Siegelfund gibt Einblick in Tempelalltag

Israelische Archäologen haben bei Ausgrabungen in der Nähe der Klagemauer in Jerusalem ein seltenes antikes Siegel gefunden, das einen wertvollen Einblick in den jüdischen Tempelalltag zur Zeit Jesu gibt.

Das aus gebranntem Ton bestehende knopfgroße Relikt ist etwa 2000 Jahre alt und enthält die aramäische Aufschrift „Daka Leja“ (דכא ליה), was „rein für Gott“ bedeutet. Die Archäologen Eli Schukron von der israelischen Altertumsbehörde (IAA) und Ronny Reich von der Universität Haifa gehen davon aus, dass diese gravierten Tonscherben verwendet wurden, um Gegenstände wie Opfergaben als kultisch rein zu kennzeichnen, damit diese im Tempel benutzt werden konnten. Eine solche Praxis belegen die rabbinischen Schriften Mischa und Talmud. Im Mischna-Traktat Schekalim, das u.a. die Tempelsteuer behandelt, heißt es, dass derjenige, der Gott ein Trankopfer bringen will, dieses vorher bezahlen und durch besagten „Stempel“ kenntlich machen müsse. “Es ist das erste Mal, dass ein Objekt dieser Art gefunden wurde“, sagte Schukron.

Für religiöse Juden ist der Fund ein Beweis für die jüdischen Aktivitäten auf dem Tempelberg zur Zeit des zweiten Jerusalemer Tempels, womit sie ihr Anrecht auf den heiligen Berg in Jerusalem geltend zu machen versuchen. So kommentierte der israelische Kultusminister Limor Livnat: “Das Siegel zeigt die tiefe Verbundenheit von Israel zu der Stadt Davids. Es ist wichtig, Ausgrabungen wie diese sind wichtig, um unsere Bindung zu Jerusalem zu belegen. Alles, was gefunden wird, stärkt unsere Position.”

An derselben Ausgrabungsstelle am Robinsonbogen entdeckten Archäologen weiterhin Relikte aus der hasmonäischen Zeit (2. bis 1. Jh. v. Chr.), darunter Kochutensilien, Krüge, Öllampen sowie Münzen der Hasmonäerkönige Alexander Jannäus und Johannes Hyrkanos.

(jp)

Quellen (mit Fotos):
http://www.israelmagazin.de/?p=17141
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,805807,00.html