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Die Hebräische Sprache im Wandel der Zeit

Über die 3000 Jahre, in denen die Hebräische Sprache bereits existiert, ging sie durch viele Entwicklungen hindurch. Nicht nur in der post-exilischen Zeit, in der sie vom gebräuchlicheren Aramäisch bedroht wurde, sondern auch im Mittelalter, in dem es fast ausschließlich als Schriftsprache verwendet wurde. In dem folgenden Artikel möchte ich einen Überblick darüber geben, wie sich die Hebräische Sprache von dem antiken Hebräisch, das wir vor allem im Alten Testament finden, zu dem modernen Hebräisch entwickelt hat.

Die Geschichte der Hebräischen Sprache ist typischerweise in 4 Phasen aufgeteilt, nämlich das Biblische Hebräisch, das Rabbinische Hebräisch, das mittelalterliche Hebräisch und das moderne Hebräisch. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass diese Einteilung nur eine grobe sprachgeschichtliche Einteilung ist und dass auch innerhalb der einzelnen Phasen verschiedene Entwicklungen existieren (Sáenz-Badillos, 50ff.).

Hebräisch gehört zu den semitischen Sprachen, spezifisch zu der kanaanitischen Untergruppe. Das Biblische Hebräisch wird zeitlich sprachwissenschaftlich etwa ab dem 10. Jh. bis zum 2. Jh. v.Chr. verordnet. Neben dem Alten Testament, welches hauptsächlich in Hebräisch abgefasst worden ist, finden wir noch andere Quellen für die Hebräische Sprache, vor allem Inschriften. Genannt sei hier an erster Stelle der Gezer-Kalender, welcher auf das 10. Jh. v.Chr. datiert wird. Auch das Biblische Hebräisch wird selbst nochmal in zeitliche Etappen eingeteilt, nämlich in frühbiblisches, klassisches und spätbiblisches Hebräisch (Sáenz-Badillos, 51ff.). Besonders im spätbiblischen Hebräisch, also nach dem babylonischen Exil, ist der Einfluss der Aramäischen Sprache groß. Man geht davon aus, dass das bis dahin paleohebräische Alphabet dem aramäischen Alphabet schrittweise Platz gemacht hat, sodass sich das verwendete Alphabet mit der Zeit zu der Quadratschrift entwickelte, die wir heute kennen. Es gab jedoch auch deutliche Unterschiede zwischen Aramäisch und Hebräisch. Zum einen war die Verwendung eine andere, denn Aramäisch wurde mehr im Alltag verwendet, während die Verwendung von Hebräisch als Alltagssprache sich eher auf Judäa begrenzte. Abgesehen davon wurde Hebräisch jedoch vor allem von den Pharisäern für religiöse Zwecke verwendet. Sprachlich unterschieden sich Hebräisch und Aramäisch vor allem im Vokabular und in der Grammatik.

In der post-exilischen Zeit beginnt auch das, was man unter rabbinischem Hebräisch versteht. Das Biblische Hebräisch wurde nach dem Exil nicht mehr alltäglich verwendet. Vielmehr wurde es von den vorherrschenden Sprachen, vor allem dem Aramäischen, beeinflusst. Die weiterhin existierende Form der Hebräischen Sprache wird „Rabbinisches Hebräisch“ genannt. Ein wichtiges Merkmal des rabbinischen Hebräisch ist, dass es eine lange Zeit nur gesprochen wurde. Einer der ersten Belege für die Verschriftlichung des Rabbinischen Hebräisch stammt aus dem Jahr 135 n.Chr., und zwar die Bar-Kochba Briefe (Sáenz-Badillos, 167). Der Bar-Kochba Aufstand wird auch als der Zeitpunkt angenommen, an dem sich das Rabbinische Hebräisch zu einer Schriftsprache entwickelte, da sich die hebräisch-sprachigen Juden dadurch verstreuten und immer mehr Aramäisch sprachen. In der schriftlichen Zeit des Rabbinischen Hebräisch wurden unter anderem die Mischna und Teile des Talmuds verschriftlicht.

Die Verwendung als Schriftsprache blieb, und zwar bis hin zur Weiterentwicklung zum Mittelalterlichen Hebräisch, welche etwa im sechsten bis siebten Jahrhundert n.Chr. stattfand. Das Hebräische im Mittelalter zeichnete aus, dass es ebenso überwiegend eine Schriftsprache war. Es wurde zum Beispiel von den paytanim verwendet, die damit poetische Texte schrieben. Auch die Masoreten, eine Gruppe von jüdischen Gelehrten, die Überlieferungen des biblischen Hebräisch schriftlich durch Akzente und Vokalisationszeichen festhielten, begannen in dieser Zeit mit ihrem Werk. Auch wenn Hebräisch überwiegend Schriftsprache war, gab es doch wenige Gruppen, die Hebräisch noch im Alltag als gesprochene Sprache verwendeten. Im Laufe der Entwicklung der Hebräischen Sprache im Mittelalter wurden viele Worte aus den älteren Traditionen der Hebräischen Sprache verwendet. Dabei entwickelte sich auch die Bedeutung der Worte weiter.

Die Anfänge der Entwicklung zum Modernen Hebräisch, wie wir es heute kennen, reichen zurück bis ins 16. Jahrhundert, und zwar in Form von Theaterstücken, Wörterbüchern und Zeitungen auf Hebräisch. Eine wichtige Dynamik war die Haskala, die jüdische Aufklärung. Im 18. Jahrhundert versuchten die Maskilim, die Vertreter der Haskala, Hebräisch wieder zu einer lebendigen Sprache zu machen. Besonders in der Literatur und in der Wissenschaft wollten sie es wieder einbringen, da Hebräisch zuvor fast ausschließlich in religiösen Texten verwendet wurde. Ihrer Auffassung nach war das Rabbinische Hebräisch zu stark vom Aramäischen beeinflusst. Um die Sprache zu verbessern, verwendeten sie in ihrer Literatur unter anderem Lehnwörter aus westlichen Sprachen.

Im 19. Jahrhundert gab es den Versuch, das Biblische Hebräisch wiederaufleben zu lassen, wobei jedoch immer wieder Fehler gemacht wurden, z.B. grammatische Fehler. Später wurden jedoch auch spätere Traditionen der Hebräischen Sprache miteinbezogen.

Ende des 19. Jahrhunderts fand eine starke Veränderung in der jüdischen Kultur statt. Nun war nicht mehr die Anpassung an die jeweiligen Orte das Ziel, sondern die gemeinsame örtliche Vereinigung in einer allgemeingültigen Sprache. Diese Bewegung ist die frühe Form des Zionismus. In diesem Zusammenhang muss der Name Eliezer Ben-Yehuda genannt werden. Neben der Niederlassung der Juden in Palästina war es eins seiner großen Ziele, Hebräisch wieder zu einer gesprochenen Sprache zu machen. Um dies zu erreichen, schrieb er unter anderem ein großes Wörterbuch. Allerdings wurden viele Worte, die neu eingeführt wurden, im Sprachgebrauch auch wieder vernachlässigt, sodass sie wieder ganz aus dem hebräischen Sprachgebrauch verschwanden.

Nach dem Untergang des Osmanischen Reiches und mit der britischen Besatzung auch des Kernlandes Israel im Jahr 1918 wurde Hebräisch 1922 offiziell zur Landessprache. Das hatte zur Folge, dass jetzt immer mehr Bewohner des Landes Hebräisch sprachen. Die Staatsgründung Israels im Jahr 1948 war der letzte große Schritt Richtung Modernes Hebräisch, denn Hebräisch war jetzt die offizielle Staatssprache, was nochmal ihre Reichweite vergrößerte. Auch diejenigen, die nach Israel immigrierten, lernten schnell die Sprache, nicht zuletzt dank der verschiedenen Einrichtungen, die genau diesen Zweck hatten, die Sprachkompetenzen zu erweitern, wie zum Beispiel durch Ulpanim (hebräische Sprachschulen).

Obwohl die Hebräische Sprache im Laufe der Zeit verschiedenen Einflüssen und Modifikationen ausgeliefert war, die sie stark beeinflusst haben, kann man doch festhalten, dass sie heutzutage eine einheitliche Sprache darstellt, die noch bis heute alte sprachliche Wurzeln aus der vorexilischen Zeit beibehalten hat. Gerade in der Moderne wurde sich immer wieder auf die Ursprünge dieser Sprache zurückbesonnen, sodass die Gemeinsamkeiten größer sind als die Unterschiede.

 

Quellen:

https://friendsoftheacademyofthehebrewlanguage.org/blog/history-of-hebrew-language-through-the-ages/

https://www.britannica.com/topic/Hebrew-language

https://www.uni-potsdam.de/de/haskala/haskala-in-wenigen-worten

Sáenz-Badillos, Angel, A History oft the Hebrew Language, Elwolde J, trans. Cambridge University Press, 1993

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