Franz-Delitzsch-Preis 2019

Am Mittwoch, den 17. April 2019 fand die diesjährige Franz-Delitzsch-Preisverleihung an der Freien Theologischen Hochschule Gießen statt. Dort prämierte das Institut für Israelogie drei herausragende Arbeiten, die thematisch mit Israel, dem Alten Testament und den Forschungsschwerpunkten des Instituts zusammenhängen. Dieser Preis wird vom Institut jährlich vergeben, und ist nach Franz Delitzsch (1813–1890) benannt – einem lutherischen Theologen, der als herausragender Kenner des Alten Testaments und der hebräischen Sprache gilt. Die diesjährige Preisverleihung wurde von Prof. Dr. Berthold Schwarz, Prof. Dr. Helge Stadelmann und Studenten der Hochschule geleitet.

Der diesjährige Hauptpreis ging an Prof. Dr. Isaac Kalimi für sein 2018 erschienenes Werk “Untersuchungen zur jüdischen Schriftauslegung und Theologie. Bindung Isaaks, Geschichte Josefs und Biblische Theologie”. Kalimi ist Professor an der Evangelisch-Theologischen Fakultät an der Johannes Gutenberg Universität Mainz, und gilt als einer der weltweit führenden Wissenschaftlern im Bereich der Hebräischen Bibel und der Geschichte des antiken Israel. Er setzt sich außerdem seit Jahren für einen interkulturellen und interdisziplinären wissenschaftlichen Austausch zwischen jüdischen und christlichen Theologen ein.

Der Franz-Delitzsch-Förderpreis ging an Dr. Siegbert Riecker für seine Arbeit “The Old Testament Basis of Christian Apologetics. A Biblical-Theological Survey (2018)”. Riecker promovierte im Bereich Altes Testament und ist Lehrer für Dogmatik, Ethik und Apologetik an der Bibelschule Kirchberg.

Zudem wurde der Studenten-Sonderpreis verliehen an Keshava Wolf, einen Studenten der Freien Theologischen Hochschule Gießen, für seine Seminararbeit “Das Israelverständnis des Paulus in Römer 9-11 (2018)”. Während der Feierlichkeiten wurde der Preis Keshava Wolf persönlich überreicht – Kalimi und Riecker wurden in absentia prämiert.

 

Darauf folgte ein kurzer Reisebericht des letztjährigen Beer-Sheva Stipendiaten Philip Quast, der von seinem sechswöchigen Aufenthalt an der Ben-Gurion-Universität des Negev berichtete (sein ausführlicher Reisebericht findet sich hier). Das diesjährige Beer-Sheva-Sommeruni-Stipendium erhielt Alena Edler, langjährige studentische Mitarbeiterin des Instituts für Israelogie.

Die Preisverleihung wurde abgerundet durch gemeinsame Lieder, wie das israelische Volkslied Hevenu Shalom alechem und einen Kurzvortrag von Altrektor Prof. Dr. Helge Stadelmann, der zum Thema “Wendezeit” darüber sprach, wie Israel bei Christen wieder in den Fokus gerückt ist.

   

Über die Franz-Delitzsch-Preisverleihung 2019 berichtete auch die Gießener Allgemeine und der Gießener Anzeiger.

 

von links: Dr. Berthold Schwarz und Dr. h.c. Fritz May

Am Mittwoch, den 18. April 2018, fand die Verleihung des Franz-Delitzsch-Preises an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen statt. Jährlich prämiert der Preis eine herausragende Forschungsarbeit, die mit den Zielen und Schwerpunkten des Instituts für Israelogie übereinstimmt und dazu einen wissenschaftlichen Beitrag leistet. Möglich sind diese Förderungen aufgrund der Stiftungsgelder, die die Arbeitsgemeinschaft „Christen für Israel“ (CfI) durch ihren langjährigen Vorsitzenden Dr. h.c. Fritz May zur Verfügung stellt. Herr May und seine Frau waren während der Preisverleihung ebenfalls anwesend, bei der er zugleich Segenswünsche zu seinem Geburtstag entgegennehmen durfte. Durch das Programm der Preisverleihung führten Prof. Dr. Helge Stadelmann, der Institutsleiter Dr. Berthold Schwarz und ein Team von Studierenden der Hochschule.

Hauptpreisträger sind dieses Jahr Prof. Dr. Hendrik Koorevaar und Prof. Dr. Mart-Jan Paul. Beide lehren als Professoren für Altes Testament unter anderem an der Evangelischen Theologischen Fakultät Leuven, Belgien. Sie beschäftigen sich schon viele Jahre mit Israel: Während Koorevaar selbst 14 Monate im Land gelebt hat, ist Paul aktives Mitglied am Zentrum für Judaistik-Studien in Ede. Gemeinsam haben sie vor einigen Jahren ein Forschungsprojekt initiiert mit dem Titel: „The Earth and the Land. Studies About the Value of the Land of Israel in the Old Testament and Afterwards”. In diesem Sammelband sind Aufsätze zu finden, die sich unter dem Fokus der alttestamentlichen Verheißung, dass von Zion Segen für die ganze Welt ausgehen soll (z.B. Ps 69,30-37 oder Ps 133), mit dem Land Israel beschäftigen. Auch Beiträge zur späteren Entwicklung der Thematik im Judentum und im Islam wurden aufgenommen. Die Publikation wird demnächst in der Reihe Edition Israelogie erscheinen (EDIS 11).

Prof. Dr. Helge Stadelmann, im Hintergrund die beiden Preisträger

Die beiden Gewinner konnten nicht persönlich bei der Verleihung anwesend sein, übermittelten aber eine Videobotschaft (siehe Link): Koorevaar betonte darin, dass es für Christen sehr wichtig sei, die Relation zum jüdischen Volk zu bedenken. Theologisch betrachtet habe das Christentum nicht die Position Israels eingenommen. Wer in Zukunft das Recht haben wird, im Land Israel zu wohnen, liegt für ihn auf der Hand: die Sanftmütigen, so wie es Jesus in der Bergpredigt sagt.

Prof. Dr. Helmuth Pehlke erhält den Franz-Delitzsch-Förderpreis

Ferner wurde der Franz-Delitzsch-Förderpreis verliehen. Der Förderpreis würdigt Arbeiten, die noch im Progress sind, und geht in diesem Jahr an Prof. Dr. Helmuth Pehlke. In seinem Buch „Israel. Daten – Fakten – Hintergründe, um das Heilige Land zu verstehen“ bereitet der Alttestamentler Insider-Fakten zu ausgewählten Orten mit teilweise Jahrtausende alter Bedeutung auf, die man immer noch besuchen kann. Sein Anliegen, das Wissen um Besonderheiten des Heiligen Landes zu erweitern und Begeisterung dafür zu wecken, brachte er in einer Ansprache lebhaft zum Ausdruck.

Weiterhin wurden zwei Arbeiten jeweils mit einem studentischen Sonderpreis ausgezeichnet. Diese gingen an Jan Kilian Freiherr von Bibra und Alena Edler. Beide studieren an der Freien Theologischen Hochschule Gießen. Philip Quast, ebenfalls Student an der FTH Gießen, erhielt ein besonderes Stipendium: Dieses umfasst einen sechswöchigen Sommeraufenthalt an der Ben-Gurion Universität in Be’er Scheva, Israel.

Ein Impuls zum 70-jährigen Bestehen des Staates Israel beendete den offiziellen Teil der Preisverleihung.

AE

Preisträger 2017: Rev. Dr. Jacob Allen Corzine

Am Mittwoch, den 18. April 2018, findet im Plenarsaal der Freien Theologischen Hochschule Gießen wieder die Franz-Delitzsch-Preisverleihung statt, die das Instituts für Israelogie jährlich ausrichtet.

In diesem Rahmen werden der Franz-Delitzsch-Preis sowie der Franz-Delitzsch-Forschungsförderpreis verliehen.

Die Preise prämieren Arbeiten, die in herausragender Weise sachkompetent und in Übereinstimmung mit den Forschungsschwerpunkten des Instituts für Israelogie eine ausgewogene biblisch-heilsgeschichtliche sowie eine zeitgeschichtlich und historisch sachgerechte Israel-Theologie fördern.

Ein Highlight der Preisverleihung ist zudem seit 2011 die Verkündigung des Gewinners eines Stipendiums für ein sechs-wöchiges Studium an der Sommeruniversität Beer Sheva bekannt gegeben, für das sich Studierende der Freien Theologischen Hochschule Gießen seit Anfang des Jahres bewerben konnten.

Zu der feierlichen Preisverleihung mit anschließendem Kaffeetrinken laden wir Sie herzlich ein und freuen uns darauf, Sie bei dieser Gelegenheit kennen zu lernen oder wiederzusehen! Die Preisvergabe beginnt um 10.10 Uhr in der Freien Theologischen Hochschule Gießen, Rathenaustr. 5-7, 35394 Gießen.

Weitere Informationen zum Franz-Delitzsch-Preis, seinem Namensgeber und den Preisträgern der vergangenen Jahre finden Sie hier.

 (mr)

Seit 2007 fördert das Institut für Israelogie wissenschaftliche Arbeiten und Forschungsbeiträge, die sich auf hervorragende Weise mit Themen der Israelogie beschäftigen, mit dem Franz-Delitzsch-Preis. Die zehnte Preisverleihung fand am Mittwoch, dem 20. April 2016, im Plenarsaal der Freien Theologischen Hochschule Gießen statt.

Pfr. Dr. B. Schwarz (l.) überreicht Dr. E. Hirschfeld (r.) den Franz-Delitzsch-Förderpreis

Pfr. Dr. B. Schwarz (l.) überreicht Dr. E. Hirschfeld (r.) den Franz-Delitzsch-Förderpreis

Auf eine Begrüßung und Einführung durch den Institutsleiter Pfr. Dr. Berthold Schwarz folgte eine instrumental-musikalische Begrüßung durch J. Bork (Flügel) und M. Engel (Akustikgitarre) mit dem Musikstück „In Christ alone“. Anschließend wurde als erster Förderpreisträger Dr. Ekkehard Hirschfeld ausgezeichnet. Er erhielt den Förderpreis für die Erörterung von Ernst Ferdinand Ströters „Israeltheologie“ in einem umfangreichen Kapitel seiner Greifswalder Dissertation über Ströter.

In seinem Grußwort hob Herr Hirschfeld die judenmissionarische Tätigkeit Ströters zu Beginn des 20. Jahrhunderts hervor: Durch seinen Einsatz für die Judenmission in den USA und im damaligen britischen Mandatsbezirk Palästina (heutiges Israel) habe Ströter einen entscheidenden Beitrag zur Israelogie seiner Zeit und auf gewisse Weise sogar zur späteren Staatsgründung Israels geleistet.

Der Förderpreisträger M. Steiner, Mag. Theol.

Der Förderpreisträger M. Steiner, Mag. Theol.

Der zweite diesjährige Förderpreisträger war Martin Steiner, der die Ehrung für seine Magisterarbeit, die an der Universität Wien mit summa cum laude ausgezeichnet wurde, erhielt. Die Arbeit „Messianische Juden und hebräisch sprechende Katholiken“ beschäftigt sich mit einigen speziellen messianischen Gruppierungen. Diese Studie über Theologie und Praxis jüdisch-katholischer Gemeinden in Israel sei, so Pfr. Dr. Berthold Schwarz, wichtig für ein fundiertes Verständnis des jüdisch-christlichen Dialogs. Leider konnte Herr Steiner nicht persönlich anwesend sein; stattdessen sandte er ein Grußwort per Video.

Anschließend wurde Dr. Benjamin Lange für seine Masterarbeit an der University of South Africa mit dem Titel „Die Bundesbeziehung Gottes zu Israel im Sinaibund als Argumentationsgrundlage in Röm. 9-11“ mit dem Franz-Delitzsch-Hauptpreis ausgezeichnet. Herr Lange hielt das Hauptreferat des Tages zum Thema seiner Forschungsarbeit.

Im Römerbrief, so Lange, finde sich in den Kapiteln 9-11 eine gründliche heilsgeschichtliche Einordnung Israels; hierbei hebe Paulus sowohl die Zuwendung Gottes zu Israel als auch das Problem, dass Israel Gott ungehorsam sei, hervor. Wie lässt sich dieser Befund mit dem Sinaibund (Mosaischer Bund) verbinden?

Ein Einblick in die aktuelle Forschung zeigte den Zuhörern, dass der Sinaibund in der alttestamentlichen Wissenschaft heutzutage positiver wahrgenommen wird als noch vor einigen Jahren. Es wird betont, dass Israels Beziehung zu Gott einseitig von Gott abhänge und nicht von Israels Gehorsam Gott und seinen Geboten gegenüber. Gleichzeitig wird stark zwischen dem Bundesinhalt (der für heutige Heidenchristen nicht unmittelbar gelte) und der Bundesbeziehung zwischen Gott und seinem Volk unterschieden. Diese werde im Alten Testament mit verschiedenen Begriffen ausgedrückt. Sie werde unverbrüchlich von Gott garantiert.

Dr. B. Lange bei seinem Referat

Dr. B. Lange bei seinem Referat

In diesem Kontext wirkt Röm. 9-11 zunächst paradox, denn aus diesen Kapiteln ließ sich in früherer Zeit die Substitutionslehre ableiten: Gott habe Israel völlig verworfen und sich die neutestamentliche Gemeinde als sein neues Volk erwählt. Hier zeige sich, so Lange, ein völlig anderer Blickwinkel der AT- und der NT-Wissenschaft auf den Sinaibund.

Was für den Sinaibund konstitutiv sei, sei die zeitliche Reihenfolge dreier Elemente:

1. Gottes Segen (für Gehorsam Israels)

2. Gottes Fluch (für Ungehorsam Israels)

3. Wiederherstellung des Bundes durch Gott

Diese Reihenfolge werde in 5. Mose 28-32 explizit herausgestellt; sie zeige sich auch immer wieder in der alttestamentlichen Geschichte. Beispielsweise folge auf die Sünde Israels mit dem Goldenen Kalb (2. Mose 32) ein Fluch Gottes, danach aber die Wiederherstellung des Bundes durch Gott.

Langes These ist, dass diese Elemente den Sinaibund mit dem Neuen Bund in Christus verbinden. Gott breche den Bund niemals; wenn aber der menschliche Bundespartner sündige und den Bund breche, so stelle Gott den Bund wieder her. Der Alttestamentler Erich Zenger brachte es auf den Punkt: „Israel kann den Bund brechen, aber Israel kann den Bund nicht zerbrechen.“

Hier finde sich, meint Lange, eine Gemeinsamkeit zwischen dem Sinaibund und Röm. 9-11. In beiden Texten gehe es darum, dass Gottes Barmherzigkeit den einmal geschlossenen Bund wiederherstelle. Beide Texte sprächen von der Initiative Gottes an Israel und von einer bleibenden Bedeutung und Zukunft Israels.

In Röm. 9-11 benutze Paulus einige sogenannte Bundesformeln aus dem AT, um Gottes Beziehung zu Israel zu beschreiben. Wie 5. Mose 30 stelle Paulus heraus, dass auf Israels Sünde (den Bruch des Bundes) Umkehr und Buße folgen werde. Damit argumentiere er völlig in der Linie der frühjüdischen Tradition.

Dr. B. Lange bei seinem Referat

Dr. B. Lange bei seinem Referat

Das Schlüsselwort in Röm. 9-11 sei „Barmherzigkeit“. Diese Barmherzigkeit (Gottes) sei die Lösung des Problems, dass Israel Jesus nicht als Messias anerkennt. Trotz dieses Problems nenne Paulus Israel „Gottes Volk“ (Röm. 11,1f.) und verwende eine spezifische Bundesterminologie. Durch Israels Umkehr werde – so die Überzeugung von Paulus – die Wiederherstellung des Sinaibundes erfolgen: „Ganz Israel wird errettet werden“ (Röm. 11,26). Paulus verwende zahlreiche Zitate und Anspielungen auf die alttestamentliche Bundesterminologie, in der es um Gottes bleibende Beziehung zu Israel gehe. Er betone die Barmherzigkeit Gottes und zitiere exakt diejenigen Passagen des Sinaibundes, die sich besonders mit der Wiederherstellung eines gebrochenen Bundes beschäftigten. Röm. 9-11 sei, meinte Lange, so konzipiert, dass deutlich werde, dass es nach Paulus eine völlige Wiederherstellung von Gottes Bund mit Israel geben werde. Gleichzeitig aber betone Paulus die heilsgeschichtliche Bedeutung für die Heidenvölker: Die Bundesbeziehung Gottes zu Israels sei paradigmatisch für Gottes barmherzige Zuwendung zu den Nationen. Paulus verfolge hier also eine Doppelstrategie. Er sei vom Bundesdenken geprägt und übertrage diesen Bund auch auf die Heiden, die sich an Christus halten – wobei er das jüdische Volk aber nicht verloren gebe. Nach Paulus’ Sprachgebrauch zu urteilen, meine er, dass die Wiederherstellung Israel als Kollektiv gelte, nicht unbedingt jedem einzelnen Israeliten individuell.

Das ebenso inhaltsreiche wie kurzweilige Referat wurde mit begeistertem Applaus aufgenommen.

Institutsleiter Pfr. Dr. Schwarz mit den Stipendiaten

Institutsleiter Pfr. Dr. Schwarz mit den Stipendiaten

Zusätzlich zum Franz-Delitzsch-Preis wurden auch zwei Stipendien des Instituts für Israelogie vergeben. Roland Franz und Johannes Appelt (beide Studenten an der Freien Theologischen Hochschule Gießen) bekamen einen Platz an der Sommeruni der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva (Israel). Für sechs Wochen können sie in Israel studieren, bekommen Ivrit-Unterricht, besuchen theologische Vorlesungen und lernen Land und Leute kennen.

Musikalisch großartig untermalt wurde der Festakt durch J. Bork (Flügel) und M. Engel (Akustikgitarre). Während der Preisverleihung wurde auch der Förderer des Israel-Instituts, Dr. h.c. Fritz May, Vorsitzender von „Christen für Israel“ (CfI), zu seinem 80. Geburtstag geehrt. Anschließend an die Preisverleihungen rundeten Gespräche bei Kaffee und Kuchen die Preisverleihungs-Feierlichkeiten ab.

Übrigens: Weitere Bilder der Preisverleihung finden Sie hier!

sg

Bilder: privat

Büchertisch mit der institutseigenen Bücherreihe EDIS.

Die 9. Franz-Delitzsch-Preisverleihung des Instituts für Israelogie fand am 24. April d. J. im Plenarsaal der Freien Theologischen Hochschule (FTH) statt. So wie jedes Jahr wurden auch diesmal ein Franz-Delitzsch-Hauptpreis sowie Franz-Delitzsch-Förderpreise verliehen.

Die Preise prämieren Arbeiten, die in herausragender Weise sachkompetent und in Übereinstimmung mit den Forschungsschwerpunkten des Instituts eine ausgewogene biblisch-heilsgeschichtliche sowie eine zeitgeschichtlich und historisch sachgerechte Israel-Theologie fördern. Der Hauptpreis 2015 wurde an Dr. Hanna Rucks überreicht, die Forschungsförderpreise erhielten Dr. Franz Posset und Frank Clesle.

v. l.: Helge Stadelmann, Berthold Schwarz, Hanna Rucks, Frank Clesle, Fritz May

Die Preisträger sowie die Anwesenden der Preisverleihung wurden zu Beginn der Veranstaltung musikalisch begrüßt mit Franz Liszts „Un sospiro“ aus Trois Études de concert, S.144 Nr.3. Schließlich eröffnete Prof. Dr. Helge Stadelmann die Preisverleihung mit einer freundlichen Begrüßung und mit Gebet. Dr. h.c. Fritz May, der Stifter des Instituts für Israelogie, war zusammen mit seiner Gattin auch unter den Ehrengästen.

Der zuerst prämierte Förderpreisträger war der deutsch-amerikanische Historiker Dr. Franz Posset: Er wurde für seine historische Arbeit über Reuchlin ausgezeichnet. Der Titel seiner Arbeit lautet: „In Search Of An Explanation For The Suffering Of The Jews. Johann Reuchlin‘s Open Letter Of 1505“. Leider konnte Dr. Posset nicht selbst anwesend sein. Daher grüßte er mit einer Videobotschat aus den USA (kann hier[1] angesehen werden).

Frank Clesle

Frank Clesle

Frank Clesle wurde anschließend mit dem Forschungsföderpreis ausgezeichnet für seine Arbeit mit dem Titel „Der israeltheologische Neuorientierungsprozess ausgewählter Kirchen und Gemeinden in Deutschland. Einblicke, Auswirkungen, Anstöße.“ In dieser Abschlussarbeit am Bibelseminar Königsberg untersuchte Clesle den israeltheologischen Neuorientierungs-prozess, den er u.a. in Deutschland in verschiedenen Kirchen – in der katholischen, in den evangelischen, in freikirchlichen, in orthodoxen – angebrochen sieht. Clesles Eindruck ist, dass sich das deutsch-jüdische Verhältnis immer noch in einem nicht-abgeschlossenen Prozess befinde. Allerdings habe sich an der Basis von diesem Neuorientierungsprozess noch nicht sehr viel durchgesetzt. Als Beispiel führte er an, dass zwar viele „Reue“ für die Schandtaten der Deutschen an Juden empfänden, aber es kein größeres Interesse an einem neuen Miteinander gäbe.

Dr. Hanna Rucks

Dr. Hanna Rucks

Der Franz-Delitsch-Hauptpreis wurde an Dr. Hanna Rucks für ihre Dissertation an der Uni Dortmund überreicht, die den Titel trägt: „Messianische Juden. Geschichte und Theologie der Bewegung in Israel“. Während Frau Dr. Rucks noch in Israel lebte und arbeitete, lernte sie die messianisch-jüdische Bewegung in Israel von innen heraus kennen. Messianische Juden, so Rucks in Ihrem Impulsreferat, führten ein theologisches Stiefmütterchen-Dasein. Zum Beispiel werden Sie beim diesjährigen Kirchentag in Stuttgart ausgeschlossen, weil Sie unter Verdacht stehen, Juden missionieren zu wollen. Ihnen wird als Bewegung kaum eine öffentliche Möglichkeit gegeben, ihre Anliegen und ihren Glauben darzustellen. Laut Rucks hätten messianische Juden in Israel Angst, als an Jesus gläubige Juden entdeckt zu werden, was auch darin zum Ausdruck komme, dass ihre Ansichten, die z.B. in Rucks Publikation miteingeflossen sind, nur unter Pseudonym veröffentlicht wurden.

Das Referat von Dr. Rucks trug den Titel „Messianische Juden – eine theologische Herausforderung?!“ und war in die drei Punkte gegliedert: 1. Christologie, 2. Thora und 3. Ekklesiologie, von denen aus sie jeweils messianisch-jüdische Ansätze darlegte.

Unter messianisch-jüdische Christen werden laut Dr. Rucks drei christologische Positionen vertreten: Die eine Gruppe hat die „klassisch-völkerchristlichen“ Lehre der Dreieinigkeit übernommen. Anderen fällt die Rede vom dreieinigen Gott schwerer, da manche von ihnen dadurch das monotheistische Wesen Jahwes verletzt sehen. Sie plädieren dafür, die Person Jesu Christi theologisch neu zu durchdenken. Es sei sehr häufig, dass das Gottesbild von messianischen Juden binär gedacht werde, und der Heilige Geist nicht gesondert für sich betrachtet werde, und man sich nur auf Gott, den Vater, sowie auf Jesus Christus konzentriere. Wieder andere deuten Christus als die „Sefira“ (Gefäß) Gottes, in welcher er sich letztendlich und am tiefsten offenbart habe.

Als schwierig stellt sich offenbar auch das Verhältnis von messianischen Juden zur jüdischen Thora heraus: Während man im (orthodoxen) Judentum jedes einzelne Gebot der Thora zu befolgen versucht – auch u.a. die Speisegebote –, erscheint das Verhältnis eines zum Christusglauben gekommenen Juden zu den Thorageboten ambivalent, da laut Paulus „Christus des Gesetzes Ende“, also der Thoraobservanz sei (Röm 10,4). Auch hier zeichnen sich verschiedene Richtungen ab: Manche halten aus theologischen Gründen an der jüdisch-orthodoxen Thoraobservanz fest, andere sind für eine messianisch-jüdische Halacha; manche unterteilen – im Sinne der reformierten Tradition – die Thora in Zeremonial-, Judizial- und Moralgesetze und erkennen nur letzteres als für sie verbindlich einzuhalten an. Andere sind für eine Thoraobservanz aus identitätsstiftenden Gründen.

Zum Schluss nannte Dr. Rucks noch Antwortmöglichkeiten auf die Frage, die sie an messianisch-jüdische Christen gestellt hatte: Worin besteht ein Jude-Sein, das mit dem Jesusglauben kombiniert werden kann? Die Antworten fallen auch hier wieder unterschiedlich aus: Eine Auffassung betont, dass das Jude-Sein im Praktizieren der jüdischen Religion bestehe, so dass das Jude-Sein nach seiner Konversion zum Christentum nicht mehr vorhanden sein könne. Eine andere Ansicht hebe hervor, dass das Wesen des Jude-Seins gerade im Messiasglauben liege und der messianische Jude durch den Christusglauben gerade zur ‚Vollkommenheit‘ seines Jude-Seins gelangen würde. Ein völlig anderer Ansatz ist dagegen, wenn man das Jude-Sein prinzipiell als ethnische Zugehörigkeit definiert, ggf. mit einer gewissen religiösen Konnotation, sodass sich dadurch keine theologischen Schwierigkeiten mit dem Christ-Sein ergeben würden.

Frau Dr. Rucks empfahl den anwesenden Studierenden, sich mit den von ihr genannten Themenfeldern näher zu beschäftigen. So manche interessante Forschungsarbeit ließe sich damit beginnen.

Die Musiker (v.l.): J. Igler, D. Ludwig, S. You

Die Musiker (v.l.): J. Igler, D. Ludwig, S. You

Nach der Preisverleihung wurde auch der diesjährige Stipendiat für die Sommer-Uni in Beer Sheva bekannt gegeben: Markus Rehberg darf diesen Sommer das Voll-Stipendium des Instituts für einen sechswöchigen Aufenthalt an der Ben-Gurion Universität in Anspruch nehmen, dabei einen Ivrit-Kurs belegen, theologische Vorlesungen besuchen sowie Land und Leute vertieft kennenlernen.

Nach einer intensiven und interessanten Stunde im Plenarsaal der FTH konnte man anschließend in der Cafeteria bei Kaffee & Kuchen über das Gehörte und Erlebte ins Gespräch kommen. Die hervorragenden, abwechslungsreichen musikalischen Beiträge der FTH-Studenten S. You, J. Igler und D. Ludwig haben die Preisverleihung großartig unterstützt.

(ts)

[1] http://drfranzposset.com/acceptance/

Pfr. Dr. Gerhard Gronauer bei seinem Vortrag

Auf die Suche nach einer theologisch wie politisch angemessenen Haltung zum jüdischen Staat und zum Nahostkonflikt hat am vergangenen Freitag, 25. April 2014, Pfr. Dr. Gerhard Gronauer seine Zuhörer bei der Franz-Delitzsch-Preisverleihung mitgenommen.

Gronauer wurde vom Institut für Israelogie in einer feierlichen Zeremonie für sein 2013 in Göttingen erschienenes Werk “Der Staat Israel im westdeutschen Protestantismus. Wahrnehmungen in Kirche und Publizistik von 1948 bis 1972” mit dem Franz-Delitzsch-Preis geehrt. Dieser seit 2007 verliehene Preis prämiert Arbeiten, die sachkompetent und in herausragender Weise eine heilsgeschichtliche Israel-Theologie (Israelogie) fördern.

“Der Staat Israel im westdeutschen Protestantismus”

In seinem gut verständlichen und überzeugenden Vortrag betonte der in Dinkelsbühl (Bayern) tätige Pfarrer als eine persönliche Erkenntnis aus seinem Buch die Wichtigkeit einer ausgewogenen sowie sachgerechten Haltung im Hinblick auf die Nahostproblematik, da zu jedem Konflikt stets zwei Parteien gehörten. So müsse Kritik an Israel wie an jedem anderen säkularen Staat – jedoch nicht mehr als an jedem anderen Staat – erlaubt sein, seien aber die Ansprüche der palästinensischen Befreiungstheologie ebenso unter die Lupe zu nehmen. Dass letzteres versäumt wurde, während der christliche Zionismus missbilligte wurde, bemängelte der Theologe zum Beispiel an der 2012 erschienenen EKD-Orientierungshilfe “Das gelobte Land”. Eine richtige Friedensbewegung hingegen müsse vermitteln und sich in Selbstkritik üben anstatt Ressentiments zu verschärfen.

Prof. Dr. Stadelman überreicht dem Preisträger die Urkunde

Gronauer führte weiter aus, wie ihn trotz seines Strebens nach Ausgewogenheit sein Glaube an den Gott, der auch im Neuen Testament der „Gott Israels“

genannt wird und sein Erschrecken über den Nationalsozialismus zu einer pro-israelischen Haltung führen. Die Gefahr, mit dieser Haltung Schiffbruch zu erleiden (z. B. durch eine theologische Verklärung des Staates Israel) ist seines Erachtens geringer als bei einem Antisemitismus, der im Deckmantel einer “neutralen Israel-Kritik” daherkomme oder auch bei einer grundsätzlichen theologischen Israel-Vergessenheit, welche Gronauer zu bekämpfen sucht. Er ermutigte seine jungen Zuhörer, Verantwortung für unsere deutsche Vergangenheit zu übernehmen und – so abgedroschen dies manchmal klingt – die Verbrechen des Holocaust sowie Israel nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dies könne zum Beispiel dadurch geschehen, dass der 10. Sonntag nach Trinitatis als der offiziell Israel-Sonntag wieder bekannt gemacht und sinnvoll genutzt würde oder indem man sich für den Erhalt jüdischer oder von Juden ehemals bewohnter Gebäude einsetze.

Bei den Recherchen für sein Buch sei Gronauer unter den vielen Stellungnamen zum Thema Israel eine besonders ins Auge gefallen: Im Jahr 1980 bezeichnete die Evangelische Kirche im Rheinland die “fortdauernde Existenz des jüdischen Volkes” als ein “Zeichen der Treue Gottes gegenüber seinem Volk”. Gronauer lobte die Wortwahl dieser theologischen Standortbestimmung. Der Begriff “Zeichen” bringe auf der einen Seite das Handeln Gottes mit dem aktuellen Staat Israel in Verbindung, ließe aber auf der anderen Seite auch einige Fragen – wie beispielsweise die, ob sich 1948 eine biblische Weissagung erfüllt hat – offen, und dies sei gut so.

Illustration von Hes 37 aus der “Action Bible”

In Bezug auf Fragen wie diese hielt sich Gronauer sympathischerweise bedeckt: Er könnte nicht von sich behaupten, für die Gegenwart einen Plan Gottes für Israel und die Palästinenser zu kennen. Es ist jedoch seine Überzeugung, dass sich mit der Wiederkunft Christi innerbiblisch nicht erfüllte Verheißungen wie die aus Hesekiel 36-37 erfüllen können: “Wenn Gott eingreift, wenn er die Himmel aufreißt und die Welt in irgendeiner Form verwandelt, dann sind noch viele Hoffnungen und Verheißungen aus der Bibel da – auch an Israel -, die dann in Erfüllung gehen können.”

Doch bis dahin lebten wir in der Jetzt-Zeit und könnten nur gemeinsam auf eine Lösung des Nahostkonflikts hoffen und dafür beten. So drückte der Lehrbeauftragte der CVJM-Hochschule in Kassel zum Schluss seines inspirierenden wie auch nachdenklich stimmenden Vortrags seinen tiefen Wunsch aus, dass – vielleicht durch Abstimmungen und Abgrenzungen – eines Tages seine Söhne erleben, wie Juden und Palästinenser friedlich im Heiligen Land zusammenleben – bis zu dem Zeitpunkt, an dem Gott seine Welt verwandeln wird.

“Wozu Israel”, hg. von Tobias Krämer

Krämer im Video-Grußwort

Neben der Verleihung des Hauptpreises wurde Tobias Krämer aus Stuttgart von Institutsleiter Dr. Berthold Schwarz für die Mitwirkung an und Herausgabe von „Wozu Israel? Historische, theologische und zeitgeschichtliche Zugänge zum Bundesvolk Israel“ mit dem Franz-Delitzsch-Förderpreis ausgezeichnet. Dieses kompakte Themenbuch bereitet das Verhältnis der Gemeinde Jesu zum Bundesvolk und zum Staat Israel biblisch fundiert und in gemeindetauglicher Form auf. In seinem Video-Grußwort drückte Krämer seine Überzeugung aus, dass unsere gesamte Theologie mit unserer Haltung zu Israel stehe und falle, sowie seine Dankbarkeit für die Auszeichnung, welche aus seiner Sicht auch das Bemühen um das heute mehr denn je nötige gemeinderelevante theologische Arbeiten prämiere.

Eine der Gewinnerinen des Sommer-Uni-Stipendiums

Im Rahmen der Preisverleihung wurden mit Seline Kanwischer und Franziska Peters zudem die zwei glücklichen Gewinnerinen des Stipendiums für eine sechs-wöchige Sommeruniversität in Beer Sheva, Israel, bekannt gegeben, auf das sich Studierende jährlich bewerben können. Die beiden Studentinnen werden dort in ihrer vorlesungsfreien Zeit modernes Hebräisch lernen und durch Vorträge sowie Ausflüge Land, seine Kultur und das Judentum besser kennen lernen. Im Anschluss werden sie auf unserer Website von ihren Erfahrungen im Heiligen Land berichten.

Große Freude über das Stipendium

Große Freude über das Stipendium

Jochen Grebe am Klavier und Marie-Helen Tuchscherer am Saxophon führten das Publikum durch ihre einfühlsamen und hochwertigen Interpretationen musikalisch durch die ein-stündige Preisverleihung, welche Prof. Dr. Stadelmann mit der Erinnerung daran beendete, dass Gott immer zu seiner Zeit seine Ziele erreicht – dies werde auch für Israel der Fall sein.

(jp)

Fotos: © privat

Markus Voss-Göschel referierte über den Antisemitismus Immanuel Kants

Markus Voss-Göschel referiert über den Antisemitismus Immanuel Kants

Warum war Immanuel Kant Antisemit?

Diese Frage stand im Fokus, als am Freitag, 26. April, im Rahmen einer feierlichen Zeremonie des Instituts für Israelogie der diesjährige Franz-Delitzsch-Förderpreis an Dr. Joel R. White (Gießen) für seinen Aufsatz “The Tale of the 144.000 in Revelation 7 and 14: Old Testament and Intra-textual Clues to their Identity” sowie an Markus Voss-Göschel (Jena) für seine Arbeit “Zum Stellenwert vom theoretischen Antisemitismus in Immanuel Kants Religionsphilosophie” verliehen wurde.

Dr. Berthold Schwarz eröffnet die Feierlichkeiten zur Franz-Delitzsch-Preisverleihung

Dr. Berthold Schwarz eröffnet die Feierlichkeiten zur Franz-Delitzsch-Preisverleihung

Zu Beginn der im Plenarsaal der Freien Theologischen Hochschule stattfindenden Preisvergabe begrüßte Prof. Dr. Helge Stadelmann die Gäste und übergab das Wort an Institutsleiter Dr. Berthold Schwarz, welcher zunächst einmal den Namensgeber des Preises vorstellte: Franz Delitzsch (1813-1890) aus Leipzig, ein großer Kenner der rabbinischen Literatur, der das Neue Testament ins Hebräische übersetzte und dessen mit Carl Friedrich Keil erarbeitete Kommentarreihe in ihrer philologischen Genauigkeit eine Orientierung für die Arbeit des Instituts für Israelogie darstellt. Somit verleiht dieses seit 2007 einen Franz-Delitzsch-Preis sowie -Förderpreis für Arbeiten exegetischer, dogmatischer oder historischer Natur, die in herausragender Weise sachkompetent und in Übereinstimmung mit den Forschungsschwerpunkten des Instituts eine heilsgeschichtliche Israel-Theologie (Israelogie) fördern.

Fritz May nimmt ein kleines Präsent anlässlich seines Geburtstages entgegen

Dr. Fritz May nimmt ein kleines Präsent anlässlich seines Geburtstages entgegen

Ein besonderer Gruß wurde an Dr. Fritz May zu seinem 77. Geburtstag gerichtet, der das Institut seit  dessen Gründung mit dem Verein „Christen für Israel“ unterstützte und erst mögliche machte. May bedankte sich mit den Worten, die 77 sei zwar eine „vollkommene Zahl“, er habe aber lange noch nicht alles erreicht. Sein Herz werde weiter für Israel schlagen, bis Gott selbst ihn in den Ruhestand rufe.

Die beiden Gewinner des Israel-Stipendiums beglückwunschen sich gegenseitig

Die beiden Gewinner des Israel-Stipendiums beglückwunschen sich gegenseitig

Nun ging es mit der von allen mit Spannung erwarteten Preisverleihung weiter: Da in diesem Jahr kein – für eingereichte Monographien, Examensarbeiten o.ä. angesetzter – Hauptpreis verliehen wurde, gab es dieses Mal zwei Stipendien für die Teilnahme an der Sommeruniversität in Beer Sheva, Israel, auf das sich Studenten der Freien Theologischen Hochschule Gießen seit einigen Monaten bewerben konnten. Die Überraschung war gelungen für Philipp Wiens und Colin Bergen, die von Prof. Dr. Stadelmann mit den Worten „Warum soll nur einer fahren? Ich glaube, sie kommen miteinander klar“ als Gewinner verkündet wurden. Die beiden jungen Männer werden während ihrer vorlesungsfreien Zeit in Beer Sheva Hebräischkurse belegen und durch Vorträge sowie Ausflüge Land, Kultur und das Judentum besser kennen lernen werden.

Anschließend übernahm Institutsleiter Berthold Schwarz die Verkündigung der Gewinner des Franz-Delitzsch-Förderpreises. Dr. Joel R. White wurde für seinen Aufsatz über die famösen 144.000 aus Offenbarung 7 und 14, der demnächst in einem Sammelband der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, ausgezeichnet. Dieser lohnenswerte Diskussionsbeitrag habe die Jury überzeugt, weil er entsprechend dem Anliegen des Instituts „erst die Fakten“ und „dann die Meinung“ darstellt und den wissenschaftlichen Austausch über eine herausfordernde Bibelstelle fördert.

Der Institutsleiter überreicht Dr. Joel White seine Urkunde

Der Institutsleiter überreicht Dr. Joel White seine Urkunde

Dr. Joel White bei seiner Dankesrede

Dr. Joel White bei seiner Dankesrede

White bedankte sich in einer kurzen Rede für die Auszeichnung, die er als „Würdigung der andauernden Wichtigkeit der Exegese“ versteht, welche aus aus einem kritischen Hinterfragen systematisch-theologischer Entwürfe bestehe. Nach seiner Deutung, die sich von dem typisch reformierten Ansatz, aber auch vom klassischen Dispensationalismus unterscheidet, stellen die 144.000 in der Offenbarung judenchristliche Gläubige im 1. Jh. dar. Dieser bereits von Victorinus von Pettau (2. Jh.) und vereinzelten Forschern des 19. und 20. Jh. vertretenen Auslegung hofft er im 21. Jahrhundert durch seinen Aufsatz zu einer Wiederbelebung zu verhelfen.

Markus Voss-Göschel beim Empfang der Urkude

Markus Voss-Göschel beim Empfang der Urkunde

Dem Theologiestudenten Markus Voss-Göschel aus Jena wurde für seine Arbeit über Immanuel Kants Antisemitismus der zweite Franz-Delitzsch-Förderpreis überreicht. Hierbei handele es sich um  einen grundlegend verschiedenen Ansatz, welcher religionsphilosophische Aspekte aufzeige, erläuterte Schwarz und bat den Preisträger mit der Aufforderung, dem Publikum zu erklären, “was man über Kant sonst noch so zu lernen hat außer dem, was in der Philosophieprüfung abgefragt wird“, zum Rednerpult.

Diese Aufforderung ließ Voss-Göschel nicht unbeantwortet und ließ ein von großem Engagement und viel Feingefühl geprägtes Impulsreferat über die eher unbekannten Seiten des großen Philosophen folgen. Gesucht hatte der Theologe zu Beginn seiner Arbeit Kants Verständnis von Religion, gefunden einen radikalen Antisemitismus bei einem Immanuel Kant, den er während des Studiums seiner Schriften als wesentlich komplexer und vielschichtiger kennen lernte, als gemeinhin angenommen wird.

Was viele von Kant nicht kennen, seien beispielsweise die Stellen, in denen er Juden als „Vampyre der Gesellschaft“ bezeichnet und von einer dringend erforderlichen „Euthanasie des Judentums“ spricht – und das, obwohl der Königsberger Philosoph gute Beziehungen zu Juden wie Moses Mendelsohn und Marcus Herz pflegte. Wie passt das zusammen? Dieser Frage, so erzählt Voss-Göschel weiter, widmete er sich fortan in seinen Recherchen: Wie kommt es, dass ein eigentlich so menschenfreundlicher und klarer Denker wie Kant derart brutale Äußerungen von sich gab, dass sich später sage und schreibe sogar Adolf Eichmann in Jerusalem auf ihn berufen konnte?

Darauf verstand der Preisträger in den kommenden 40 Minuten eine Antwort zu geben, die studentische Zuhörer und Akademiker gleichermaßen fesselte. So kommt Voss-Göschel zunächst zu der Erkenntnis, dass zu differenzieren ist zwischen Kants positiver Beziehung zu einzelnen Juden sowie seiner prinzipiellen Aversion gegenüber dem Judentum als solches, die offenbar aus seinem komplexen Religionsverständnis resultierte. Deshalb „nur“ ein theoretischer Antisemitismus.

Das genetische Systems Kant

Das genetische Systems Kant

Den Zusammenhang zwischen Kants Religionsphilosophie und seinen judenfeindlichen Aussagen erläuterte Voss-Göschel nun mit Hilfe des folgenden Schemas: Das Christentum als geoffenbarte / historische Religion, die sich auf mehrere Offenbarungsereignisse stützt, sei zwar gut, beinhalte aber viele Elemente, die weder überprüfbar wahr, noch praktisch oder moralisch nützlich seien, da es aufgrund seines historischen Charakters keine allgemeine Gültigkeit beanspruchen könne. Wie sollen wir zum Beispiel sicher wissen, dass die Auferstehung wahr ist, wenn wir nicht dabei waren, weil wir zur falschen Zeit am falschen Ort geboren wurden?

Kants Schlussfolgerung lautet: Es muss alles Geoffenbarte, weil zu konkret, und alles Historische, weil zu begrenzt und materiell, von der christlichen Religion „weggeschnitten“ werden. Was bleibt, ist eine von jeder Offenbarung abstrahierte Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft. Doch selbst zu dieser, so resümierte der Theologe aus Jena Kants Argumentation, habe ein Mensch von den Fidschi-Inseln, der weder die Bibel besitzt, noch Missionaren begegnet, keinen Zugang. Es müsse deshalb etwas geben, dass jeder Mensch zu jeder Zeit und an jedem Ort erkennen, dass jeder aus sich selbst heraus tun kann, damit eine Gottesbeziehung entsteht.

Wiederum setzt also der Philosoph die Schere an und erhält einen reinen Religionsglauben, der sich fortan einzig und allein um den moralischen Bezug dreht. Denn in theoretischen Fragen könnten die Meinungen divergieren, in moralischen nicht. Für Kant wird Glaube zu einem moralischen und Moral zu einem religiösen Begriff. Ein gläubiger Mensch ist für ihn derjenige, der der menschlichen Sinnlichkeit Grenzen und somit Prioritäten zugunsten der moralischen Besserung setzt. Ungläubig ist dagegen derjenige, der unsittlich handelt.

Aus diesen Überlegungen, so erläuterte Voss-Göschel behutsam, aber bestimmt, folgt für den Philosophen der Aufklärung die folgende Systematisierung und Einordnung der religiösen Haltungen – und hier nähern wir uns langsam aber sicher den Gründen für die kantischen Ressentiments wider das Judentum.

Einordnung der religiösen Haltungen nach Kant

Einordnung der religiösen Haltungen nach Kant

So sei stets zu fragen, ob ein Mensch eine Grundhaltung mit oder ohne moralischen Bezug habe, und ob diese Haltung unstatutarisch, das heißt, ohne Regeln, eher nach Gefühl, oder aber statutarisch, also kasuistisch, auf Regeln und Gesetze fixiert, funktioniere. Daraus ergeben sich für Kant die folgenden vier Möglichkeiten:

1. Ist jemand auf Moral bedacht, und zwar so sehr, dass er keine Gesetze nötig hat, stellt dies den reinen Religionsglauben dar.

2. Ist jemand auf Moral bedacht, benötigt aber dazu Gesetze, handelt es sich um die kultische Religion des Gunsterwerbs. (Hierbei gehe es in erster Linie um die Gunst, nicht um den Betreffenden selbst, es sei deshalb kein Glaube, sondern Religion.)

3. Ist jemand nicht auf Moral bedacht und befolgt auch keine Gesetze, ist er ein Anarchist oder Freigeist.

4. Ist jemand nicht auf Moral bedacht, hält sich aber gleichzeitig an Gesetze, die niemandem etwas bringen, dann muss er wohl ein Jude sein.

So wird das Judentum für den Philosophen zur abscheulichsten aller Religionen, weil zweierlei fehlt: Zum einen der moralische Bezug, denn das Judentum könne einen Menschen nicht moralisch verbessern und diene dem Nächsten nicht, da die Gesetze keinen humanitären Aspekt aufweisen, und zum anderen eine Gesinnungsethik: Kant meint damit das unstatutarische Denken, eine intrinsische Motivation, ein Pflichtbewusstsein des Menschen – statt äußerer Mittel wie einem Gesetz, mithilfe derer man sich disziplinieren müsse.

Voss-Göschel bei seinem Vortrag

Voss-Göschel bei seinem Vortrag

Wieso aber ordnet Kant das Judentum in diese Kategorie ein und spricht ihm jeden moralischen Bezug ab? Diese Frage schwirrte sicher in den Köpfen der gespannten Zuhörer herum. Markus Voss-Göschel beschreibt für alle verständlich das kantische Bild von Judentum. Der Philosoph habe sich der harten Kritik der Ersatztheologie angeschlossen, in der das Judentum Gesetz und das Christentum Freiheit bedeutet. Für ihn ist der Gott des Judentums einer, der – unabhängig davon, wie der Mensch sich fühlt, was es bringt, ob es dem Verstand entspricht – die bloße Verfolgung von Geboten bezwecke, aber keine Besserung des Menschen an sich. Solch ein Gott aber sei „doch eigentlich nicht dasjenige moralische Wesen, dessen Begriff wir zu einer Religion nötig haben“. In diesem Sinne stelle das Judentum nicht viel mehr als eine autoaggressive Weltanschauung dar, sei aber – durch den fehlenden moralischen Bezug – „eigentlich gar keine Religion“.

Denn Religion, wir erinnern uns, ist für Kant nicht mehr und nicht weniger als Moral mit Gottesbezug und somit stets anthropozentrisch. Gottesdienst ohne Menschendienst verfehle seinen Zweck, und letzteren weist das Judentum seiner Kenntnis und Bibellektüre nach nicht auf.

Voss-Göschel kommt zum Schluss: Kann man nun Immanuel Kant einen Vorwurf für seine Überzeugung machen? Ja, könne man. Denn für den sonst so redlichen und intellektuellen Philosophen kamen eben nicht – gemäß dem Motto des Instituts für Israelogie – erst die Fakten und dann die Meinung, sondern stand seine Grundhaltung an erster Stelle. Er habe sich nicht die Mühe gemacht, seine jüdischen Freunde zu fragen, worum es im Judentum geht, sondern auf eklatanten Falschinformationen aufgebaut. Und er habe das getrennt, was in unserem Leben im Grunde eins und untrennbar ist: abstrakt und konkret, emotional und rational, heilig und sündig zugleich…

Somit war sein Antisemitismus Folge eines Systemzwangs. Das Judentum passte nicht in sein System, deshalb ließ er Fehlinformation und unüberprüfte eigene Prämissen zu, blieb auf einem Auge blind, um es doch in seinem System unterzubringen. Doch weil er abstrakt und konkret so weit auseinandergerissen hatte, konnte sich das Abstraktum dem Vorurteil nicht mehr entziehen. Und wo Dialog nicht mehr möglich und gewünscht ist, folgt Polemik, so Voss-Göschel über Kants Denkmuster.

Der Preisträger in Interaktion mit dem Publikum

Der Preisträger in Interaktion mit dem Publikum

Der Preisträger stellte abschließend allen die Frage: Bin ich bereit meine Meinung zu revidieren, wenn ich feststelle, dass diese nicht zu den Fakten passt? Voss-Göschel beschreibt den großen Immanuel Kant als in einem Käfig gefangen, den er sich selbst gebaut hat und aus dem er nicht mehr auszubrechen vermochte. Was dem Philosophen gefehlt hat, war Freiheit, und zwar eine gerichtete Freiheit, die es ermöglicht, den Blick zu weiten und die Realität zuzulassen – ob sie einem passt oder nicht. Denn letztendlich müssen wir unsere Schlüsse stets aus der Realität, und nicht aus unserer Meinung ziehen.

So ist es dem Gewinner des Franz-Delitzsch-Förderpreises in diesem Vortrag gelungen, Kants aggressive Verachtung des Judentums im Rahmen seiner Religionsphilosophie verständlich zu machen, ohne seine Argumentation und Ergebnisse auch nur ein Stück weit gutzuheißen.

Seine Arbeit bietet eine grundlegende Erklärung zu dem – zunächst einmal kontraintuitiven, aber doch so wirkmächtigen – Antisemitismus der Aufklärung, und in diesem Sinne betonte Prof. Dr. Stadelmann im Anschluss: Es habe nicht immer alles so grob begonnen, wie es schließlich endete, im Gegenteil, der Antisemitismus und der Antijudaismus der deutschen Geschichte begannen abstrakt, fein und durchdacht – und doch von Anfang an defizitär. Dafür sei Immanuel Kant ein Beispiel, als großer Denker, der am Anfang eines Jahrhunderts, in dem die Juden gedacht hatten, sie wären nun endlich etabliert, angekommen, fatale Impulse setzte. Solche Prozesse zu verstehen, könne helfen, die gleichen Fehler nicht zu wiederholen, und so dankte der Rektor der FTH Gießen Voss-Göschel für dessen rundum gelungenen Versuch, Kant einmal verständlich zu erklären.

Die Preisträger des Franz-Delizsch-Förderpreises mit Prof. Dr. Helge Stadelmann, Fritz May und Dr. Berthold Schwarz

Die Preisträger des Franz-Delizsch-Förderpreises mit Prof. Dr. Helge Stadelmann, Dr. Fritz May und Dr. Berthold Schwarz

Stadelmann beendete die Feierlichkeiten mit einem Appell im Sinne des Gehörten:

Eine aus Fakten resultierende Meinung sei immer konstruktiver, und so sei beispielsweise die Begegnung mit messianischen Juden, in deren Genuss die beiden Studierenden der Sommeruniversität gelangen werden, ein in diesem Sinne sehr förderliches Geschenk. Genauso solle auch der Franz-Delitzsch-Preis immer wieder einen Ansporn darstellen, sich mit dem zu beschäftigen, von dem wir wissen, dass es Gott ein Anliegen ist: sein erwähltes Volk.

Das musikalische Rahmenprogramm von V. Martens und D. Grams

Das musikalische Rahmenprogramm

Umrahmt wurden die einzelnen Programmpunkte der Preisverleihung mit inspirierenden und musikalisch hochwertigen Interpretationen von Viktor Martens (Flügel) und Denis Grams (Saxophon), darunter Chopins „Fantaisie Impromptu“ und Beethovens „Pathétique II“. Gemütlich und von anregenden Gesprächen geprägt klang die diesjährige Franz-Delitzsch-Preisverleihung schließlich bei Kaffee und Kuchen aus.

Wir freuen uns auf das nächste Jahr!

(jp)

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Die Franz-Delitzsch-Preisverleihung 2012

Am Freitag, den 26. April 2013, findet im Plenarsaal der Freien Theologischen Hochschule Gießen die diesjährige Franz-Delitzsch-Preisverleihung des Instituts für Israelogie statt.

Dabei wird der Franz-Delitzsch-Forschungsförderpreis für zwei wertvolle Forschungsleistungen an Herrn Markus Voss-Göschel für seine Arbeit “Zum Stellenwert vom theoretischen Antisemitismus in Immanuel Kants Religionsphilosophie” und an Dr. Joel R. White für den Aufsatz “The Tale of the 144.000 in Revelation 7 and 14: Old Testament and Intra-textual Clues to their Identity” verliehen. Der Franz-Delitzsch-Preis sowie der -Forschungsförderpreis prämiert Arbeiten, die in herausragender Weise sachkompetent und in Übereinstimmung mit den Forschungsschwerpunkten des Instituts für Israelogie eine ausgewogene biblisch-heilsgeschichtliche sowie eine zeitgeschichtlich und historisch sachgerechte Israel-Theologie fördern. Das Publikum kann sich auf zwei Kurzreferate der Preisträger freuen.

Der diesjährige Hauptpreis entfällt, dafür wird der/die Gewinner/in des Stipendiums für ein sechs-wöchiges Studium an der Sommeruniversität Beer Sheva bekannt gegeben, für das sich Studierende der Freien Theologischen Hochschule Gießen seit Januar bewerben konnten.

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Der Institutsleiter Dr. Berthold Schwarz überreicht die Urkunden

Zu der feierlichen Preisverleihung mit anschließendem Kaffeetrinken laden wir Sie herzlich ein! Sie findet um 10.10 Uhr in der Freien Theologischen Hochschule Gießen, Rathenaustr. 5-7, 35394 Gießen statt.

Weitere Informationen zum Franz-Delitzsch-Preis, seinem Namensgeber und den Preisträgern der vergangenen Jahre finden Sie hier.

 (jp)