Günter Grass (†) und Israel

 

„Mit Günter Grass hat Deutschland (…) einen seiner ganz Großen verloren. Grass war die Vaterfigur für das Denken und Schreiben der erwachsen werdenden Bundesrepublik.“, das schrieb unser Bundesminister für das Auswärtige Frank-Walter Steinmeier auf seiner Facebook-Seite. Günter Grass, einer der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart und Literaturnobelpreisträger, ist am Montag in Lübeck überraschend verstorben. Er war ein geschätzter Autor, der u.a. die deutsche NS-Zeit schriftstellerisch verarbeitete, z.B. in Romanen, wie „Die Blechtrommel“ oder „Katz und Maus“. Darüber hinaus hat er als politischer Intellektueller die Gesellschaft mitgeprägt.

Gewiss war Grass einer der „ganz Großen“ für Deutschland, wie Steinmeier formulierte, doch im Jahre 2006 überraschte der Nobelpreisträger zum ersten Mal mit seiner Beichte über ein bisher nicht bekanntes biographisches Detail, dass er mit 17 Jahren der Waffen-SS angehörte. Dadurch geriet er in die öffentliche Diskussion. Er ist es ja immer gewesen, der oft schonungslos die deutsche NS-Vergangenheit verurteilte und kritisch aufzuarbeiten bemüht war. Zu seiner SS-Vergangenheit äußerte er sich demgegenüber lange Zeit leider nicht.

Im Jahre 2012 veröffentlichte er ein Gedicht mit dem Titel „Was gesagt werden muss“. Einige warfen ihm öffentlich vor, darin antisemitische Thesen vertreten zu haben, da er seine Leserschaft vor der Atommacht Israel warnte, welche einen atomaren Angriff auf den Iran plane. Hierbei kritisierte er auch die Lieferung von deutschen Unterseebooten an den Staat Israel. Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, zitierte in diesem Zusammenhang im Handelsblatt Paul Klee: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“, und er kommentiert anschließend: „Und was hier sichtbar wird über Günter Grass, ist so hässlich und wäre doch besser unsichtbar geblieben.“ Außerdem vertrat er die Meinung, dass Grass mit seinem Israel-Gedicht eine üble Gesinnung transportiere und Begriffe aus dem Nazijargon benutzt habe. „Damit demontiert und demaskiert sich der Nobelpreisträger selbst.“ Als Folge dieser Israelkritik wurde gegen Grass ein Einreiseverbot in das jüdische Land verhängt.

Nach vielen Beileidsbekundungen verschiedener Politiker und Prominenten hat sich auch der Verband hebräischsprachiger Schriftsteller in Israel öffentlich geäußert: Trotz seiner literarischen Leistungen bleibe er auch nach seinem Tod ein umstrittener Autor. „Bis zu seinem Tod hat Günter Grass keine Reue über seine harten anti-israelischen Äußerungen gezeigt.“, so Herzl Chakak, der Vorsitzende des Verbands. Näheres zur Kritik an Günter Grass aus jüdischer Perspektive finden Sie in einem Beitrag des Israelnetz:

http://www.israelnetz.com/kultur/detailansicht/aktuell/guenter-grass-liess-nicht-von-kreuzzug-gegen-israel-ab-91678/

(ts)

Quellen: http://www.tagesspiegel.de/kultur/guenter-grass-ist-tot-mit-einem-sack-nuesse-will-ich-begraben-sein/11627352.html http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/antwort-auf-guenter-grass-judenfeindliche-klischees-ohne-ende/6482608.html