„Das Leben des Messias im Alten und Neuen Testament“

 

Tagesseminar mit Dr. Fruchtenbaum

Am 27. Januar diesen Jahres, fand ein Seminartag mit Dr. Arnold Fruchtenbaum statt, welcher durch den Verein der „Sächsischen Israelfreunde“ ausgetragen wurde. Dr. Fruchtenbaum ist messianischer Jude mit polnischen Wurzeln, er studierte Theologie, Philosophie und Archäologie. Ebenfalls ist er der Gründer und Leiter des Missionswerks „Ariel Ministries“ in Texas.

Das offizielle Thema des Seminartages war „Das Leben des Messias im Alten und Neuen Testament“. Doch ging es thematisch ebenfalls mindestens gleich gewichtet um die Bedeutung Israels und die dazugehörigen Verheißungen in der Bibel.

Inhaltlich wurde mit dem Thema der endzeitlich-finalen Wiederherstellung Israels begonnen. Diese würde laut der frühen Kirche nicht eintreffen, denn es wurde damals weithin angenommen, dass man bereits in einem messianischen Reich lebe. Laut Dr. Fruchtenbaum gebe es in der Bibel jedoch vier bedingungslose Bündnisse mit dem jüdischen Volk, welche ein messianisches Königreich mit einer Wiederherstellung des Volkes Israels notwendig machen würde. Die fehlenden Details dieser Bedingungen könnten sich nur in einem messianischen Reich erfüllen.

Der erste ewige und bedingungslose Bundesschluss Gottes mit seinem Bundesvolk Israel sei in 4. Mose 23,19 zu finden, welches besage, dass Gottes Verheißungen stets zuverlässig erfüllt werden, weil Gott als Garant der Verheißungen treu bleibe. Gott halte immer seine Versprechen, und die, die er für Israel aussprach, die werde er ebenfalls erfüllen und einhalten. Die Verheißungen an die Gemeinde Christi seien demgegenüber kein Ersatz für die ursprünglichen Verheißungen an Israel.

Das zweite Bündnis sei die Verheißung zur Wiederherstellung Israels, welche u.a. in Jeremia 24,6 zu finden sei. Diese lasse eine endgültige Rückkehr des jüdischen Volkes aus dem Exil erwarten. Die Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft erfülle diese Aussage nicht, denn in dem alttestamentlichen Buch Amos 9,14-15 werde über eine unumkehrbare Wiederherstellung Israels gesprochen werden, die weit über das hinausgehe, was im 6 Jht. v. Chr. stattgefunden habe.

Der dritte ewige Bundesschluss für Israel beinhalte die Verheißung bezüglich des dem jüdischen Volk versprochene Land. Da dieses Land noch nicht im kompletten Besitz des Volkes sei, stehe die Erfüllung dieser Verheißung noch aus. Auch beinhalte sie, dass das Volk eines Tages im gesamten Land in Frieden leben würde.

Das vierte und letzte Bündnis thematisiere die drei Ämter des Messias als Prophet, Priester und König. Das erste Amt des Propheten sei bereits durch das erste Kommen Christi erfüllt worden. Das Amt des Priesters führe der Messias momentan seit der Himmelfahrt aus. Dies sei sein gegenwärtiger Dienst als Hohepriester vom himmlischen Thron her. Doch das Amt als König sei noch nicht durch den Messias ausgeführt worden, da nach Fruchtenbaums Ansicht Jesus bisher noch nicht als König der Welt und auch nicht als König von Israel offenbar geworden sei. Dies geschehe erst bei der noch zu erwartenden, zukünftigen Wiederherstellung des jüdischen Volkes.

Daraufhin erläuterte Dr. Fruchtenbaum näher die Facetten des jüdischen Bundes. Die nationale Wiederherstellung basiere auf den Zusagen des Neuen Bundes, welcher u.a. in Jeremia 31,31-34 beschrieben werde. Dort sei eine „nationale jüdische Vorschau“ zu finden, welche noch nicht eingetroffen sei. Auch in Jeremia 24,7 werde beschrieben, wie die gesamte Nation Israel mit ganzem Herzen zu Gott zurückkommen werde. Diese Verheißung würde in dem Buch Hesekiel in Kapitel 36, in den Versen 26 und 27 wiederholt werden. Dabei würde ebenso der Vers 27 näher die Verheißung des Heiligen Geistes beschreiben.

Zusätzlich sei Römer 11,25 für die Gläubigen aus den Heiden enorm wichtig, da in diesem Vers vor Ignoranz und Überheblichkeit dem Bundesvolk Israel gegenüber gewarnt würde. Die Verhärtung der Herzen der Israeliten sei zeitlich nur begrenzt bis genug Heiden zum Glauben gekommen sein würden. Dabei sei die Anzahl dieser Heiden jedoch nur Gott bekannt. Dr. Fruchtenbaum behauptete, dass Israel als Volk erst gerettet werde, wenn diese Anzahl erreicht sei. Somit gäbe es eine offensichtliche Zukunft für Israel.

Fortführend versuchte er anhand der ersten drei Verse des 30. Kapitels des 5. Buch Mose zu belegen, dass Juden zum Glauben an den Messias Jesus kommen würden egal, wo sie sich auf der Welt aufhalten werden. Der dritte Vers des Kapitels beschreibe eine Versammlung dieser Juden in Israel. Daran anknüpfend beschreibe das Prophetenbuch Jesaja 11,11-12 zwei unterschiedliche „Rückführungen“ der Juden nach Israel. Die erste Rückführung sei die der ungläubigen Juden für das Gericht und die zweite sei die Rückführung des „echten“ Volkes Israel, um in Frieden und Sicherheit zu leben. Fruchtenbaums Betrachtung von Zefanja 1,2 blieb insgesamt gesehen eher unklar. Demnach beschreibe dieser Vers eine künftige Wiederherstellung des jüdischen Volkes, wobei alle Juden zum Glauben kommen würden; dies müsse allerdings noch vor der Rückkehr des Messias geschehen. Was Fruchtenbaum damit genau meinte, blieb im Referat offen.

Der abrahamitische Bund Gottes spielte in Fruchtenbaums Vortrag während des Seminars eine zentrale Rolle. In 1. Mose 12 werde darauf hingewiesen, dass Abraham ein Land in der Zukunft für seine zahlreichen Nachkommen versprochen bekomme. Dies werde von Gott persönlich in Kapitel 13 Abraham übermittelt, und in Kapitel 17 erhalte Abraham das Eigentumsrecht dieses Landes. Jener Bund würde von Gott in Kapitel 15 besiegelt und „unterschrieben“ werden in Form eines Blutbundes. Endgültig werde dieser Bund durch Gott als dem alleinigen Garanten für seine Einhaltung in Kapitel 18 geschlossen. Dabei würden von Abraham keine Bedingungen gefordert werden, um den Bund gültig bleiben zu lassen,  und es sei allein in Gottes Verantwortung, dass die gegebene Verheißung der zahlreichen Nachkommenschaft und des Landbesitzes in Erfüllung gehe.

In Hesekiel 28,25-26 sei die Verheißung dieses abrahamitischen Bundes wiederholt worden, d.h. ein friedliches Leben in einem eigenen Land in vollkommener Sicherheit. Darüber hinaus hätten die jeweiligen Nachkommen Abrahams eine Bestätigung dieses Bundes und der dazugehörigen Verheißung erhalten; Isaak in 1. Mose Kapitel 26, Jakob in Kapitel 28 und die Söhne Jakobs in Kapitel 49.

Zu guter Letzt ging es in dem Seminar um eine weitere Facette göttlicher Verheißungen an Israel, um die Wiederherstellung des Thrones Davids. In 2. Samuel werde betont, dass der davidische Thron in Ewigkeit fest stehen soll. Auch im 15. Kapitel des Buches werde von einer nie weichenden Gnade für diesen Thron berichtet. An dieser Stelle könne man erneut den Charakter des bedingungslosen Bundes Gottes für Israel erkennen.

Die endgültige Erfüllung des bereits Versprochenen werde durch den messianischen Gottesmensch (Jesus) garantiert und erfüllt. In 1. Chronik 17,10-15 sei von einem Samen aus dem Hause Davids zu lesen, welcher auf den messianischen Sohn Gottes zu beziehen sei, wie er im Neuen Testament offenbar wurde. Damit werde von Gott eine ewige Dynastie, ein ewiger Thron, ein ewiges Königreich und somit eine ewige Nachkommenschaft garantiert.

Dieser Bund werde auch im Neuen Testament beispielsweise durch den Engel Gabriel erläutert, wenn er in Lukas 1,30-35 zu Maria spricht. In gleicher Weise erkläre der Engel die Rolle des messianischen Gottesmenschen, welcher der Sohn des Allerhöchsten genannt werde. Somit sei Jesus der aus dem Alten Testament verheißene Gottesmensch, welcher die ausstehenden Verheißungen des Bundes erfüllen werde.

Das Tagesseminar mit Dr. Fruchtenbaum war insofern äußerst informativ, da er durch die jüdisch-messianische Sichtweise auch die alttestamentlichen Verheißungen prägnant mit dem Leben und der Person Jesu verknüpfte. Zudem erinnerte er die Zuhörer daran, dass auch noch heute das jüdische Volk und die alttestamentlichen Verheißungen an Israel für die christliche Glaubenslehre eine wichtige Rolle einnehmen.