Israel umkämpft – Die Zedakah-Israelkonferenz 2026

Eine Konferenz unter dem Namen „Israel umkämpft“ – das war schon etwas Besonderes! Denn zum Zeitpunkt der Planung wird noch niemandem klar gewesen sein, wie aktuell dieser Name sein würde. Die Konferenz, die in dem Gästehaus Bethel in Bad Liebenzell stattfand, begann nicht einmal einen Monat nach dem Ausbruch des Iran-Krieges. Angesichts dieser aktuellen Ereignisse konnte die Konferenz sehr gut Orientierung geben, wie Christen, welche sich solidarisch mit Israel positionieren, diese Ereignisse einordnen können.

Was ist das Werk „Zedakah“?
Das Werk Zedakah versteht sich als ein christliches Werk, welches das Ziel gefasst hat, jüdischen Überlebenden aus der Zeit des Nationalsozialismus zu dienen. Angetrieben von praktischer christlicher Nächstenliebe unterhalten sie in Israel das Gästehaus „Beth El“ in Shavei Zion und das Pflegeheim „Beth Elieser“ in Maalot.1Zedakah, Dienst Die Arbeit wurde von Friedrich und Luise Hofacker begonnen, und wird heute fortgeführt durch die Vorsitzenden Martin Meyer und Frank Clesle, „Beth Eliezer“ und „Beth El“ werden mittlerweile von den Familien Bayer geleitet.2Zedakah, Kontakt Außerdem finden auf dem Gästehaus „Bethel“ in Bad Liebenzell im Schwarzwald über das gesamte Jahr verteilt verschiedene Bibelwochen, Seminare und Freizeiten statt.3Zedakah, Aufatmen So auch dieses Jahr im März die einwöchige Israelkonferenz, an der ich drei Tage teilnehmen durfte.

Zum Programm mit seinen Beiträgen – die Geschichte Israels:
Aufgrund der aktuellen Ereignisse im Nahen Osten herrschte unter den Teilnehmern und Referenten eine gewisse Atmosphäre der Anspannung und des Entsetzens. Man war emotional sichtlich getroffen von den Feindseligkeiten gegen den Staat Israel und das jüdische Volk, welche sich seit dem Ausbruch des Irankrieges sowohl im Nahen Osten als auch an anderen Orten, wie bei uns abzeichnen. Die ungebrochene Solidarität mit Israel war für Zedakah sowie für die Konferenzteilnehmer selbstverständlich. Nicht zuletzt gilt die Überzeugung, dass das jüdische Volk auch heute noch den besonderen Status als Bundesvolk Gottes besitzt und eine spezielle eschatologische Hoffnung erwarten darf. Daher – so auch die Veranstalter – sei es wichtig, als Christen heute für die Solidarität mit Israel einzustehen.
Neben verschiedenen Bibelvorträgen, einer Schabbatfeier und einer Liveschaltung zu den Mitarbeitern in Israel wurden auch Vorträge über die nachbiblische Geschichte Israels gehalten. Ein Beitrag behandelte dabei die Zeit von der zionistischen Bewegung im 19. Jahrhundert an bis hin zu den zeitgenössischen Kriegen, in die der Staat Israel seit langer Zeit verwickelt war und ist. Der Vortrag wurde gehalten von Nathanael Winkler, einem theologischen Mitarbeiter des Missionswerkes Mitternachtsruf.
Seine Darstellung begann mit dem Anfang der zionistischen Bewegung. Erstmals wurde damals die Idee eines jüdischen Nationalstaates formuliert, und es folgten eine Reihe von Migrationsströmen in den Jahren zwischen 1882 und 1939. Vor Allem europäische Juden, die in ihren Herkunftsländern immer wieder Pogrome und Anfeindungen erleben mussten, fassten den Mut, einen eigenen Staat für Juden zu gründen, in dem sie unabhängig von der Gunst ihrer Regierenden und Mitbürger sicher leben konnten. Sie siedelten in verwilderten, unbewohnten Teilen Palästinas und fingen an, erste Siedlungen aufzubauen. Schon bald folgten mehr Einwanderer, viele von ihnen qualifizierte Fachleute, und sie verhalfen den neuen jüdischen Siedlungen zu einer wirtschaftlichen Blüte. Dieser Aufschwung stand im Kontrast zu vielen wirtschaftlich schwachen arabischen Siedlungen und Nationen der Umgebung. Neid entstand und ein Konflikt zwischen ihnen und den jüdischen Siedlungen war vorprogrammiert.
Unter diesen Pionieren herrschte ein ausgeprägtes jüdisches Selbstverständnis. Das Nationalgefühl stand dabei aber sehr viel mehr im Vordergrund als das Selbstverständnis als berufenes Volk Gottes. Dass Gott seinem Volk das Land Kanaan versprochen hatte und dass dieser auch Anbetung und Hingabe zu ihm einfordert, das hatte für die häufig sehr säkular geprägten Zionisten kaum Bedeutung. Nathanael Winkler sah deshalb in dieser gesamten Entwicklung die Erfüllung der Prophetie vom Feld der Totengebeine aus Hesekiel 37, dem „Feld der Totengebeine“. Das tote Volk Israel wird dort in einer Vision des Propheten Hesekiels durch Gottes Fügung wiederhergestellt, jedoch zunächst nur durch die Zusammenfügung der toten Körper. Ihnen fehlte aber noch immer das Leben, der Lebensodem. Diesen verlieh Gott in einem zweiten Schritt, sodass die toten Israeliten neu belebt wurden. So stehe auch heute noch eine geistliche Wiederbelebung des Volkes Israels aus. Gott werde es so führen, dass sie nicht nur in das Land ihrer Vorfahren zurückkehren und an politischer Größe gewinnen, sondern auch, dass sie in Zukunft noch zu dem Glauben an ihren Gott zurückgeführt werden sowie zu der Erkenntnis, dass ihr erwarteter Messias in der Person Jesus zu finden ist.
Auf die Zeit der vielen Migrationsströme folgte nach dem Zweiten Weltkrieg die Staatsgründung im Jahr 1948. Die UNO schlug eine Teilung des palästinensischen Gebietes vor, was von den jüdischen Parteien angenommen, von den arabischen Parteien aber abgelehnt wird. Da aber die britischen Kolonialherren bis zum 14. Mai abziehen würden, musste es zu einer Lösung des Konfliktes kommen. So gründete sich am 14. Mai 1948 der Staat Israel. Unter den arabischen Nachbarländern war man jedoch fest entschlossen, den Staat Israel zu vernichten. Es folgten eine Reihe von Kriegen (der Unabhängigkeitskrieg 1948, der Suezkrieg 1956, der 6-Tage-Krieg 1967 und viele mehr), in denen Israels Existenzrecht bis heute grundsätzlich in Frage gestellt wird. Israel erhielt häufig entscheidende Unterstützung aus dem Westen. Dennoch ist der militärische Erfolg Israels in diesen Kriegen äußerst bemerkenswert. Für Nathanel Winkler bilden sie ein klares Zeichen dafür, dass auch heute noch der Gott Israels sein Volk behütet.

Wir brauchen eine aufgeschlossene Debatte um Israel
Durch diesen historischen Abriss gelang es, die aktuellen Ereignisse rund um Israel vor ihren Hintergründen einordnen zu können. Einige brennende Fragen zu Israel, die sich in der öffentlichen Debatte immer wieder stellen, wurden aber leider kaum bis gar nicht thematisiert. Fragen wie: Begeht Israel Kriegsverbrechen? Was hat es mit den Vorwürfen gegen Netanyahu und seine Koalition auf sich? Solche und weitere sind auch Anfragen an uns, die wir eine Solidarität mit Israel vertreten. Keine leichten Fragen. Wollen wir dieseSolidarität auf eine glaubwürdige Art und Weise vertreten, dann müssen wir uns aufgeschlossen und ehrlich mit diesen Themen beschäftigen. In den Vorträgen kamen diese brennenden Fragen leider sehr kurz. Es wäre nicht klug, sich vor ihnen zu scheuen oder sie vorschnell abzuweisen. Viele antiisraelische Vorurteile würdensich schnell als haltlos erweisen. Vielleicht werden aber auch tatsächlich problematische Umstände im Staat Israel offengelegt werden, die man nicht ignorieren darf. Das würde keinen Bruch mit Israel bedeuten und es komprimiert auch nicht unsere Solidarität als Christen mit dem jüdischen Volk. Wir entnehmen dem biblischen Zeugnis, dass Israel genauso anfällig für sündiges Verhalten ist wie alle anderen Menschen. Dennoch hat Gott diesem Volk seine Treue versprochen. Sind wir aber nicht fähig, diesen an Israel gerichteten kritischen Fragen ehrlich nachzugehen, bewirkt das Irritationen. Jedenfalls gilt es auch unter Christen, dass wir unsere Augen vor menschlichem Leid, etwa im Gazastreifen, nicht verschließen und damit letztlich antisemitischen Stimmen in die Karten spielen. Eine solche Israelkonferenz hätte eine gute Möglichkeit bieten können, über diese Themen ins Gespräch zu kommen.

Zum Abschluss lässt sich urteilen, dass die Israelkonferenz 2026 ihren Teilnehmern eine wertvolle Möglichkeit bot, sich mit relevanten Themen auseinander zu setzen, um als Christ die eigene Haltung zu Israel begründen zu können. Das ist umso wichtiger in einer Zeit, in der Israel und sein Existenzrecht in Deutschland und Europa wieder so umkämpft ist wie schon lange nicht mehr.

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Quellen:
Zedakah, Dienst an Holocaustüberlebenden in Israel, https://www.zedakah.de/dienstinisrael/ vom 27.04.2026
Zedakah, Aufatmen im Nordschwarzwald!, https://www.zedakah.de/gaestehaus/ vom 27.04.2026
Zedakah, Kontakt und Impressum, https://www.zedakah.de/kontakt/ vom 23.05.2026

 

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