Der Koran: Israel ist den Juden als Wohnort vorherbestimmt

Die anti-israelische Agenda islamistischer Führer wie Ayatollah Chamenei oder Vereinigungen wie Hisbollah und Hamas sind weltweit bekannt, ihre Thesen erlangen starke Verbreitung. Doch es gibt im Islam seit Jahrhunderten Stimmen, die Israel als das Land, das den Juden zugesprochen wurde, anerkennen, wie Heinz Gstrein in factum 9/2012 berichtet.

Zu ihnen gehört Prof. Khaleel Mohammed, islamischer Religionswissenschaftler an der Universität San Diego (USA). In seiner Koran Exegese der Sure 5, Verse 20 bis 26 kommt Prof. Mohammed zu dem Ergebnis, dass Israel den Juden „zugeschrieben“ wurde, was seiner Aussage nach ein endgültiges Besitzverhältnis ausdrückt.

[box] Sure 5,20-26

20 Und (damals) als Moses zu seinen Leuten sagte: “Leute! Gedenket der Gnade, die Allah euch erwiesen hat! (Damals) als er Propheten unter euch auftreten ließ und euch zu Königen machte und euch gab, was er (sonst) keinem von den Menschen in aller Welt (al-`aalamuun) gegeben hat. 21 Leute! Tretet ein in das heilige Land, das Allah euch bestimmt hat, und kehrt nicht (gleich wieder) um (laa tartadduu `alaa adbaarikum), so daß ihr (letzten Endes) den Schaden habt!” 22 Sie sagten: “In ihm sind gewalttätige Leute. Wir werden es nicht betreten, solange sie nicht aus ihm herausgehen. Wenn sie jedoch aus ihm herausgehen, wollen wir (es) betreten.” 23 Zwei Männer, fromme Leute, die Allah (besonders) begnadet hatte, sagten: “Tretet durch das Tor ein (auch wenn ihr) gegen sie (Gewalt anwenden müßt). Wenn ihr (nur einmal) dadurch eintretet, werdet ihr Sieger sein. Auf Allah müßt ihr vertrauen, wenn (anders) ihr gläubig seid.” 24 Sie sagten: “Moses! Wir werden es niemals betreten, solange sie darin sind. Geh doch du mit deinem Herrn hin und kämpft (ihr beide)! Wir werden (unterdessen) hier bleiben.” 25 Er sagte: “Herr! Ich habe nur über mich selber und über meinen Bruder (Aaron) Macht. Du mußt deshalb zwischen uns (beiden) und dem Volk der Frevler unterscheiden (und darfst uns deren Sünde nicht anrechnen).” 26 Allah sagte: “So sei es ihnen für vierzig Jahre verwehrt, während sie (so lange) auf der Erde umherirren! Mach dir wegen des Volkes der Frevler keinen Kummer!”[/box]

Gerade diese Endgültigkeit wird jedoch von vielen heutigen Korangelehrten bestritten und diese Koranstelle nur auf die biblische Zeit bezogen. Die Auffassung von Prof. Mohammed wird indessen von einer jahrhundertelangen Auslegetradition zu dieser Stelle gestützt. Einer ihrer bedeutendsten Vertreter war Muhammad asch-Schawkani (1759-1834), ein anerkannter islamischer Rechtsgelehrter (Mudschtahid) aus dem Jemen.

Sie findet sich weiterhin in dem Koran-Kommentar „Tafsir Ibn Kathir“, welcher im 14. Jahrhundert Exegesen früherer islamischer Gelehrten zusammenfasst und als besonders authentisch gilt, da er den Koran vers- und kapitelweise durch die Hadithen auslegt. Dieser dient auch heute noch dem jüngsten deutschsprachigen Korankommentar von Samir Mourad 2009 als Grundlage.

Zudem finden sich weitere Stellen im Koran, die Israel als dauerhaften Wohnort der Juden bestätigen (wie 2,251; 7,137; 10,93; 17, 104; 21,70-71; 28,5-6). Gstrein sieht auch in der politischen Praxis des osmanischen Reiches eine Anerkennung dieser Lesart, da schon in den 400 Jahren vor der Balfour-Erklärung (1917) Juden in das Heilige Land einwandern konnten. So wurde dem jüdischen Diplomaten Josef Nassi (1524-1579), osmanischer Herzog über Naxos und die Kykladen, Tiberias und umliegende Dörfer zugesprochen, um dort jüdische Einwanderer anzusiedeln. Auch die erste Einwanderung chassidischer Juden geschah 1777 unter osmanischer Herrschaft, deren Politik die jüdische Einwohnerzahl so stark anwachsen ließ, dass 1896 über 60% der Einwohner Jerusalems (ca.28 000) jüdisch waren.

Nachdenkenswerte Positionen, selbst wenn diese unter Muslimen der Gegenwart noch als nicht mehr mehrheitsfähig angesehen werden.

(wr)

Quellen:

Gstrein, Heinz 2012. Der islamische Zionismus. Factum(9), 18–19.

Webseite von Prof. Khaleel Mohammed: http://www-rohan.sdsu.edu/~khaleel/

Das Koranzitat entstammt der Übersetzung von Rudi Paret (http://www.koransuren.de/koran/surenvergleich/sure5.html).