Empfehlung: Ausstellungen über das Judentum in Berlin

 

Nicht weniger als „die ganze Wahrheit“ über das Judentum will eine Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin seinen Gästen vermitteln, wenn auch sicherlich mit einem Augenzwinkern: In der vom 22. März bis 1. September 2013 geöffneten Ausstellung „Die ganze Wahrheit … was Sie schon immer über Juden wissen wollten“ führen 30 Fragen den Besucher durch die Räume des Museums. Diese reichen von alltäglichen zu außergewöhnlichen, von lustigen über schwierige bis hin zu eigentlich nicht beantwortbaren Fragen, darunter zum Beispiel:

  • Lässt sich die Vergangenheit bewältigen?
  • Sind Juden besonders?
  • Wie hält die Kippa auf dem Kopf?
  • Woran erkennt man einen Juden?
  • Wie kommt ein Jude in den Himmel?
  • Sind Juden auserwählt?
 

Trailer zu der Sonderausstellung

Jede der gestellten Fragen wird mit einer künstlerischen „Installation“ aus Objekten und Texten „beantwortet“. So geben 180 Objekte aus Religion, Kunst und Alltagswelt Einblick in das jüdische Denken, die unter Juden herrschende Identitätsdebatte, ihr Verhältnis zur nichtjüdischen Umwelt und die Vielfalt des Judentums.

Zur Frage „Gibt es noch Juden in Deutschland?“ nimmt beispielsweise zu bestimmten Zeiten ein Jude in einer Vitrine Platz und beantwortet bei Bedarf Fragen über das Judentum. Eine der absurdesten Fragen, die dabei gestellt wurden, war die, ob Juden auch so etwas wie eine Bibel hätten. Die Erlebnisberichte zweier „Vitrinen-Juden“ auf dem Blog des Museums unter http://www.jmberlin.de/blog/2013/04/von-wagner-bis-zum-wetter/#more-1136 und http://www.jmberlin.de/blog/2013/04/in-der-vitrine/#more-1080 sind hierzu sehr zu empfehlen.

Zudem haben alle Besucher selbst die Möglichkeit, auf Post-its Fragen oder Kommentare zu hinterlassen. Bei solch interaktiven Angeboten erlebten die „Ausstellungsjuden“, dass nach anfänglichem Zögern die Fragen gar nicht mehr enden wollten und dass teilweise große Unsicherheit herrscht, was diese mit dem Christentum so eng verbundene Religion betrifft.

Zusätzlich zur Ausstellung wird dem Besucher ein interessantes Begleitprogramm angeboten: So findet beispielsweise ein runder Tisch mit Juden unterschiedlicher Couleur (orthodox, konservativ und liberal) statt und wird ein Montagskino mit zahlreichen unterhaltsamen wie innovativen Filmen angenboten. (Hier finden Sie mehr Informationen)

Wer die Berliner Ausstellung nicht besuchen kann, findet auch auf dem Blog des Jüdischen Museums einige Antworten, so finden Sie zum Beispiel hier eine Erklärung zum mysteriösen Haften der Kippa auf den Köpfen jüdischer Männer:

 

Wer eher historisch interessiert ist, kommt in einer weiteren Ausstellung auf seine Kosten, diesmal im Berliner Alliiertenmuseum. Dort leistet die Schau „Sieger, Befreier, Besatzer“ bis zum 1. Dezember 2013 einen Beitrag zum offiziellen Themenjahr „Zerstörte Vielfalt. Berlin 1933 – 1938 – 1945“. Sie stellt das Leben einer besonderen Personengruppe dar, nämlich von – hauptsächlich – in die USA emigrierten deutschen Juden, die nach den Grauen des zweiten Weltkriegs meist in Uniform als Soldaten in ihre alte Heimat zurückkehrten.

Einige von ihnen gelangen zu großer Popularität, darunter Henry Kissinger und Ernst Cramer, deren gleich begonnene Schicksäle unterschiedlicher nicht hätten enden können: Beide kehrten dem Land, in dem sie als junge Männer massive Einschränkungen, Gewalt und Verfolgung erlebten, Cramer u.a. im Konzentrationslager Buchenwald, gerade noch rechtzeitig den Rücken, der aus Fürth stammende Kissinger 1938 und der gebürtiger Augsburger Cramer ein Jahr darauf.

Beide kamen sie in der Uniform ihrer neuen Heimat zurück in die alte und stellten schnell fest, dass keiner ihrer Verwandten überlebt hatte. Doch während Kissinger zurückging und US-Außenminister wurde, blieb der zweite, was er im Nachhinein als „die schwierigste, bitterste Entscheidung“ seines Lebens bezeichnete. Er wollte mithelfen, ein besseres, ja, demokratischeres Deutschland zu schaffen und trug als eine der prägendsten Figuren des Axel-Springer-Verlages viel zum Aufbau einer pluralistischen Presse in dem vom Nationasozialismus gekennzeichneten Land bei.

So zeichnet die Berliner Ausstellung den Lebensweg von 14 Juden, darunter auch der jüdische Schriftsteller Stefan Heym, der seinen Eintritt in die US-Armee als einschneidendes Erlebnis beschreibt: „Ich habe geweint, als ich mein Gewehr bekam. (…) Ich war nicht mehr wehrlos. Zum ersten Mal konnte ich mich verteidigen“

Sie alle flohen als Verfolgte und kehrten als Befreier zurück. Und sie trugen mit dazu bei, dass sich nach der grauenhaften Euthanisie der Juden wieder jüdisches Leben in der BRD etablieren konnte.

  Quellen: http://www.zeit.de/video/2013-04/2311120608001/ausstellung-ausstellung-die-ganze-wahrheit-ueber-das-judentum-in-berlin#autoplay http://www.jmberlin.de/main/DE/01-Ausstellungen/02-Sonderaustellungen/2013/ganze-wahrheit.php http://www.israelmagazin.de/die-ganze-wahrheit-was-sie-schon-immer-uber-juden-wissen-wollten http://www.alliiertenmuseum.de/ausstellungen/sonderausstellung.html http://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article114446674/Deutsche-Juden-verfolgt-vertrieben-heimgekehrt.html