische Regierung, selbst wenn sie zur Zeit gewählt rechts-konservativ ist und einer westlich-linken Gesellschaft nicht immer gefallen mag, als Regime zu bezeichnen und damit unausgesprochen mit tatsächlichen Regimen wie den oben genannten gleichzusetzen, ist eine absolute Frechheit und schlichtweg falsch!

Das Bild zeigt die große Menorah, die vor der Knesset in Jerusalem steht.
Als dritter Punkt muss genannt werden, dass die israelische Regierung als in Tel Aviv ansässig bezeichnet wird, obwohl diese seit Gründung des Staates Israels 1948 in Jerusalem ansässig ist.7vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Knesset (12.9.2025) Die Knesset war immer in Jerusalem und wird immer dort bleiben, denn obwohl Tel Aviv die größte Stadt ist, ist und bleibt Jerusalem geschichtlich und faktisch die Haupstadt des jüdischen Staates – und damit ein “Stein des Anstoßes” für die Völker (Sacharja 12,2ff.).
Doch lassen Sie uns nochmal einen Blick zurückwerfen auf das Statement der Veranstalter des Musikfestivals in Ghent in Belgien. Denn hier lesen wir weiter: “Given the inhumanity of the current situation, which is also leading to emotional reactions in our own society, we believe it is undesirable to allow this concert to go ahead. We have chosen to maintain the serenity of our festival and safeguard the concert experience for our visitors and musicians.”8zitiert nach https://www.gentfestival.be/en/news/flanders-festival-ghent-cancels-the-concert-on-thursday-18-september (12.9.2025) (zu dt. Aufgrund der inhumanen aktuellen Situation (gemeint ist wohl in Gaza), die auch zu emotionalen Reaktionen in unserer eigenen Gesellschaft führt, glauben wir, dass es nicht wünschenswert ist, dieses Konzert wie geplant weiterzuführen. Wir haben uns entschieden, den Frieden unseres Festivals und die Sicherheit der Konzerterfahrung für unsere Besucher und Musiker zu bewahren.) Hier scheint sich also der wahre Grund für die kurzfristige Änderung zu zeigen: Anti-israelische, sog. pro-palästinensische Proteste in Belgien, die zumeist wenig mit dem tatsächlichen Wohl palästinensischer Menschen im Gazastreifen, sondern viel mehr mit ganz unversteckter Terrorverherrlichung und Gewalt gegen alle, die anderer Meinung sind, zu tun haben. Auf solchen Demonstrationen wird nicht nur Israel diffamiert, werden nicht nur jüdische Menschen an Leib und Leben lauthakls bedroht, sondern auch immer mehr Polizisten gezielt angegriffen und verletzt, sowohl von Menschen mit Migrationshintergrund als auch von Linksradikalen. Vor eben solchen gewalttätigen Ausschreitungen scheinen die Veranstalter Sorge zu haben. Doch anstatt dem israelischen Dirigenten, der rein gar nichts mit Entscheidungen der israelischen Regierung zu tun hat, Sicherheit zu gewährleisten und sich gegen jede Art von Rassismus einzusetzen (jüdische Menschen scheinen hier die einzigen Menschen zu sein, die keinen Platz in einem friedvollen Konzert haben dürfen), geben sie dem Druck eines kleinen, aber lauten Teils der Gesellschaft nach und schließen einen Juden aus – als wenn er persönlich aufgrund seiner Identität und Existenz Schuld am Unfrieden der Gesellschaft trüge und deshalb allesamt mit seiner bloßen Gegenwart gefährden würde.
Ob es nun eine tatsächliche Sorge um die Sicherheit des Events ist oder ein Sich-Verstecken dahinter – auszuhalten ist die Entscheidung samt des Statements kaum. Dementsprechend fallen auch die Reaktionen hier in Deutschland aus, sowohl von Politikern als auch von deutschen Künstlern.9vgl. https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/festival-laedt-philharmoniker-mit-dirigent-aus-israel-aus/, https://www.juedische-allgemeine.de/juedische-welt/argerich-maisky-schiff-empoert-ueber-gent-festival/ (12.9.2025) Doch an der Situation ändert das wenig: Der Schaden ist da, die Worte sind geschrieben, und es stellt sich die Frage, wie viel Raum noch jüdisch-israelische Künstler in westlichen Gesellschaften haben, oder ob wir den Beginn von Zeiten erleben, in denen Juden in Europa wieder ganz und gar unerwünscht sind.
- 1vgl. https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/leises-kino-statt-moral-anklage-jarmusch-gewinnt-in-venedig/?q=venedig%202025 (12.9.2025)
- 2vgl. https://www.juedische-allgemeine.de/politik/roger-waters-spricht-bei-israelfeindlicher-demonstration/ (12.9.2025)
- 3vgl. https://www.juedische-allgemeine.de/israel/liebe-kulturschaffende-liebe-nuetzliche-idioten/ (12.9.2025)
- 4vgl. https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/1800-filmschauspieler-und-filmemacher-rufen-zum-israel-boykott-auf/ (12.9.2025)
- 5siehe https://www.gentfestival.be/en/news/flanders-festival-ghent-cancels-the-concert-on-thursday-18-september (12.9.2025)
- 6zitiert nach https://de.wikipedia.org/wiki/Regime (12.9.2025)
- 7vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Knesset (12.9.2025)
- 8zitiert nach https://www.gentfestival.be/en/news/flanders-festival-ghent-cancels-the-concert-on-thursday-18-september (12.9.2025)
- 9vgl. https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/festival-laedt-philharmoniker-mit-dirigent-aus-israel-aus/, https://www.juedische-allgemeine.de/juedische-welt/argerich-maisky-schiff-empoert-ueber-gent-festival/ (12.9.2025)
Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lahav_Shani (11.09.2025)
https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/festival-laedt-philharmoniker-mit-dirigent-aus-israel-aus/ (11.09.2025)
https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/leises-kino-statt-moral-anklage-jarmusch-gewinnt-in-venedig/?q=venedig%202025(12.9.2025)
https://www.juedische-allgemeine.de/politik/roger-waters-spricht-bei-israelfeindlicher-demonstration/ (12.9.2025)
https://www.juedische-allgemeine.de/israel/liebe-kulturschaffende-liebe-nuetzliche-idioten/ (12.9.2025)
https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/1800-filmschauspieler-und-filmemacher-rufen-zum-israel-boykott-auf/ (12.9.2025)
https://www.gentfestival.be/en/news/flanders-festival-ghent-cancels-the-concert-on-thursday-18-september (12.9.2025)
https://de.wikipedia.org/wiki/Regime (12.9.2025)
https://de.wikipedia.org/wiki/Knesset (12.9.2025)
https://www.gentfestival.be/en/news/flanders-festival-ghent-cancels-the-concert-on-thursday-18-september (12.9.2025)
https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/festival-laedt-philharmoniker-mit-dirigent-aus-israel-aus/, https://www.juedische-allgemeine.de/juedische-welt/argerich-maisky-schiff-empoert-ueber-gent-festival/ (12.9.2025)
- 1vgl. https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/leises-kino-statt-moral-anklage-jarmusch-gewinnt-in-venedig/?q=venedig%202025 (12.9.2025)
- 2vgl. https://www.juedische-allgemeine.de/politik/roger-waters-spricht-bei-israelfeindlicher-demonstration/ (12.9.2025)
- 3vgl. https://www.juedische-allgemeine.de/israel/liebe-kulturschaffende-liebe-nuetzliche-idioten/ (12.9.2025)
- 4vgl. https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/1800-filmschauspieler-und-filmemacher-rufen-zum-israel-boykott-auf/ (12.9.2025)
- 5siehe https://www.gentfestival.be/en/news/flanders-festival-ghent-cancels-the-concert-on-thursday-18-september (12.9.2025)
- 6zitiert nach https://de.wikipedia.org/wiki/Regime (12.9.2025)
- 7vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Knesset (12.9.2025)
- 8zitiert nach https://www.gentfestival.be/en/news/flanders-festival-ghent-cancels-the-concert-on-thursday-18-september (12.9.2025)
- 9vgl. https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/festival-laedt-philharmoniker-mit-dirigent-aus-israel-aus/, https://www.juedische-allgemeine.de/juedische-welt/argerich-maisky-schiff-empoert-ueber-gent-festival/ (12.9.2025)
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