FTHkolleg am 6. April – Einladung

Israel einst und jetzt

Mehr als Standardwissen: Wer Israel besser kennenlernen möchte, sollte unbedingt am 06. April beim FTHkolleg „Israel einst und jetzt“ dabei sein! Referent Dr. Berthold Schwarz macht eine verantwortungsbewusste Israel-Lehre verständlich: Warum ist die sogenannte Ersatztheologie falsch? Wie kann Römer 9-11 Orientierung übers Israels Zukunft geben? Warum irrte Martin Luther im Blick auf die Juden? Darüber hinaus gibt es tiefe Einblicke in die Geschichte des „Heiligen Landes“. Anmeldung bis zum 23. März 59Eur, danach 69Eur. Mehr unter https://www.fthgiessen.de/willkommen/fthkolleg/

Herzliche Einladung zum FTHkolleg!

Im Rahmen der Themenwoche „70 Jahre Israel“ luden die Freie Theologische Hochschule Gießen und das Institut für Israelogie am 05.11.2018 zu einem öffentlichen Vortrag ein. Johannes Gerloff teilte im Plenarsaal der FTH unter dem Titel „Das „Heilige“ Land: Erwählt – erkämpft – ersehnt“ seine Erfahrung und sein Wissen über Israel mit knapp 200 Gästen. Gerloff lebt seit 1994 mit seiner Familie in Jerusalem. Der Journalist war als Nahostkorrespondent unter anderem für den christlichen Medienverbund KEP tätig. Außerdem ist er Autor mehrerer Bücher.

Der Auftakt der Themen-Woche

Aufgrund der „Jahrtausende alten Schreckensgeschichte“, als das man das Verhältnis zwischen Christen und Juden beschreiben könne, seien Veranstaltungen, die Israel nicht unkritisch, aber wohlwollend betrachten, sehr wichtig. So wolle Gerloff als Journalist auch über Negatives berichten, aber vor allem über positive und atemberaubende Begebenheiten. Beides hatte an diesem Abend im Vortrag seinen Platz.

Schon bei der Bezeichnung „Heiliges Land“ müsse man genauer darüber nachdenken, was gemeint ist. Kann man mit Recht behaupten, dass Israel ein besseres Land sei als alle anderen, so fragt Gerloff? Oder zeigt sich in dem Titel, dass hier eine besondere Atmosphäre vorherrscht? Letzteres ist nach Gerloff zweifelsfrei richtig: Wer auch immer ins Land reist, könne unmöglich neutral bleiben. Israel sei gewissermaßen lebendiger als andere Länder – es bewege seine Besucher und Bewohner.

Der Plenarsaal war voll besetzt.

Die Frage „Ist Israel ein Land wie jedes andere?“ müsse aber nicht nur nach innerem Empfinden, sondern auch theologisch verneint werden: Laut biblischem Befund hat Gott Israel erwählt. Dabei sei zu beachten, so Gerloff, dass an dieser Stelle nicht zwischen einer jüdischen Ethnie einerseits und einem Land andererseits unterschieden werden darf. Theologisch bilden beide eine untrennbare Einheit. Darum gehören Land und Juden zusammen, sie sind beide erwählt.

„Erwählung“ bedeute in diesem Kontext nicht zwangsläufig „Errettung“ und schon gar nicht irdisches Wohlergehen. Erwählung müsse als Aufgabe verstanden werden. Gerloff berichtet, dass viele Juden diese Verantwortung und ständige Beobachtung als Last empfinden. Man müsse sich mal hineinversetzen, wie es ist, wenn jedes Gegenüber eine Erwartungshaltung einnimmt, sobald herauskommt, dass man jüdisch ist! So sei es nicht nur in der persönlichen Begegnung, sondern auch in den Medien: Die ganze Welt schaut auf Israel.

Hier kristallisiere sich ein bedeutender Unterschied zwischen der christlichen und der jüdischen Gottesbeziehung heraus: Während Christen seit Jahrhunderten auf der Suche nach einem gnädigen Gott sind, scheine es, so Gerloff, manchmal so, als versuchen Juden, ihre Erwählung und damit Gott wieder los zu werden.

Johannes Gerloff

Auch wenn Gerloff in seiner 24-jährigen Tätigkeit in Jerusalem die Besonderheit Israels intensiv erlebt und beobachtet hat, bleibe ihm vieles weiterhin fremd. Als Journalist hat Gerloff die palästinensischen Gebiete bereist. Von ‚innen‘ nachempfinden könne man als Außenstehender weder die jüdisch-israelische Kultur noch die palästinensische. In diesem Zusammenhang betont er, dass es wohl kaum ein sichereres Land gebe als Israel. Zwar hört man in Deutschland nahezu täglich von Gewaltverbrechen in Israel, doch die tatsächlichen Zahlen sprechen eine andere Sprache: So gab es im ersten Jahr des syrischen Bürgerkrieges mehr Tote als in allen Kriegen, die in der 70-jährigen Geschichte des Staates Israels geführt wurden, zusammen. Gleiches gelte für die Anzahl der Toten während des sogenannten Arabischen Frühlings in Libyen. Leben und Reisen in Israel sei daher ziemlich sicher.

Die Frage nach einem Lösungsansatz für den Nahostkonflikt kann an einem solchen Abend natürlich nicht ausbleiben. Dazu berichtet Gerloff von einer Entscheidung der obersten Rabbiner: Diese wären dazu bereit, Land abzugeben, wenn es Menschenleben rette. Aber daran, dass bei Abgabe von Land tatsächlich Leben gerettet werden würden, könne man einfach nicht mehr glauben. Israel bleibt in dieser Hinsicht wohl weiterhin umkämpft.

Am Ende des Vortrages kann der Zuhörer den Slogan des Abends verstehen: Israel ist kein Land wie jedes andere. Israel ist das ersehnte Land für die Juden, mit großer Bedeutung auch für Nichtjuden. Volk und Land niemals zu vergessen, das muss Ziel aller Beschäftigung mit Israel sein – nicht unkritisch, aber wohlwollend.

AE

von links: Dr. Berthold Schwarz und Dr. h.c. Fritz May

Am Mittwoch, den 18. April 2018, fand die Verleihung des Franz-Delitzsch-Preises an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen statt. Jährlich prämiert der Preis eine herausragende Forschungsarbeit, die mit den Zielen und Schwerpunkten des Instituts für Israelogie übereinstimmt und dazu einen wissenschaftlichen Beitrag leistet. Möglich sind diese Förderungen aufgrund der Stiftungsgelder, die die Arbeitsgemeinschaft „Christen für Israel“ (CfI) durch ihren langjährigen Vorsitzenden Dr. h.c. Fritz May zur Verfügung stellt. Herr May und seine Frau waren während der Preisverleihung ebenfalls anwesend, bei der er zugleich Segenswünsche zu seinem Geburtstag entgegennehmen durfte. Durch das Programm der Preisverleihung führten Prof. Dr. Helge Stadelmann, der Institutsleiter Dr. Berthold Schwarz und ein Team von Studierenden der Hochschule.

Hauptpreisträger sind dieses Jahr Prof. Dr. Hendrik Koorevaar und Prof. Dr. Mart-Jan Paul. Beide lehren als Professoren für Altes Testament unter anderem an der Evangelischen Theologischen Fakultät Leuven, Belgien. Sie beschäftigen sich schon viele Jahre mit Israel: Während Koorevaar selbst 14 Monate im Land gelebt hat, ist Paul aktives Mitglied am Zentrum für Judaistik-Studien in Ede. Gemeinsam haben sie vor einigen Jahren ein Forschungsprojekt initiiert mit dem Titel: „The Earth and the Land. Studies About the Value of the Land of Israel in the Old Testament and Afterwards”. In diesem Sammelband sind Aufsätze zu finden, die sich unter dem Fokus der alttestamentlichen Verheißung, dass von Zion Segen für die ganze Welt ausgehen soll (z.B. Ps 69,30-37 oder Ps 133), mit dem Land Israel beschäftigen. Auch Beiträge zur späteren Entwicklung der Thematik im Judentum und im Islam wurden aufgenommen. Die Publikation wird demnächst in der Reihe Edition Israelogie erscheinen (EDIS 11).

Prof. Dr. Helge Stadelmann, im Hintergrund die beiden Preisträger

Die beiden Gewinner konnten nicht persönlich bei der Verleihung anwesend sein, übermittelten aber eine Videobotschaft (siehe Link): Koorevaar betonte darin, dass es für Christen sehr wichtig sei, die Relation zum jüdischen Volk zu bedenken. Theologisch betrachtet habe das Christentum nicht die Position Israels eingenommen. Wer in Zukunft das Recht haben wird, im Land Israel zu wohnen, liegt für ihn auf der Hand: die Sanftmütigen, so wie es Jesus in der Bergpredigt sagt.

Prof. Dr. Helmuth Pehlke erhält den Franz-Delitzsch-Förderpreis

Ferner wurde der Franz-Delitzsch-Förderpreis verliehen. Der Förderpreis würdigt Arbeiten, die noch im Progress sind, und geht in diesem Jahr an Prof. Dr. Helmuth Pehlke. In seinem Buch „Israel. Daten – Fakten – Hintergründe, um das Heilige Land zu verstehen“ bereitet der Alttestamentler Insider-Fakten zu ausgewählten Orten mit teilweise Jahrtausende alter Bedeutung auf, die man immer noch besuchen kann. Sein Anliegen, das Wissen um Besonderheiten des Heiligen Landes zu erweitern und Begeisterung dafür zu wecken, brachte er in einer Ansprache lebhaft zum Ausdruck.

Weiterhin wurden zwei Arbeiten jeweils mit einem studentischen Sonderpreis ausgezeichnet. Diese gingen an Jan Kilian Freiherr von Bibra und Alena Edler. Beide studieren an der Freien Theologischen Hochschule Gießen. Philip Quast, ebenfalls Student an der FTH Gießen, erhielt ein besonderes Stipendium: Dieses umfasst einen sechswöchigen Sommeraufenthalt an der Ben-Gurion Universität in Be’er Scheva, Israel.

Ein Impuls zum 70-jährigen Bestehen des Staates Israel beendete den offiziellen Teil der Preisverleihung.

AE

Kirche der Nationen (Todesangstbasilika) im Garten Gethsemane.

Im kommenden Jahr vom 23.02.-06.03.2017 bietet das Institut für Israelogie in Gießen erneut eine Israel-Studienreise für junge Erwachsene an. Insbesondere junge Leute, die Theologie studieren oder die aktiv in einer christlichen Gemeinde engagiert sind, aber auch aktive Ältere in der Gemeindemitarbeit sind herzlich eingeladen, auf biblischen Spuren das Land Israel kennenzulernen.

Geleitet wird die Reisegruppe von Pfr. Dr. Berthold Schwarz, Systematischer Theologe und Leiter des Israelinstituts, der zusammen mit Prof. Dr. Armin D. Baum, Professor für Neues Testament, Andachten, Bibelarbeiten und sachkundige Vorträge vor Ort halten wird. Ein intensives und abwechslungsreiches Programm wird die Studienreise zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Also, was spricht dagegen, sich sogleich zur Reise anzumelden?

 

Nähere Informationen zur Reise erhalten Sie hier:

  Israel-Studienreise 2017 - Flyer (948 Downloads) Israel-Studienreise 2017 - Anmeldung (561 Downloads)  

Hier erhalten Sie Erfahrungserichte zur letzten Studien-Reise 2015.

  Für Nachfragen stehen wir gerne zur Verfügung. Schreiben Sie uns: israel-institut@web.de Ihre freundlichen Mitarbeiter vom Israel-Institut  

(mr)

Marburg 2016  (11)Im Laufe einer Stadtführung durch Marburg wurde den Studierenden des zweiten Jahrgangs der Freien Theologischen Hochschule (FTH) eine erst in den 1990er Jahren bei Grabungen wiederentdeckte und freigelegte Synagoge gezeigt. Ein Glasbau weist auf die früheren Ausmaße dieses für moderne Verhältnisse nicht gerade besonders großen Gebäudes hin, man bekommt durch ihn aber einen Einblick in die Architektur jüdischer Vergangenheit.

Diese Synagoge wurde 1317 erstmals erwähnt und schon bald danach bei einem Stadtbrand 1319 zerstört. Nach 1320 entstand ein Neubau an derselben Stelle, deren Reste 1993 bei Ausgrabungen wiederentdeckt wurden. Die Pestzeit 1348/49 brachte in Marburg wie auch in anderen Teilen Deutschlands eine Verfolgung der Juden mit sich, durch welche die jüdische Gemeinde ausgelöscht wurde. Nach 1364 konnten wieder einige Juden zuziehen, die aufgrund ihrer beruflichen Einschränkungen vor allem vom Geldverleih lebten. 1524 wurden sie aber wegen einer landgräflichen Austreibungsverordnung aus Marburg vertrieben.

Marburg 2016 (5)Bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts gab es keine jüdische Gemeinde mehr in der Stadt, danach durften langsam wieder einige Juden nach Marburg ziehen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zählte die jüdische Gemeinde ca. 500 Mitglieder. 1818 wurde wieder die erste größere Synagoge erbaut, deren Ende dann in der NS-Zeit vollzogen wurde, als sie der Schändung und dem Brand in der sog. „Reichskristallnacht“ 1938 zum Opfer fiel.

Bis 1957 war die Ostseite des Obermarktes noch durch spätere Gebäude zugebaut. Als aber ein Wohnhaus am Markt ersatzlos abgerissen wurde, ergab sich die Möglichkeit, an dieser Stelle Grabungen durchzuführen. Durch stadthistorische Forschungen wusste man bereits, dass der sogenannte Schlosssteig einmal Judengasse geheißen hatte, weil eine größere Anzahl jüdischer Familien dort in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts lebte, und dass sich dort auch die Reste einer alten Synagoge befinden mussten.

An der Mauer lag ein großer, architektonisch bemerkenswert ausgestatteter Raum. Seine baulichen Merkmale und die Auswertung der Schriftquellen wie auch archäologische Befunde ließen keinen anderen Schluss zu, als dass es sich hier um die alte Synagoge handelte, die nach den Schriftquellen 1452 teilweise abgebrochen worden war.

Marburg 2016 (12)Das Gebäude war bemerkenswert gut erhalten, denn außer dem Gewölbe und den überirdischen Bauteilen war nichts zerstört worden, und die Baukörper an Boden und Fundament waren verschont geblieben, und lediglich zugeschüttet worden. Der Boden wurde als Gartenland oder Baugrund genutzt; die Mauerreste der Synagoge wurden für Gründungen neuer Gebäude mitbenutzt, wodurch die sonstigen Überreste der Synagoge unangetastet blieben.

Die mittelalterlichen Fundamente der Synagoge in Marburg sind einen Besuch wert, weil sie den Betrachter unmittelbar in die Zeit des jüdischen Mittelalters versetzen und ihren Glanz und ihre Tragik in Erinnerung rufen. Die Studierenden des zweiten Jahrgangs der FTH hatten dort die Möglichkeit, das Schicksal der Juden im Mittelalter näher zu betrachten, und es hat einen Eindruck und Impulse zum Nachdenken hinterlassen, besonders, weil die protestantische Kirche in Sichtweite der Synagoge lag. Es war daher sinnvoll, diesen wichtigen Punkt der deutschen Geschichte mitberücksichtigt zu haben.

cl

Bilder: cl/privat

Seit 2007 fördert das Institut für Israelogie wissenschaftliche Arbeiten und Forschungsbeiträge, die sich auf hervorragende Weise mit Themen der Israelogie beschäftigen, mit dem Franz-Delitzsch-Preis. Die zehnte Preisverleihung fand am Mittwoch, dem 20. April 2016, im Plenarsaal der Freien Theologischen Hochschule Gießen statt.

Pfr. Dr. B. Schwarz (l.) überreicht Dr. E. Hirschfeld (r.) den Franz-Delitzsch-Förderpreis

Pfr. Dr. B. Schwarz (l.) überreicht Dr. E. Hirschfeld (r.) den Franz-Delitzsch-Förderpreis

Auf eine Begrüßung und Einführung durch den Institutsleiter Pfr. Dr. Berthold Schwarz folgte eine instrumental-musikalische Begrüßung durch J. Bork (Flügel) und M. Engel (Akustikgitarre) mit dem Musikstück „In Christ alone“. Anschließend wurde als erster Förderpreisträger Dr. Ekkehard Hirschfeld ausgezeichnet. Er erhielt den Förderpreis für die Erörterung von Ernst Ferdinand Ströters „Israeltheologie“ in einem umfangreichen Kapitel seiner Greifswalder Dissertation über Ströter.

In seinem Grußwort hob Herr Hirschfeld die judenmissionarische Tätigkeit Ströters zu Beginn des 20. Jahrhunderts hervor: Durch seinen Einsatz für die Judenmission in den USA und im damaligen britischen Mandatsbezirk Palästina (heutiges Israel) habe Ströter einen entscheidenden Beitrag zur Israelogie seiner Zeit und auf gewisse Weise sogar zur späteren Staatsgründung Israels geleistet.

Der Förderpreisträger M. Steiner, Mag. Theol.

Der Förderpreisträger M. Steiner, Mag. Theol.

Der zweite diesjährige Förderpreisträger war Martin Steiner, der die Ehrung für seine Magisterarbeit, die an der Universität Wien mit summa cum laude ausgezeichnet wurde, erhielt. Die Arbeit „Messianische Juden und hebräisch sprechende Katholiken“ beschäftigt sich mit einigen speziellen messianischen Gruppierungen. Diese Studie über Theologie und Praxis jüdisch-katholischer Gemeinden in Israel sei, so Pfr. Dr. Berthold Schwarz, wichtig für ein fundiertes Verständnis des jüdisch-christlichen Dialogs. Leider konnte Herr Steiner nicht persönlich anwesend sein; stattdessen sandte er ein Grußwort per Video.

Anschließend wurde Dr. Benjamin Lange für seine Masterarbeit an der University of South Africa mit dem Titel „Die Bundesbeziehung Gottes zu Israel im Sinaibund als Argumentationsgrundlage in Röm. 9-11“ mit dem Franz-Delitzsch-Hauptpreis ausgezeichnet. Herr Lange hielt das Hauptreferat des Tages zum Thema seiner Forschungsarbeit.

Im Römerbrief, so Lange, finde sich in den Kapiteln 9-11 eine gründliche heilsgeschichtliche Einordnung Israels; hierbei hebe Paulus sowohl die Zuwendung Gottes zu Israel als auch das Problem, dass Israel Gott ungehorsam sei, hervor. Wie lässt sich dieser Befund mit dem Sinaibund (Mosaischer Bund) verbinden?

Ein Einblick in die aktuelle Forschung zeigte den Zuhörern, dass der Sinaibund in der alttestamentlichen Wissenschaft heutzutage positiver wahrgenommen wird als noch vor einigen Jahren. Es wird betont, dass Israels Beziehung zu Gott einseitig von Gott abhänge und nicht von Israels Gehorsam Gott und seinen Geboten gegenüber. Gleichzeitig wird stark zwischen dem Bundesinhalt (der für heutige Heidenchristen nicht unmittelbar gelte) und der Bundesbeziehung zwischen Gott und seinem Volk unterschieden. Diese werde im Alten Testament mit verschiedenen Begriffen ausgedrückt. Sie werde unverbrüchlich von Gott garantiert.

Dr. B. Lange bei seinem Referat

Dr. B. Lange bei seinem Referat

In diesem Kontext wirkt Röm. 9-11 zunächst paradox, denn aus diesen Kapiteln ließ sich in früherer Zeit die Substitutionslehre ableiten: Gott habe Israel völlig verworfen und sich die neutestamentliche Gemeinde als sein neues Volk erwählt. Hier zeige sich, so Lange, ein völlig anderer Blickwinkel der AT- und der NT-Wissenschaft auf den Sinaibund.

Was für den Sinaibund konstitutiv sei, sei die zeitliche Reihenfolge dreier Elemente:

1. Gottes Segen (für Gehorsam Israels)

2. Gottes Fluch (für Ungehorsam Israels)

3. Wiederherstellung des Bundes durch Gott

Diese Reihenfolge werde in 5. Mose 28-32 explizit herausgestellt; sie zeige sich auch immer wieder in der alttestamentlichen Geschichte. Beispielsweise folge auf die Sünde Israels mit dem Goldenen Kalb (2. Mose 32) ein Fluch Gottes, danach aber die Wiederherstellung des Bundes durch Gott.

Langes These ist, dass diese Elemente den Sinaibund mit dem Neuen Bund in Christus verbinden. Gott breche den Bund niemals; wenn aber der menschliche Bundespartner sündige und den Bund breche, so stelle Gott den Bund wieder her. Der Alttestamentler Erich Zenger brachte es auf den Punkt: „Israel kann den Bund brechen, aber Israel kann den Bund nicht zerbrechen.“

Hier finde sich, meint Lange, eine Gemeinsamkeit zwischen dem Sinaibund und Röm. 9-11. In beiden Texten gehe es darum, dass Gottes Barmherzigkeit den einmal geschlossenen Bund wiederherstelle. Beide Texte sprächen von der Initiative Gottes an Israel und von einer bleibenden Bedeutung und Zukunft Israels.

In Röm. 9-11 benutze Paulus einige sogenannte Bundesformeln aus dem AT, um Gottes Beziehung zu Israel zu beschreiben. Wie 5. Mose 30 stelle Paulus heraus, dass auf Israels Sünde (den Bruch des Bundes) Umkehr und Buße folgen werde. Damit argumentiere er völlig in der Linie der frühjüdischen Tradition.

Dr. B. Lange bei seinem Referat

Dr. B. Lange bei seinem Referat

Das Schlüsselwort in Röm. 9-11 sei „Barmherzigkeit“. Diese Barmherzigkeit (Gottes) sei die Lösung des Problems, dass Israel Jesus nicht als Messias anerkennt. Trotz dieses Problems nenne Paulus Israel „Gottes Volk“ (Röm. 11,1f.) und verwende eine spezifische Bundesterminologie. Durch Israels Umkehr werde – so die Überzeugung von Paulus – die Wiederherstellung des Sinaibundes erfolgen: „Ganz Israel wird errettet werden“ (Röm. 11,26). Paulus verwende zahlreiche Zitate und Anspielungen auf die alttestamentliche Bundesterminologie, in der es um Gottes bleibende Beziehung zu Israel gehe. Er betone die Barmherzigkeit Gottes und zitiere exakt diejenigen Passagen des Sinaibundes, die sich besonders mit der Wiederherstellung eines gebrochenen Bundes beschäftigten. Röm. 9-11 sei, meinte Lange, so konzipiert, dass deutlich werde, dass es nach Paulus eine völlige Wiederherstellung von Gottes Bund mit Israel geben werde. Gleichzeitig aber betone Paulus die heilsgeschichtliche Bedeutung für die Heidenvölker: Die Bundesbeziehung Gottes zu Israels sei paradigmatisch für Gottes barmherzige Zuwendung zu den Nationen. Paulus verfolge hier also eine Doppelstrategie. Er sei vom Bundesdenken geprägt und übertrage diesen Bund auch auf die Heiden, die sich an Christus halten – wobei er das jüdische Volk aber nicht verloren gebe. Nach Paulus’ Sprachgebrauch zu urteilen, meine er, dass die Wiederherstellung Israel als Kollektiv gelte, nicht unbedingt jedem einzelnen Israeliten individuell.

Das ebenso inhaltsreiche wie kurzweilige Referat wurde mit begeistertem Applaus aufgenommen.

Institutsleiter Pfr. Dr. Schwarz mit den Stipendiaten

Institutsleiter Pfr. Dr. Schwarz mit den Stipendiaten

Zusätzlich zum Franz-Delitzsch-Preis wurden auch zwei Stipendien des Instituts für Israelogie vergeben. Roland Franz und Johannes Appelt (beide Studenten an der Freien Theologischen Hochschule Gießen) bekamen einen Platz an der Sommeruni der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva (Israel). Für sechs Wochen können sie in Israel studieren, bekommen Ivrit-Unterricht, besuchen theologische Vorlesungen und lernen Land und Leute kennen.

Musikalisch großartig untermalt wurde der Festakt durch J. Bork (Flügel) und M. Engel (Akustikgitarre). Während der Preisverleihung wurde auch der Förderer des Israel-Instituts, Dr. h.c. Fritz May, Vorsitzender von „Christen für Israel“ (CfI), zu seinem 80. Geburtstag geehrt. Anschließend an die Preisverleihungen rundeten Gespräche bei Kaffee und Kuchen die Preisverleihungs-Feierlichkeiten ab.

Übrigens: Weitere Bilder der Preisverleihung finden Sie hier!

sg

Bilder: privat

Nächstes Jahr bietet das Institut für Israelogie eine Israel-Studienreise für Studenten an. Studenten, die an der Freien Theologischen Hochschule Gießen oder an der Evangelischen Hochschule Tabor studieren, können mitkommen.

Begleitet wird die Reisegruppe von zwei kompetenten Israel-Kennern: Zum einen Dr. Berthold Schwarz, Systematischer Theologe mit Schwerpunkt Israelogie sowie Institutsleiter, zum anderen Dr. Walter Hilbrands, Dozent für Altes Testament.

Nähere Informationen erhält man hier:

(ts)

Bild: Chris Turner@flickr

In einem ersten Themenkreis hob Bock die herausragende Rolle des Lukasevangeliums und der Apostelgeschichte im Neuen Testament hervor, insbesondere aufgrund des quantitativ bedeutsamen Umfangs dieser Schriften, ihrer theologischen Akzente und der darin vorzufindenden Betonung von Gottes Heilsplan für Nichtjuden sowie einer eschatologischen Erwartung einer erneuten Zuwendung Gottes zu den Juden.

In seinen Vorträgen zur Erforschung des historischen Jesus warnte er vor zu schnellen Urteilen auf weltanschaulicher Basis. Er plädierte stattdessen für die Anwendung eines plausibel nachvollziehbaren Kriterienkatalogs bei der Frage, ob und wie die Bibel den historischen Jesus darstelle. Anhand dieser Kriterien demonstrierte Bock beispielhaft anhand mehrerer biblischer Schlüsselereignisse aus dem Leben Jesu deren historische Echtheit und Plausibilität.

In einem Vortrag über außerkanonische Evangelien lehnte er die These einer „evolutionistischen“ Entwicklung der christlichen Theologie ab, die manche Theologen durch außerbiblische Schriften wie das Thomasevangelium belegt sehen wollen. Vielmehr verwies Bock auf eine einfache Methode, um nachvollziehen zu können, welche christlichen Inhalte (core doctrines) und welche überlieferten Schriften von den Christen schon frühzeitig gewissermaßen als „normativ“ akzeptiert wurden: Wer die abgelehnten Schriften mit den biblischen vergleiche, werde leicht entscheidende Widersprüche in ihrer Theologie und in der Darstellung der Person Jesu Christi finden (gnostische und weltanschauliche Überfremdung usw.), die sie letztlich als verbindlich-apostolische „Normen“ disqualifizierten.

Prof. Bock ist Autor des New-York-Times-Bestsellers „Die Sakrileg-Verschwörung. Fakten und Hintergründe zum Roman von Dan Brown“, Autor von wissenschaftlichen Kommentaren zum Lukasevangelium und zur Apostelgeschichte, ehemaliger Präsident der Evangelical Theological Society (ETS) und freier Redakteur der Zeitschrift „Christianity Today“. Gegenwärtig hält er sich zu Forschungszwecken an der Universität Tübingen auf.

(fw)

Vom 14. bis 15. April hielt der bekannte Theologe und Buchautor Prof. Dr. Darrell Bock Gastvorträge an der Freien Theologischen Hochschule Gießen (FTH). Bock ist Research-Professor für Neues Testament am Dallas Theological Seminary in den USA. Er sprach zu verschiedenen Themenbereichen, z.B. zum Lukas-Evangelium, zur Apostelgeschichte, zur Leben-Jesu-Forschung und zum Stellenwert der außerkanonischen Evangelien.
In einem ersten Themenkreis hob Bock die herausragende Rolle des Lukasevangeliums und der Apostelgeschichte im Neuen Testament hervor, insbesondere aufgrund des quantitativ bedeutsamen Umfangs dieser Schriften, ihrer theologischen Akzente und der darin vorzufindenden Betonung von Gottes Heilsplan für Nichtjuden sowie einer eschatologischen Erwartung einer erneuten Zuwendung Gottes zu den Juden. In seinen Vorträgen zur Erforschung des historischen Jesus warnte er vor zu schnellen Urteilen auf weltanschaulicher Basis. Er plädierte stattdessen für die Anwendung eines plausibel nachvollziehbaren Kriterienkatalogs bei der Frage, ob und wie die Bibel den historischen Jesus darstelle. Anhand dieser Kriterien demonstrierte Bock beispielhaft anhand mehrerer biblischer Schlüsselereignisse aus dem Leben Jesu deren historische Echtheit und Plausibilität. In einem Vortrag über außerkanonische Evangelien lehnte er die These einer „evolutionistischen“ Entwicklung der christlichen Theologie ab, die manche Theologen durch außerbiblische Schriften wie das Thomasevangelium belegt sehen wollen. Vielmehr verwies Bock auf eine einfache Methode, um nachvollziehen zu können, welche christlichen Inhalte (core doctrines) und welche überlieferten Schriften von den Christen schon frühzeitig gewissermaßen als „normativ“ akzeptiert wurden: Wer die abgelehnten Schriften mit den biblischen vergleiche, werde leicht entscheidende Widersprüche in ihrer Theologie und in der Darstellung der Person Jesu Christi finden (gnostische und weltanschauliche Überfremdung usw.), die sie letztlich als verbindlich-apostolische „Normen“ disqualifizierten.
Prof. Bock ist Autor des New-York-Times-Bestsellers „Die Sakrileg-Verschwörung. Fakten und Hintergründe zum Roman von Dan Brown“, Autor von wissenschaftlichen Kommentaren zum Lukasevangelium und zur Apostelgeschichte, ehemaliger Präsident der Evangelical Theological Society (ETS) und freier Redakteur der Zeitschrift „Christianity Today“. Gegenwärtig hält er sich zu Forschungszwecken an der Universität Tübingen auf.

(Benjamin Misja / Berthold Schwarz)

Im Rahmen verschiedener Vorlesungen der FTH-Giessen fördert das Institut am 26.11.2009 eine Exkursion nach Erfurt, Eisenach und der Wartburg. In Erfurt wird die Alte-Synagoge mit ihrer am 27.Oktober 2009 eröffneten Dauerausstellung zum Thema “Judentum im Mittelater” im Mittelpunkt stehen. Auf 550 m² Ausstellungsfläche sind Zeugnisse der Kultur und Geschichte der jüdischen Gemeinde Erfurts im Mittelalter zu sehen. Der Höhepunkt der Exposition ist der Erfurter Schatz, der nach Stationen in Speyer, Paris, New York und London dauerhaft im Keller des europaweit einzigartigen Baudenkmals Alte Synagoge Erfurt gezeigt wird. In Eisenach ist ein Besuch der Wartburg geplant, die bis heute, durch Martin Luthers Aufenthalt 1521/22 als Junker Jörg, weltbekannt ist. Die Geschichte der Wartburgsammlung umfasst rund zwei Jahrhunderte. Ihre Anfänge wurzeln in der romantischen Wiederentdeckung deutscher Kultur- und Geistesgeschichte, im Besinnen auf das deutsche Mittelalter. Bei Interesse melden Sie sich doch bitte bei institut(a)israelogie.de Wenn noch Plätze frei sind, sind Sie natürlich Herzlichst eingeladen an dieser Exkursion teilzunehmen.

(fw)