Archäologische Sensation: Gebäude aus Hasmonäerzeit entdeckt

 

In Jerusalem haben Archäologen erstmals ein Gebäude aus der Zeit der Hasmonäerkönige freigelegt – ein absolutes Novum. Bisher wurden aus dieser von 165 bis 37 v. Chr. andauernden Regierungszeit nur kleinere Fundstücke und Befestigungsanlagen ausgegraben.

Die Mauern des Hauses wurden in der Davidsstadt freigelegt, bei der es sich um den ältesten besiedelten Teil der heiligen Stadt handelt, der südlich von den heutigen Altstadtmauern liegt. Die Israelische Altertumsbehörde (IAA) berichtet von einem 64 Quadratmeter großem Haus mit vier Meter hohen Mauern von einem Meter Breite. Diese Konstruktion der Wände aus grob behauenem Kalkstein sei charakteristisch für die damalige Zeit. Ausschlaggebend für die Datierung der Ausgrabung waren neben den Tongefäßen vor allem die entdeckten Münzen aus dem frühen zweiten Jahrhundert vor Christus.

Nach dem Tod Alexanders des Großen 323 v. Chr. teilten seine Feldherren, die sogenannten Diadochen, sein Reich unter sich auf. Einer davon war Seleukos, dessen Seleukidenreich den ganzen Vorderen Orient von Kleinasien über Israel bis nach Persien umschloss. Im 2. Jahrhundert vor Christus setzten sich in Israel jüdische Freiheitskämpfer um Judas Makkabäus gegen diese Herrschaft zur Wehr – die Makkabäer. Nach ihrem erfolgreichen Aufstand und der erlangten Unabhängigkeit begründeten sie die Königsdynastie der Hasmonäer. Diese Regenten waren Könige und Hohepriester zugleich. Mit dem Aufmarsch des Römischen Reiches und seinen Eroberungen blieben die Hasmonäer noch eine Jahrzehnte römische Vasallen, bis sie 37 v. Chr. endgültig ihre Macht verloren und Herodes der Große König über ihr Land wurde.

Von der Hasmonäerdynastie berichten vor allem die vier Makkabäerbücher (das 1. und 2. Makkabäerbuch sind Teil der Apokryphen im evangelischen Kanon, der katholische Kanon zählt auch das 3. und 4. Makkabäerbuch dazu) sowie der bekannte jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus in seinen Werken Geschichte des jüdischen Krieges und Jüdische Altertümer.

Die Glaubwürdigkeit und das Gewicht dieser auch für die neutestamentliche Geschichte wichtigen Werke wurde durch den neuesten Fund in der Ausgrabungsstätte „Walls Around Jerusalem National Park“ neu untermauert. Doron Ben Ami und Jana Tschechanowez, die Ausgrabungsleiter vor Ort, ließen zur Bedeutung des ausgegrabenen Gebäudes verlauten: „Trotz der umfangreichen Ausgrabungen in Jerusalem wurden zuvor noch nie Häuser aus der Hasmonäer-Periode entdeckt, sondern nur Befestigungsanlagen, Keramik und andere kleine Fundstücke. Dieser Fund füllt eine Lücke in der Architekturgeschichte Jerusalems. Die Beschreibung der Hasmonäer in den Werken des zeitgenössischen Historikers Flavius Josephus hat damit plötzlich einen berührbaren Ausdruck gefunden.“

(jp)

 
Quellen:
http://www.focus.de/wissen/mensch/archaeologie/ausgrabung-in-israel-gebaeude-aus-hasmonaeer-zeit-in-jerusalem-entdeckt_id_3451047.html
http://www.antiquities.org.il/article_Item_eng.asp?sec_id=25&subj_id=240&id=2033&module_id=#as
http://www.jpost.com/National-News/Unprecedented-finding-from-Hasmonean-period-unearthed-in-City-of-David-333898
http://www.israelmagazin.de/2200-jahre-altes-hasmonaeisches-haus-in-davidstadt-gefunden