Sammlung mitteralterlich-jüdischer Dokumente der Kairoer Geniza jetzt online

 

Im Judentum herrscht seit jeher die eiserne Regel, dass Texte, die den Gottesnamen enthalten, nicht weggeworfen werden dürfen, weil sie als heilig gelten. Aus diesem Grund finden sich in Gebäuden überall auf der Welt versteckte und vermauerte Hohlräume, Kontainer und ähnliches, in denen alte jüdische Schriften aufbewahrt wurden – Geniza nennt sich eine solche „Schatzkammer“.

Die wohl bekannteste Geniza ist die der Ben-Esra-Synagoge in Kairo, die Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt wurde. In ihr befanden sich rund 250.000 handgeschriebene Dokumente in Hebräisch und Judäo-Arabisch, die nach ihrem Fund in alle Himmelsrichtungen verstreut wurden und sich heute teils in Bibliotheken, teils in Privatbesitz befinden.

Um die Erforschung des mittelalterlichen Judentums voranzubringen, hatte die Bibliothek der Universität Oxford Anfang des 20. Jahrhunderts systematisch Dokumente der Geniza-Sammlung ermittelt und aufgekauft. Die etwa 25.000 Fundstücke wurden nun in hoher Auflösung digitalisiert, um sie der Forschung sowie der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auf der Homepage der Bodleiana können diese nun entweder über den Autorennamen oder die Katalognummer eingesehen werden: http://genizah.bodleian.ox.ac.uk/

Unter den erhaltenden Funden finden sich beispielsweise Schriften des jüdischen Philosophen Maimonides aus dem 12. Jahrhundert, aber auch viele Taldmudfragmente. Letztere sind von besonderer Bedeutung, da u.a. im Anschluss an Luthers Aufruf in „Von den Juden und ihren Lügen“ im mittelalterlichen Europa bis viel später im Nationalsozialismus viele jüdischen Schriften, allen voran der Talmud, verbrannt wurden. Daneben enthält die Sammlung auch Abschriften der Thora, Gebete, liturgische Schriften sowie allerhand Briefe, Geschäftsabkommen und Eheverträge, die einen wertvollen Einblick in das Judentum des frühen Mittelalters bieten.

(jp)

Quelle: http://www.israelnetz.com/themen/wissenschaft/artikel-wissenschaft/datum/2012/02/28/oxford-25000-dokumente-der-kairoer-geniza-jetzt-online/