Zur fünften jüdisch-orthodoxen Ordination nach Kriegsende

 

Am 26. September kam es zum fünften Mal nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges  zur Ordination von orthodoxen Rabbinern in Deutschland. In der Westend-Synagoge in Frankfurt wurden drei orthodoxe Rabbiner, die zuvor am Rabbinerseminar in Berlin studiert hatten, ordiniert, um danach in der Synagoge von Osnabrück, Erfurt und Leipzig ihrer Berufung nachgehen zu dürfen. Sie werden an den jeweiligen Orten als Assistenzrabbiner, Gemeinderabbiner und Landesrabbiner eingesetzt. Jüdische Ordinationen finden in Deutschland im Wechsel statt. In einem Jahr werden sie von der orthodoxen Religionsgemeinschaft durchgeführt und beim nächsten Mal von der reform-jüdischen Religionsgemeinschaft.

Der Zentralrat der Juden vertritt die orthodoxen Juden Deutschlands, der sich aus 23 Landesverbänden zusammensetzt. Diese bestehen aus 103 jüdischen Gemeinden mit ihren knapp 100.000 Mitgliedern. Nach Berlin, München und Düsseldorf besteht in Frankfurt die viertgrößte jüdische Gemeinde mit 6.600 Mitgliedern. Die zweitgrößte Organisation jüdischer Gemeinden in Deutschland bildet die Union progressiver Juden mit seinen circa 3.000 Mitgliedern. Sie steht für die reformiert-jüdische Bewegung in Deutschland. Ein Zwischenpool beider jüdischer Konfessionen ist das konservative Judentum, das in der Mitte zwischen dem orthodoxen und dem reform-jüdischen (liberalen) Judentum eingeordnet werden kann.

Bis 1989 befanden sich nicht einmal 30.000 Juden im Westen Deutschlands. Wäre es nicht dazu gekommen, dass 45.000 Juden aus der ehemaligen GUS  mit ihren 40.000 interkonfessionellen Familienangehörigen bis zum Ende des letzten Jahrhunderts nach Deutschland gekommen wären, hätte es die Mitgliederzahl der in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Juden bis zur Jahrtausendwende vermutlich nicht einmal auf 18.000 Mitglieder geschafft. Die jüdisch-stämmige Bevölkerung in Deutschland wird heute auf 250.000 geschätzt.

Unter den 300 Anwesenden der diesjährigen Festgemeinschaft sind der hessische Ministerpräsident, Volker Bouffier (CDU), und der Präsident des Zentralrats der Juden, Dr. Josef Schuster, zu nennen. Weiter waren Mitglieder der Frankfurter Gemeinde, prominente Rabbiner aus dem In- und Ausland sowie um die 300 Gäste bei der Feierlichkeit anwesend. Der Ministerpräsident beschrieb in freudiger Stimmung, dass es ein „unverdientes Geschenk der Geschichte“ sei, dass es in Deutschland nun wieder zur Ausbildung von Rabbinern kommen würde. Dr. Josef Schuster nahm auf die gegenwärtige Entwicklung in Deutschland Bezug und beschrieb diese mit einem kalten und heftigen Wind, der momentan durch Deutschland wehe. Damit nahm er auf die gegenwärtige Entwicklung der AfD Bezug, die lediglich die Gesellschaft aufwühle, jedoch nicht unterschiedliche Gruppen der Gesellschaft verbinde. Auch erwähnte er die gestiegene Zahl der Islamisten und Salafisten, die zur Unsicherheit und zu Ängsten auch in den jüdischen Gemeinden führten. Er bekundete seinen Respekt, dass nun zum fünften Mal orthodoxe junge Männer ordiniert würden und sie sich für den Weg als Rabbi entschieden hätten. Rabbiner Benjamin Kochen hob in seinem Schlusswort die Bedeutung eines Rabbiners hervor, wodurch einem eine gewisse Weisheit zukomme. Es mache ihn klüger und kreativer, nicht aufgrund seines Berufes, sondern aufgrund seiner Berufung.

(mr)

Quellen:

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/26620http://www.liberale-juden.de/

http://religion.orf.at/stories/2799171/

http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/gastkommentar-zur-beschneidungsdebatte-danke-deutschland/7160872.html

http://www.zentralratdjuden.de/de/article/4610.der-dritte-weg.html

http://www.zentralratdjuden.de/de/topic/5.mitglieder.html

http://zwst.org/cms/documents/384/de_DE/Mitgliederstatistik-1990-2000-Ausz%C3%BCge.pdf