Monatliches Gebet für das „Ende der Besatzung“

 
Graffiti für ein "freies Palästina" in Hebron

Graffiti für ein „freies Palästina“ in Hebron

In seinem Editorial zum aktuellen Israelreport 3/2013 lenkt Johannes Gerloff die Aufmerksamkeit auf einen Artikel von Malcolm Lowe. Der Jerusalemer Theologe Lowe weist in diesem auf eine Gebetsinitiative hin, die Kirchen weltweit dazu aufruft,am jeweils 24. eines Monats für „das Ende der israelischen Besatzung Palästinas“ zu beten.

Aufgefallen war diese Gebetsinitiative, als am Palmsonntag, den 24. März 2013, eine Jerusalemer Gemeinde dieses Gebetsanliegen in ihren Gottesdienst aufnahm, was angesichts des gefeierten Einzug Jesu in Jerusalem an diesem Tag auf einige Gemeindeglieder befremdlich wirkte. Noch deutlicher wird dies wenn man bedenkt, dass auch Weihnachten jedes Jahr am 24. Dezember gefeiert wird. „Das Ende der israelischen Besatzung in Palästina“ stellt nicht gerade den Kern der christlichen Botschaft dar, die an einem solchen Tag verkündet werden soll. Lowe kritisiert, dass die politische Einstellung eines Christen nicht zum Grund der Teilnahme am oder Abwesenheit vom Gottesdienst an einem solchen Feiertag werden sollte.

In seinem Artikel geht Malcolm Lowe der Frage nach, mit welchem Interesse der Gebetsaufruf verbunden ist. Dafür untersucht er, auf wen die Initiative zurückgeht und welche Gemeinden sich daran beteiligen. Bei seinen Recherchen stieß er zunächst auf den lutherischen Weltbund (LWB), welcher seine Gliedkirchen zur Beteiligung aufrief. Urheber scheint seiner Angabe nach das Jerusalemer Büro des LWB zu sein.

Von dort verweist ein Link auf die Internetseite des ACT Palestine Forum, welches Mitglied der ACT Alliance ist. Diese Allianz ist ein Zusammenschluss von etwa 130 Kirchen und kirchennahen Organisationen, ein weltweites ökumenisches Bündnis zur Entwicklungszusammenarbeit, das sich für nachhaltige Veränderungen im Leben von Armen und randständigen Personen einsetzt. Ziel des palästinensischen Forums (ACT Palestine Forum) ist es, die illegale Besatzung Palästinas durch Israel in Übereinstimmung mit UN-Resolutionen zu beenden. Dabei beruft es sich auf eine Formulierung des Ökumenischen Forums für Palästina und Israel (Palestine Israel Ecumenical Forum (PIEF)) des ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK/WCC).

Die Siedlung Alfei Menashe in Samaria

Die Siedlung Alfei Menashe in Samaria

Auf seiner Webseite gibt das palästinensische Forum (ACT Palestine Forum) zudem an, dass seine Aktivitäten auf internationale christliche Gemeinschaften abzielen, um diese auf die generellen Verstöße des israelischen Staates gegen die Menschenrechte der Palästinenser sowie sein fortlaufendes Brechen von Menschenrechtsresolutionen, internationalem Recht und internationalem Völkerrecht hinzuweisen, indem es das Leid von Christen im Land betont und versucht, die christlicher Präsenz in Palästina zu bewahren. Gerade dieser Aspekt verdeutlicht allerdings die Ausrichtung dieser Organisation: Auf die bedrängte Situation von Christen im Land, die durch die politische Macht der muslimischen Mehrheit in den palästinensischen Autonomiegebieten verursacht wird, findet sich kein einziger Hinweis und auch kein diesbezüglicher Aufruf zum Gebet.

Lowe bemängelt weiter an dem Gebetsaufruf des LWB, dass daraus nicht ersichtlich wird, welches Verständnis von „Besatzung“ zu Grunde liegt. Er weist darauf hin, dass Palästinener häufig jede Präsenz des israelischen Staates als Besatzung ansehen und somit von der Besatzung von 1948 (Staatsgründung) und jener von 1967 sprechen. Obwohl der Hinweis seiner Grundsatzerklärung nahe legt, dass der LWB sich auf die Grenzen von 1967 bezieht, findet sich an keiner Stelle eine Bestätigung des Existenzrechts Israels oder ein Hinweis auf das durch Gewalt verursachte Leid auf israelischer Seite.

Malcolm Lowe schließt seinen Artikel deshalb mit der Empfehlung, dass der Lutherische Weltbund gut beraten wäre, eindeutige Anweisungen für akzeptable Gebetsformen zu geben und das Existenzrecht Israels sowie das Wohlbefinden seiner Bürger stets ausdrücklich erwähnen sollte. Zudem legt er dem LWB nahe, das Datum für diese Gebetswache abzuändern, falls der 24. eines Monats mit einem christlichen Fest oder Sonntag zusammenfällt.

(wr)

Quellen: http://www.israelnetz.com/uploads/tx_booklet/2013_03_Israelreport.pdf http://www.audiatur-online.ch/2013/05/24/betet-der-lutherische-weltbund-fuer-israels-verschwinden/ http://www.gatestoneinstitute.org/3661/lutherans-israel http://actpalestineforum.org/vigil/ http://actpalestineforum.org/about/ http://www.actalliance.org/about   Fotos: © privat