7 ½ Monate, 2 Menschen, 1 Land. Work & Travel in Israel. (Teil 2)

 

Take two!

Work and Travel – die Zweite! Nachdem wir im letzten Artikel von unseren Erfahrungen mit dem Working-Holiday-Visum und den Menschen in diesem winzigen Land im Mittleren Osten erzählt haben, soll nun ein Einblick in die Arbeit und das Land folgen.

Unsere Arbeit – von Putzlappen bis Kreditkarten

Bei WORK-and-Travel, stellt sich natürlich die Frage, was wir während unserer Zeit in Israel so gearbeitet haben. Wir haben anfangs im Internet nach Gästehäusern gesucht, und wurden fündig: Der Leiter eines messianisch-jüdischen Gästehauses in Tiberias, am See Genezareth sagte uns zu; dort waren wir dann für die ersten Monate. Danach wurden wir von diesem Gästehaus weitervermittelt und konnten bald darauf in einem Gästehaus in der Nähe von Jerusalem arbeiten.

Unsere Aufgaben an diesen zwei Plätzen waren ungewöhnlich vielfältig: zuerst fing alles ganz normal an, mit Zimmer putzen, Betten machen und Gäste einchecken. Nachdem wir dort eingearbeitet waren, hieß es dann auf einmal, dass der Chef nach Kanada muss und die anderen Volontäre abreisen würden – und naja… dann sollten wir eben das Gästehaus für zwei Wochen alleine leiten. Das haben wir dann auch gemacht. 🙂 Es hat auch ganz gut geklappt; zwischendurch muss man dann eben Gäste einchecken, die nur Russisch und Hebräisch sprechen oder das am Computer abgestürzte Einchecksystem wieder in Gang bringen. Schließlich kam der Chef aber wieder und das Gästehaus wurde zum Freizeitheim umgestaltet, da eine amerikanische Jüngerschaftsschule für einen Monat das ganze Haus belegen würde. Jetzt wurden wir angefragt, ob wir nicht zufällig für die 30 Leute während dieser Zeit kochen könnten – unser Speiseplan erstreckte sich dann von Falafel bis Käsespätzle. 

Uns wurde während der Zeit in den Gästehäusern wirklich nicht langweilig: mal soll man einen Botengang erledigen und (mit unseren dürftigen Hebräischkenntnissen) eine relativ teuere Versicherung abschließen, mal ein Set neuer Türschilder gestalten und ein anderes Mal wichtige Gäste persönlich vom Flughafen abholen. Als der Chef uns dann seine Autoschlüssel und die Kreditkarte in die Hand drückte, um für das ganze Haus einkaufen zu gehen, fühlte sich das schon etwas verrückt an. Das Dienstautofahren wurde dann schon fast zur Routine: die Wäsche musste ins arabische Nachbardorf Ein Rafa gebracht und Gäste vor der Jerusalemer Altstadt abgeliefert werden. Das Gäste-Abliefern war aber gar nicht so einfach – wir suchten einmal nach einer Wendemöglichkeit, bogen kurzerhand zum Löwen-Tor in der Nähe des Tempelbergs ab, und einige Augenblicke später steckten wir zwischen hupenden Autos und es ging weder vor noch zurück. Ein Araber sah unsere beklemmende Lage, wir dachten er will uns nur heraus lotsen, aber er schritt gleich zur Tat, griff durch die geöffnete Scheibe nach unserem Lenkrad und manövrierte uns rückwärts die Straße hinaus – für diese helfende Hand waren wir dann echt dankbar (auch wenn wir normal nicht jeden an unser Lenkrad lassen).

An manchen Arbeitstagen waren wir also unterwegs und erlebten so manche „kleine“ Abenteuer, an anderen hüteten wir das Gästehaus und schwangen Putzlappen und Besen. Beim täglichen Putzen entwickelten wir beide schnell eine Routine: der eine das Bad, der andere das Zimmer – dann umgekehrt. Als Team zu arbeiten, machte gleich viel mehr Spaß.

Was für ein Land!

Doch wie der Name Work-and-TRAVEL schon sagt, bestanden unsere Flittermonate nicht nur aus Arbeit, sondern auch aus Ausflügen und Reisen durch dieses spannende und vielseitige Land.

An unseren freien Tagen – so hatten wir beschlossen – wollten wir nach einem gemütlichen Frühstück weniger ausruh’n, und eher 1000-Schritte-tun. Denn wir wollten so viel wie möglich von Land und Leuten kennenlernen. Israel ist ja vergleichsweise klein, von der Fläche her ungefähr so groß wie Hessen. Aber das Land präsentiert sich auf kleinem Raum in größter Vielfalt: Wir staunten im Frühling über die saftig grünen Wiesen um den See Genezareth, auf denen Kühe grasten (das erinnerte uns eher an unsere Heimat in Bayern). Demgegenüber die kargen Wüstengebiete, in denen man vereinzelt Beduinen antreffen konnte, und dann die Region rund um das Tote Meer – ein einzigartiger Naturschauplatz, 430 Meter unter dem Meeresspiegel. Im Süden, in Eilat dagegen kam richtiger Urlaubsflair auf, wenn man am Meer steht oder in einem Unterwasser-Observatorium den exotischen Fischen zuschaut und das Korallenriff bewundert. Oder schließlich Jerusalem – eine Stadt, wie keine andere: bis über den Rand gefüllt mit bedeutenden historischen und religiösen Plätzen, bei denen jeder Stein wahrscheinlich seine eigene Geschichte erzählen kann. Dagegen die pulsierende, moderne Großstadt Tel Aviv, eine junge Stadt mit Wolkenkratzern, ausgefallenen Cafés und Partyleben. Wunderbare Kontraste! Israel modern, hip und High-tech oder einfach orientalisch schön, wie „Tausend und eine Nacht“.

Alt und Neu – diese Mischung begeisterte uns, die antiken Ausgrabungsstätten, an denen sich die modernen Städte anschließen. Als Mitarbeiter eines Gästehauses, genießt man den Vorteil, auch ab und zu bei geführten Touren mitfahren zu können – normalerweise waren wir aber auf eigene Faust mit Linienbussen unterwegs. Busfahren ist in Israel im Vergleich zu Deutschland viel, viel günstiger. Bei uns lautete dann die Devise: „Mit der Bibel in der Hand durch’s Land“. Wir besuchten Ausgrabungsstätten von Dan bis Be’er Sheva. Um den See Genezareth traten wir in die Fußstapfen Jesu, besichtigten Kapernaum, den Berg der Seligpreisungen, Nazareth, die Taufstelle, fuhren mit einem Boot auf den See raus und vieles mehr. Unsere zweite Arbeitsstelle war nur eine halbe Stunde von Jerusalem entfernt, sodass wir uns auch manchmal nach einem langen Arbeitstag in den Bus setzten, um in Jerusalem noch einen Kaffee zu trinken. Allein in Jerusalem gab es so viel zu sehen, dass wir nie das Gefühl hatten, nun alles abgehakt zu haben. Wir besuchten die Davidsstadt und die beiden unterirdischen Tunnel, die noch aus der Zeit Hiskias und der Kanaaniter stammten. Zum Passahfest gingen wir Mal im Morgengrauen an die Klagemauer und steckten plötzlich in einer riesigen Menschenmenge fest, als der Hohepristerliche Segen gebetet wurde. Es gibt in Jerusalem so viele spannende Ort, Sehenswürdigkeiten, Museen, Synagogen, die man besichtigen kann, aber auch eine Unmenge an netten Läden, verspielten Cafés oder Altbekanntes, wie einen Apfelstrudel im österreichischen Hospitz.

Mit einer amerikanischen Reisegruppe fuhren wir einmal in die Westbank nach Shilo, wo die Stiftshütte für viele Jahre stand. Ein anderes Mal besuchten wir mit dieser Gruppe ein riesiges Weinberg-Gelände und durften sogar dabei helfen, Weinreben zuzuschneiden. Ein Highlight war für uns auch eine geführte Jeeptour durch die Wüste, bei der uns der Reiseleiter mit Beduinen bekannt machte – wobei uns der eine aus deren Brunnen schöpfen ließ und der andere uns eine Schlange vorführte. Die Tour brachte uns zu dem versteckten Wüstenkloster Mar Saba, das von den griechisch-orthodoxen Mönchen in den Felsen gehauen war. Unterwegs begegneten wir einigen Kamelen und Ziegen, die unseren Weg kreuzten.  

Wir besuchten auch einige Orte, die für den heutigen Staat Israel relevant sind – beispielsweise einen der ersten Kibbutzim am See Genezareth, in dem Siedler unter extrem harten Bedingungen das Land wieder zum Grünen brachten, und dort unter anderem Dattelpalmen anpflanzten. Das First-Alijah Museum in Zichron Ja’akow gab uns Aufschluss über die ersten jüdischen Einwanderungsströme nach Israel, und das Dizengoff Haus in Tel Aviv versetzte uns in die Zeit der Staatsgründung zurück. Der Staatsgründer Ben Gurion zog sich nach seiner Zeit als erster Ministerpräsident in einen (heute berühmt gewordenen) Kibbutz in der Wüste Negev zurück – diesen Ort konnten wir besuchen, und das einfache Haus Ben Gurions von Innen sehen. Seine Vision war es, die Wüste zum Blühen zu bringen – was in vieler Hinsicht bis heute tatsächlich hervorragend gelungen ist. 

“…und ist es dort denn überhaupt sicher?”

Die Frage, die wir am häufigsten gestellt bekommen, wenn wir von unserer Auslandszeit erzählen, ist die Frage: “Ist das denn dort überhaupt sicher, wegen dem, was man so in den Nachrichten hört?”. Das ist eine sehr berechtigte Frage – und wir können dazu zweierlei sagen: einerseits haben wir beide eine sehr ruhige Zeit erlebt, denn im Zeitraum 2016–2017 gab es keine größeren Konflikte in Israel. Wie sich allerdings die politische Lage entwickelt, das hat keiner (außer Gott) in der Hand, und so sind wir sehr dankbar, dass es für unsere Israelzeit politisch und militärisch ruhig geblieben ist. Am besten informiert man sich vorher beim Auswärtigen Amt über die aktuelle Lage. Vor Ort kann man sich zusätzlich auch bei den Einheimischen erkundigen, welche Orte man besser meiden sollte. Zweitens können wir aber auch dazu sagen, dass wir uns in Israel für kaum einen Moment mal unsicher gefühlt haben. Man merkt einfach: Israel achtet sehr stark auf innere Sicherheit (z.B. Sicherheitskontrollen in Supermärkten, die in Deutschland am ehesten noch mit denen am Flughafen zu vergleichen sind).

Zu guter Letzt

Das war also unser Reisebericht in zwei Akten. Wir wollten hier mal querbeet notieren, was wir in unseren 7 ½ Monaten Work and Travel so erlebt haben:  faszinierende Orte, inspirierende Menschen, viele geniale Momente – wobei wir das allerwenigste davon vorher so geahnt hätten. Aber jeder, der mal in Israel war, und jeder der auch sonst irgendeine Reise ins Ungewisse gestartet hat, weiß, dass man so eine Erfahrung nicht einfach zu Papier bringen kann – man muss einfach selbst da gewesen sein. Und sind wir mal ehrlich: warum auch nicht? Unsere wärmste Empfehlung (obwohl wir nicht dafür gesponsert werden): Nutzt das Working-Holiday-Visum in Israel. Es lohnt sich garantiert! Aber auch sonst: Israel ist jederzeit eine kurze oder auch längere Reise wert!

 

JB

(Bilder privat)