7 ½ Monate, 2 Menschen, 1 Land.  Work & Travel in Israel. (Teil 1)

Work and … what?

Nehmen wir mal an, ein junges Pärchen, Mitte Zwanzig, plant seine Hochzeit. Oktober 2016, eine besondere Zeit, denn nur kurz vorher sind beide mit Ausbildung und Studium fertig geworden – es folgt also für beide ein neuer Lebensabschnitt in allen Bereichen. Nun tun sich viele Möglichkeiten auf:  sesshaft werden, Wohnung suchen und einrichten – … oder etwa Koffer packen und ein Auslandsjahr dazwischenschieben? Aus den Flitterwochen sozusagen “Flittermonate” machen? Klingt Hammer! Das wäre immerhin eine Gelegenheit, die nicht so schnell wiederkommt. Aber wohin geht man dann, und was macht man dann da? Au-Pair in Kanada? Backpacking in Neuseeland? Farmarbeit in Australien? Roadtrip durch die USA? So oder ähnlich haben sich die beiden das vielleicht vorgestellt, wenn da nicht diese eine verrückte Idee dazwischengekommen wäre. Auf Google nebenbei entdeckt, hat es die beiden nicht mehr losgelassen:  Work and Travel in Israel.

Work and Travel in Israel. Im selben Jahr noch, Anfang 2016, hat Israel für “deutsche Staatsbürger zwischen 18 – 30 Jahren” ein spezielles neues Freundschaftsvisum ausgehandelt:  das Working-Holiday-Visum (siehe Seite der israelischen Botschaft). Ein klassisches B/1 Arbeitsvisum, dass auf Work&Travel ausgelegt ist – 6 Monate arbeiten (darunter max. 3 Monate pro Arbeitsstelle, um etwas rumzukommen), und 6 Monate das Land anschauen.

Wir heißen Daniel und Johanna – und dieses oben genannte Pärchen, das sind wir. Zwischen 2016 und 2017 waren wir mit dem Working-Holiday-Visum für 7 ½ Monate in Israel, und von den Abenteuern und Erfahrungen, die wir in unserer Zeit im Nahen Osten gemacht haben, möchten wir hier in einem zweiteiligen Artikel erzählen. Im ersten Artikel soll es um die Menschen gehen, die wir kennengelernt haben, und im zweiten um die Arbeit und das Land, welches uns beide seither nicht mehr losgelassen hat.

Land und Leute – Juden heute

Israel – so ein kleines Land. Bewohnt von knapp 9 Millionen Menschen, und jeder von ihnen einzigartig anders. Wie verschieden diese Menschen sind, die auf engstem Raum leben – gemäß ihren unterschiedlichen Kulturen und den Bräuchen in allen Farben und Formen – hat uns schwer beeindruckt. Wenn wir uns heute an unsere Flittermonate zurückerinnern, dann denken wir zuerst an die Menschen, und die vielen außergewöhnlichen Begegnungen. 

Ein paar Eindrücke zur jüdischen Bevölkerung:  ein großer Aha-Effekt für uns beide war die Tatsache, dass wir bis dahin in Deutschland eigentlich noch nie (bewusst) einem Juden begegnet sind, obwohl es in Europa durchaus größere jüdische Gemeinschaften gibt, in Frankreich oder in deutschen Städten, wie in Berlin. In  unserer Heimat in Südostbayern hatte bis dahin noch kein bayrisch-israelischer Kontakt stattgefunden. Umso faszinierter waren wir, dieses lebenslustige Volk dann in Israel genauer kennenlernen zu können. Ein erster Spaziergang dort zeigt aber schnell, dass man diese Menschen nicht leicht in eine Schublade stecken kann. In Tel Aviv sieht man beispielsweise im Stadtteil B’nei Brak einen ultraorthodoxen Mann, in langem schwarzen Gewand, mit Filzhut, Quasten und Kinderwagen – dagegen im Stadtteil Florentin einen jungen Hipster im Tanktop mit Vollbart und Sonnenbrille, der sich nach seinem Chai Latte lässig auf sein Surfbrett schwingt – und doch sind beide Juden.

So kunterbunt haben sich auch unsere weiteren Begegnungen angefühlt. Zum Beispiel gab es da in Tiberias unsere Nachbarn: die israelische Oma, ihre Schwester und ihr Radio, das auf Anschlag gedreht unser Treppenhaus mit hebräischen Hits beschallte (wobei sie uns aber auch täglich Einwegteller mit Eintopf in die Wohnung brachte, was die Sache wieder gut machte). Oder den 17-jährigen Jungen, der nach der Schule im Buchladen Steimatzky jobbte, und der uns nach einem kurzen Gespräch über ein Buch prompt zu sich nach Hause ins Nachbardorf Kfar Tavor eingeladen hat (… und er diese Einladung auch tatsächlich ernst gemeint hat, und wir tatsächlich hinkommen durften. Sein Vater ist Arzt, seine Mutter Hausfrau, und wir waren bei ihnen zum koscheren Mittagessen eingeladen – wo erlebt man sowas in Deutschland?). Oder den zwanzigjährigen Inhaber einer Pizzabude, der uns beim Namen kannte, und uns oft quer über die Straße gegrüßt hat, immer dann, wenn er uns sah. Oder der Friseur in Tiberias, der uns stolz ein Beweisfoto präsentierte, dass er schon dem französischen Präsidenten Sarkozy die Haare geschnitten hat (was auch immer man von dieser Story halten soll). Oder Menschen, die wir beim Trampen kennengelernt haben:  wie eine kunstinteressierte, jüdische Mutter – oder zwei Bauarbeiter die uns auf der Fahrt im heißen Juli eisgekühlte Getränke angeboten haben. Oder die Begegnung, bei der unser Chef zusammen mit einem befreundeten Bürgermeister einer israelischen Kleinstadt und mit uns nach  Cäsarea am Mittelmeer zum Essen gegangen ist. Oder das eine Mal, wo wir auf eigene Faust in Jerusalem in der Davidszitadelle bei einer Autorenlesung waren, und dem Journalisten Matti Friedman Fragen zum Aleppo Codex, der weltberühmten Bibelhandschrift, stellen konnten. Oder der arabische Busfahrer, der uns mit der Zeit gut kannte, und auch außerhalb der Haltestellen am Straßenrand seinen Linienbus anhielt, und uns fragte ob wir mitfahren wollen, wenn er uns gesehen hat. Jede einzelne dieser Begegnungen war so unterschiedlich, und doch so besonders, dass wir keine dieser Erinnerungen wieder hergeben wollen.

Die längste Zeit haben wir aber eine unserer Gastfamilien kennenlernen dürfen – eine neunköpfige Familie von amerikanischen, messianischen Juden, die vor vielleicht 15 Jahren einreisten, und die nun als Familie ein Gästehaus leiten. Eine außergewöhnliche Familie, bei der die Eltern teilweise noch mit dem Sprachelernen kämpfen, während die jüngsten Kinder schon als hebräische Muttersprachler aufwachsen und die ältesten Söhne bereits in der israelischen Armee sind und nur am Wochenende von ihrer Einheit nach Hause kommen. Die jüngste Tochter spielt täglich im Kindergarten, eine andere Tochter macht die Ausbildung zum Tourguide, eine andere fährt täglich nach Jerusalem in die Schule, und hilft danach im Gästehaus. Wo auch immer jeder unter der Woche ist, alle kommen am Freitagabend nach Hause. Dann werden auf der Terrasse in den lauen Sommerabenden zwei Kerzen angezündet, es wird das Brot gebrochen und Schabbat gefeiert. In dieser Zeit lernte man die Familie noch am Besten kennen:  einmal pro Woche steht der Familienvater am Tisch, lobt seine Frau für das, was sie tut, nennt jedes Kind beim vollen Namen und betet für sie. Es wird gut gegessen, Lieder werden gesungen und man tauscht sich über die Woche aus. In einem derart harmonischen Austausch miteinander genießt jeder der Neun einmal pro Woche, dass man sich gegenseitig als Familie hat, und wie wertvoll Familie ist, und dass man am Schabbat mal so richtig ausspannen kann. Wir dachten uns: jeden Freitag? Bei uns in Deutschland gibt es sowas höchstens an Weihnachten, wenn überhaupt.

Ein zusätzliches Highlight für uns waren die Momente, bei denen uns Leute zu besonderen Events mitgenommen haben: angefangen von ganz persönlichen Momenten, wie einem Schulkonzert der zweitältesten Tochter in Jerusalem, und später ihrer Schulabschlussfeier in Mode’in – bis zu den großen, jüdischen Festen, die wir mitfeiern durften: Krapfen an Hannukah, eine legendäre Passahfeier am 14. Nissan, gefolgt vom Fest der ungesäuerten Brote, wo es unser Job war, jegliche Art von gesäuertem Brot aus dem Haus zu kehren, und danach sieben Tage Knäckebrot zu kauen. Bald nachdem wir uns am Wochenfest Schavu’ot Blütenkränze ins Haar gesteckt hatten, mussten wir aber abreisen. Vielleicht kommen wir eines Tages ja mal für die Herbstfeste zurück.

50-Jahre-Jerusalem Feier (am Jaffa Tor)

Einen absoluten Höhepunkt unseres Israelaufenthaltes haben wir dann aber eher zufällig entdeckt: nach einem langen Arbeitstag wollten wir beide ursprünglich noch nach Jerusalem in ein Café in Mamilla gehen, und haben unverhofft festgestellt, dass dort am Jaffa Tor gerade die Feierlichkeiten zum 50-Jahre-Jerusalem-Jubiläum gestartet hatten. Und eher spontan fanden wir uns in einer Menge von Menschen wieder, hörten Livemusik, eine Ansprache von Netanjahu, und genossen das Feuerwerk und eine Light- und Drohnenshow. Genial!

In other words…

Mit anderen Worten: vorher weiß man nie, auf was man sich bei so einer Reise einlässt – schon gar nicht, wenn man 7 ½ Monate Work and Travel in Israel plant und sowas ähnliches noch nie vorher gemacht hat. Aber ganz ehrlich: es hat sich voll und ganz gelohnt! Dieses kleine Land steckt voller faszinierender Menschen und Momente, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Wir werden zwar nicht gesponsert, das zu sagen, aber das Working-Holiday-Visum können wir wärmstens empfehlen – vielleicht ist das auch was für dich?

 

DB

(Bilder privat)

Preisträger 2017: Rev. Dr. Jacob Allen Corzine

Am Mittwoch, den 18. April 2018, findet im Plenarsaal der Freien Theologischen Hochschule Gießen wieder die Franz-Delitzsch-Preisverleihung statt, die das Instituts für Israelogie jährlich ausrichtet.

In diesem Rahmen werden der Franz-Delitzsch-Preis sowie der Franz-Delitzsch-Forschungsförderpreis verliehen.

Die Preise prämieren Arbeiten, die in herausragender Weise sachkompetent und in Übereinstimmung mit den Forschungsschwerpunkten des Instituts für Israelogie eine ausgewogene biblisch-heilsgeschichtliche sowie eine zeitgeschichtlich und historisch sachgerechte Israel-Theologie fördern.

Ein Highlight der Preisverleihung ist zudem seit 2011 die Verkündigung des Gewinners eines Stipendiums für ein sechs-wöchiges Studium an der Sommeruniversität Beer Sheva bekannt gegeben, für das sich Studierende der Freien Theologischen Hochschule Gießen seit Anfang des Jahres bewerben konnten.

Zu der feierlichen Preisverleihung mit anschließendem Kaffeetrinken laden wir Sie herzlich ein und freuen uns darauf, Sie bei dieser Gelegenheit kennen zu lernen oder wiederzusehen! Die Preisvergabe beginnt um 10.10 Uhr in der Freien Theologischen Hochschule Gießen, Rathenaustr. 5-7, 35394 Gießen.

Weitere Informationen zum Franz-Delitzsch-Preis, seinem Namensgeber und den Preisträgern der vergangenen Jahre finden Sie hier.

 (mr)

In den letzten Wochen wurde es wieder laut um eine Bewegung, die sich BDS nennt: Boycott, Divestment and Sanctions. Zu Deutsch bedeutet dies so viel wie “Boykott und wirtschaftliche Abstrafung”. Die Bewegung umfasst seit 2005 eine Vielzahl an Organisationen und einzelnen Aktivisten, die Israel auf mehreren Ebenen isolieren möchten. Vor allem über die kulturelle Seite des Boykotts wird häufig in den Zeitungen geschrieben. Denn unter den Wissenschaftlern und Künstlern, die sich dem Protest gegen Israel angeschlossen haben, sind viele Prominente wie Judith Butler, Stephen Hawking und der ehemalige Pink-Floyd-Frontmann Roger Waters. Konzerte, die im Rahmen des Boykottes abgesagt wurden, werden bejubelt, Konzerte, die trotzdem stattfinden, aggressiv verpönt. Warum das alles? „Um einen Beitrag zu leisten im Kampf um die Beendigung der israelischen Besatzung, der Kolonisierung und des Apartheidsystems“, heißt es auf einer offiziellen Homepage der Bewegung, bds-kampagne.de. Angelehnt ist die Idee nach eigenem Statement an den Kampf der Südafrikaner gegen die Apartheid, also der Ungleichbehandlung von schwarzen und weißen Einwohnern, der offiziell bis 1993 anhielt. Dieses System der Diskriminierung von Menschen verschiedener Hautfarbe, Herkunft oder Rasse, maßgeblich geprägt von Unterdrückung und Gewalt, hatte nicht nur isolierte Wohngebiete zur Folge, sondern unterschied auch rechtlich zwischen Menschen schwarzer und weißer Hautfarbe. Der Gebrauch von solchen historisch belasteten Begriffen, wie den der Apartheid, um nun die israelische Politik in ähnlicher Weise anzuprangern und zu kritisieren, ist unter politischen Aktivisten keine Seltenheit: BDS Austria spricht sogar davon, dass Israel auf Land gegründet sei, das „von seinen palästinensischen BesitzerInnen ethnisch gesäubert wurde.“ Immer noch verstoße Israel gegen internationales Recht, indem es Palästinenser per Gesetz diskriminiere, koloniale Politik betreibe und seit Jahren UN-Resolutionen ignoriere. „Für Freiheit! Für Gerechtigkeit!“ Damit ruft die Kampagne alle Menschen auf, sich ihr anzuschließen und Israel unter Druck zu setzen. Die Aufhebung der vermeintlichen Unrechtsmaßnahmen, die von Israel ausgehen, soll auf diese Weise erzwungen werde.

Gazastreifen 2015

Mit diesen Slogans und Forderungen mag eine Stoßrichtung vorgegeben sein, aber die konkreten Ziele der BDS-Bewegung sind nicht transparent. Informiert man sich in online-Zeitungen, auf den offiziellen Homepages und in Broschüren von BDS, bleiben viele Fragen offen. Zum Beispiel, warum eine Zwei-Staaten-Lösung aus Sicht der Boykotteure abzulehnen wäre. Oder wie mit den Folgen für Israel umgegangen werden sollte, die das geforderte Rückkehrrecht für alle palästinensischen Flüchtlinge samt Nachfahren mit sich bringen würde. Außerdem wünscht man sich Stellungnahmen zum antiisraelischen Terrorismus, vor dem ja die Sperranlagen im Westjordanland schützen sollen. Aber solchen komplexen Themen will sich die Bewegung gar nicht stellen. Denn konkrete, visionäre Politik über ihren vereinfachenden Drei-Punkte-Katalog hinaus, ist nicht ihr Geschäft.

Genau hier liegt das entscheidende Problem der Bewegung: Natürlich muss man nicht mit jeder Entscheidung der israelischen Politiker und deren Gesetzgebung zufrieden sein. Natürlich darf man auch als Deutscher sachgerechte Kritik am Staat Israel üben. Aber in aggressiven, fordernden Aktionismus zu verfallen, ohne klare Abgrenzung zum Hass, ist eine gefährliche Weichenstellung. Wem so viel am Frieden in Nahost liegt, der sollte sich zunächst dem konstruktiven Dialog stellen. Der sollte auch weiter denken, als nur bis zum Erreichen der eigenen Interessen. Der sollte vor allem verhindern, dass Einladungen zum Israel-Boykott dem maskierten Antisemitismus in die Hände spielen- oder ihn hinaufbeschwören. AE

Weitere Infos:

Z.B. www.sueddeutsche.de/kultur/lorde-und-israel-israel-boykott-jetzt-auch-in-glamouroes-1.3811318

www.bds-kampagne.de

Zwei Ringer

Ende November fand in Polen die U23-Ringer-WM statt. Sowohl Israel als auch der Iran schafften es zunächst ins Halbfinale. Nicht allein die sportliche Leistung ist einer Meldung wert, sondern die damit verbundenen Umstände: So schied der iranische Ringer Ali-Resa Karimi in dieser Runde aus, indem er absichtlich verlor. Die Anweisung dazu kam von seinem Trainer. Der Iran fordert seit Jahren die Umsetzung seiner Anti-Israel-Politik auch im Sport, genau in dem Bereich, wo Fairness und Teamgeist gefragt sind. Karimi ist wütend, musste er doch schon zum zweiten Mal aus der mit Nachdruck geforderten Solidarität mit Palästina auf die Chance zur Goldmedaille verzichten.

Diese Form der Diskriminierung von israelischen Sportlern aufgrund politischer Differenzen ist kein Einzelfall. Erst im Oktober beim Grand Slam der Judoka in Abu Dhabi wurde den Israeli schon im Vorfeld ausdrücklich verboten, Landessymbole auf den Anzügen zu tragen und ihre Hymne zu singen – was beides sonst ganz selbstverständlich dazugehört. Zudem durften sie nur als neutrale Sportler des Judo-Weltverbands antreten. Dennoch flog die Mannschaft in die Vereinigten Arabischen Emirate, und dennoch – oder gerade deswegen – gewannen die israelischen Judoka vier Goldmedaillen. Nach einer Protestwelle auf der Facebook-Seite des Israelischen Judoverbandes kam es immerhin zur Entschuldigung vonseiten arabischer Repräsentanten.

Es ließen sich viele weitere Beispiele jüngster Zeit aufzählen, so die Asiatischen Meisterschaften der Sportschützen in Kuwait 2015, als einem israelischen Funktionär die Einreise verweigert wurde. Oder Olympia 2016 in Rio, als Teilnehmer aus dem Libanon nicht mit Israelis in einem Bus fahren wollten und eine saudi-arabische Judoka den Wettkampf – angeblich mit plötzlichen Verletzungen – abbrach, weil sie in der nächsten Runde auf eine israelische Gegnerin hätte stoßen können. Aber auch schon 1970 gab es ähnliche Boykotte: Bei der Studenten-Olympiade in Turin erteilte man der israelischen Basketball-Mannschaft kampflos den Sieg, weil die Algerier nicht gegen sie antraten.

Die Liste der (muslimischen) Länder, die Israel als Staat nicht anerkennen, ist lang. Dass politischen Feindschaften im Sport auf schockierende Art Ausdruck verliehen wird, ist traurig. Mindestens genauso traurig ist allerdings, dass darüber kaum berichtet wird und der Aufschrei viel zu leise ist.

AE

 

Am 9. November kann man sich viele geschichtsträchtige Ereignisse in Erinnerung rufen, beispielsweise die Novemberpogrome von 1938, als in der sogenannten „Reichskristallnacht“ systematische und brutale Ausschreitungen gegen Juden stattfanden, oder den Jahrestag des Mauerfalls 1989. Ein anderes Geschehen mit weitreichenden Auswirkungen ereignete sich vor genau 100 Jahren: Die Balfour-Deklaration wurde von der Presse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es handelt sich bei der Erklärung um einen neunzeiligen Brief des damaligen britischen Außenministers Arthur James Balfour an den Zionisten Lionel Walter Rothschild.

Der Brief umfasst im Original nur neun Zeilen.

Nach Balfour wurden in den folgenden Jahren zahlreiche jüdische Kinder benannt, Straßennamen halten bis heute die Erinnerung an ihn wach. Das Jüdische Lexikon, Auflage 1930, erklärt den Staatsmann und Philosophen zum „wahren Freund des jüdischen Volkes“. Eine ganz andere Auffassung zeigte sich in der letzten Woche, als Menschen aus London, Palästina oder Israel zu Kundgebungen zusammenkamen oder Kunstaktionen eröffneten, um ihrer Kritik an der Deklaration und deren Folgen Raum zu verschaffen. Zeitungen berichteten indes über die Balfour-Erklärung als Same des Nahostkonflikts. Wie können so wenige Zeilen eines kurzen Briefes weltweit dermaßen kontroverse Reaktionen hervorrufen?

 Um die Divergenz einordnen zu können, muss man zunächst wissen, worum es geht: Mitten im Ersten Weltkrieg setzt Balfour ein Schreiben auf, in dem er zum einen den Anspruch der Juden, genauer der Zionisten, auf eine nationale Heimstätte („national home“) anerkennt. Zum anderen macht er deutlich, dass dadurch die Rechte der in Palästina lebenden Menschen bewahrt bleiben und der politische und rechtliche Status der Juden in den verschiedenen Ländern der Welt nicht belangt werden darf. Als der Brief eine Woche später veröffentlicht wurde, war die Resonanz in der jüdischen Gemeinschaft gewaltig: Die Zionisten[1] sahen ihre Forderungen nach einem Zweinationalitätenstaat in Palästina unter Gleichberechtigung beider Völker, Araber und Juden, endlich ernst genommen. Vor allem in den USA, aber auch unter der französischen und italienischen Regierung fanden sie Unterstützer und Fürsprecher. Jedoch vor allem das Reformjudentum, wo das Judentum ausschließlich als Religionsgemeinschaft verstanden wird, lehnt den Zionismus ab – damit also die Idee der nationalen Heimstätte.

Der Davidstern ist als Emblem auf der Nationalflagge Israels zu sehen.

Was Balfour als Sympathiebekundung formulierte, ohne jegliche rechtliche Verbindlichkeit oder Zusagen, ohne klare Aussage darüber, was eigentlich in dem Zusammenhang mit „a national home“ gemeint ist und welche zionistischen Bestrebungen er überhaupt anspricht, wurde wenige Jahre später konkret eingeleitet: 1920 übertrug der Völkerbund das Mandat über Palästina an Großbritannien. Damit sollte die Mitwirkung an der Umsetzung dessen, was man in der Balfour-Erklärung versprochen sah, geregelt werden. Zusammengefasst lässt sich für die nächsten Jahre festhalten: Die vermehrte, aber zahlenmäßig eher geringe Einwanderung durch Juden setzte ein, die Araber übten den Aufstand. Bis heute bleibt der Konflikt ungelöst, dessen Analysen Bibliotheken füllen.

Heute befassen sich Historiker vermehrt mit der Motivation der Briten: Machtdrang und politisches Kalkül[2] in der vom Krieg geprägten Zeit geben Anlass, die Balfour-Deklaration nicht vorrangig als Anstoß für die israelische Staatsgründung 1948 zu sehen, sondern als „Trick, der zur Katastrophe führte“.[3] Auch die Frage, wie die damaligen Medien die Rezeption der Erklärung geprägt haben, ist heute ein weites Forschungsfeld.[4] Ein großes Echo auf den 100jährigen Brief. Was davon zum Frieden beitragen kann, bleibt offen.

AE

 
  • [1] Der Zionismus kann als Reformbewegung innerhalb des Judentums im 19. Jahrhundert verstanden werden. Theodor Herzl als führende Persönlichkeit formulierte als wichtigste Ziele des Zionismus sowohl die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina als auch Hinwendung zu den spirituellen Wurzeln.
  • [2] Dazu mehr unter http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/29312
  • [3] https://www.welt.de/geschichte/article170244665/Das-doppelte-Spiel-der-Briten-im-Nahen-Osten.html
  • [4] Siehe dazu Brockhaus, Monika, “Ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung”: die Balfour-Deklaration in der veröffentlichten Meinung, Frankfurt a. Main 2011

Gebäudekomplex auf dem Campus der Universität

„Wir werden uns bestimmt wiedersehen. Wer einmal in Israel war, kommt ziemlich sicher wieder zurück!“ – So oder so ähnlich wurde ich im August 2016 nach meinem internationalen Jugendfreiwilligendienst in einem Jerusalemer Krankenhaus verabschiedet. Und dieser Freund sollte mit seiner Aussage Recht behalten. Schon vor meinem Rückflug dachte ich über die nächste Möglichkeit, wieder nach Israel zu kommen, nach. Als ich erfuhr, dass es durch ein von dem Institut für Israelogie ausgeschriebenem Stipendium möglich ist, für etwa sechs Wochen an der „Ben-Gurion-Universität“ in Beer Sheva zu studieren, nahm ich mir vor, mich dafür zu bewerben. Als ich dieses Stipendium im April 2017 dann tatsächlich bekam, hatte ich eine tolle Perspektive, mit der ich mein restliches zweites Semester an der FTH Gießen verbringen konnte.

Am 27. Juli – der Tag, an dem ich auch noch meine letzte Klausur schrieb – flog ich schließlich nach Israel. Dort angekommen durfte ich schon in den ersten Wochen erleben, dass sich der ganze Stress, der sich durch die Vorbereitungen besonders in der Klausurenphase ergeben hatte, gelohnt hat. Für 40 Tage durfte ich an der „Universität des Negevs“ studieren. Warmes Wüstenklima, unzählige Straßenkatzen, leckerer Hummus und Klimaanlagen, die mich gefühlt eher im Winter als im Sommer leben ließen, gehörten zu meinem Alltag.

An der Grenze zu Gaza

Das speziell auf deutschsprachige Teilnehmer ausgerichtete Sommerprogramm der Universität beinhaltete als Hauptpunkt einen intensiven Ulpan (Ivrit-Sprachkurs), sowie ein am Nachmittag stattfindendes akademisches Rahmenprogramm, zu dem unter anderem Vorlesungen zu israelischer Literatur, Kultur, Archäologie und Politik gehörten. Zusätzlich wurden einige Studienausflüge in der Umgebung und in andere Städte angeboten. So konnte ich z.B. Einiges über die vom Brutalismus geprägte Architektur in Beer Sheva, über archäologische Ausgrabungen in Ashkelon, über die Situation von Beduinen im Negev sowie über politische Aktivisten in der Nähe vom Gaza-Streifen erfahren.

Der im Zentrum stehende Ulpan, der innerhalb der Woche jeden Vormittag ausfüllte, erlaubte mir eine Vertiefung meiner Vorkenntnisse in Ivrit (Neu-Hebräisch), die ich bereits während meines ersten Aufenthaltes in Israel gesammelt hatte. Während die Einsteiger-Klassen eine Gruppengröße von bis zu 20 Studenten hatten, genoss ich in einem von den höheren Kursen die Privilegien einer kleineren Gruppe. Die Teilnehmerzahl unserer Gruppe bewegte sich zwischen 5 und 7, da einzelne Studentinnen und Studenten erst später dazugekommen und einige schon früher

Meine Ulpan-Klasse beim Abschluss-Essen

gegangen sind. Durch diese Gruppengröße konnten wir intensive Diskussionen über verschiedenste Themen führen, bei denen sich jeder beteiligen konnte. Zudem sollte jeder von uns Präsentationen zu selbst ausgewählten Themen halten. Der Ulpan war insgesamt also sehr vielfältig – so konnte ich beispielsweise etwas über Volkstänze, die Intelligenz von Haustieren, jüdische Philosophie und die Flat-Earth-Society lernen, während ich Vorträge zur Geschichte der Russlanddeutschen und zu dem Einsatz von Lamas, Antilopen und Berberschafen in der Israelischen Armee gehalten habe.

Neben dem Ulpan war es mir sehr wichtig, Kontakte zu Israelis zu knüpfen. Zum Teil erhielten wir bereits durch die Organisatoren unseres Sommerprogramms die Möglichkeit, bei israelischen Studentinnen und Studenten zum Shabbat-Essen eingeladen zu werden. Zusammen mit drei anderen Teilnehmern der Sommeruni wurde ich in eine WG zum Essen eingeladen. Bei Shakshuka, einem typisch israelischen Gericht, welches hauptsächlich aus Eiern in Tomatensoße besteht, und guten Gesprächen hatten wir die Möglichkeit, die Lebenswelt der israelischen Studenten ein wenig kennenzulernen. Neben diesem Angebot habe ich regelmäßig „Nahalat Yeshua“ („Erbe Jesu“), eine messianisch-jüdische Gemeinde, besucht. Dort habe ich mich sehr wohlgefühlt – schnell konnte ich einige Kontakte knüpfen und Zeit mit der Jugendgruppe verbringen.

Nimrod-Festung mit dahinterliegendem Hula-Tal

Zusätzlich konnte ich bereits bestehende Kontakte und Freundschaften pflegen und vertiefen. Für zwei Tage bin ich beispielsweise mit einigen Freunden campen gefahren. Gemeinsam haben wir bei heißem Sommerwetter das kalte Wasser im Fluss Dan im Norden Israels genossen, sind Kajak gefahren, waren in einem kleinen Kletterpark klettern und haben die beeindruckende Nimrod-Festung besichtigt.

Für die Möglichkeit, dieses Sommerprogramm mitgemacht haben zu dürfen, bin ich sehr dankbar. Die Erfahrungen, die ich diesen Sommer sammeln konnte, waren für mich sehr bereichernd.

Wer noch mehr über meinen Studienaufenthalt in Beer Sheva wissen will, vielleicht weil er oder sie Interesse hat, auch einmal dort zu studieren oder einfach nur um Israel besser kennen zu lernen, der kann mich gerne über die Homepage des Israel-Instituts kontaktieren.

Bestimmt wird es nicht das letzte Mal sein, dass ich in Israel war. Wer zweimal in Israel war, kommt ziemlich sicher wieder zurück!

Simon Tielmann

Der mit 2000 Euro dotierte Franz-Delitzsch-Hauptpreis des Institut für Israelogie des FTA e.V. in Gießen geht in diesem Jahr an Jacob A. Corzine für seine Doktorarbeit mit dem Titel „Der alttestamentliche Erfahrungsansatz von Franz Delitzsch (1813-1890). Die Entfaltung der Idee des Christentums als Offenbarungsprozess“. Er wurde am 19.04. im Plenarsaal der Freien Theologischen Hochschule (FTH) in absentia des Preisträgers verliehen.

Der in Illinois (USA) geborene und als lutherischer Pastor in Südafrika lebende Preisträger hat diese Untersuchung im Sommer 2016 an der Humboldt-Universität zu Berlin eingereicht, um damit zum Dr. theol. promoviert zu werden. Gutachter der Arbeit sind Prof. Dr. Notger Slenczka und Prof. Dr. Torsten Meireis. „Mit dieser Forschungsarbeit wurde seit langem erstmals wieder die besondere theologische Leistung von Franz Delitzsch als einem konservativen Vertreter des erweckten Luthertums im 19. Jahrhunderts und als Ausleger des Alten Testaments in der Auseinandersetzung mit der kritischen Pentateuchkritik nach Wellhausens „Geschichte Israels“ herausgestellt. Auch die Bemühungen Delitzschs im Blick auf eine konstruktive Würdigung des Judentums von den Verheißungen des AT herkommend, werden entfaltet“, heißt es in der Würdigung.

„Das Institut für Israelogie an der FTH honoriert deshalb diese Untersuchung, weil darin auf gelungene Weise die theologischen Anliegen Delitzschs herausgestellt werden. Zugleich werden für die gegenwärtigen Diskussionen rund um die Auslegung des Alten Testaments und für die Antworten hinsichtlich unterschiedlicher Fragen nach den Juden und der Judenmission konstruktive Wegweisung geboten“, so die Jury aus FTH-Dozenten. Leiter des Instituts ist Pfarrer Dr. Berthold Schwarz.

Der Franz-Delitzsch-Preis wird seit 2007 jährlich an Akademiker verliehen, die in besonderer Weise aus theologischer, historischer und judaistischer Perspektive die Lehre von Israel (Israelogie) fördern und dabei heilsgeschichtliches Denken unterstützen.

Ein sechswöchiges Voll-Stipendium für die Sommeruniversität der Ben-Gurion Universität in Be’er Scheva (Israel) ging an FTH-Student Simon Tielmann.

Wir als Israelinstitut wünschen ihnen frohe Weihnachten und ein gesegnetes neues Jahr!

Joh. 3,16: Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit die, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.

Während das Schenken von vielseitigen und möglichst kreativen Geschenken in unseren heutigen Weihnachtsfeiern großen Raum einnimmt, erinnern wir uns an Weihnachten an die Inkarnation Gottes, der nach einer langen Geschichte mit dem Volk Israel und vielen Gnadentaten am Volk der Juden nun sein größtes Geschenk an die gesamte Menschheit gibt: Seinen eigenen Sohn.

Und auch das neue Jahr wollen wir im Vertrauen auf den Gott Israels begehen und damit unser Vertrauen auf den setzen, der sich in der Geschichte als vertrauenswürdig erwiesen hat. In diesem Sinne wünschen wir ihnen mit Psalm 31,3 ein gesegnetes neues Jahr: „Denn du bist mein Fels und meine Burg und um deines Namens willen wirst du mich führen und leiten“

Heutzutage ist Chanukka ein häusliches Fest bei dem das Anzünden der Kerzen eine große Bedeutung gewinnt, da es an das wundersame Weiterleuchten der Lichter der Menora erinnert.

Hinzuweisen sei an dieser Stelle auch auf das Chanukka-Fest der Juden. Dieses wird dieses Jahr vom 25. Dezember 2016 bis zum 1. Januar 2017 gefeiert. Es ist ein Fest welches an die Wiedereinweihung des Tempels im Jahre 164 v. Chr. gedenkt. Gefeiert wird vor allem das Einreißen des Zeus Altars im Tempel und das wundersame Weiterleuchten der Lichter der Menora bis genügend geweihtes Öl hergestellt war, um die Kerzen eigenständig am Leuchten zu erhalten. Die Wiedereinweihung ist unter anderem im Ersten Makkabäerbuch überliefert und wird hier als Befreiungsgeschichte der JHWH-treuen Juden von hellenisierenden Juden und fremden Mächten und als Rückkehr Gottes zum Volk Israel inszeniert.

 (tf)

Kirche der Nationen (Todesangstbasilika) im Garten Gethsemane.

Im kommenden Jahr vom 23.02.-06.03.2017 bietet das Institut für Israelogie in Gießen erneut eine Israel-Studienreise für junge Erwachsene an. Insbesondere junge Leute, die Theologie studieren oder die aktiv in einer christlichen Gemeinde engagiert sind, aber auch aktive Ältere in der Gemeindemitarbeit sind herzlich eingeladen, auf biblischen Spuren das Land Israel kennenzulernen.

Geleitet wird die Reisegruppe von Pfr. Dr. Berthold Schwarz, Systematischer Theologe und Leiter des Israelinstituts, der zusammen mit Prof. Dr. Armin D. Baum, Professor für Neues Testament, Andachten, Bibelarbeiten und sachkundige Vorträge vor Ort halten wird. Ein intensives und abwechslungsreiches Programm wird die Studienreise zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Also, was spricht dagegen, sich sogleich zur Reise anzumelden?

 

Nähere Informationen zur Reise erhalten Sie hier:

  Israel-Studienreise 2017 - Flyer (973 Downloads) Israel-Studienreise 2017 - Anmeldung (584 Downloads)  

Hier erhalten Sie Erfahrungserichte zur letzten Studien-Reise 2015.

  Für Nachfragen stehen wir gerne zur Verfügung. Schreiben Sie uns: israel-institut@web.de Ihre freundlichen Mitarbeiter vom Israel-Institut  

(mr)