Die geographische Verteilung der Juden in der Welt

 

Wie viele Juden gibt es eigentlich auf der Welt?

Wo leben sie?

Wohin geht die Tendenz?

Mit diesen sozio-demographischen Fragen zum jüdischen Volk beschäftigt sich die jüdische-messianische Zeitung Kol Hessed in ihrer aktuellen Ausgabe. Während bei den meisten anderen Völkern dieser Welt demographische Veränderungen vielerlei Gründe haben, liegen dem besonderen Schicksal des „ewigen“ oder „wandernden Juden“ vor allem menschliche, teils sehr grausame, Ursachen zugrunde. Wie ist die Lage am Anfang des 21. Jahrhunderts?

Zunächst beschreibt Wes Taber in seinem Artikel die Herausforderungen einer statistischen Erhebung des jüdischen Volkes: Mischehen, Zweitwohnsitze und Immobilienbesitze von Juden, mangelnde Ortsgebundenheit sowie die teilweise auftretende Ablehnung des Rassebegriffes machen Volkszählungen zu einem komplizierten und mühsamen Prozess. Einige ultraorthodoxe Juden behindern zudem jede Datenerhebung, da sie Volkszählungen in Anlehnung an 2. Samuel 24 als Sünde einstufen. Dazu kommen Ungenauigkeiten aufgrund von Schätzungen, unüberprüfbaren Aussagen und nicht zuletzt von Uneinigkeit in Bezug auf die Definition von „Jude“.

Bezüglich der Frage nach der jüdischen Identität stützt sich Kol Hessed nun auf die eng gefasste Definition der Jewish Data Bank: Danach gilt – für die Diaspora – die subjektive Einschätzung, welche durchhaus dem jüdischen Recht (Halacha) entspricht, dass jeder Jude ist, der sich selbst Jude nennt oder von einem Befragten desselben Haushalts als solcher bezeichnet wird und keiner anderen monotheistischen Religion angehört. Dazu gehören beispielsweise Personen mit jüdischen Eltern, auch wenn diese nicht wie Juden denken oder leben, aber auch zum Judentum konvertierte Menschen oder solche, die sich ohne offizielle Konversion als Juden betrachten. In Israel hingegen gilt als gesetzliche Definition: Jude wird man durch jüdische Abstammung durch die Mutter oder Konversion zum Judentum. Bei einer weiter gefassten Definition der jüdischen Identität kommen alle anderen Personen jüdischer Abstammung hinzu, die nach der eng gefassten Definition Nicht-Juden sind sowie alle dazugehörigen Familienmitglieder, selbst Ehepartner. Hierzu werden dann meist auch die messianischen Juden gezählt. Zwei weitere Kategorien der Jewish Data Bank führen zu noch größeren Zahlen: Einmal eine dem israelischen Rückkehrgesetz folgende Definition, nach der jeder Anspruch aus Alija hat, der jüdischer Abstammung ist und nicht aus dem Judaismus zu einer anderen Konfession konvertiert ist – das Recht wird dann auf seine Familie bis hin zu drei Generationen und nichtjüdischen Ehepartnern ausgeweitet, wodurch der Kreis um einiges größer wird. Zuletzt werden stellenweise in der Frage, wer Jude ist, selbst die „verlorenen Gemeinschaften“ wie Beta Israel (äthiopische Juden) oder die Kaifeng-Juden (China) berücksichtigt, die nur entfernt jüdischer Abstammung, aber traditionell ihren jüdischen Wurzeln verbunden sind.

Jüdische Identität

Folgt man nur der erstgenannten engen Definition, gibt es zur Zeit (2010) 13,4 Mio Juden auf dieser Erde. Die Zahlen schwanken je nach Quellen und Zählweise von 13,2 Mio bis zu 14,8 Mio Juden. Dabei fallen Wes Tabor in seinem Artikel die folgenden Tatsachen auf:

1. Das jüdische Volk nimmt im Verhältnis zur Weltbevölkerung ab: So steigt die Zahl der in Israel lebenden Juden, sinkt aber die der Diaspora-Juden – Gründe sind Auswanderung u.a. aufgrund von Antisemitismus, Mischehen, sowie die niedrigere Geburtenrate außerhalb Israels. Insgesamt steigt dadurch zwar die Zahl der Juden, jedoch um einiges weniger als die der rasant wachsenden Weltbevölkerung. Somit stellen Juden zur Zeit 0,19 % der Weltbevölkerung dar. In Deutschland leben übrigens nur knapp über 100.000 Juden, in Frankreich trotz der niedrigeren Einwohnerzahl mehr als 500.000. Die geographische Verteilung der deutschen Juden wird hier anschaulich dargestellt.

2. Die Juden sind ungleichmäßig verteilt: ¾ der Juden dieser Welt leben in Israel und den USA (sowie in den palästinensichen Autonomiegebieten).

3. Die Juden sind in wenigen Großstädten unverhältnismäßig stark angesiedelt: Mehr als die Hälfte aller Juden lebt in Tel Aviv, Haifa, Jerusalem, New York und Los Angelees. Danach folgen mit den genannten Städten die Gebiete um Chicago, Philadelphia, San Francisco, Südflorida, Paris und Beer Sheva mit ⅔ aller Juden welweit.

Einige „unlogische Veränderungen“ fallen dem Autoren zudem auf, so der Zuwachs der französischen Juden trotz des neu auftretenden Antisemitismus in Europa. Offen ist zudem die Frage, was mit den in Westbank und Gaza lebenden Juden bei Anerkennung eines palästinensischen Staates geschehen wird.

Schlussfolgernd können diese demographischen Entwicklungen sowohl für messianische Juden, die sich – Definition hin oder her – meist sehr mit ihrem Volk verbunden fühlen, sowie für Christen, die ein besonderes Interesse und Anliegen für Juden haben, konkrete Auswirkungen haben: Zum einen werden in der Mission sowie sicher auch der (christlich-)deutschen Versöhnungsarbeit unter Juden die genannten Großstädte in den Fokus geraten. Zum anderen sollte bedacht werden, dass Israel mit seiner wachsenden jüdischen Population immer mehr an Bedeutung erlangen wird. In jedem Fall hilft der demographische Überblick über die Verteilung der Juden, sich die lebendige Präsenz des jüdischen Volkes in der Welt und unter uns wieder neu ins Bewusstsein zu führen und sich aufzumachen, um Juden zu begegnen und ihnen den Glauben an Jeschua als Messias zu bezeugen.

(jp)

Quelle: Kol Hessed Nr. 4 (24) / 2011