Der jüdisch-christliche Dialog – was gut war auf dem Evangelischen Kirchentag 2019

Wer einen Blick in das Programm des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentags wirft, der vom 19. bis 23. Juni 2019 in Dortmund stattfand, den könnte schnell Verwunderung überkommen: Unter den über 2000 Veranstaltungen fanden sich auch Workshops und Seminare wie „Coming Out für Mädchen* und junge Frauen*“ und „Vulven malen“. Man muss kein konservativer Christ sein, um sich zu fragen, was das nun mit Glauben und Kirche zu tun hat. Die Veranstalter lassen uns dazu wissen: es geht gar nicht um diese Themen – zumindest nicht nur. Anliegen des Kirchentages ist es, zum Einmischen anzuregen und Diskussionen anzustoßen. Daher rücke man neben religiösen Fragen gesellschaftspolitische Debatten in den Vordergrund.

Das Motto des Kirchentags 2019.

„Was für ein Vertrauen!“ – Bibelarbeit zum Buch Hiob

Ein Feld, auf dem die Grenzen zwischen Religion, Politik, Soziologie und Identität verwischen, ist der jüdisch-christliche Dialog. Auch dazu fanden Interessierte eine Reihe von Veranstaltungen unterschiedlichster Couleur auf dem Evangelischen Kirchentag. Hier eine Auswahl der Angebote vom Donnerstag:

Zum ruhigen und besinnlichen Start in den Tag empfiehlt sich eine Bibelarbeit. Die Rabbinerin Gesa Ederberg und Prof. Angela Rinn, Theologin, befassten sich dialogisch mit dem alttestamentlichen Text aus dem Buch Hiob, Kapitel 2, 7-13.[1] Passend zum Motto des diesjährigen Kirchentages „Was für ein Vertrauen“ wurde gemeinsam über den gleichnamigen leidgeplagten Mann nachgedacht, der trotz allem immer noch an Gott festhält: So erfuhr der Zuhörer unter anderem, dass Hiob zeigt, wie leicht Menschen in Not beginnen, Gott falsch zu verstehen – statt die Ursache für Leid auf direktem Weg in der Welt zu suchen und Leid selber zu bekämpfen. Die jüdische Gemeinde, die über Jahrhunderte Schicksalsschläge erfahren musste, dürfe nicht demütig stillhalten und alles über sich ergehen lassen: Auch wenn es natürlich legitim sei, Gott im Leid anzurufen, gelte es, irdische Ursachen zu erkennen, diesen entgegenzuwirken und zu handeln und Leid damit einen Sinn zu geben.

Allerdings hätte man dem Gelegenheits-Kirchgänger und Nicht-Theologiestudenten fairerweise nebenbei einen Einblick in jüdische Kultur, Geschichte und Auslegungspraxis geben können. Denn was der Zuhörer nicht erfuhr: neben der vorgestellten mag es womöglich Tausende andere Auslegungen der Textpassage geben, denn „die“ jüdische Auslegung gibt es nicht. Die Verse boten daher Gelegenheit, zu zeigen, wie eine jüdische Wahrnehmung aussehen kann – aber repräsentativ war sie nicht.

Zentrum “Juden und Christen”: Veranstaltungsbeispiele am Donnerstag.

Israel – mehr als Konflikte und Raketen

Wer wollte, blieb einfach sitzen und nahm am nun folgenden Podium teil. Unter dem Titel „Komplexe Wirklichkeit. Andere Geschichten aus Israel“ befassten sich Experten in 15-minütigen Impulsen mit der Vielfalt der israelischen Gesellschaft. Ziel war es, die Wirklichkeit abzubilden, auch wenn dies nicht gerade medienwirksam sei. So stellte man fest, dass in den deutschen Medien eine einseitige Perspektive entworfen werde, die vor allem militärische Reaktionen betont – und damit viele Identitätsmerkmale und Facetten des Landes ausgeklammert würden.

In dieser Veranstaltung ging man dazu nicht weiter kritisch in die Tiefe, sondern überließ Prof. Johannes Becke das Wort. Becke ist Politikwissenschaftler an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg. Diese Hochschule ist insofern eine Besonderheit, als dass jüdische Studien an den deutschen Universitäten meist Teil der Nahost-Studien sind, aber kein eigenständiges Kompetenzzentrum bilden. Becke bot einen Einblick in die demografisch-soziologische Zusammensetzung der israelischen Bevölkerung und zeigte, dass eine vereinfachende Reduzierung auf die beiden Gruppen „jüdische Israelis“ und „muslimische Araber“ keinesfalls legitim sein kann.

So gebe es Samaritaner, die sich als Teil des Volkes Israel verstehen, aber keine Juden sind. So gebe es Drusen, die als Nichtjuden loyal in der Armee des jüdischen Staates dienen. So gebe es die ethnische Minderheit der Tscherkessen, die ethno-religiöse Minderheit der Aramäer und eine Minderheit auf Zeit, die Gastarbeiter, die häufig aus Afrika kommen. Dass diese Gruppen selten bis kaum in den Medien abgebildet werden, könne daran liegen, dass es schon bei der Frage nach der Selbstidentität eines Israeli schwierig wird, der einer der beiden größten Bevölkerungsgruppen angehört – den Juden und Moslems. Ob man von Israelis, von Arabern in Israel, von arabischen Israelis oder israelischen Arabern spricht, ist oft nur individuell zu beantworten.

Hier wurde die Verquickung von Religion und Staat bereits angeschnitten. Yaron Engelmayer, Rabbiner in Karmiel/Israel, und Micha Staszewski, Politologe in Tel Aviv, vertieften die Thematik weiter. Aktuell könne man am Scheitern einer möglichen Regierungskoalition bestens erkennen, dass religiöse Fragen den Staat durchdringen, auch wenn Staat und Religion offiziell voneinander getrennt sind. Denn die Parteien konnten sich über den Eintritt einer religiösen Minderheit – den Drusen – in die israelische Armee nicht einig werden. In Deutschland undenkbar! Besonders die strenge Feiertagsruhe, das viergliedrige israelische Bildungssystem und die Befugnisse des Standesamtes beeinflussen die Zivilgesellschaft. So fassen es einige Israelis als Bevormundung auf, dass „Mischehen“ zwischen Juden und Muslimen oder Christen im Ausland, zum Beispiel auf Zypern geschlossen werden müssen – denn es gibt nur religiöse, keine zivilen Hochzeiten in Israel! Dabei könne es auch durchaus vorkommen, dass jemand jüdisch aufwächst und dann, kurz vor seiner Hochzeit aufgrund der standesamtlichen Dokumentation erfährt, dass er eigentlich gar kein Jude ist.

Bei allen möglicherweise befremdlichen Eigenheiten im modernen Israel weist Staszewski auf eine wichtige Begebenheit hin: Israel ist der einzige jüdische Nationalstaat auf der ganzen Welt. Gerade deswegen sei er zu beschützen. Wenn es in technischen Fragen, zum Beispiel wer Jude ist und wer nicht, streng zugehe, müsse man dies im Gesamtkontext betrachten und dürfe es nicht als Diskriminierung verstehen. Letztendlich gehe es darum, eine Balance zu finden zwischen freiheitlich-demokratischen Gütern – also gleiche Chancen und Recht für alle – und religiösen Zäunen zur Bewahrung des Jüdischen. Denn Israel sei genau genommen kein jüdischer Staat, sondern ein jüdisch-demokratischer. Das gelte es nicht zu vergessen.

Das Fazit zu diesem Block des Podiums: Religion ist fester Teil des Alltags der Israelis. In Deutschland weiß man selten, welcher Konfession der Nachbar angehört und interessiert sich in der Regel auch nicht dafür. In Israel dagegen weiß jeder darüber Bescheid, wer was glaubt. Man kennt alle Label und Facetten der Religiosität. So regten die Redner dazu an, einmal als Deutscher darüber nachzudenken, wie wichtig Religion für unseren Staat sein kann und sein sollte.

Der nächste Impuls kam von Jonathan Elkhoury, Minderheitenkoordinator Reservists on Duty, Israel. Elkhoury kam als libanesischer Flüchtling nach Israel. Er warb dafür, seine positive Integrationsgeschichte nicht als Ausnahme zu betrachten, sondern Menschen wie ihm mehr Raum zu geben. Da die israelische Armee so etwas wie ein Schmelztiegel aller im Land lebenden Bevölkerungsgruppen sei, könne man hier sehr gut beobachten, dass ein Zusammenleben gut funktionieren kann. Elkhoury betonte die Wichtigkeit dieser Institution, da Gemeinsamkeiten für die Identitätsbildung von Staatbürgern eine große Rolle spielen. Allerdings: „To do everything that is in a person‘s power to make society better is more important than how you identify yourself.“ Mit diesem Satz zeigte er, dass es das eigene, konkret sichtbare Engagement ist, das die Gesellschaft prägt – dann erst kommen abstraktere Fragen der Selbstzuordnung.

Damit bot das Podium eine gelungene Zusammenstellung von Aspekten zur israelischen Gesellschaft, die in der Tat nicht in der deutschen Berichterstattung zu finden sind – obwohl in den Medien nahezu täglich von Israel die Rede ist.

Antisemitismus – mitten unter uns

Im Dortmunder Opernhaus fand eine Veranstaltung zum Thema Antisemtismus statt…

Ein Deutscher, der sich mit dem Judentum und Israel auseinandersetzt, darf die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und dem Antisemitismus nicht scheuen. Denn die Frage im Titel einer weiteren Veranstaltung auf dem Kirchentag „Hört das denn nie auf?! Antisemitismus in Deutschland“ muss leider mit „Nein, es hört nie auf“ beantwortet werden.

So stellte Dr. Klaus Holz, Generalsekretär der Ev. Akademien in Deutschland, in der Anmoderation fest, dass äußere Gewalttaten nur die Spitze des Eisberges sind. Was darunter ist, ist statistisch natürlich nur schwer zu erfassen. Doch genau dieser Schwierigkeit stellt sich das Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin unter Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum. Die Tatsache, dass es die einzige Einrichtung im Land ist, die sich wissenschaftlich ausschließlich mit dem Thema Antisemitismus auseinandersetzt, ist bezeichnend. So gebe es zwar fast jede Woche eine neue Statistik unterschiedlichster Herkunft, die über Antisemitismus in der Bevölkerung informieren will – aber fundiertes Wissen existiere nicht. Keiner dürfe behaupten, dass wir das Phänomen im Griff haben oder gar bannen könnten. Schüler-Springorum weist auf die Tatsache hin, dass fast die Hälfte aller antisemitischen Straftaten keinem „Lager“ zuzuordnen ist – die Täter lassen sich nicht einfach kategorisieren. Daran zeigt sich: Antisemitismus geistert mitten unter uns. Ihr Rat: Man müsse bei der Bekämpfung vielmehr die Mitte der Gesellschaft in den Blick nehmen, statt sich nur auf Randgruppen zu fokussieren.

Dem stimmte auch Ralf Meister, Landesbischof von Hannover, zu. Er sehe in der Kirchenleitung keinen Anlass zur Sorge und fragt sich, warum vorbildliche Haltungen nicht in die Gemeinden durchdringen. Könne die Gesellschaft sich überhaupt von einem so tief verwurzelten Feindbild trennen und wenn ja, womit wird diese Lücke dann mutmaßlich gefüllt? Offen bleibt, warum Meister eine solche Lernfähigkeit unter seinen Kollegen zu beobachten vermeint und dem normalen Gemeindemitglied diesen Sprung nicht zutraut. Man darf vermuten, dass der Landesbischof eher zu selbstsicher ist und verkennt, dass Antisemitismus immer und überall eine ernstzunehmende Bedrohung darstellt – und sogar in der Kirchenleitung auftauchen kann, auch wenn es aktuell zumindest keine sichtbaren Zeichen dafür gibt.

… aber viele Plätze blieben leer.

So fasste Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, treffend zusammen: Viele Juden spüren im Alltag nichts von einer Bedrohung durch Antisemitismus – Gott sei Dank. Aber das sei kein Anlass zur Entspannung. Sonst müsste Schuster sagen: „Macht euch nicht nur Gedanken darüber, wo die gepackten Koffer stehen, sondern ob diese auch funktionsfähig sind.“ Dies gilt es unbedingt zu verhindern, auch wenn allen Anwesenden klar war, dass es kein Patentrezept dafür gibt. Antisemitismus auszulöschen ist kein realistisches Ziel. Aber Zivilcourage und positive Gefühle zur Demokratie verstärken können gute Ansätze sein, Ressentiments zu begegnen – nicht nur Antisemitismus.

Insgesamt einen Besuch wert!

„Wir sind manchmal vielleicht nicht die besten Botschafter, aber wir haben die beste Botschaft!”[2] Dieser Satz stammt vom EKD-Vorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm. Wer bewusst suchte, konnte durchaus wertvolle Impulse zu religiösen Themen und zum Leben als Christen in einer modernen Gesellschaft finden. Vieles war gut auf dem Evangelischen Kirchentag 2019. Das gilt vor allem für den jüdisch-christlichen Dialog, der von der Evangelischen Kirche sensibel, aber in Klarheit angegangen wurde – wie die vorgestellten Veranstaltungen zeigten.

Dennoch muss gefragt werden, wieso beispielsweise messianisch-jüdischen Gruppierungen nicht aktiv auftreten durften. Und wieso wurde nicht deutlicher gegen vielfältige BDS-Trends Position bezogen, die regelmäßig zum politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Boykott von Israel aufrufen? Auf dem Evangelischen Kirchentag war kaum ein Thema oder eine Meinung tabu – diese beiden hätten ebenfalls einen Platz verdient.

AEdler

[1] Hier zum Nachlesen: https://dxz7zkp528hul.cloudfront.net/production/htdocs/fileadmin/dateien/zzz_NEUER_BAUM/Service/Downloads/Publikationen/DEKT37_Exegetische_Skizzen.pdf [2] https://twitter.com/jesusde?ref_src=twsrc%5Egoogle%7Ctwcamp%5Eserp%7Ctwgr%5Eauthor

Israel einst und jetzt

Mehr als Standardwissen: Wer Israel besser kennenlernen möchte, sollte unbedingt am 06. April beim FTHkolleg „Israel einst und jetzt“ dabei sein! Referent Dr. Berthold Schwarz macht eine verantwortungsbewusste Israel-Lehre verständlich: Warum ist die sogenannte Ersatztheologie falsch? Wie kann Römer 9-11 Orientierung übers Israels Zukunft geben? Warum irrte Martin Luther im Blick auf die Juden? Darüber hinaus gibt es tiefe Einblicke in die Geschichte des „Heiligen Landes“. Anmeldung bis zum 23. März 59Eur, danach 69Eur. Mehr unter https://www.fthgiessen.de/willkommen/fthkolleg/

Herzliche Einladung zum FTHkolleg!

“Juden brauchen Jesus nicht … und andere Irrtümer. Betrachtungen eines messianisch-gläubigen Juden”, so lautet der Titel einer Neuerscheinung auf der Feder Avi Snyders. Aufgewachsen in einer konservativen jüdischen Familie in New York, fand Snyder 1977 zum Glauben an Jesus Christus als Messias. Seitdem engagiert er sich in den USA und ganz Europa für die missionarische Organisation “Juden für Jesus”. Somit bietet das Buch einen spannenden Einblick in Glauben und Motivation messianischer Juden!

 

“Der auch in mir gelegentlich aufsteigenden Befürchtung, wir als Deutsche und nichtjüdische Christen könnten das Evangelium nicht glaubwürdig mit Juden teilen, begegnet Avi Snyder mit der entwaffnenden Einladung zu einer Partnerschaft: Am besten sei es, wenn messianische Juden und nichtjüdische Christen einander ergänzen, wenn sie jüdische Menschen mit Jesus bekannt machen! Ein unbedingt lesenswertes Büchlein!” – (Axel Nehlsen, Evangelischer Pfarrer im Ruhestand, zuletzt bis 2016 Geschäftsführer des christlichen Netzwerks Gemeinsam für Berlin)

“Avi Snyder liefert in seinem Buch ein durchdachtes, leidenschaftliches und biblisch begründetes Plädoyer des Evangeliums für Juden. Seine inspirierende Begeisterung für Jeschua und tiefe Liebe zu Juden, sein Eifer für die Errettung des jüdischen Volkes, unterstützt durch viele relevante Bibelstellen und reife, persönliche Erfahrungen des Autors, machen das Buch zu einer motivierenden Lektüre für den interessierten Leser und zu einer echten Herausforderung für Andersdenkende. Absolut empfehlenswert!” – (Wladimir Pikman, Leiter von Beit Sar Shalom Evangeliumsdienst e.V. und Rabbiner der Berliner jüdisch-messianischen Gemeinde)

Cover

“Das Buch ist ein „Muss“ für alle, die an Jesus Christus glauben. Ich bete und hoffe, dass viele Leser dieser Schrift sich bewegen lassen, regelmäßig für Gottes Volk zu beten, Menschen jüdischen Glaubens die gute Botschaft vom jüdischen Jeschua zu bezeugen und sich für die Anliegen der Evangelisation unter dem jüdischen Volk einzusetzen.” – (Dr. Dietrich Kuhl, Ehemaliger Internationaler Direktor von WEC International)

“Sein Herz schlägt für Evangelisation unter Juden, denn seine Vision von Gottes Strategie ist klar: „Das Evangelium zum jüdischen Volk bringen, damit die Juden das Evangelium in die Welt tragen können. Das ist unsere Berufung. Das ist die Aufgabe, zu der wir Juden auserwählt wurden.“ Ich empfehle allen Christen, sich diesen Argumentationen zu stellen.” – (Elke Werner, Vorstandsmitglied von Lausanne International, Sprecherin bei proChrist, WINGS-Women in God’s Service)

“Die Verkündigung des Evangeliums unter Juden ist DAS Herzensanliegen von Avi Snyder. Dieser Auftrag hat sein Leben für Jahrzehnte fundamental geprägt. Damit ist es auch ein hoch emotionales Thema. Dennoch gelingt es dem Autor, die Gegenargumente seiner Überzeugung ernst zu nehmen und ihnen in großer Sachlichkeit und Klarheit zu begegnen. Grundlage seiner Argumentation ist ein von Vertrauen und Gehorsam geprägtes Verständnis der Heiligen Schrift. Wer diese Lebenseinstellung teilt, wird Gewissheit darüber erlangen, dass der HERR will, dass Sein Evangelium den Juden zuerst verkündet wird. Damit verdient dieses Buch gerade in Deutschland eine grosse Leserschaft und muss in der aktuellen und künftigen Debatte zum Thema Gehör finden. Danke Avi Snyder!” – (Reiner Lorenz, Pastor, Evangel.-Freikirchliche Gemeinde Essen-Altendorf)

“Selten gibt es Veröffentlichungen, bei denen ich sagen könnte: „Darauf hat die Welt gewartet.“ Doch bei Avi Snyders Buch kann ich nicht anders als genau das auszusprechen. Wenn eben dieses Buch „Juden brauchen Jesus nicht … und andere Irrtümer“ nicht jetzt auf Deutsch erscheinen würde, müsste so ein Buch mit diesem Inhalt unbedingt geschrieben und veröffentlicht werden. So ein Buch fehlte bisher. Deshalb, danke, Avi.”- (Pfr. Dr. Berthold Schwarz, Hochschullehrer für Systematische Theologie, FTH Giessen)

“Das Herz Avis schlägt für die Menschen, die den Messias noch nicht gefunden haben – seien es Juden oder Nichtjuden. Mögen wir beim Lesen dieses Buches diesen Herzschlag spüren und unser Leben davon berühren lassen.” – (Klaus-Dieter Passon, Pastor der Jesus-Haus-Gemeinde in Düsseldorf und Vorstand von Juden für Jesus e.V. in Deutschland)

“Avi Snyders Buch wendet sich nicht nur an theologisch geschulte Leser. Es ist eine leicht verständliche Hilfestellung für alle Nachfolger Jesu – Juden und Nichtjuden gleichermassen -, welchen die Balance zwischen Liebe und biblischer Wahrheit ein Herzensanliegen ist. Darum wünsche ich diesem Buch eine weite Verbreitung.” – (Martin Rösch, Theologischer Leiter der Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel (amzi))

(Erschienen bei CV Dillenburg, 13 Eur)

Gute und kontrovers-theologische Impulse aus Berlin

Während zur gleichen Zeit an der FTH die Israelwoche durchgeführt wurde, besuchten wir den dritten Israel-Gemeinde-Kongress in Berlin, welcher vom 8. bis zum 10. November statt-fand. Der Veranstalter war das Christliche Forum für Israel (CFFI) Deutschland. Durch die Vorträge der Konferenz sollten besonders zwei prägnante Fragen beantwortet werden: „Was bedeutet es für Christen, dass Israel und die Gemeinde Gottes Licht in die Welt reflektieren sollen und welche Konsequenzen zieht das nach sich?“. Zur Klärung dieser breit gefächerten Fragen wurden die verschiedensten Redner zum Kongress geladen. Darunter waren bei-spielsweise der Theologe und Journalist Johannes Gerloff, der Knessetabgeordnete Yehuda Glick und der Leiter eines Lehr- und Missionsdienstes in Israel Peter Tsukahira.

Am ersten Tag wurde nachmittags zunächst mit viel Lobpreis begonnen und einem Grußwort von Gottfried Bühler, welcher der Leiter von ICEJ Deutschland ist, und von Harald Eckert, dem Leiter von „Christen an der Seite Israels“ in Deutschland. Beide machten direkt auf unmissverständliche Weise deutlich, dass das heutige Israel ein zentraler Teil des Heilsplans Gottes sei und sich durch dessen Staatsgründung im Jahre 1948 und sein Fortbestehen viele Prophetien des Alten Testament erfüllt hätten. Diese Tatsache müssten die Christen verstehen und aus diesem Grund müssten sie mit allen Bestrebungen diesen Staat, diesen Plan Gottes, unterstützen.

Am späten Nachmittag sprach dann nun Yehuda Glick, ein Abgeordneter der Likud-Partei im israelischen Parlament und orthodoxer Rabbiner. Zunächst drückte er seine Freude über die Tatsache aus, dass das heutige Problem für das jüdische Volk lediglich eine „Ein- oder Zwei-Staaten-Lösung“ darstelle und nicht wie vor 75 Jahren die „Endlösung“. Während des Kongresses werde die Liebe für die Juden tausend Mal stärker verkörpert, als der damalige Hass gegen sie. Er merkte an, dass heutzutage ein Problem beim Bibellesen bestehe (aus unserer Perspektive kann er nur das Alte Testament gemeint haben). Der in der Bibel beschriebene Exodus stelle lediglich nur „Peanuts“ dar, im Vergleich zum heutigen Exodus, der Rückkehr der Juden nach fast 2000 Jahren aus der ganzen Welt nach Israel. Solch eine Aussage ist je-doch mit Vorsicht zu genießen, denn sie relativiert die Größe des Exodus in der Bibel und es ist schwer zu beurteilen, ob beide Ereignisse gegeneinander gewichtet werden können.

Zusätzlich merkte er an, dass die Zahl 70 in der Bibel immer über die Beziehung zwischen Juden und Heiden spreche. Somit sei es kein Wunder, dass 70 Jahre nach der Staatsgründung Israels die Welt beginne, Jerusalem als die Hauptstadt des jüdischen Staates anzuerkennen. Mit „der Welt“ kann er neben den USA nur noch einige wenige andere Staaten gemeint haben. Zudem hatte Russland bereits im Jahr 2017 West-Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt. Jerusalem sei der „Heilige Palast“ Gottes, es sei somit nichts Politisches, sondern eher offensichtlich, dass die Welt diese Stadt, als das Zentrum Israels anerkenne. Gott habe gesagt, dass auf dem Tempelberg immer seine Gegenwart sein werde.

Den heutigen Tourismus nach Jerusalem bezeichnete er als die Erfüllung von Jesaja 2,2-3, und Jerusalem gehöre nicht lediglich einer Person oder einer Religion, sondern dem Gott aller Nationen. Gott sei nicht exklusiv, sondern inklusiv, und er beinhalte alles (an dieser Stelle verzichten wir darauf dies theologisch zu kommentieren). Als etwas ebenfalls Besonderes betrachtete er die „Tatsache“, dass Netanjahu heutzutage das einzige Staatsoberhaut der Welt sei, welcher mit allen anderen Staatsoberhäuptern sprechen könne, selbst mit den Führern von Saudi Arabien oder dem Oman. Diese Aussage ist bei näherem Hinsehen ungenau oder zu pauschal. Es ist zwar so, dass Netanjahu mit den Oberhäuptern von dem Oman und Saudi-Arabien Gespräche führen kann, jedoch nicht mit Assad in Syrien oder beispielsweise den Führern der islamischen Republik Iran und vielen anderen arabischen Staaten. Zugleich führte er an, dass der israelische Präsident der Einzige auf der Welt sei, welcher gleichzeitig mit dem russischen Präsidenten und dem amerikanischen Präsidenten sprechen könne und diese treffen könne. Auch das ist nicht ganz richtig. Beispielsweise pflegen der türkische Präsident Erdogan oder der chinesische Präsident Xi Jinping ebenfalls regelmäßige Beziehungen mit Washington D. C und Moskau. Im Vortrag erzählte er immer wieder über den Anschlag, welcher vor etwa vier Jahren in Jerusalem auf ihn verübt wurde.

Yehuda Glick schloss seinen Vortrag damit, dass er den Kongress als einen Beweis betrachte, dass Gott ein Gott der Harmonie sei, wenn Juden und Heiden 80 Jahre nach der Reichskristallnacht in Berlin zusammen kommen könnten, um Gott zu loben.

Am Abend sprach Peter Tsukahira. Er ist ein japanisch-stämmiger US-Amerikaner, welcher seit sehr langer Zeit in Israel lebt und dort der Gründer und Leiter des Missionswerkes „Or HaCarmel Ministry Center“ ist. Der Titel seines Vortrags war „Gottes Tsunami – Prinzipien der Ausbreitung des Reiches Gottes“. Was diese Begrifflichkeit mit dem Inhalt seiner Rede zu tun hatte, war nach seinem Vortrag nicht ganz ersichtlich, hatte es wohl mit einem von ihm verfassten Buch zu tun.

Er sei oft in Asien auf Reisen. Dort wüssten die Christen wenig von der Substitutionslehre und dies sei auch gut so. Zu tun habe das aber damit, dass sie leider zu wenig Kenntnis über die Kirchengeschichte besäßen. Hauptsächlich sei er in Israel tätig. Dort würden die offiziellen Führungskräfte des Landes immer wieder hervorheben, dass evangelikale Christen die größten Unterstützer Israels seien. Tsukahira meinte, dass dabei Jesus für die Evangelikalen nie ein ungewollter Gast sein dürfte. Diesbezüglich dürften sie nicht einfach nur an der Seite Israels stehen, sondern insbesondere an der Seite des Messias. Das ist wahrscheinlich nicht als eine Kritik an einem ‚Israelfanatismus‘ unter Christen zu verstehen, sondern lediglich als ein „Aufmerksammachen“ im Hinblick auf die jüdisch-messianische Identität Jesu.

Er sprach ebenfalls über die Kontextualisierung des Evangeliums. Diese sei notwendig gewesen, als das Evangelium aus Israel hinaus an die Nationen ging. Nun jedoch komme das Evangelium wieder nach Israel wieder zurück und das in seiner ‚ursprünglichen‘ Form. Das ‚originale‘ Evangelium komme zum Vorschein, wenn es für Juden kontextualisiert wird. Diese Aussage ist ein wenig widersprüchlich und sollte mit Vorsicht betrachtet werden. Es stimmt zwar, dass in der Mission immer auf irgendeine Weise das Evangelium kontextualisiert wird. Wenn jedoch von einer originalen Form des Evangeliums im Judentum gesprochen wird und davon, dass es nicht mehr seine Grundform besitzt, wenn es unter den Nationen verkündigt wird, dann werden theologische Weichen gestellt, die nicht der Intention der neutestamentlichen Schriften entsprechen dürften. Denn es gibt nur ein einziges, wahres und originales Evangelium. Dieses Evangelium gilt im gleichen Maße für die Juden, als auch für alle anderen Völker. Qualitativ und inhaltlich darf und kann nicht zwischen zwei Varianten unterschieden werden. Die Größe dieser einen Heilsbotschaft Gottes ist doch vor allem diese, dass sie nicht nur den Juden gilt, sondern allen Menschen, aus allen Nationen und dies im gleichen Maße.

Tsukahira sprach weiter darüber, dass das Reich Gottes nicht erst mit Jesus im NT anfange. Es beginne nicht erst im Matthäusevangelium in Kapitel 4, sondern es beginne mit dem Volk Israel. Das Reich Gottes habe seinen Anfang gefunden, als das Volk Israel aus Abraham er-schaffen wurde. Diese These allerdings gilt theologisch als weithin umstritten oder sogar als Irrtum bzw. als eine unscharfe Verwendung dessen, was denn – je nach biblischem Kontext – „Reich Gottes“ sein soll. In der Kirchengeschichte sei das Reich Gottes entweder „vergeistlicht“ oder auf religiöse Motive minimiert worden. Das Paradigma für das Reich Gottes sei jedoch Israel. Dabei meint Tsukahira aber nicht einfach nur ein geistliches Israel, sondern die Nation und das jüdische Volk auf der Erde.

Eine ähnliche Ansichtsweise vertrat Johannes Gerloff in seinem Vortrag am 10. November. Wie diese Ansichtsweise aber mit dem Kapitel Neun aus dem Hebräerbrief zusammenpasst ist fraglich. Die theologische Begründung blieb in beiden Fällen oberflächlich und nicht wirklich überzeugend. In der gesamten Kirchengeschichte hätten die Kirchenväter und die Reformatoren diese Tatsache nicht begriffen, nämlich, dass nicht die Kirche das Reich Gottes sei, sondern die Nation und das Volk Israel. Mit der Staatsgründung Israels vor 70 Jahre sei das Reich Gottes auf der Erde wieder vorhanden. Diese Tatsache sei größer als die Reformation und sie müsse die heutige Kirche verändern.

Es ist theologisch anstößig, dass das Reich Gottes lediglich auf den irdischen Staat Israel reduziert werde und somit wohl annähernd 2000 Jahre auf der Erde nicht vorhanden gewesen sei. Solche Thesen sind von der Bibel her exegetisch und theologisch schlichtweg nicht halt-bar. Darin überzeugten die Beiträge nicht.

Am zweiten Tag des Kongresses wurden mehrere Organisation vorgestellt, welche Juden in Israel selbst oder in anderen Teilen der Erde unterstützen oder zum Ziel haben, ihnen das Evangelium Jesu zu bezeugen. Stephan Lehnert, ein Leiter von ICEJ-Deutschland, sprach über Zusammenhänge der heutigen Alija-Bewegung (Rückkehr der Juden nach Israel). Es wurde erneut unterstrichen, dass Gott eine große Liebe zu Israel habe und dass das, was heute passiere, größer sei, als der Exodus des jüdischen Volkes aus Ägypten. Der Sprecher wollte klar stellen, dass die Worte aus Jesaja 11:11,12 und Hesekiel 28:25,26 nicht bereits mit der Rück-kehr des jüdischen Volkes aus der babylonischen Gefangenschaft erfüllt worden seien. Er fügte weitere Stellen an, welche die heutige Alija-Rückkehrbewegung vorhersagen würden, wie zum Beispiel Jeremia 23:7,8 und Jesaja 60:4,5. Das Ermutigende daran sei, dass wir als Christen heutzutage darüber nicht nur staunen dürften, sondern wir auch aktiv, beispielsweise durch praktische finanzielle Unterstützung für die zurückkehrenden Juden, daran beteiligt sein könnten. Auch im Neuen Testament könne von einer Unterstützung der Christen für die Juden gelesen werden, wie beispielsweise 2. Korinther 8:9 eine Geldsammlung für Juden in Jerusalem beschreiben soll. Auf gleiche Weise stünden die heutigen Christen auf der ganzen Welt in der Pflicht, Gottes Plan der Rückführung der Juden nach Israel zu unterstützen. Die These ist allerdings nicht wirklich überzeugend, ja, sogar insgesamt theologisch fragwürdig, da ihr der sachgerechte exegetische Unterbau zur Begründung fehlt.

Es wurden während des Kongresses christliche Dienste vorgestellt, welche verarmte Holocaust-Überlebende im Ausland unterstützen. Juden würden zudem auch mithilfe der ‚Jewish Agency‘ nach Israel gebracht werden. Dort werde von einigen Organisationen Integrationsunterstützung betrieben, denn die Integration sei nach der Alija-Rückführung eine der größten Schwierigkeiten für die in Israel fremden Juden. Dabei definiere der israelische Staat die Integration mit den folgenden drei Parameter: Sprache, kulturelle Zugehörigkeit und Arbeitsplatzperspektive.

Am Abend des 9. Novembers wurde ein öffentlicher Gedenkabend zu dem Anlass ‚80 Jahre Reichspogromnacht‘ veranstaltet, wozu einige Holocaustüberlebende eingeladen wurden. Dieser Abend wurde andächtig gestaltet. Er kann mit Recht als ein Höhepunkt der Konferenz bezeichnet werden. Siegbert Aron und Franz Michalski, zwei Holocaustüberlebende, wurden über den Abend hinweg näher zu ihrem Leben interviewt. Den Zuhörern bot sich ein äußerst wertvoller Einblick in ihr Leben. Insbesondere ihre Kindheitserinnerungen an die Zeit des Dritten Reichs waren eindrücklich. Ihre Erzählungen vergegenwärtigten die schreckliche Realität des damaligen Judenhasses und die daraus resultierende Judenverfolgung unter den anwesenden Gästen. Franz Michalski wurde mit seiner gesamten Familie während des Holocausts von verschiedenen deutschen Bürgern versteckt, und alle Angehörigen seines engeren Familienkreises konnten auf diese Weise überleben. Siegbert Aron und sein Vater wollten zunächst in die USA flüchten. Dort wurde jedoch der Asylantrag abgelehnt mit der Begründung, der Vater sei ein polnischer Bürger und es seien bereits genügend Polen in diesem Jahr in die Vereinigten Staaten emigriert. Dass der Vater jedoch kein Wort polnisch sprach, blieb damals unberücksichtigt. Alsdann flüchteten sie nach China, in die Stadt Shanghai. Nachdem der Krieg vorüber war, lebte er eine kurze Zeit in den USA, und bevor der jüdische Staat ausgerufen wurde, zog es ihn nach Israel. Dort musste er unmittelbar in der israelischen Luftwaffe dienen, als 1948 der israelische Unabhängigkeitskrieg ausbrach.

Die Erzählungen aus den Leben dieser beiden Zeitzeugen waren äußerst erschütternd und zugleich auch aufrüttelnd. Das Plädoyer bleibt: Nie wieder! Heutzutage muss deshalb jeglicher Form von Antisemitismus entschieden entgegen getreten und auf das Schärfste verurteilt werden. Angesichts dieser Berichte und antisemitischer Vorkommnissen, auch über die deutschen Grenzen hinaus, ist es nicht verwunderlich, dass Juden aus der ganzen Welt nach Israel emigrieren mussten und sie das noch immer tun. Für Juden gab es während der Zeit des Dritten Reiches kaum sichere Zufluchtsorte, geschweige denn ein eigenes sicheres Land. Daher ist es unser aller Pflicht keine Formen von Judenhass in unserem Land und auch anderswo zu dulden, sowie eine sich nach Israel (als Heimat) sehnende Haltung von Juden vorbehaltlos anzuerkennen. Es mag nicht alles im Verhalten und Reagieren des israelischen Staates vorbildlich sein, allerdings ist der „Judenstaat Israel“ auch ein Ergebnis jahrhundert-langer Verfolgungen (Pogrome) von Juden auf der ganzen Welt und besonders in Russland, Polen und in Deutschland. Diese Tatsache darf bei den Diskussionen nicht übersehen werden.

Am 10. November, dem letzten Tag der Konferenz, hielt unter anderem Johannes Gerloff einen Vortrag mit dem Titel „Das Reich für Israel – Bibelarbeit zu Apg. 1:6-8“. In der vorliegenden Bibelstelle (Apg. 1:6-8) wurde Jesus von den Jüngern gefragt, ob Jesus in dieser Zeit das Reich für Israel wieder aufrichte. Calvin habe diese Stelle mit den Worten kommentiert, dass in der Frage der Jünger mehr Irrtümer vorhanden seien, als Worte. Laut Gerloff habe Calvin mit diesem Kommentar die Worte Jesu verunehrt. Dies begründete er damit, dass Calvin mit seiner Aussage behaupten würde, dass Jesus Menschen ausgewählt habe, die keine Ahnung über den wahren Zustands Israels gehabt hätten. Das jedoch sei nicht vorstellbar, so Gerloff. Er erläuterte, was diese Frage zur Zeit der Jünger bedeutet habe. Zur Klärung konzentrierte er sich auf das griechische Wort „ἀποκαθιστάνεις“, welches an dieser Stelle „wiederherstellen“ bedeute. Es sei dasselbe Wort, welches Petrus in Apg. 3,21 benutze. In den Bibelstellen Jer. 16:15,16 / 23:8 / 24:6 würde dieser Begriff ebenfalls auftauchen. Bei diesem Wort handele es sich um einen sogenannten „Terminus technicus“, welcher die „Wiedereinführung des jüdischen Volkes in das jüdische Land“ beschreibe. Daher sei es im ersten Kapitel der Apostelgeschichte ein für die Jünger bekannter Kontext gewesen. Solch eine „Blindheit“ für die Tatsache der Wiederherstellung Israels, so Gerloff, ziehe sich durch die gesamte Kirchengeschichte hindurch, und auch alle Reformatoren hätten sie vertreten.

Im Matthäusevangelium verbiete Jesus die Heidenmission, und Gerloff stellte klar, dass Jesus nur der König von Israel sei und nicht die so wörtlich: „Problemmutter der gesamten Welt“. Jesus sei zunächst nur der König Israels. Auf die Frage, weshalb er die Jünger beauftragte, hinaus in die Welt zu gehen, antwortete der Redner, dass die Jünger zunächst nicht wissen sollten, was mit Israel sei, sondern zuerst den Nationen das Evangelium verkündigen mussten. Gott habe ihnen, den Juden, die Augen und Ohren verschlossen. Dies sei der Grund weshalb Paulus während seiner Mission immer zunächst mit den Juden geredet habe, und nachdem diese das Evangelium abgelehnt hätten, er dann erst zu den Heiden gegangen sei.

In Jesaja 49:1-6 werde darüber gesprochen, dass Israel, das jüdische Volk, nicht gesammelt werde. Es sei eine inkorrekte Übersetzung, dass dort in den heutigen Übersetzungen stehe, dass Israel zu Gott hin gesammelt werde. Diese Sammlung geschehe nämlich zunächst nicht, damit die anderen Nationen Gottes Heilsbotschaft glauben könnten. Wenn wir diese Stelle heutzutage nicht korrekt übersetzen würden, nämlich dass Israel zunächst nicht gesammelt werde, dann verstünden wir das Kreuz nicht. Als weitere Begründung zog Gerloff Römer 11:11 heran. Dies sei der Grund, weshalb Jesus im ersten Kapitel der Apostelgeschichte den Jüngern antwortete, dass es in diesem Moment nicht an der Zeit sei, zu wissen, wann Gott Israel wieder aufrichte, sondern dass zunächst den Heiden das Evangelium verkündigt wer-den müsse.

Gerloff schloss damit ab, dass Jesus im Lukasevangelium 19:41-44 tatsächlich darüber weinen würde, dass die Kirche über die Juden in ihrer gesamten Geschichte spotten werde. Ebenfalls behauptete er, dass die Bibel keine platte Dogmatik hergebe, so wie es die Mehrheit der Kirche glaube und dass wir Christen nicht zum Vorrausschauen und zum Sinnen über Dogmatik berufen seien, sondern zur Nachfolge.

Die heutige Theologie erkläre ebenfalls die Verbindung zwischen dem Land und dem Volk Gottes als unbedeutend. Diese Theologien würden dadurch den Namen Gottes entehren. Wieso das so sein soll, wurde nicht stichhaltig begründet. Das Referat wurde mit den Worten geschlossen, dass nun endlich nach etwa zwei-ein-halb Tausend Jahren die meisten Juden auf der Welt wieder in Israel leben würden. In der Zwischenzeit, als das „Volk Gottes“ sich nicht in seinem Land befand, sei Gott entheiligt worden: „Jeder Jude, der nicht im Land Israel wohnt, entheiligt Gott“. Diese Aussage empfand ich als Zuhörer erstaunlich überstürzt, da doch am Abend zuvor zwei Holocaustüberlebende über ihre Schreckenserlebnisse gesprochen haben und diese Überlebenden heute in Deutschland leben, eben nicht in Israel. Mit solchen Worten indirekt zu behaupten, dass diese Holocaustüberlebenden mit ihrer Entscheidung, ein Leben in Deutschland zu führen, Gott entehren würden, ist in meinen Augen als mehr als gewagt zu bezeichnen.

In Berlin-Mitte wurde am letzten Tag der Kongress mit einer öffentlichen Kundgebung gegen Antisemitismus und für ein Israel mit Jerusalem als Hauptstadt abgeschlossen. Nach den antisemitischen Vorkommnissen in Berlin, von welchen in letzter Zeit immer wieder zu hören war, setzte diese Aktion ein wichtiges Zeichen. Dieses Aufmerksam-Machen auf die heutige Israel- und Judenfeindlichkeit war ein sehr positiv zu bewertender Bestandteil des Kongresses. In der heutigen Christenheit scheint eine solch entschiedene Haltung gegen Formen des Anti-Israelismus und Anti-Semitismus in Vergessenheit geraten. Das muss sich ändern.

Leider waren nach meiner Einschätzung nicht alle theologischen Aussagen in den Vorträgen des Kongresses überzeugend oder objektiv nachvollziehbar. Die Bedeutung des Bundesvolkes Israels wie auch die Verknüpfung mit dem Staat Israel bilden für die christliche Theologie besonders wichtige Bausteine. Wenn diese Bausteine jedoch auf der anderen Seite zu sehr überbewertet werden, man sie zum Zentrum der Theologie hochstilisiert, so dass sie beinahe wichtiger erscheinen, als das Evangelium selbst, dann verklärt man die Bedeutung dieser theologischen Bausteine. Dadurch wird das gesamte Bild einer biblisch gegründeten Heilsgeschichte Gottes verzerrt. Dieser Gefahr sollte man sich stets bewusst sein, wenn es darum geht, die Bedeutung Israels wieder weiter in das Blickfeld der heute betriebenen christlichen Theologie zu rücken.

„Christen an der Seite Israels“ feiern 70 Jahre Staatsgründung Israels und das 20-jährige Bestehen ihrer Organisation

Vom 15. bis zum 17. Juni dieses Jahres fand eine Jubiläumskonferenz der Organisation „Christen an der Seite Israels“ in Würzburg auf der Festung Marienberg statt. Gefeiert wurden die 70-jährige Staatsgründung Israels und das 20-jährige Bestehen der eigenen Organisation. Dabei sorgte der oft proklamierte Begriff der „ReformaZION“ für äußerst viel Brisanz, weil dieser die gesamte Konferenz mit der Aussage prägte, dass das heutige Christentum eine neue Reformation benötige. Eine Reformation im Hinblick auf die Israel-Theologie. Diese neue Reformation müsse die Reformation von vor etwa 500 Jahren ergänzen, indem sie das jüdische Volk in das Zentrum des Heilsplans Gottes rücke.

 

Die Konferenz begann zunächst Freitagabends mit einigen Grußworten, einer kurzen Rede und mit viel Musik. Die Willkommensrede wurde von Harald Eckert gehalten, dem Leiter von CSI Deutschland. Darin bekräftigte er, dass Christen nicht nur den Auftrag hätten zuzusehen, wie Gott sein Volk (das jüdische Volk) nach Israel (gemeint ist der heutige Staat Israel) zurückführe, sondern auch an der Seite Israels zu stehen und es zu unterstützen. Diese Unterstützung müsse in den christlichen Gemeinden geschehen, durch offenes Bekenntnis zum Staat Israel. Auch in den Hauskreisen der Gemeinden müsse diese Unterstützung vorhanden sein und gefördert werden. Da in den Medien nicht adäquat über Israel berichtet werde, ständen Christen auch in der Verantwortung aktuelle und korrekte Informationen über Israel weiterzugeben. All dies sei gut begründet und lohnenswert aufgrund der Verheißung Gottes: „Wer Israel segnet, werde auch gesegnet werden.“

An diese Punkte knüpfte der erste Vortrag am folgenden Tag an, welcher ebenfalls von Harald Eckert gehalten wurde. Er begann mit einer Betrachtung von Jeremia 32,40.41, worin der ewige Bund Gottes mit dem Volk Israel beschrieben werde. Hervorzuheben sei dabei die Freude Gottes, dem Volk Israel Gutes zu tun (V. 41). Auch sei die Tatsache, dass er das Volk mit seinem ganzen Herzen und ganzer Seele nach Hause bringe wolle, von enormer Bedeutung. Es sei eine der wenigen Stellen in der Bibel, an der Gott auf solche Weise über Bewegungen seines Herzens spräche.

Fortgefahren wurde anschließend damit, dass die Erfüllung der Prophetie aus Jeremia 31,5 bezüglich der Weinberge in Israel erläutert wurde. Diese Prophetie könne sich nur durch die Staatsgründung des modernen Israels erfüllt haben, da nun auf den Bergen Samariens viele Weinreben angebaut werden. Auch hätte sich diese Prophetie nicht zur damaligen Zeit Esras erfüllen können, weil zu dieser Zeit in der erwähnten Region andere Völker gelebt hätten. Erwähnt wurde auch, dass Gott die Juden nicht erst während und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Jerusalem gebracht habe, sondern dieser Prozess bereits im Jahre 1840 begonnen hätte. In diesem Jahr schrieb der britische Botschafter der Führung des Osmanischen Reiches, dass es unter den europäischen Juden ein Bestreben gäbe nach Palästina zurückzukehren. Diese Rückkehr solle von der osmanischen Führung unterstützt werden.

Es wurde ein Zitat eines katholischen Pfarrers aus dem Jahre 1845 eingebracht, welches lautet: „Wir können Gott nur zeigen, dass wir ihn liebhaben, wenn wir sein Volk lieben.“. Es sei dementsprechend die Aufgabe der Christenheit Israel zu trösten. Diese Unterstützung für Israel wurde mit der Stützung der Hände von Mose verglichen, als das israelitische Volk in 2.Mose 17,12 gegen die Amalekiter kämpfte. So wie seine Hände gestützt wurden für das Gebet und den Segen des Volkes, auf gleiche Weise müssten die Christen Israel unterstützen gegen falsche Berichterstattung und israelfeindlichen Denkweisen.

 

Der zweite Vortrag, gehalten von Tobias Krämer, wurde durch einen äußerst interessanten Flyer unterstützt, welcher prägnant verschiedene Abschnitte der jüdischen Geschichte darstellen sollte. Begonnen wurde zunächst mit einer Definition von Gottes Plan für die Welt. Gott wolle durch das ‚Heilige Land Israel‘ die Welt segnen und ihr aus Israel heraus begegnen. Die historischen Abschnitte trugen Titel wie „Die Anfänge: Von Abraham bis ins gelobte Land“, „Israel als Spielball der Großmächte: Perser, Griechen, Römer“ bis hin zu „Der Weg zur Staatsgründung“ und „Der neue Staate Israel“. Eine „Zeitreise“ von 2000 v. Chr. bis in unser heutiges Jahr 2018.

Währenddessen wurde erneut darauf aufmerksam gemacht, dass der heutige Staat Israel Gottes Projekt sei. Es solle somit niemanden verwundern, dass die Existenz dieses Staates polarisiere und Versuche unternommen würden, ihn zu verhindern. Gott fordere von uns eine Entschiedenheit hinter Israel zu stehen, dabei sollte jedoch auch eine Gelassenheit bewahrt werden und eine Zuversicht, dass Gott seinen Plan vollenden werde.

 

Eine 30-minütige Videobotschaft stellte den dritten Vortrag des Tages dar. Diese wurde von Josias Terschüren gehalten, er ist Direktor für Öffentlichkeitsarbeit der ‚Initiative 27. Januar‘ in Berlin. Thematisch befasste sich das Video-Referat mit den Höhe- und Tiefpunkten der Beziehung zwischen Israel und den Vereinten Nationen (UNO) in den letzten 70 Jahren.

Ein lobenswerter Höhepunkt habe zu Beginn der neuzeitlichen Geschichte des Staates Israel stattgefunden, wenn nicht sogar schon vor der Staatsgründung Israels im November des Jahres 1947. Mit der Resolution 181 habe das jüdische Volk das Recht auf einen eigenen Staat erhalten. Dies sei damals eine indirekte Befürwortung der Vision des Zionismus gewesen. Einen Rückschlag habe jedoch diese Beziehung definitiv mit der Resolution 242 im Jahre 1967 erleiden müssen. Dabei seien in Folge des Sechs-Tage-Kriegs mit sogenannten Parametern umgegangen worden, die den Konflikt lösen sollten. Gebiete, welche von Israel in Folge des Verteidigungskriegs eingenommen worden waren, sollten zurückgegeben werden. Es sei zwar nicht genau definiert worden, welche dieser Gebiete aufgegeben werden müssten, doch es galt unterschwellig das Motto „Land für Frieden“. Dieses Motto – so der Referent in seinem Kommentar zu diesen Ereignissen – spreche klar gegen die biblische Landverheißung an die Juden. Mit anderen Worten hieße das, dass die Juden das aufgeben müssten, was Gott ihnen versprochen habe, um dadurch den politischen Frieden zu erhalten.

Ein absoluter Tiefpunkt der Beziehungen sei ab dem Jahre 1975 erreicht gewesen, in welchem die Resolution 3379 formuliert wurde. Diese erklärte den Zionismus zu einer Form des Rassismus. Erst im Jahre 1991 sei die Erklärung wieder zurückgenommen worden.

Auch die Resolution 2334 im Jahre 2016 habe die Beziehung Israels zur UN stark beschädigt. Sie erkläre alle jüdischen Siedlungen im Westjordanland und auch in Ost-Jerusalem als illegal. Ebenfalls werde behauptet, dass der Tempelberg und die dazugehörige Klagemauer keine historisch-jüdische Verbindung hätten und dadurch auch nicht zum Staat Israel gehören würden. Diese Resolution sei durch den ehemaligen Präsidenten Barack Obama ermöglicht worden, da er dafür gesorgt habe, dass die USA kein Veto einlegten und sich bei der Abstimmung enthielten. Geschlossen wurde der Vortrag mit der Lesung des Psalms 33 und dem Hinweis darauf, dass Gott größer ist, als die Pläne der Völker, die gegen ihn vollzogen werden.

 

Harald Eckert befasste sich im vierten Vortrag mit einer neutestamentlichen Perspektive auf Israel und zog dabei aus dem Matthäus-Evangelium die vier Gleichnisse Jesu aus den Kapiteln 24 und 25 heran. In diesen zwei Kapiteln spreche Jesus in seinem prophetischen Amt am kompaktesten und ausführlichsten.

Zum einen spreche er zu seiner damaligen Generation und sagte ihnen schlimme Dinge voraus. Andererseits spreche er aber auch zu der letzten Generation, für welche all diese endzeitlich-katastrophalen Ereignisse wieder zum Guten gewendet werden würden. Dabei seien wir in unserer heutigen Zeit diese letzte Generation, da wir sehen würden, wie sich für das jüdische Volk vieles zum Guten wende. Ebenfalls sei der Missionsbefehl erfüllt, denn das Evangelium sei bis an die Enden der Erde verkündet worden.

Eine große Gemeinsamkeit der vier Gleichnisse sei, dass sie alle über das Kommen des Messias sprechen würden. Doch jedes Einzelne spreche zusätzlich eine bestimmte Zielgruppe an.

Das Gleichnis vom treuen und untreuen Knecht thematisiere geistliche Leiterschaft. Die Aufgabe von echten christlichen Leitern müsse die Zurüstung der Heiligen sein. Auch müssten sie sich um die Anliegen der Menschen kümmern und nicht nach ihrem eigenen Ruhm streben.

Das zweite Gleichnis von den zehn Jungfrauen versinnbildliche Jesus als Bräutigam. Es gehe darum, ob die Gemeinde das Öl schätze oder nicht, also, ob die Gläubigen bereit seien, einen Preis für die Gegenwart Gottes (vermutlich ist damit der Preis für ein heiliges Leben gemeint, jedoch war dies nicht klar ersichtlich) zu zahlen oder nicht. Ziel sei es somit, in der Gemeinde Raum für den Heiligen Geist zu geben. Harald Eckert sieht in diesem Gleichnis die Aussage, dass es in der letzten Generation der Christenheit eine Scheidung geben werde. Eine Scheidung zwischen Christen, welche das jüdische Volk verachten und jene, die es unterstützen.

Das dritte Gleichnis von den anvertrauten Talenten spreche jeden einzelnen Gläubigen persönlich an. Es behandle das Thema, dass jeder einzelne Christ von Gott mit unterschiedlichen Talenten beschenkt sei. Damit ständen wir in der Pflicht, mit diesen Talenten (Begabungen) Frucht zu bringen.

Als letztes Gleichnis werde die Textstelle in Kapitel 25 ab dem Vers 31 herangezogen. Dieser Auszug spreche von der Parusie Christi und wie er die Nationen richte, wie ein Hirte die Schafe und die Böcke scheidet. Hier gehe es um das Völkergericht, welches auch im Alten Testament oft auftauche. Dabei würden die Nationen danach gerichtet werden, ob sie sich für Israel ausgesprochen haben oder sich dagegen wendeten. Es werde das Verhalten beurteilt, welches sie gegenüber den Juden aufbrachten („meine geringsten Brüder“ = Juden).

 

Der letzte Vortrag wurde erneut von dem Theologen Tobias Krämer gehalten. Dabei ging es um das prägnante Thema ‚Israel in Gemeinde und Theologie‘. Begonnen wurde mit der Tatsache, dass von Luther vor etwa 500 Jahren eine Reformation vom Kreuz her angetrieben worden sei. Diese Reformation hätte jedoch bei allem Guten, was sie hervorgebracht habe, ein Defizit bezüglich des jüdischen Volkes und der Rolle Israels in der Heilsgeschichte. Es werde daher heute eine weitere bedeutende Reformation in der christlichen Theologie und in den Gemeinden benötigt. Sie müsse von der „Wurzel“ des Glaubens her angetrieben sein, nämlich von Israel.

Zunächst wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Bedeutung des Alten Testaments bei den heutigen Christen eine geringere Rolle spiele. Doch die ersten Christen vor etwa 1950 Jahren hätten nur das Alte Testament gelesen und zusätzlich den Glauben an Jesus bezeugt. Ihre Heilige Schrift war somit die der Juden. Es sei auch wichtig, zu betonen, dass Jesus Jude war und als solcher im Judentum lebte mit allen Gebräuchen. Unsere christliche Theologie könne daher ebenfalls nicht ohne jüdische Vorstellungen auskommen, denn beispielsweise seien die Erwartung der Parusie Jesu, sowie der Sühnegedanke vom Kreuz stark alttestamentlich und darum jüdisch geprägt.

Hinzu komme, dass Paulus kein Christ gewesen sei, sondern lediglich ein „Jude mit Mission“. Diese Aussage wurde stark in den Mittelpunkt gerückt. Paulus hätte nicht von einer neuen Religion gesprochen, sondern von einer neuen Zeit. Auch habe er die Thora adäquat unter den Heiden zur Geltung bringen wollen und nicht abschaffen. Als Begründung wurde hierbei Römer 10,4 herangezogen. Die Thora besäße die Aufgabe zu Jesus hin zu führen. Schließlich hätte sich Paulus auch nicht neu bekehrt, sondern er würde nur neu berufen. Laut Tobias Krämer war Paulus bereits bekehrt, denn er hätte als Schriftgelehrter der Juden den Gott Israels gekannt.

Bezüglich des Themas der Erwählung ist gesagt worden, dass Gott sich selbst zum Gott Israels machte, da er sie erwählte. Dies sei der Grund, weshalb die Christen eben an den Gott Israels glauben. Da er der Freund Israels sei, müssten das auch die Christen sein. Gott stehe durch die Erwählung in einem Bund mit Israel und in diesen Bund würden die „Gläubigen aus den Nationen“, also die Christen, lediglich „eingetropft“ werden. Sie hätten nur Anteil an diesem Bund, welcher jedoch zu aller erst den Juden gelte.

Christen ständen auch in besonderer Verantwortung, ihre Beziehung zu den Juden wieder in eine positive Richtung zu lenken, da ein beachtlicher Teil antisemitischer Aggression gegen Juden in der Vergangenheit durch Christen mitverursacht worden sei. Vor allem durch die sogenannte „Ersatztheologie“, die behauptet, dass die Gemeinde den Platz Israels in Gottes Verheißungen eingenommen hätte, habe zum christlichen Antisemitismus in der Geschichte beigetragen. Sie seien somit verpflichtet, Israel zu segnen, zu trösten und auch im Gebet zu unterstützen.

Christen müssten – so Krämer – mit den Juden in Einheit zusammenleben. Diese Wahrheit sei auch in den Gemeinden weiter zu geben und zu lehren. Somit werde heute eine an Israel orientierte reformatorische Theologie benötigt, welche begründet und überzeugend gegen die sogenannte „Ersatztheologie“ sprechen könne. Der Name einer Bewegung von jungen Menschen treffe genau diesen Sinn, die „ReformaZION“ genannt werde. Daher fiel dieser Begriff sehr oft während der Konferenz, nicht nur im Zusammenhang dieser Bewegung.

 

Am letzten Tag der Konferenz, fand ein Gottesdienst statt. Dabei wurde die Predigt von Tobias Krämer gehalten. Er betonte erneut die Erwählung Israels. In den Bibelversen 5. Mose 7,6-8 werde thematisiert, dass Israel nicht durch Eigenleistung erwählt wurde. Die Erwählung werde durch die Liebe Gottes verwirklicht und sie basiere auf Gottes Eid den alttestamentlichen Glaubensvätern gegenüber. Die Erwählung habe somit einerseits einen emotionalen Grund, andererseits würde diese auch auf einem vertraglichen Versprechen basieren.

Es sei für alle Christen wichtig, zu wissen, dass sie an den Gott Israels glauben. Außerdem spreche vor allem Röm. 11,28.29 gegen die Ersatztheologie, und Aufgrund der Erwählung würden die Juden Geliebte Gottes bleiben. Der Vers 29 sage vor allem, dass sich dies nie ändern werde. Die Gemeinde dürfe nur durch Jesus zu diesem Bund hinzukommen. (Bei dieser Formulierung ist doch zu bedenken, ob dann die Juden überhaupt Jesus benötigen.) Laut Tobias Krämer stelle Gott die Gemeinde an die Seite Israels, somit müssten auch die Christen an der Seite Israels stehen. Mit diesem Appell ging die Konferenz ihrem Ende zu.

 

Alle Sprecher der Konferenz machten deutlich auf die Bedeutung des jüdischen Volkes für die christliche Theologie aufmerksam. Es lag ihnen besonders am Herzen, die jüdische Herkunft des christlichen Glaubens aufzuzeigen. Das war sehr erfreulich. Bezüglich der angesprochenen Paulus-Perspektive und einer unkritischen Sicht auf den Staat Israel müsste jedoch weiterdiskutiert werden, da einige Aussagen in den Referaten theologisch nicht überzeugen konnten und eher zusätzliche Ungereimtheiten und Verwirrung aufkommen lassen, statt aufzuklären (z.B. fragwürdige Auslegungen zu Röm. 9-11 (Christen werden nicht „in den Bund mit Israel“ eingepfropft usw.), fragwürdige Anleihen bei der ‚New-Perspective on Paul‘, Erfüllungsbehauptungen biblischer Verheißungen im Blick auf den völkerrechtlich verfassten Staat Israel oder ekklesiologische Konsequenzen des Verhältnisses von „Israel – Gemeinde Jesu“, die von der christlichen Lehre her nicht haltbar sind).

Die reine Existenz des Staates Israel ist selbstverständlich ein Wunder, und Gott hat einen Plan mit dieser Nation. Dessen sollten sich die Christen gewiss bewusst sein. Doch das bedeutet nicht, dass es nicht möglich sein dürfe, diesen Staat in seinen politischen Entscheidungen auch zu kritisieren, wo das sachlich und vernünftig angebracht ist. Es dürfte klar sein, dass auch der Staat Israel und seine politischen Repräsentanten, so wie es in jedem anderen Staat auch ist, nicht alles korrekt ausführt und entscheidet, was auf der vielfältigen politischen Agenda steht. Das muss ebenfalls angesprochen werden und objektiv geschildert werden dürfen.

Eine Rezension

Wer wissen möchte, woran messianische Juden glauben, fragt am besten einen messianischen Juden. So gibt es eine Reihe von Autoren, die Auskunft über Geschichte und Einzelthemen im Bereich der messianisch-jüdischen Bewegung geben, aber nur wenige Werke, die eine Diskussionsgrundlage zu Glaubensaussagen auf akademischem Niveau bieten. „God, Torah, Messiah. The Messianic Jewish Theology of Dr. Louis Goldberg“ gehört zur letzten Gruppe. Da der Autor 2002 verstarb, blieb das Werk unvollständig. Allerdings wurde die Arbeit von Dr. Richard A. Robinson editiert, sodass sie 2009 veröffentlicht werden konnte. In 15 Kapiteln werden verschiedene theologische Bereiche systematisch erfasst, die auch in christlichen Dogmatiken anzutreffen sind:

In den ersten vier Kapiteln setzt Goldberg die Prämissen, unter denen er die Heilige Schrift betrachtet. Die Torah wird dabei zunächst unter jüdischen Voraussetzungen analysiert, aber auch in Beziehung zum Neuen Bund gesetzt. Für den Autor ist die gesamte Heilige Schrift als Einheit zu betrachten und von Gott gegeben, was sich für ihn unter anderem an den erfüllten Prophezeiungen (z.B. Jes 53) ablesen lässt. Deswegen sieht er es problematisch, wenn mündliche Überlieferungen („oral law“) Inhalten der Schrift entgegen stehen. Dann widmet er sich in einem ausführlichen, sieben Hauptabschnitte umfassenden Block dem dreieinigen Gott. Anders als bei Christen üblich, benutzt er um die Dreieinigkeit zu beschreiben stets die Begriffe Gott – Yeshua – Heiliger Geist, nicht Vater – Sohn – Heiliger Geist. Anschließend folgen einzelne Kapitel zur Lehre des Menschen, der Sünde, der Engel und der (messianischen) Gemeinde.

Um Goldbergs Argumentationslinie, die sich durch das gesamte Werk zieht, verständlich zu machen, wird hier ein Kapitelblock beispielhaft aufgerissen: Etwa ein Fünftel des Werkes befasst sich mit der Vorstellung des Messias unter verschiedenen Gesichtspunkten. Ziel ist es, zu zeigen, dass Yeshua der Messias ist und wie er ist.  Dabei stellt Goldberg auch für Christen herausfordernde Fragen über das Wesen Yeshuas und greift scheinbare Widersprüche auf, um sie systematisch zu lösen. Wie kann der Messias zum Beispiel menschlich und göttlich zugleich sein? Zunächst gibt der Autor dazu einen geschichtlich-theologischen Rückblick: Er stellt die Entwicklung des Messiaskonzepts im jüdischen Denken nach dem Exil dar, und zwar in den 400 Jahren zwischen Abschluss des Tanach und dem ersten Jahrhundert nach Christus. Er sieht hier den Trend, dass mit fortschreitender Zeit die persönliche Gottesbeziehung immer mehr in die Ferne rückte. Das jüdische Messiasbild ließ folglich, so Goldberg, keine Mischung aus göttlich und menschlich zu- eine wichtige Beobachtung für den Autor, der als messianischer Jude beide Attribute im Glauben an Yeshua miteinander vereint. Dass aber ausgerechnet Yeshua der Messias ist, musste sich nach Goldberg erstens in seiner Lehre und seinem Zeugnis über sich selbst, und zweitens in seinem Werk zeigen. In diesen beiden Punkten hat Yeshua nach Goldberg genau das gesagt und getan, was über den Messias geschrieben steht. Er lehrte nicht nur den Inhalt der Thora, sondern lebte sie vor. Als Heiler und Herrscher über Naturgewalten könne kein Zweifel mehr über seine göttliche Natur bestehen bleiben.

Dem geht er weiter auf den Grund: Einzelne Aspekte werden aufgegriffen, zum Beispiel „The Preexistence of the Messiah“, „The Names of God Applied to Yeshua“ oder „As Our Advocate and High Priest“. Dazu nennt Goldberg passende Stellen aus dem Neuen Testament und stellt ihnen dann AT-Stellen gegenüber, in denen zu dieser Thematik bereits etwas geschrieben steht. Immer wieder geht er auf bereits von ihm dargestellte Entwicklungen und Strömungen im Judentum ein, die es deren Anhängern seiner Ansicht nach schwer machen, Jesus als den zu sehen, der er für Goldberg ist: der Messias. Vor allem die Targumim, in denen jüdische Gelehrte die Schriften interpretierten, trug nach Goldberg dazu bei, dass Juden keinen göttlichen oder leidenden Messias erwartet hatten. In einem Exempel stellt er in einer Tabelle dar, wie sich Jes 52,13- 53,12 im Targum Jesaja vom „biblischen Text“ unterscheidet. Wenn er zum Beispiel die Entstehung der Targumim erklärt, fügt er auch immer wieder Erkenntnisse aus der alttestamentlichen Forschung ein. Goldbergs messianisch-jüdischem Verständnis seiner in dieser Thematik verwendeten AT-Stellen geht der Schritt voraus, Yeshuas Lehre anzuhören, seine Gleichnisse und Auslegungen. Erst dann könnten jene alttestamtlichen Passagen eingeordnet und beurteilt werden. Mit dieser Art von Verknüpfung des Tanach mit dem Neuem Testament zeigt Goldberg vor allem: Wenn messianische Juden von Yeshua reden, ist er für sie der Messias, von dem an bestimmten Stellen im AT direkt oder indirekt die Rede ist. An einen solchen Messias zu glauben, der Merkmale wie beispielweise göttliche und menschliche Attribute vorweist, hängt also primär mit dem zugrundeliegenden Schriftverständnis zusammen.

Insgesamt ist „God, Torah, Messiah“ eine interessante Einführung in eine Art messianisch-jüdische Theologie. Themen, die in der messianisch-jüdischen Bewegung kontrovers diskutiert werden, wie das mündliche Gesetz, beleuchtet er ausführlich. Weil immer wieder rabbinische Auslegungen, moderne jüdische Ansichten und geschichtliche Abrisse einfließen, lernt der Leser nicht nur etwas über messianisch-jüdische Theologie, sondern auch über das Judentum. Auch christliche Dogmatik findet ihren Platz, wenn zum Beispiel die Inhalte des Nizänums diskutiert werden. Goldberg spart nicht an Definitionen und Bibelstellen. Wenn er zum Beispiel die Heiligkeit Gottes als eine seiner Eigenschaften beschreibt, nennt er dazu über 30 Zitate aus dem Alten und Neuen Testament. Hilfreich sind die übersichtlichen Einteilungen und Überschriften. Die Kapitel leitet er lebensnah, oft schon anekdotenhaft ein, sodass das Lesen für eine Systematik ungewöhnlich leicht fällt. Es muss berücksichtig werden, dass zwar Glaubenssätze und -bekenntnisse innerhalb der messianisch-jüdischen Bewegung formuliert wurden, diese allerdings nicht verbindlich für alle Gemeinden sind und nicht für alle messianischen Juden sprechen. So ist es auch mit den wenigen systematischen Werken. Daher kann diese Theologie exemplarisch einen interessanten Einblick in den messianisch-jüdischen Glauben aus der Innenperspektive bieten, aber sie ist keineswegs erschöpfend. Zur gezielten Auseinandersetzung sei das Hinzuziehen weiterer Vertreter, die aktiv diskutiert werden, empfohlen, siehe insbesondere R. Harvey, Messianisch-jüdische Theologie verstehen, EDIS 7, 2016.

AE

Erkundung und Darstellung einer Bewegung – EDIS VII
von Berthold Schwarz (Hrsg.)
 

«Das messianische Judentum ist die Religion jüdischer Menschen, die an Jesus (Yeshua) als den verheißenen Messias glauben. Es ist eine jüdische Form des Christentums und eine christliche Form des Judentums, welche die Abgrenzungen und die Glaubensvorstellungen beider herausfordert.» (Dr. Richard Harvey). Diese Forschungsarbeit will dazu beitragen, messianisch-jüdische Theologie und Praxis bekannt zu machen und verstehen zu lernen. Von ihr profitieren nicht nur Juden, die an Jesus als Messias glauben, sondern auch Christen und Juden, sofern diese sich darauf einlassen, eine Bewegung verstehen zu wollen, die aus beiden Traditionsgütern «schöpft», die mitunter kontrovers diskutierte Ergebnisse liefert, die aber gerade darin zugleich hilfreiche Impulse für das theologische Gespräch zwischen Juden und Christen offeriert.

Über den Autor: Richard Harvey hat Theologie, Religionswissenschaft und Judaistik in Bristol und London studiert. Er war Gründungsmitglied der London Messianic Congregation und Mitarbeiter des Church’s Ministry Among the Jewish People sowie Präsident der International Messianic Jewish Alliance. Er arbeitete als Dozent am All Nations Christian College in London und war dort auch Academic Dean und Director of Postgraduate Studies.

348 Seiten Erschienen: 2016 Verlag: PETER LANG Verlag aus der Reihe: Edition Israelologie ISBN: 978-3-631-64166-8 Bestellmöglichkeit: Theologische Fachbuchhandlung FTA:  Bestellmöglichkeit Band 7  

Es ist nun fast genau ein halbes Jahrhundert her, dass Martin Buber, der große jüdische Religionsphilosoph, mit 87 Jahren in Israel verstarb. Er ist v.a. für seine philosophische Hauptschrift „Ich und Du“ (1923) bekannt geworden, aber auch für seine deutsche Übersetzung von hebräischer und chassidischer Literatur sowie für seine philosophischen, pädagogischen und psychologischen Erkenntnisse, die bis heute nachwirken. Ebenso wurde und wird er für seine hohe Dialogbereitschaft zwischen Juden und Christen geschätzt.

 Geboren wurde Buber als Martin Mordechai Buber 1878 in Wien. Kurze Zeit nach seiner Geburt, kommt er nach Polen, wo er auch aufwächst. Später studiert er in Wien, Leipzig, Zürich und Berlin. Er promoviert in Philosophie, heiratet eine Deutsche und schließt sich der zionistischen Bewegung an. Zusammen mit Franz Rosenzweig übersetzt er das Alte Testament, nachdem er schon seine Professur an der Universität Frankfurt für Jüdische Religionslehre und jüdische Ethik übernommen hat. In Jerusalem, wo er auch eine Professur für Anthropologie und Soziologie inne hatte, lebte er mit seiner Frau bis zu seinem Tod 1965.

 Zu seinem 50. Todestag erschien u.a. eine Jubiläumsausgabe eines seiner Hauptwerke „Die Erzählungen der Chassidim“ sowie ein Buch von Karl-Josef Kuschel „Martin Buber – seine Herausforderung an das Christentum“. Wer Interesse hat, etwas über Martin Buber und seiner Suche nach dem „Urjüdischen“ zu lesen, kann einen Artikel der Jüdischen Allgemeine lesen:

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/22464

(ts)

Quellen: http://buber.de/de/biographie  

Die jüdisch-messianische Israelkonferenz 2012

„Wir wollen diese Konferenz nicht nur durchführen, sondern feiern“ – mit diesen Worten eröffnete Wladimir Pikman die jüdisch-messianische Israelkonferenz, die vom 15. bis 17. November 2012 in Berlin stattfand. Pikman ist als Leiter des Evangeliumsdienstes Beit Sar Shalom einer der Hauptorganisatoren dieser Konferenz, welche erstmalig von einem Großteil der messianischen Gemeinden Deutschlands getragen und veranstaltet wurde und mit um die 350 Teilnehmern sehr gut besucht war.

Die dreitägige Konferenz sollte „biblisch fundiert“, „jüdisch geprägt“ und „Messias-zentriert“ sein und richtete sich nicht allein an messianische Juden, sondern war laut Pikman für die Öffentlichkeit bestimmt. Tatsächlich bestand das Publikum sowohl aus Gläubigen jüdischer als auch nichtjüdischer Herkunft und lebte so die propagierte Einheit nach Galater 3,28 vor. Das Thema der Tagung, die „Rolle Israels für Deutschland und die Welt“, wurde im Rahmen von Vorträgen, Workshops und Gruppenreflektionen behandelt. Diese wurden von unterschiedlichen messianischen Leitern aus Deutschland geleitet, von denen ein Großteil derer, die in dem Milieu Rang und Namen haben, vertreten waren – darunter die Hauptredner Horst Stresow, Anatoli Uschomirski, Jurek Schulz und Wladimir Pikman.

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Wladimir Pikman

Die Konferenz begann am Donnerstag Abend mit einer freundlichen Begrüßung des jungen Pikman, dem man seine Freude über die bevorstehende Veranstaltung sichtlich ansah. Er betonte deutlich, dass biblisch gearbeitet und „nicht so viel Politik“ gemacht werden solle. Erreicht werden konnte dieses Ziel nicht immer, nahmen doch die dargelegten biblisch-theologischen Überzeugungen allesamt auch (welt-)politische Dimension an. Zudem waren die Konferenztage geprägt von Nachrichten über Raketenbeschuss aus Gaza, der Tel Aviv und Jerusalem erreicht hatte. Dementsprechend wurde im Plenum und in den Gebetszeiten für einen dauerhaften von Jeschua etablierten Frieden im Nahen Osten gebetet.

Durch die gemeinsamen Lobpreiszeiten führte die Band der Berliner Gemeinde Beit Schomer Israel mit einer bunten Mischung aus deutschen und natürlich hebräischen Lobpreisliedern wie „Kadosch“, „Ani Ma‘amin“, auch das „Schema Israel“ durfte nicht fehlen. (Einen Online-Radiosender mit den typischen Liedern, teils allerdings auf Russisch, bietet die Gemeinde hier an.)

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Musik bei der Israelkonferenz

Für den ersten Vortrag über die deutsch-israelischen Beziehungen tritt der 84-jährige Horst Stresow, langjähriger Mitarbeiter von Beit Sar Shalom, ans Rednerpult – vielleicht mit seiner ruhigen Art als animierender Einstieg nach den langen Anfahrtswegen der Teilnehmer nicht die beste Wahl, aber durchaus informativ. Sein Hauptanliegen scheint dabei zu sein, vor dem latent wiederkehrenden Antisemitismus in Deutschland zu warnen (hier der detaillierte Bericht). Nach den einzelnen Vorträgen folgen jeweils Gruppenreflektionen, bei denen jeder das aufgreifen soll, was ihm am wichtigsten geworden ist. Platz für – konstruktive – Kritik bleibt bei dieser „Aufgabenstellung“ nicht unbedingt, stattdessen dient der Austausch vor allem dazu, sich unter Gleichgesinnten in der Freundschaft zu Israel und in der damit verbundenen Abgrenzung zu kritischen Stimmen zu bestärken.

Der Tag wird beendet mit zwei Workshops – im Laufe der Konferenz werden insgesamt acht verschiedene angeboten, die sich allesamt um die Frage drehen, welche Rolle Israel in unserem Leben einnimmt, ob in der Gemeinde, im Lobpreis oder in der Evangelisation. Heute Abend berichtet Dmitriy Siroy, Leiter der messianischen Gemeinde Beit Hesed in Düsseldorf, welche Rolle Israel in deren Gemeindeleben spielt. Dabei ist er nicht der einzige Redner, der so sehr ins Predigen gerät, dass sachlich vorgetragene Information in den Hintergrund tritt. Doch das Publikum scheint dies nicht zu stören, es hat möglicherweise nichts anderes erwartet, und so werden die „Prediger“ immer wieder mit lautstarken „Amen“- und sonstigen Dazwischenrufen bestätigt. Siroy betont: In letzter Zeit gebe es immer mehr Israel-Fans, die Land und Leute lieben, weil diese ihnen attraktiv erscheinen. Doch Israel brauche keine Fans, sondern Brüder und Schwestern, die es politisch unterstützen und die mithelfen, die jüdische Identität zu wahren. Schade, dass er damit viele Israelreisende, die Volk und Land offen gegenüberstehen und zur florierenden Wirtschaft beitragen, abwertet. Seiner Ansicht nach seien die ersten Gläubigen der Apostelgeschichte ein gutes Vorbild, weil sie nach ihrer Bekehrung „noch mehr Juden wurden als zuvor“. Ob nicht auch das Gegenteil behauptet werden könnte, wird von Siroy leider nicht näher thematisiert.

Vielmehr legt er Wert darauf, dass auch Christen sich mit den jüdischen Traditionen befassen, um sich diese zu eigen zu machen. (Übrigens war es für uns ein Novum, dass die messianischen Juden selbst sich nie als „Christen“ bezeichnen, dieser Begriff nur für die sogenannten „Heidenchristen“ verwendet wird.) Tatsächlich scheint bei dem Redner und seinen Zuhörern allgemeiner Konsens darüber zu herrschen, dass die Solidarität mit dem jüdischen Volk sich sogar – und vielleicht bestenfalls – in einem jüdischen Lebensstil äußern sollte. Unvergesslich bleibt für uns diesbezüglich die Begegnung mit einem typischen „Vorzeigejuden“ auf dieser Konferenz: Er trägt eine Kippa, einen langen Bart und jüdische Tracht. Er klärt uns auf über die Schönheit des jüdischen Gebetsbuches (Siddur), singt die hebräische Sabbatliturgie fehlerlos auswendig mit und verfällt während unseres Gesprächs in eine Lobeshymne auf die Gesetze der Thora, die laut ihm den Schlüssel für ein erfülltes Leben in sich bergen. Doch: Er ist kein Jude, sondern deutscher Christ, der aber in diesem jüdischen Leben so aufzublühen scheint und sich so sehr mit dem Judentum identifiziert, dass mancher „echter“ Jude erstaunt wäre.

Die anwesenden messianischen Leiter aus ganz Deutschland (Dmitriy Siroy: sechster v.r.)

Zurück im Workshop erklärt Dmitriy Siroy nachvollziehbar, warum seine messianische Gemeinde sich für die Wahrung zahlreicher Traditionen und Gesetze, wie beispielweise das koschere Essen, entschieden hat: Sie gehören zu ihrer Identität als Juden, schweißen sie zusammen und helfen den Kindern dabei, biblische Wahrheiten zu verstehen (Deuteronomium 6,7). Siroy schließt mit dem Aufruf, dass das heutige Israel, welches für ihn das biblische ist, die Mitte all unserer Gebete sein müsste. Eine Begründung gibt er dafür nicht und scheint auch niemand zu vermissen. Wir sind eben nicht auf einer theologischen Fachtagung.

Der nächste, sich intensiv ankündigende Tag, startet mit freiwilligem Gebet für Israel. Der Großteil der beteiligten Frühaufsteher sind laut Pikman die Christen. Sie erleben hier etwas, was ihnen vielleicht in ihren Heimatgemeinden manchmal fehlt: Die Schofar wird geblasen, hebräische Lieder werden angestimmt – man fühlt sich fast wie in Israel.

Anatoli Uschomirski

Nun geht es weiter mit einem der grundlegendsten Vorträge der Konferenz: Anatoli Uschomirski, Leiter von Schma Israel in Stuttgart und Referent beim Evangeliumsdienst für Israel (edi), kommt zu Wort und man merkt, dass er sich gut vorbereitet hat. Wie alle messianischen Leiter vor und nach ihm betont er die zentrale Rolle Israels in Gottes Heilsplan: „Der Schlüssel zur Erweckung der nichtjüdischen Völkerwelt liegt nach wie vor und auch in der Zukunft in Israel“, bringt er es auf den Punkt, und wendet sich damit gegen jede Theologie, der zufolge die Kirche Israel als Gottes Volk abgelöst habe. (Hier finden Sie den Bericht sowie ein Interview mit Uschomirski).

Wer nun besonders bei diesem Thema auf eine wissenschaftliche Auseinandersetzung gewartet hat, die die Argumente der Gegenseite aufnimmt und auswertet, wartet auch hier vergeblich. Das „biblisch fundiert“ als Schlüsselwert der Konferenz besteht eher in der wiederkehrenden Betonung wichtiger Bibelverse als in dem Publikum nahegebrachten exegetischen und hermeneutischen Argumenten. Dabei wäre ein großer Teil der Redner sicher dazu in der Lage gewesen und könnten noch fundiertere Begründungen den anwesenden Israel-Fans zwecks Festigung und Verteidigung ihrer Position bestimmt von Nutzen sein.

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Ein junger messianischer Jude und Rosa Geisler stellen ihre Workshops vor

Vor der Mittagspause folgt der nächste Workshopblock, es berichtet ein junger messianischer Jude aus seinem Dienst in Heidelberg. Sein Beispiel zeigt, dass auch die junge Generation aktiv mitgestaltet, wenn diese auch bei der Konferenz selbst in der Minderheit ist. Er knüpft mit seinen Aussagen an den Vortrag Uschomirskis an und verbringt einen großen Teil seiner Redezeit mit einer biblischen Rechtfertigung der fortwährenden Erwählung Israels (siehe Bericht).

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Einer der Stände bei der Konferenz

Anschließend lässt die Pause Zeit, sich über das bisher Gehörte auszutauschen, sich an Ständen mit Infomaterial einzelner Organisationen oder israelischen Produkten einzudecken oder  einfach mal an der frischen Luft durchzuatmen. Die Stimmung ist ausgelassen in den Räumlichkeiten dieser Berliner Freikirche und man kommt nicht umhin, sich vorzustellen, dass eine solche Versammlung kippa-tragender Menschen am gleichen Ort vor einigen Jahrzehnten vielen das Leben hätte kosten können. Doch auch jetzt herrscht zeitweise eine gewisse Beklemmung, denn nähert man sich den Konferenzräumen von außen, würde man aufgrund der vorgezogenen Vorhänge und der fehlenden Plakate am Eingang nie erahnen können, dass sich hier Juden versammeln. Zufall oder Vorsichtsmaßnahme?!

Am Nachmittag ist es an Jurek Schulz von Amzi, gegen die Müdigkeit der Zuhörer anzukämpfen – doch dies gelingt dem charismatischen Redner mit seinem Vortrag über den Zionismus recht gut. Der deutschstämmige messianische Jude präsentiert eine Mischung aus geschichtlichem Abriss und – wie seine Vorgänger – Predigt. Ihm zufolge ist die einzige Hoffnung für den Nahen Osten die Ein-Staaten-Lösung und auch er warnt vor Kritik an Israel, welche er auf eine Stufe mit dem Holocaust stellt: „Was früher die Judenfrage war, ist heute die Israelfrage geworden.“ (Hier der ausführliche Bericht von Schulz’ Vortrag.)

Vitali F. während seines Workshops

Im nächsten Workshopblock hören wir uns de Vortrag „Israel aus Sicht junger messianischer Juden II“ von Vitali F. an. So langsam erwartet man inhaltlich nicht mehr viel Neues, ist aber gespannt auf den Einblick in die Lebenswelt eines jeden messianischen Juden in Deutschland, da diese einem sonst eher selten begegnen. Dem messianischen Leiter Vitali F. liegt es wie Siroy am Herzen, dass jeder Christ sich mit Israel identifiziert, es zum Mittelpunkt seines Lebens macht. Wie bereits zuvor wächst in uns der Eindruck, dass ein solches Werben eher in weniger israelfreundlichen Kreisen und Gemeinden als auf dieser Konferenz nötig wäre.

Der Sabbat wird eröffnet

Der Sabbat wird eröffnet

Für heute sind die Vorträge vorbei und nach dem Abendessen beginnt der entspannende Teil des Tages, denn: Der Sabbat hat begonnen. Zur Freude aller nichtjüdischen Teilnehmer der Konferenz wurde dieser zuvor von Anatoli Uschomirski offiziell mit der klassischen Sabbatliturgie begonnen, allerdings nicht ohne hinzuzufügen: Christen würden oft ein spektakuläres Event erwarten, wenn der Sabbat begrüßt wird, doch sei dieser Moment für einen Juden, der Woche für Woche Sabbat feiert, keine so große Aufregung. Dementsprechend werden in einem simplen, aber bedeutungsvollen Moment von einer Frau die Kerzen angezündet und der Segen gesprochen und wird das Brot für alle an den Eingang des großen Saales deponiert. Festlicher geht es dann um 20 Uhr zu, bei einer Mischung aus Kabbalat Schabbat mit den hebräischen Liedern wie „Shabbat Shalom“ und einem christlich geprägten Lobpreisteil. Ein Highlight des Abends ist die Tanzgruppe von Adon Jeschua Stuttgart, die mit typisch jüdischem Tanz für ausgelassene Stimmung sorgt.

Die Tanz

Die Tanzgruppe von Adon Jeschua Stuttgart

Der Samstag als letzter Konferenztag schließt an den Vorabend an und beginnt mit einem Gottesdienst zum Sabbat, wie ihn die messianischen Juden üblicherweise am Samstag feiern. So etwas bekommt man nicht alle Tage geboten: Ein normaler messianisch-jüdischer Gottesdienst, der einem das Gefühl vermittelt, mitten in Israel zu sein, unterbrochen von liebevoll erklärten Anleitungen Wladimir Pikmans, der neben seiner Arbeit bei Beit Sar Schalom ordinierter Rabbiner der messianischen Gemeinde Beit Schomer Israel Berlin ist, und Schritt für Schritt durch den fast dreistündigen Gottesdienst führt. Jedes Element und Ritual des Schacharit l‘Schabbat wird den anwesenden Nichtjuden nachvollziehbar erläutert. Dazu gehört die Frage, wann man aufzustehen und wann sitzenzubleiben hat, was auf der Powerpoint jeweils durch ein entsprechendes Symbol gekennzeichnet wird: „Man muss aufmerksam bleiben“, kommentiert Pikman lächelnd. Er erklärt, dass man das Schema Israel mit der rechten Hand vor den Augen betet, man sich beim Amida, dem Achtzehngebet, in Richtung Jerusalem wendet und dabei mit ganz Israel im Gebet vereint ist, und ruft einfühlsam zum Kaddisch Jatomi, dem Gebet der Trauernden auf. Zu der Liturgie gehört zudem viel Lobpreismusik, die Sammlung für Reisen von Holocaustüberlebenden nach Deutschland (bei der sogar auf diejenigen Rücksicht genommen wird, die am Sabbat kein Geld bei sich tragen) sowie eine Predigt Pikmans über Daniel 9,1-21, bei der der messianischer Leiter betont, dass wahre Fürbitte Identifikation beinhaltet (in dem Fall mit Israel und dessen Schuld). Berührt von diesen Worten stimmen die Gottesdienstteilnehmer daraufhin spontan das Lied „Vater, mach uns eins“ an.

Das Schema Israel vor dem Ausheben der Thorarolle

Das Schema Israel vor dem Ausheben der Thorarolle

Für viele ist sicherlich das Highlight des Vormittages das Seder Hoza‘at Sefer Torah, das Ausheben der Thorarolle. Pikman selbst kann seinen Enthusiasmus nicht verstecken, wenn er – fast personifizierend – über die Thora spricht: „Wir sind froh, dass sie heute unter uns ist. Noch nie waren die messianischen Gemeinden mit der Thora zusammen!“ Er sei sicher, dass Gott heute durch sie wirken und etwas in Kraft setzen werde und erklärt das uns erwartende Ritual: Bevor aus ihr gelesen wird, wird die Schriftrolle von zwei Männern durch den Saal getragen, so dass jeder sie „begrüßen“, ihr „begegnen“ kann. Dies geschehe, indem man mit einem Schal, dem Siddur, der Bibel oder einem ähnlichen Gegenstand die Thorarolle berührt und den Gegenstand anschließend küsst. Dabei dürfe man der Thora weder den Rücken kehren noch sie aus den Augen verlieren. Dieses für viele ungewohnte und beinah katholisch anmutende Ritual wird begeistert aufgenommen – die Stimmung ist gut, während in einer Endlosschleife immer wieder, vom Chasan angeführt, das gleiche Lied wiederholt wird. Durch interaktive Elemente wie dieses hat man am Schluss das Gefühl, aktiv teilgenommen zu haben und für eine kurze Zeit in die jüdische Welt eingetaucht zu sein.  (Wenn Sie den Gottesdienst auf Video live miterleben möchten, können Sie ihn sich hier ansehen.)

Wladimir Pikman bei seinem Vortrag über die Zukunft Israels

Wladimir Pikman bei seinem Vortrag über die Zukunft Israels

Nach dem Mittagessen folgt Pikmans Vortrag über Israels Zukunft (unter dem Link finden Sie neben dem Bericht auch ein ausführliches Interview mit Pikman, das das Institut für Israelogie auf der Konferenz mit ihm geführt hat), auf den sicherlich alle gewartet haben: Was wird denn nun in Israel passieren, was ist die Lösung des Nahostkonfliktes, wann und wie kommt der Messias wieder? Doch mit präzisen eschatologischen Hypothesen hält sich der ausgebildete Theologe glücklicherweise zurück. Stattdessen überrascht er mit der Aussage: „Auch die Araber haben das Recht, in Israel zu leben!“ Der jüdisch-messianische Leiter gründet seine These auf biblische Verheißungen wie Hesekiel 47,21-23 und plädiert dafür, dass Israel sich eher bemühen solle, die arabische Bevölkerung zu Gott zu führen, als sie aus dem Land zu vertreiben. Weiter führt Pikman aus, dass nur eine Umkehr zu Jeschua seitens der Juden wie auch der Araber zur Erfüllung der das Land betreffenden Prophezeiungen führen würde – darin liege Israels Zukunft. Neben diese versöhnlich klingenden Botschaft bringt er deutlich seine Überzeugung zum Ausdruck, dass die von Gott versprochenen Grenzen Israels weit über das heutige Gebiet hinausgehen und Saudi-Arabien, Ägypten und die Türkei einschließen würden. Er hält sich mit diesen provokativen Äußerungen, die er durch Kartenmaterial illustriert, trotz des öffentlichen Charakters der Konferenz und der weltweit online abrufbaren Videoaufnahmen nicht zurück. Hier hat er das emotionale Publikum wieder ganz auf seiner Seite und sorgt für so manchen Lacher.

Hawlada

Die Hawdala zum Sabbatende

Mit der Hawdala, die das Ende des Sabbats markiert, und einem weiteren Workshopblock, geht die jüdisch-messianische Israelkonferenz schließlich zu Ende. Die Verbundenheit mit Israel sowie die Einheit jüdischer und nichtjüdischer Christen war auf der Berliner Konferenz spürbar. Und man kann festhalten, dass Pikmans anfängliche Einladung, „diese Konferenz nicht nur durchzuführen, sondern zu feiern“ durch vielerlei Elemente wie die hebräischen Lobpreislieder, festlichen Traditionen und den intensiven Schabbatgottesdienst praktisch umgesetzt wurde.

Für die messianische Bewegung bleibt zu hoffen, dass sie sich auch in Zukunft als so lebendig erweist, wie sie sich auf dieser Konferenz gezeigt hat, dass in Deutschland das Interesse an der Begegnung mit diesen Juden wächst, für die der Glaube an den Messias Jeschua erst das wahre Judentum ausmacht, und – last, but not least -, dass messianische Juden kompetente Theologen ausbilden, die sie in Zukunft dabei unterstützen, in einen konstruktiv-sachlichen Dialog mit Christen anderer Meinungen zu treten, welcher vielleicht mehr noch als das Singen frommer Lieder Ausdruck der christlichen Einheit sein kann und sollte.

Hier eine Übersicht der von uns verfassten Berichte von der jüdisch-messianischen Israelkonferenz:

Unter dem folgenden Link finden Sie die Videoaufnahmen der gesamten Konferenz (für die Vorträge und Workshops wird ein Passwort benötigt, andere Mitschnitte sind frei zugänglich): http://www.israelkonferenz.de/index.php/videouebertragung

(jp)

Fotos: privat